Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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.: ".':i’/.t : CZSc N0.16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 163 In <ler hebräischen Sprache genossen. was bei dem Umstande von Wichtigkeit ist. als das Hebräische in Syrien immer mehr zur herrschenden Kultur- und Umgangssprache der Juden in Palästina und Syrien wird. Pie neu eröfinctc Anstalt, die bereits 65 Zö'glinec zählt, erfreut sich, wie sich der Hilfsverein der Deutschen Juden aus Bcirfit und Jerusalem schreiben lässt, lebhafter Sympathien in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung. v Zuschrift an die JÜDISCH!! RUNDSCHAU. Berliner Metall-Industrie W. Philippsthal. Berlin NO., den 30. III. 1907. Landsbergerstrassc 32. Ich bekomme seit einigen Wochen Ihr Blatt zugesandt und möchte mir fii'r die Folge die Zusendung verbitten, da dasselbe auf einem Standpunkt stellt, den ich missbilligen muss und der jeden anständigen deutschen Juden anekelt! Ich bin kein Antisemit, sondern vorläufig noch selbst Jude, aber Piickler. Ahlwardt und Konsorten haben Recht, wenn sic Rufe nach Entfernung der Juden laut werden lassen, wo man sieht, dass dieselben im deutschen Lande zu Wohlstand kommen und human in jeder Weise behandelt werden und sich dennoch mit der bekannten jüdischen Unverschämtheit erd reisten, das deutsche Volk anzupöhcln! Wenn hier eine Judenhetze aus־• bricht, so ist selbe zum grössten Teil auf Konto Ihres blindfanatischen Zionismus — zu setzen. Hochachtend \V. p 11 i 1 i p p s t h a 1. Allerlei Nationalität und Religion Das ist ein Teil der historischen Mission, der in allen Jahrhunderten bewährten Kraft der römischen Kirche: die Rettung und Erhaltung der Nationen, die in dem Kampf der Staaten, dem rastlos ilutenden. den Mächtigeren erlagen und verblutet wären, hätte ihnen nicht die Kirche die Hand geboten und sich an die Stelle der vermorschten Hülle ihrer politischen Organisation gesetzt. Doch ist nicht bloss der Kirche Roms diese Energie zu eigen, sondern wir dürfen es als ein allgemeines historisches Gesetz ansprechen, dass jede Kirche, ja iede religiöse Gemeinschaft irn Gauge ihrer Geschichte mehr oder weniger einmal jenen Berui erfüllt hat. Man pflegt wohl von der Erstarrung zu sprechen, die sich der griechischen, der orthodoxen Kirche seit mehr als einem Jahrtausend bemächtigt hat. Aber grade in dieser Versteinerung hat jene Kirche Aufgaben erfüllt deren welthistorische Bedeutung erst in diesem Jahrhundert recht sichtbar geworden ist. Die harte Schale, die sie über sich zog und durch die nun freilich kein Lichtstrahl der Aufklärung und des Fortschrittes drang, war nötig, um dieser Kulturwelt auf den Confinicn Asiens und Europas die Widerstandskraft zu verleihen, welche Jahrhundert um Jahrhundert durch die wild andrängende Kraft asiatischer Barbaren auf die Probe gestellt ward. Unter den immer wiederholten Stössen war nach wahrhaft heroischen Kämpfen ihre Staatcnwc't zertrümmert worden. Machtmul rechtlos waren nun diese ׳Nationalitäten der Willkür ihrer barbarischen Herren ausgesefzt. Aber in ihrer Kirche barg sich ihr Genius. Sic schuf ihnen, ihre Rechtsordnung, sie erhielt und pflegte ihre Sprache und Literatur, die Verbindung mit ihrer Vergangenheit. das Oeincinbcwusstse'n. die Fülle ihrer sittlichen Kräfte und Ideale. Es war eine Deicnsivstellung voirdnzerbrechlichcr Kraft. In ihr haben diese Nationen sich erhalten können, his die Stunde der Befreiung schlug und auch sie in dem Jahrhundert der Natinnalitätskämpfe abermals einen Platz an der Sonne sich suchen konnten. . Und wie könnten wir hier an dem Judentum Vorbeigehen, ar׳ dem sich die erhaltende Kraft der Religion am allerstärksten offenbart hat. Pie Sage von den. ewigen Juden, der nicht Ruhe und Rast findet, nirgends eine Heimat und nicht einmal den Tod. ist nicht aut jüdischem Boden erwachsen und entspricht nicht dem Sinne der Geschichte dieses Volkes. Der Wille zum Lehen war cs vielmehr, der die Nation aufrecht erliielL und den sie auch dann nicht verlor als die Weltmächte des alten Asiens und Europas ihren Staat zerbrachen, ihren Tempel zer- .störten und das Volk wie eine Herde Vieh mit sich führten: