Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 218 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 21 j*. 9 » 1 i I » ' I I i 1 I Gewissensfrage und dudenfrage Das Ministerium Stolvpin hat bekanntlich auf Betreiben des Verbandes der ״echt-russischen“ Leute es seinerzeit abgelehnt, die unerträgliche Lage der russischen Juden durch provisorische Bestimmungen auf Grund § 87 der Grundgesetze wählend der dumaloscn Periode zu erleichtern. Nach einer anderen Version fand ein dahingehender Beschluss des Ministerrates an entscheidender Stelle keine Zustimmung. Jedenfalls hiess es damals offiziell, dass die Judenfrage eine Frage des Volksgewissens sei und nur die Volksvertretung, die dieses Gewissen verkörpert, berufen und befugt sei. diese dornige Frage zu lösen. * Der Ministerrat hat dann ganz selbständig eine Reihe umwälzender Reformen auf wirtschaftlichem und rechtlichem Gebiete vollzogen und nur die Judenfrage irn vollen Umfange der zweiten Reichsduma zugeschoben. Die Geschäftslage im Parlament lässt leider auf baldige Erledigung dieser für Millionen russischer Bürger jüdischen Glaubens brennenden Angelegenheit nicht hoffen. Dagegen kann man schon jetzt mit voller Bestimmtheit Voraussagen, dass die Entscheidung der Volksvertretung eine der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, sowie den wahren Interessen des gesamten russischen Volkes und Staates entsprechende sein würde. Eine Bürgschaft dafür liefert, wie die Zusammen- Setzung der Duma, so auch der bereits gefasste Beschluss der parlamentarischen Kommission zur Regelung der Gewissensfreiheit. die u. a. die Jiidenfrage zu prüfen hatte. Die Kotnmission hat nämlich in ihrer letzten Sitzung einstimmig be schlossen, dem Plenum zu empfehlen, sämtliche gegen die Juden gerichtete einschränkende Bestimmungen und Rechtsbeeinträchtigungen. die auf konfessionellen Erwägungen beruhen, zu besesitigen. Die Regierungsvertreter haben trotz ihrer früheren Erklärungen nicht verfehlt, in der Kommission zu versuchen, das Volksgcvvisscn doch irgendwie zu becin flussen. Die Regierung war nämlich der Ansicht, dass die Aufhebung der Beschränkungen sich nicht auf Juden erstrecken könne, da die gegen letztere bestehenden Bestimmungen nicht auf konfessionellen, sondern nationalen Grundlagen beruhen. Dagegen brachten die Kommissionsmitglicder eine Reihe Beweise, dass die Iudenfeindliclten Bestimmungen durch konfessionclic Erwägungen begründet sind, und da die Regierung, sowie die Kommission, die Freiheit des Gewissens ein: Ohren wollen, so müssen solche Beschränkungen beseitigt werden. Der Regierungsvertreter musste schliesslich den konfessioneiien Ursprung der alten Gesetze zugeben, aber er!'orderte doch ihre Beibehaltung aus ״politischen Erwägungen*'. Die Kommission war aber damit nicht einverstanden: sie sollen nun völlig und für immer beseitigt werden. Was werden dazu die ״Sphären" sagen? ר־־ד Sprechsaal Ez Ftr ih Mlttellangeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetrlkhe Verantwortlichkeit. Verschiedene jüdische Organisationen haben einen grossen Teil ihrer Einnahmen Ihren immerwährenden Mitgliedern zu verdanken. Warum sollte es nicht möglich sein. Immmcrwährendes Mitglied der zionistischen Organisation zu werden? Wenn die Alliance Israölitc Universelle, die ihren Mitglicdern doch nur eine philanthropische Betätigung gewährt, so viel immerwährende Mitglieder besitzt und immer neue gewinnk könnte doch die zionistische Bewegung, deren Anhänge» den Zionismus als ihr höchstes Lebcnsidcal betrachten, allmählich gleichfalls eine stattliche Anzahl immerwährender Mitglieder erlangen, die auf diese Weise gern ihren Namen verewigen und gleichzeitig auch zur materiellen Stärkung der Bewegung beitragen würden. Um den Erwerb der int merwährenden Mitglied- Schaft möglichst vielen