Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1 xj ט Abonnementsprcis einschliesslich LITERATURBLATT vterteljlhrtich: I. rfurch die Expedition: ») in Berlin —,90 Mark, b) nach aus* wärts I,— Mark, cj tür das Ausland 1,50 mark. Z 1■ Pettaäennement: 1,25 Mark. Insertionspreis die viergespattene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. . Telephon: fl, 3387. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vorlag iüdiieha Rundschau, E. 0. m. b. H. Berlin N. 54, Auguststr. 49a. aeochiftaatuaden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vor• mittags 10—1, nachmittags 3-7 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 16 Berlin, 6. Jjjär 56.67 — 19. April 1907 xn. Jahrgang Bedeutung der jädisclißn Akademiker für das Judentum Ein Beitrag zur jüdischen Studentenirage. Von Dr. 11 »cd. Carl Kassel -Posen. Seitdem es im neuen Deutschen Reiche eine Judentrage gibt, macht die Judcnscbaft jetzt erst die zweite Krise durch. Damals, als Bismarck das Stöckersche Treiben gewähren Hess, um mit den Schlägen, welche uns versetzt wurden, die Fortschrittspartei, die Gegnerin seiner Politik, zu treffen, ging die Bewegung, deren Ziel die Entrechtung der Juden sein sollte, resultatlos zu Ende, um in ein neues folgenreicheres Geleise zu gelangen. Bismarck hätte es niemals zugegeben, an den Juden die Weltgeschichte zuröckzuschrauben. Eine kräftige Stütze hatten wir damals übrigens auch am Katholizismus und an dem durch die aktive Seibstw.chr jüdischer Abgeordneter gestützten echt liberalen Liberalismus. Mitten in der zweiten Krise leben wir jetzt: Träumer sehen es nicht, wie jene neue Strömung immer tiefer in alle Volksschichten eindrang, wie neben politischen und sozialen Trennungen die konfessionellen Scheidungen sich immer geltend machten, zwischen Protestanten und Katholiken oberflächlich da verkittet, wo berufliche Beziehungen die Ueberkittung erfordern, in der Tiefe dafür umso schärfer wühlend. Den Juden gegenüber fallen aber derlei Rücksichten fort. Aeusserlich werden die Gegensätze hier und da überbrückt. wo jüdische Geldgeber nicht zu umgehen sind, aber trotz dieser seltenen Vögel und trotz der prozentualen Anstellung* jüdischer Beamten wird *das Gesamtbild nicht geändert: Trennung zwiacnen Juden und Christen. Jetzt merken es auch die Politik spielenden Juden, jetzt erst! Zum Purimfestc des Zentralvereins wurden hohe Töne geredet über den Antisemitismus im Liberalismus. Glaubt wirklich jemand, dass diese Reden, welche ja auch zum Schrecken der Freisinnsmannen auf ihrem Parteitage ertönten, den geringsten Nutzen geschafft habet!? Glaubt jemand im täglichen Leben durch weihevolle Reden einen Menschen von Abwegen auf den Pfad der Tugend zu bringen? Dieser wird seine Schelmereien zu verdecken trachten. Und so wird der' Freisinn, der ohne reinsten Antisemitismus nicht mehr existenzfähig ist, im günstigsten Falle vorsichtiger werden.— uns Juden ist damit aber nicht geholfen. Was sollen wir Juden tun? Aus der Vergangen־ heit müssen wir lernen! Jene Studenten, die sich vor 25 Jahren zu iüdischen Korporationen zusammentaten, handelten konsequent. Die heutigen Vertreter der Judenmasscn. vorwiegend Akademiker, sind inkonsequent: sie sehen, wie es mit ihnen steht, reden an den Vertretertagen recht nett — und bleiben dem deutsch-freisinnigen Ehebrecher treu, anstatt der reinlichen Scheidung den Vorzug zu geben, welche die Achtung der Juden vor sich selbst erfordert. Dieses Verhalten der führenden akademischen Freisinnsjuden iührt zur zweiten Krise in der Judenbewegung im Deutschen Reich. Denn gedrängt auf der einen Seite durch die wohlverdiente politische Missachtung seitens der Nichtjudon, welche die Klebefähigkeit der vom sogenannten Freisinn abgewiesenen Juden sehr richtig einscliätzen, auf der andern Seite unter dem wachsenden Zwange fuugjüdischer Bewegung, in welcher Akademiker die leitende Rolle spielen, muss die Judcnschaft mit ihrer bisherigen Stellungnahme im politischen Leben brechen. Wiederum wird es die jüdische Studentenschaft sein, welche das Signal zum Abbruch der Beziehungen geben wird. Nicht kann man es von einer Generation erwarten, welche zwar schöne Judenschutzreden zu halten versteht, welcher es aber dann an Tatkraft mangelt, wenn iht'e Stellung Im politischen Leben auf dem Spiele stellt. Bei der Wahl zwischen Judeninte ressen, d; h. der Stellung als freier Staatsbiirgcr trotz iüdischen Bekenntnisses, und politischem Parteiinteresse, welches den freisinnigen und gleichen Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht anerkennt, wird sie es stets verstehen, unter allerlei Vorwänden sich •für die Wahl des letzteren zu entscheiden. Ich habe jene Zeit vor 25 Jahren miterlebt. in weleher die erste jüdische Separation in der Studentensihaft erfolgte: das Geschrei gegen sic war nicht geringer, als es heute dort ist, wo zionistische Organisationen auftauchen. Wer kümmerte sich von den jüdisehen Kommilitonen damals darum? Der Erfolg gab ■hnen recht: nicht nur ihr Verband besteht heut noch fort, immer mehr sich ausdehnend, sondern es haben sich noch andere rein-jüdische Verbindungen gebildet, welche in dieser und jener Tendenz zwar dissentieren — aber darin treu tibereinstirnmen. dass sie das streng jüdische Prinzip auf ihre Fahnen geschrieben. Innerhalb auch jenes öftesten Verbandies ab'er ist eine Wand- T