das Land, das ihre Väter gebaut, ging verloren, zerstreut und verfolgt ein Fluch der Völker, irrte sie durch die Jahrhunderte hin. Aber in ihren Riten und ihrem Recht, und in ihren heiligen Büchern bcsass sie Formen und Vorstellungen, die ihr die Einheit ihres Stammes und das Bewusstsein ihrer Geschichte bis auf die Zeiten der Erzväter zurück lebendig erhielten. Stärker noch als die römische Kirche umklammern diese nationalen Religionen die politischen Organisationen. Wie aus einer Wurzel erscheinen in ihnen Kirche und Staat, politisches und religiöses Leben entsprungen, und ihre Schicksalsweg'e sind aufs engste in einander verschlungen. Darum sind auch die Krisen dieser Nationen jedesmal Krisen für ihre Kirche, und niemals stehen beide enger zusammen, als in nationalen Gefahren. Nationalität und Religion lassen sich nicht von einander trennen. Sie sind Scheide und Schwert zugleich. Sie durchdringen sich nicht nur. sondern schaffen sich wechselseitig. 11s sind Formen, welche das Menschengeschlecht anzieht in denen es sein historisches Lehen führt: unab'ässig quillt und flicsst es aus dem Born der Kirche, auch wenn sic in den starren Fesseln des Dogmas liegt und mit dem Anspruch auf unbedingte Herrschaft dem Staate entgegentritt. in alle Organe der Nation hinüber: in die Fundamente der Nationalität sind religiöse Urkunden hineingelegt• der Idee der Nationalität seihst ist religiöses Empfinden beigemischt: und wo:1 dies ein Teil ihres Wesens, ihres Kcitnms und Wachsens ist. so durchdringt es alle Formen der Gesell- Schaft und des Staates, die auf dem Grunde der Nationalität ruhen. Dänin! stirbt d׳e Religion auch nicht, wenn die Formen der Kirche sich wandein. so wenig wie die Nationen mit den Staaten untergeben, die ihnen entstammen. Vielmehr teilt sich der Geist, den die Dogmen einhniiea. und der sie seihst erst gebildet hatte, wenn die allzu starr gewordenen zerbrachen, um so ungcmcssciscr und inniger dem leben der Nation mit. die ihm vertraut'. (Von Dr. .Max Lenz, Prof, der Geschichte an der Universitat Berlin. Preussische Jahrbücher 1907. Märzhcit>. Theodor Fonlane über Juden Briefe an seine Familie. Berlin 1906. Band li. S. 28-f. ״Karlsbad, den 17. August 1S93. Pupp ist übrigens nicht eia vornehmer Kaffeegarten. sondert! ein Ding wie der Tuilcriengartcn. daraus ein in gothischer Rcnaissance gehaltenes Ricsenschloss als Grand Hotel Pupp aufragt...... In tausend Lichtern strahlend, wirkt es am Abend feenhaft oder doch orientalisch, welche Wirkung durch den Stanunescharakter seiner Gaste gesteigert wurde. Ich hätte nie geglaubt, dass es so viel Israeliten in der Welt gibt, wie hier auf einem Hümpel versammelt sind. Und dabei soll es in Heringsdori noch mehr geben! ..Nicht zu denken gedacht zu werden“ hiess es früher im Kladderadatsch. Ich halte soviel von den Juden and vefes. was wir ihnen schulden, wobei ich das Geld noch nicht mal in Rechnung stelle. Aber was zu toll ist, ist zu toll; es hat etwas — auch vom Juden- Standpunkt aus angesehen — geradezu Aengstlichcs.“ Ebenda. Band II. S. 2S5. ״Karlsbad, den 21. August 1893. List man die Badeliste durcli. so findet man, dass bis auf Australien, Uruguay. Buenos Ayrcs und Kapstadt alle Länder und Nationen hier vertreten sind: bei näherer Untersuchung .findet man aber freilich, dass sic alle gleichmfissig aus Jerusalem stammen, und sich God save the Queen und Yankeedoodle nur Vorspielen lassen, um auf diese Weise fremde Nationalität zu heucheln. Die Juden können froh sein, dass Leute wie Ahlwardt und Paasche den Antisemitismus in die Hand genommen haben: die eigentlichen antisemitischen Prediger sind sie selbst." Band II. S. 257. Berlin, den 25 Juli 1901. . ... I ••••* Morgen oder bei Gelegenheit will ich Dir auch einen Figaroartikel schicken Wenn ich bedenke, dass der Figaro zu gutem Teil von deutschen Juden geschrieben wird, so richtet sich mein deutsches Gefühl ein bischen aßt. und ich sage mir dann: Es kann mit der grossen Überlegenheit drüben auch so weit nicht her seih! Die Franzosen, darin sehr frei und liebenswürdig, haben dies Gefühl auch gar nicht: wir haben es nur statt ihrer und schieben ihnen alle möglichen literarischen und künstlerischen Tugenden zu.