zu erleichtern, könnte man hierfür einen Minimalbeitrag schon von nur tausend Mark, eventuell zahlbar in zehn Jahresraten, einführen. Sämtliche Beiträge der immerwährenden Mitglieder hilden den eisernen Fonds der.zionistischen Organisation, den das Engere oder das Grosse Aktionskomitee verwalten und dessen Zinsen ausschliesslich zur Unterhaltung oder Unterstützung zionistiscUer Institutionen in Palästina verwendet werden dürfen. Das Kapital selbst ist unantastbar. Die lebenden immerwährenden Mitglieder erhalten jährlich Berichte über die Art und Weise der Verwendung der Zinsen. Ferner werden die Namen der immerwährenden Mitglieder gelegentlich eines jeden Kongresses im offiziellen Organ der Bewegung veröffentlicht. Hoffentlich fällt diese Anregung auf fruchtbaren Boden! Berlin, den 4. Mai 1907. A. A w a d i 0 w i t z. Golusblüten In Berlin massregclt man einen Rabbiner, weil er es gewagt, der Anmassung eines Gymnasialdircktors entgegenzutreten, der die Apostasie fiir keine verächtliche Handlung ansieht und dem Juden und Rabbiner zumutet. die Auflösung des Judentums für erstrebenswert zu erachten. Einen Scheiterhäufen hatte man für den hartnäckigen Juden leider nicht zur Verfügung. Ein leuchtendes Beispiel der ..Toleranz ‘ bietet dagegen Stettin! Dort lässt man eiien getauften Juden seit langen Jahren Mitglied der Chewra Kadischah Gemiluth Chassadirn (Israelitischer Wohitätigkeits- und Bcerdigungsverein) bleiben. Sein Geld ist ja kein Blei! ״Non ölet.“ Unsere Vorfahren waren so rückständig, einen abtrünnigen Juden auf's tiefste zu verachten. Wir sind ״liberaler‘‘ und ״toleranter.‘' Sei nicht wie deine Väter! Allerlei Die JÜDISCHE RUNDSCHAU vom 26. April d. J. bringt unter dem Titel ״Das antisemitische Sprichwort“ die Gleichung Jude-Wucherer aus einem französischen Lexikon von 1751. Gestatten Sic mir. Ihnen folgende Auslese aus dem neuesten Wörterbuch der deutschen Sprache zur Verfügung zu stellen: F. A. Webers Wörterbuch der deutschen Sprache 1896 und 1907. durchgesehen von Max Molke. Jude, der Bekenner des israelitischen Glaubens uneig. der Wucherer. — J ü d e I c i. die übermässige Gewinnsucht. — J ü d e 1 n . einen übermässigen Gewinn zu erlangen suchen: nach Art der Juden handeln; jüdisch-deutsch sprechen. — Judcnschule, Schule für Judenkinder: der Versammlungsort der Juden zu gottesdienstlichen Verrichtungen, die Synagoge: uncigcntl. die lärmende Gesellschaft. — Judenstcucr. die Abgabe, welche die Juden für ihren Schutz an die christliche Obrigkeit entrichten müssen. — Jüdisch, den Juden gehörig, dieselben betreffend: uneig. wucherisch, gewinnsüchtig: — deutsch, hebräisch mit deutsch untermischt. — Schacher, der gewinnsüchtige Handel der Juden •Im Kleinen. — Schachern, im Kleinen handeln (von Juden). Jm Obreren bitte Meyers Konversationslexikon unter: Gaunerdeutsch. Gebet usw. nachzuschlagen. Hochachtungsvoll P. R. flnliseniiüsofiB Bads-, Kur- und Erholungsorte Augustusbad bei Radelberg. Bansin. Hotel Acgir (Nccker und Naumann). Concordia (Naumann). Famiiicn-Pension Strandhaus (Neckcr) nebst zugehörigen Villen. Pensionen und Gartenhaus. Binz. Villa .Glückspilz". Villa ״Ouisisana“. Villa ״Sceblick“. Potenhergs Hotel. Villa ״Sonnenschein‘. Rcstaurant ״Imperial". St. Blasien (bad. Schwarzwald). Pension ״Kehre wieder". Borkum. Bozen. ..Zur weissen Rosen", ״zum Rcussen“. Braunlage (Braunschweig). Bruchhausen (Schwarzwald). Cabarz in Thüringen. Chiemsee. Die Fraueninsei. Cuxhaven. Kaiserhof und Seepavillon. Einöd. Luft- und Wasserkurort bei Priesach in Obersteiermark. Ebbs und Erl am Inn. Ettlingenwcllcr (Schwarzwald). Finsterbergen bei Fricdrichsroda. Kurhaus Feiscnstcin. Freudenstein (Schwarzwald). Pension Palmcnwald. Fürstenblick bei Tarnhach in Thüringen. Gafsensteln. Garntisch. 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