Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16 Seite 165 JÜDISCHE RUNDSCHAU Berlin. ׳ Der Fürsorge-Verein lür hilflose Jüdische Kinder E. V. hatte am 23. März er. seine Generalversammlung im Verwaltiingsgebäudc der jüdischen Gemeinde (Roscustr. 2/4). Das abgelaufene Geschäftsjahr war für die Entwickelung des Vereins günstig. Es wurden 6000 Mark für die Unterstützung hilfloser Kinder ausgegeben; für dieses Jahr stehen bis jetzt 4000 Mark an lautenden Jahresbeiträgen und grössere einmalige Beträge zur Verfügung. Der Verein sorgt für diejenigen jüdisehen Kinder, für welche die elterliche Fürsorge fehlt und weder die Wohliahrtscinriehtungcn der jüdischen Gemeinde, noch diejenigen privater jüdischer Wohltätigkeitseinrichtungen Höfe gewähren. Bisher beschränkte er sich darauf, hilfsbedürftige Eltern zu unterstützezn oder Kinder auf seine Kosten in Pflcgestellen zu bringen und zu überwachen. Seit dem 1. Januar d. J. besitzt er ein ■eigenes Kinderheim in der A r t i 11 e r i e s t r. 36 b, das für 10 Säuglinge und 6־ ältere Kinder eingerichtet ist und unter Leitung eines Kinderarztes steht. Beiträge für den Verein nimmt entgegen der Schatz־ meister Bankier Gustav G u 111 p e r t (i. Fa. Gumpert & Rosenberg), Berin C.. Königstr. 23. Berlin. Der 11 i 1 f s v c r e i n f 1"! r jüdische Studiere ndc versendet soeben seinen Jahresbericht für 1906. Die Zahl der seit dem Bestehen Unterstützten überschritt in diesem Jahre 2500. Jährlich erhalten etwa hundert Studenten hiesiger Hochschulen und Akademien je 50 bis 300 Mark durch den Verein. Im ganzen verteilte dieser 1906 rund 30 000 Mark. Mit besonderem Stolze erwähnt der Bericht, wie günstig hier der Grundsatz der Rückzahlungspiliclit wirkt. In dem einen Jahre erhielt der Verein 11 853 Mark zurück, gewiss ein Zeichen, dass die Mehrzahl der einst Bedürftigen, zumeist Ärzte, im Leben ihr Auskommen findet und ihre sittliche Pflicht 69 321 Mark. Krankenpflege 21 823 Mark, jüdische Wissenschaft 13 200 Mark. Schulen 20 000 Mark. Stipendien 17612 Mark. Der durchschnittliche Zinsertrag' des Stiftungskapitals betrug im Jahre 1906 knapp 47» Prozent. Ein schärfte Protesterklärung gegen den Oberrat der Israeliten Badens und gegen die Besprechung der Synodal- Interpellation vom 18. März erlässt auch der Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreue 11 Judentums in Baden. An jüdische Mädchen und Frauen! Im Anschluss an das• Spital der israelitischen Kultusgcmeinde in Wien wird eine Schule zur Heranbildung von Krar kenschwestern für Spitals- und Privatpflege errichtet werde*’ Mädchen und Frauen im Aller von 20—25 Jahren, welch*״ mindestens Bürgerschulbildung besitzen, der deutschen SmuUie vollkommen mächtig sind und Lust zum Pflegerinncnherufe haben, bietet sich dadurch Gelegenheit zu humanitärer Tätigkeit, sowie auch zu dauernder Versorgung. BCwcrberimic», müssen sich nach dem ersten Lchrjalire verpflichten, mindestens 3 Jahre gegen ■Entlohnung dem Schwcsteru-fnstitute anzugehören, können aber auch nach dieser Zeit im Verbände desselben verbleiben und nach einigen Jahren Pensionsbercclu, gung erlangen. Bewerberinnen, die bereits im praktischen Pflegedieust gestanden sind, werden bei der Aufnahme nicht bevorzugt. Selbst^ geschriebene Gesuche (mit Angabe des bislmri'eeri Lebenslaufes) sind zu richten an die H 11111 a n i t ä t s - V e r - c i n i g u 11 e ״E intracht״ B. B. (״P 1' 1 e g e r i 11 n e n ־ heim“). Wien IX. U n i v e r s i t ä t s s t r. 4. woselbst auch auf schriftliche Anfragen genauere Auskunft erteilt wird. hochhält. Lnurohüile (Siemianowitz). Die jüdische Gemeinde hat beschlossen, auf dem freien Gelände neben dem Knappschaftslazarett eine Synagoge zu errichten. Bunzlau. Dem Vorstand der Synagogengrneinde zu ßunzlau ist am 21. März 1907 vom Regierungspräsidenten zu Liegnitz folgende Verfügung zugegangen: ״Auf die an den Herrn Minister des Innern gerichtete und an mich gelangt Eingabe vom IS. November v. Js. gereicht dem Vorstände 7.11m Bescheide, dass die Polizefyerwaltung daselbst veranlasst worden ist, die unterm 31. Oktober v. J. erhssene OrtspoÜzeiverordnung betreffend das Verbot des Scbächtens anfzuheben.