Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Bei läge JUEDISGHE RUNDSCHAU ****״. Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus 4er Zionistischen Vereinigung für Deutschland Der 8. Kongress. Die Ortsgruppen und Vertrauensmänner ,werden nochmals dringend gebeten, alle Schekelgelder bis An* fang Mai an unseren Schatzmeister abzuiiihren, da später einlaufetide Gelder bei der Einteilung der Wahlbezirke Toramisiciitlich nicht mehr berücksichtigt werden können. Das Zionistische Zentralbureau ist vom 9. April ab telephonisch zu erreichen durch: Amt 1, 9391. (Georg .Ncocnfcld, Malier st r. 2.) Wie sollen wir für den liationalfonds sammeln? Kiner unserer besten Gesinnungsgenossen aus Russland liat Kürzlich in einer i!1 Deutschland gehaltenen Rede geäussert, dass es auch J1ir die deutschen Juden nicht nur darauf an- Komme, für jüd sciuuuioimlc Zw ecke Geld beiz.usteuern. sondern vor allem auch auf Durchbildung einer wirklichen jüdisch־ nationalen Gesinnung. Das ist gewiss richtig, zumai derjenige, der mit ganzem Herzen den jiidisclniationalen Gedanken erfasst hat. von selbst daran denken wird, den Zionismus, soweit es irgend in seinen Kräften stein, auch mit materiellen Mitteln zu unterstützen. Gleichwohl hat es auch seine Kehrseite, wenn man es sieh in erster Linie nur angelegen sein lassen will, alle unsere Stammesgeiiossen zu einer wirklich jüdisch- .nationalen Gesinnung zu bekehren. Wie die Protestanten, denen ihre Lehre vorsclireibt, dass es für den Menschen nicht wie bei den Katholiken auf die guten Werke, sondern auf die religiöse Gesinnung ankomme, weil aus letzterer sich die guten Werke von selbst ergäben, in Wirklichkeit doch in der Vollbringting solcher von den Katholiken meist iibertroifcn werden, so könnten auch leicht diejenigen unserer Gesinnungsgenosse», denen es in erster Linie auf Verbreitung und Vertiefung des nationalen Gedankens aukonnm. an wirklichen Erfolgen hinter denen Zurückbleiben, die vor allen Dingen auf Stärkung der 111ate*rielle!1 Machtmittel des Zionismus bedacht sind. Ks geht daher nicht an. für den Zionismus Propaganda zu mache», ohne auch darauf iiinzuweisen, dass der Zionist auch materielle Opier für unsere Sache zu bringen hat, oder o 1111 e gar selbst diese Opfer zu bringen, ־ An diesen materiellen Opfern müssen eben alle Zionisten beteiligt sein. Das ist aber nicht anders müglicli, als ohne die schon wiederholt vorgeschlagere obligatorische S e I b s t b e s t e u e r 11 n g. Was bisher unter dem Namen Selbstbesteuernng an Geldern iiir unsere Zwecke ein gegangen!st. entspricht nur zum kleinen Teile den Gedanken, welche die Begründer dieses Systems gehabt haben. Da kamen Gelder als ״>elbsthe$teuer1mg‘‘. die zugleich ein Beitrag iiir die Eintragung irgend jen andes in das Goldene Buch sein sollten, anderer wieder um dafür C.lhäun e in Palästina z» pflanzen. Wir können gewiss niclits dagegen haben, wenn einzelne unserer Gesinnungsgenossen zur Kintragung eines ihrer Freunde in das Goldene Buch Gelder beisteuern mic noch weniger. wenn •mdere;׳ui den Namen irgend eines Freundes einen Oelbauu! in Palästina pflanzen lassen: aber die Summen iiir diese Zwecke sollten eben extra gezahlt und nicht von den Selbsthesteucrungsueidern genommen werden. Auch widerspricht es dem Grundgedanken der Selbsthesteiicrung, wenn, wie das kürzlich in einer allerdings noch ausserst jungen Ortsgruppe geschehen ist. die einzelnen Zionisten eines Ortes alle die gleiche Sunni e unter dem Namen Selhstbesteuerung zahlen: denn die Höhe dieser Steuer soll sich eben nach der Höhe des Einkommens richten. Zumal wo wir schon jetzt alle .gleichmassig den Schekel und die hütenden Beiträge für unsere Ortsgruppe zahlen müssen, lüge doch eine ausserordentliche U 11 g e re c h t i g k e i t darin, wenn wir auch mich tfir den Nationalfomls eine Kopfsteuer und nicht vielmehr eine Einkommensteuer zahlen sollten. Das Prinzip v'er Selhstbesteuerung müsste eben, wie schon früher vorgesehenen worden ist. aut einer Selhstcinsciiätzung gegenüber einem Vertrauensmann herui.'en. Solcher Vertrauensmänper könnte es in jeder Ortsgruppe mehrere gehen, und wir könnten auch bei dem Vorschläge stehen bleiben, dass jeder derselben von zehn Leuten {einem Minjan) die Steuern