Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 66 % JÜDISCHE RUNDSCHAU <0. 16 staurant Berlin“ über ״Meine Relseclndrücke*‘. Beginn 9 Uhr. J Wir hoffen aui zahlreichen. Besuch — Die Kölner Zionisten *reffen sich ausser ain Vortragsabend, jeden Sonntag Abend im Kaffee Monopol. Durchreisende Gesinnungsgenossen sind herzlich vollkommen. ’ S. W. Dessau, im Mürz 1907. In den letzten Wochen herrschte in der hiesigen Gruppe reges Leben. Am 13. Februar d. J. sprach Fraulein Noemi Bauet!! aus Berlin über die ״Jud:n* frage“. Ihr Vortrag machte auf die Zuhörer einen guten Eindruck. Sie spricht klar und deutlich, ihre Vortragsweise wird noch erhöht durch die Anmut und die Grazie, mit der sie den Gegenstand behandelt. — Am 3. März wurde -das Purimfest in unserer Gruppe gefeiert Mehrere Künstler trugen zur Verschönerung des Festes bei. Eine hiesige Dame, Erl. Hanna Cohn, erfreute die Anwesenden durch ihren entzückenden Gesang. Herr stud. I.cwinsohn aus Göthen durch sein Violinspicl. Die Festrede hielt Herr Kantor Blitz. In zündenden Worten entwarf er ein Charakterbild der beiden grossen Gestalten, durch die das Purimfest entstanden Ist. Es wäre undankbar, sagte der Redner, wenn wir Juden in moderner Zeit dem Purimfest den Rücken kehren wollten, nachdem es wie ein.־ lichte Fee die armen jüdischen Hütten jahrhundertelang durchleuchtet habe. Der Jude luitte beinahe das Lachen verlernt, wenn nicht das Pu rinnest einen Freudenstrahl in sein düsteres Gemüt gesandt und seinen Lippen ein Lächeln entlockt hätte. Habe der Jude, fuhr der Redner iorc. am Chanukka wehmütig empfunden dass es ihm nicht vergönnt sei. die ihm zugefügte Kränkung mit dem Schwerte in der Hand zu rächen, wie es seine Ahnen, die Makkabäer, getan haben, so durcitdrlnge ihn am Purinneste ein freudiges Geiülil. zu wissen, dass es einst eine Zeit gab. wo jüdische Männer und jüdische Frauen das Geschick ihres Volkes auch oiir.e Schwertschlag zum Guten gewendet haben. Habe der Jude am Chanukka jenes heldenmütigen Weibes gedacht, die racheglühend um die Verletzte Ehre ihres Volkes den Feind zerschmetterte mid mit dessem blutigen Haupt in der Hand ihrem Volke die Freiheit verkündet habe, so schaue er am Purim zu jener lieblichen Fraucngestalt empor, die das echte Abb'ld eines jüdischen Weibes, durch ihr stilles Wirken ebenfalls die Retterin ihres Volkes geworden sei. Wie ein Lichtschimmer aus dunkler Dämmerung, so trete Esther aus ihrer stillen Verborg'cnheit hervor, mild und bescheiden, von lauter Hingabe für ihren Stamm erfüllt und gltickvcrhvisscnd ihrem Volke. Sei. so sagte der Redner, in der Esther das getreue Bild einer jüdischen Frau gekennzeichnet, so komme in der Gestalt des Mordcchei der echte Tvpus eines patriarchalischen Juden nicht minder zum Ausdruck. Judas Maccabäus habe mit seinem Hammer ales niedergeschlagen, was sich dem jüdischen Volke in den Weg gestellt. Mordcchei habe durch seine hoheitsvolle Ruhe dem י persischen Despoten Achtung vor dem jüdischen Namen abgetungen. In seinem Stolze habe er es verschmäht, sich vor Hofschranzen zu bücken, was ihm fälschlicherweise den Vorwurf eingetragen habe, dass er nicht patriotisch sei. Das habe aber ihn nicht abgehalten, dem Könige das Leben zu retten. Diese Treue, die sieb nicht hi Säbelrasseln und devoter Kriecherei äusserte