“ Der grosse Ausschuss des Verbandes der Deutschen Juden tritt am 12. Mai 1907 zusammen. Wesentlicher Gegenstand der Beratungen wird die Vorbereitung der diesjährigen Haupt- Versammlung sein, die voraussichtlich am 6. Oktober 1907 in Frankfurt tagen wird. In der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG ist folgendes zu lesen: ״Seit die Liberalen unter Regierungspalmen wandeln, treibt ihr Hirn Tag für Tag ähnlich sonderbare Blasen auf. Was gestern das BERLINER TAGEBLATT* geniauschelt. lispelt heute die Tante VOSS und morgen wiederholt cs die FRANKr«t r>*.,» •v« u * «* . rUKl CK /.CI1 USNU. Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG ist bekanntlich radikalsozialdemokratisch, also ist ihr Rischus kein Antisemitismus. Cohn-Oppenheim-Stlftung der Israelitischen Gemeinde. Dessau. Die Millionenstiftung, die der hiesigen Gemeinde aus dem Nachlass der verstorbenen Baronin von Cohn-Oppenheim zugeflossen ist. hatte ani Schlüsse des Jahres 1906 einen Vermögensbestand von 5 282,346 67 Mark. Gegenüber dem 31. Dezember 190? hat eine Abnahme um 29 691.75 Mark stattgefunden, die hauptsächlich auf das Sinken der Kurse von Effekten zurückzufiihren ist. Rund 2 600 000 Mark sind in Odessa. Der ״Bund des russischen Volkes“ agitiert im Gouvernement Cherson g.egen die jüdischen Kolon is t e n. Der Gouverneur von Bessarabien teilte dem Minister- Präsidenten Stolypin mit. dass unter dem Druck der Bauernrevolte in Rumänien unter den Bauern ßessarabiens starke Gärung herrsche Petersburg. Wie die Blätter melden, hat der ..Verband der wahrhaft russischen Leute“ eine besondere Abteilung s״-* genannter ..Krcuzztiglcr‘ errichtet, die allerseits mit allen Mitteln für die Auflösung der Duma kämpfen sollen. Der Petersburger Korrespondent des BERLINER TAGEBLATT hat bereits vor einigen Legen von diesen .,Kreuzzüglern“ be־ richtet, die zu gegebener Stunde eine Kampagne grossen Stils gegen Juden und Intelligenz eröinien *vollen. Ihr Organ ist die RUSSKOJE. SNAMJA. die durch ein täglich in ihren Spa!־ ten erscheinendes grosses schwarzes Kreuz die Verständigung zwischen den Mitgliedern dieser Leibgarde der Reaktion bcsorgt. Persönliches. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Göttingen, Dr. Sonderling, der österreichischer Staatsangehöriger war, ist von der Regierung bestätigt worden unter der Bedingung, dass er sich naturalisieren lassen und seiner Militär- Pflicht genüge. Dr. Sonderling, der bereits Familienvater ist. hat denn auch dieser Tage beim Infanterieregiment No. S2 als Einjähriger eintreten müssen. Der Gemeinde, die Ilm• für das Dienstjahr sein volles Gehalt zahlt, hat er einen Vertreter gestellt Unsern Freunden ist Dr. Sonderling als eifriger und opferwilliger Gesinnungsgenosse wohlbekannt. Unsere Gesinnungsgenossen Dr. E. Joel und Frau Margarete geh. Mlchsam sind durch die Geburt eines Knaben erfreut worden. Unsere herzlichsten Glückwünsche. נ.1-. :■ m l. _ ... ,׳ Briefkasten der Redaktion *.......ר rn 1-.1.. :.־.״-ZZ. Hypotheken, rund 2 000 000 aMrk in Effekten, rund 450 000 Mark in Beteiligungen angelegt. Bis zur völligen Realisierung der Erbmasse und zur vollständigen Festlegung des Stiitungsvcrmögens in unwandelbaren Werten bleibt das Stiftungsvermögen noch Schwankungen unterworfen. Für Unterstützungszwecke im Sinne der Stiftungsurkunde sind im Jahre 1906 insgesamt 191 847.35 Mark ausgegeben worden: diese Summe entspricht fast genau der vorjährigen. Unter Zurechnung der Steuern (rund 25 000 Mark) und der Vcrwaltungskosten (rund 921-0 Mark) ergibt sich eine Gesamtausgabe von 226 239.93 Mark (1517 59 Mark mehr als im Vorjahre). Die Ciesamtc'mmhmc war mit 229469.22 Mark nur um 432,22 Mark höher als im Vorjahre. Der Einnahmeüberschuss von 2938.29 Mark wird zusamtuen mit den! Saldo aus dem Vorjahre (6536.44 Mark) für das Jahr 1907 vorgetragen. Im einzelnen wurden verwendet: Jüdische Kultusgemeinde zu Dessau 30 000 Mark, andere israelitiscbe Gemeinden Anhalts 14 890 Mark. Unterstützungen W. in M a n n h e 1 m Der Expedition übergaben wir Ihren Wunsch. Zionsgruss S. in S. Jawohl. Für praktische Zwecke verwendet sie einstweilen keine Mittel. Zionsgruss. Breslau. Bericht musste Raummangels halber für nächste Nummer Zurückbleiben. Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hierdurch an Di«, med. Julius Jotil u. Frau Margarethe geb. Mühsam. LObeck, 18. April 1007.