ehizuzichen hätte. Was die flöhe der Steuer betrifft, so sollte man es Leuten mit geringem Einkommen, etwa unter 1500 Mk., überhaupt freistcllcn. wie viel sie zahlen wollen; für die höheren Einkommen dagegeu sollte man eine bestimmte progressive Steuer einfiihren. Bei einem Jahreseinkommen von 1500 Mk. könnte man vielleicht *A *T pro lahr, also 3 Mk., fordern, hei einem solchen \< n »Mio Mk. ׳< •<-, also •4.50 Mk., bei einem *von 2100 Mk. ,A %, also 7 Mk. usw. usw. festsetzen. Auch müsste den» Vertrauensmann eines Minjaris des Recht znsteheti, Familienväter oder Leute mit anderen Verpflichtungen in eine niedrige Steuerklasse zu versetzen. Es wird Sache des nächsten Kongresses sein, eine Selbstbcsteuerung dieser oder ähnlicher Art einzutiihren. Sollte wider Erwarten der Kongress einen dahin gehenden Antrag alilehnen oder infolge von überbiirdung mit anderen Fragen keine Zeit mehr haben, einen Beschluss dieser Art zu fassen, so sollte man die Sache dann vorläufig vor den nächsten deutschen Delegiertentag bringen, um wenigstens iiir Deutsch- «land die Selbstbesteuerung möglichst bald einzufiiliren Gerade unsere wohlhabenden und reichen Gesinnungsgenossen sollten es endlich als ihre Ehrenpflicht betrachten, iiir den Wiederaufbati unserer Nation die. grössten!.asten, die iiir sie aber keine Lasten sind, zu übernehmen. Mit den vorstehenden Ausführungen soll ntm keineswegs gesagt sein, dass wir auf die Bisher geübte Art der Nationalioiidsatnmlungen überhaupt verzichten sollten. Im Gegenteil werden wir. gerade wenn wir iiir unsere Zwecke tätig sein Wullen, künftighin nur um so mehr darauf bedacht sein, die uns sonst durch Telegraph und Post erwachsenden Kosten für Gratulationen durch Glückwünsche in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU vielmehr dem NationaÜnnd zuzuiührcii. Auch wäre mir zu wünschen, dass die bei festlichen (lelegcnheitei; aller Art veranstalteten Sammlungen für den N'atioualfoud nur noch weit häufiger würden, als sie bisher gewesen sind. Liier müssen wir sehet', auch möglichst viele Gelder von Nicht- Zionisten zu bekommen, ja wir dürften es gegebenen Kalis nicht einmal scheuen, solche von Niclitjuden zt! nehmen. Auch die Eintragungen einzelner Personen in das goldene Buch durch Sammlungen ihrer. Freunde sollten eifrigst fortgesetzt werden. Alle zuletzt genannten Arten der Sammlungen haben ja auch, was freudig anzuerkemien ist. in letzter Zeit einen erhebliehen Aufschwung genommen. Wer jedoch aufmerksam die Spenderver/eichnisse in der RUNDSCHAU verfolgt bat. dem wird es gewiss nicht entgangen sein, dass die einzelnen Gegenden und Ortsgruppen Deutschlands doch in sehr versciiiedeuem Masse an den Spenden beteiligt sind. Am stärksten war in letzter Zeit Schlesien vertreten, was offenbar damit ziisaminerihängt. dass unsere Propagandakonmiissinii für den Nationalfond in Breslau ihren Sitz hat. Zeigt es sich hier auf der einen Seite, wie nützlich die Einsetzung einer solchen Kommission gewesen ist. so tritt doch au! der anderen die Forderung an uns heran, auch fiVr die übrigen Teile Deutschlaruls eine gleiche Wirksamkeit entfalten zu lassen. Das dürfte aber nur dann möglich sein, wem! wir iiir jeden einzelnen Distrikt für uns.re allgemeine Propaganiatätigkeit in Deutschland auch noch eine besondere Propaganda- Kommission für den Nationalfond cinset/ten. Diese Propagandakommissionen der einzelnen Distrikte hätten für die Förderung aller der genannten Arten .חס Sammlungen zu sorgen. Dazu käme lmeh, dass sie darauf hin/uwirken hätten, dass möglichst jeder Zionist eine Natinnaltondbiichse in seinem Hause at'tstellte. und dass sich auch möglichst ein jeder, der Zeit und. Gelegenheit dazu h»t, an der Samuilun r von Briefmarken und Material en beleih״!..“. Endlich hätten dmse Kommissionen auf wohlhabende Gesinnumrsgcnosscn ihren Einfluss dahin geltend zu machen, dass dieselben den Natiornltond testamentarisch bedächten. Nur wenn wir fiir den Nationalfonds alles tun werden, was irgend in unseren Kräften stellt, werden wir eins uuse-er wichtigsten Ziele, genügenden Lam'kuif in Palästina, erreichen können. —.— J—ן Aus den Ortsgruppen ן—— Köln. Am nächsten Sonntag, dem 20. d. Mts. wird unser Präsident D. Wolffsohn einen Vorfrag halten Int.״Re-