sondern bi wahrer Anhänglichkeit für seinen König, sei der Charakterzug aller jüdischen Männer geworden, die נווי Laufe der Jahrhunderte berufen waren. Ihren Könige.! zu dienen. Alle diese Männer haben ihren Königen tteu gedient. Sie haben aber ihre Stellung bei Hofe nicht durch die Preisgabe ihres jüdischen Namens erkauft. Sie alle haben sich vielmehr voll und ganz zu ihrem Jüdischen Volke bekannt und haben als solche sich die Achtung und Dankbarkeit der Fürsten, denen sic dienten, erworben. Mordcchei habe sich an die Spitze derer gestellt, die die Wiederaufrichtung des jüdischen Staates angestrebt haben, das habe aber den perslschen König nicht gehindert, ihn zu seinem Minister zu ernennen. Esther habe sich ganz zu ihrem Volke bekannt. Das habe aber ihren königlichen Gemahl nicht abgehalten. ihr ein halbes Reich anzubieten Es sei daher verwerflich und schlecht wenn heute jüdische Männer in jeder leisen Betonung der jüdischen Volkszugehörigkeit eine Herab- Setzung der vaterländischen Gesinnung erblikon. Mit einem Appell an die Zuhörer, sich von solcher Gesinnungslosigkeit nicht beirren zu lassen, schloss der Redner seinen tief empfundenen Vortrag mit dem!Bemerken, dass man im Purirnfest das Bild lener beiden grossen Gestalten fcsthaltcn müsse, die uns gezeigt haben wie ein Jude zu sein habe: Treu zu König und dem! Vaterland, aber auch voller Hingabe und Treue für den Stamm, dem wir entspressen. Nach dieser Rede gäben sich ׳ die Anwesenden der Belusügung hin. die bis gegen 5 Uhr morgens dauerte. Sonntag, den JO. März d. J. hielt Herr Dr. Ascher einen Vortrag über .,Die Kultur, ein Lebens- Problem d<;r Menschheit“. Dieser Vortrag setzte den literarischen Abenden in unserer Gruppe die Krone auf. in den engen Rahmen eines zweistündigen Vortrages fasste der Redner das' Bild f1mftause:1djähriger Kulturarbeit aller Länder. Er sprach über wirtschaftliche, technische wissenschaitliche. ethische und künstlerische Kultur, dabei Übersichtlieh und klar. Die Anwesenden dürften nach diesem Vortrage nicht so verständnislos über den Begriff von Kultur sprechen, wie es leider der Fall ist dass man in jedem zweiten Satze das Wort Kultur gedankenlos im Munde führt. Und man möchte scherzweise sagen, dass der von der Kultur unbeleckte Mensch, wenn er diesen Vortrage beigewohnt hätte, sich zun! Kulturmenschen erheben müsste. Mit diesem Vortrage sehliessen unsere literarischen Airende für das vergangene Winterhalbjahr ab. an solchen war unsere Gruppe reich. Herr Blitz hielt wöchentlich Geschichts vor trüge, die auf den Natioralsinn der Zuhörer ungemein wirkten, f erner rcie-; riertecr zeitweise über wichtige Vorgänge in-der zionistischen Bewegung. Herr Dr. Ascher sprach über L a s s a 11 c und die soziale Ideen die er den! Zionismus gegeniibcrstclltc. Auch Herr Dr. Moses hielt einige Referate. An auswärtige;! Redmrn sprachen Herr N. Sokolow aus Cdln. Herr Rabbiner Dr. Le wi aus Neustettin und Frl. Bauet!!. An alle diese Vortrüge schlossen sic»! scharfe Diskussionen an, an welchen sich Herr Landesrabbiner Dr. Walter und der Sekretär der hiesigen Stiitnng. Herr Rosen ha um. lebhaft beteiligten.; Die anderen Arbeiten int Zionismus sollen möglichst eifrig fortgesetzt werde!». Die hiesige Gruppe hat angeregt, einen s ä c h s!' s c h ־ a n 1! a 11 i » i s c h c 11 Ver b a 1! d zu bilden. Der Zweck dieses Verbandes soll sein, die Gründung neuer Gruppen innerhalb des genannten Bezirkes, die Organisierung der in vielen Gemeinden einzeln wohnenden Zionisten, die Vor-!1ahme von Geldsanimlungen für den Nationalfonds, und das Bestreben, im gegenseitigen Verkehr zu bleilren. Die Gruppen־ H a 1 b e r s t a d t. Leipzig. Chemnitz lind 1) r e s ־ den haben t>ereits ihre Zustimmungen gegeben. Der hiesige Vorstand wird nächstens diesen Gruppen einen Tag für eine Zusammenkunft vorschlagen. Neben vielen einzelnen Oelbäumen waren wir ׳in der I-age. 100 Stück Oelbäume für den H « r z 1 w a 1 d zu spenden. Von der Baronin von Cohn- Stiftung ging uns jüngst der Betrag von 500 Mk. für den Natiorialfonds zu. den wir dieser Tage abführen werden. Die hiesige Gruppe beabsichtigt, sich mit einer grösseren Summe an dem von Hern! Professor Warburg zu gründenden Pflanzungsverein zu beteiligen. Für das von ihm in Bildung be* grifienc Syndikat hat1 ein Mitglied unseres Vorstandes 1000 Mk. gezeichnet. Die hiesige Gruppe hat demnach in diesem Winter- Halbjahr ihre Pflicht getan allerdings nur ein Minimuni im Bereich der Arbeit für die Erreichung des grossen Zieles. B. Hultschin O.-SchL Sonntag, den 21. April er., nachmittags 5 Uhr, findet in hiesiger Stadt. ..Hotel National", eine zionistisehe Vorlesung zu W o h 11 ä t i g k c i t s z w e c k e 11 statt. Eintritt pro Person 50 Pi. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Nürnberg. Am Sonntag, dem 24. März. Nachmittag, tagte im ,.Hotel Maximilian“ der Gruppenvcrbandstag bayerischer Zionisten. Zu diesem erschienen ausser Herrn Dr Friedemann Wiesbaden, der im Aufträge des Zentralkomitees seine Griisse iiberbrachte. von der Orstgruppe München Herr Dr. Strauss. der Ortsgruppe Regensburg Herr Rosenblatt, der Ortsgruppe Würzburg Herr stud. nied. Lasar Dünner, der Ortsgruppe Nürnberg Herr Dr. Bambcrger. Samuel Dünner. Lehrer Leutmann. F. Oberndorffer und eine Reihe Mitglieder, die an den Beratungen mit teilnahnien. Von Bamberg war noch unser Vcrtiauensmann Herr Cohn anwesend. Herr Dr. Bambcrger berichtete über die Tätigkeit der Ortsgruppe Nürnberg— Fürth, woran sich die weiteren Berichte der anwesenden Ortsgruppen* Vertreter ansclilossen. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Frage einer förderlichen Agitation. Sämtliche an der Debatte 1 eteihgten Redner waren sich der grossen Schwierigkeit bewusst, die die bayerischen Verhältnisse leider, in bezug auf die Ausbreitung unserer Ideen zeitigen. Man einigte sich schliesslich in einem von Herrn Dr. J. Strauss sehr zutreffend begründeten Antrag, der folgendcrmasscit lautet•:• ..Der Gruppen verbandstag wählt für Bayern eine Propngandakonnmssiou. bestehend aus drei Mitgliedern, den je* weihgen 1. Vorsitzenden bezw. deren Stellvertreter, der grossen Ortsgruppen, die die Anregungen der heutigen Sitzung be* arbeiten soll, zu einen: Memorandum, das den Vorständen der Ortsgruppen und den Vertrauensmännern zur Besprechung und Ergänzung zügelten soll. Die Kommission soll ständig den Konnex der Ortsgruppen wahren." — Dieser Antrag wurde ein־ stimmig angenommen — Zum II. Punkt ..Palästinafragen" ist besonders die aufkiärendc Belehrung über diesbez. wichtige , Punkte von Herrn Dr. Friedeniann-Wiesbaden zu erwähnen. — .' i 1 1