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Jüdische Rundschau · 1907-04-12 · Heft 15 (12.4.1907) · page 23

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 15 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 23)
Language
German
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i No. 15 JÜDISCHE KUNDSCHAU , Seite 59 I Hauern und Gutsbesitzern fcine Brücke za schlagen. die fester ist als die Decken des taurischen Palais. Auch die Liberalen haben die Interessen der Juden vernachlässigt, salbst wenn die Juden In Russland Gleichberechtigung auf dein Papier bc- , kommen. wCtdc cs ihnen ebensoviel nützen, wie den Juden in Galizien, die trotzdem massenhaft auswandern. Die 5 bis 6 Millionen der Jüdischen Bevölkerung in Russland führen ein sehr kompliziertes Leben. Sie haben nur uic negativen, nicht die positiven Merkmale eines Volkes Während Russland ein N'aticuah'tütcn־Staat ist. leben die Juden unter allen National!־ täten und wissen nicht, mit welcher sie politisch zusammen gehen sollen. Wenn sic sich ii^end einer Nation politisch anschlossen würden, so werden sie naturgemäss Hass und feind• schaft der anderen Nation auf sich laden. Ls liegt nahe, dass eine eigene jüdische Politik nottut. denn dieser Weg wäre am richtigsten und zweckmässigsten. uni als schwächere Elemente in diesen! Nationalitätskampfe nicht aufgerieben zu werden. Aber selbst mit der Emanzipation wäre die Judenfrage noch lange nicht gelöst, denn das Ghetto ist nicht durch Gesetze, sondern durch innere und feinere Ursachen geschaffen und wird nicht sobald aufhüren. wie die Judenstadt in New׳ York mit ihrer. 800 000 Einwohnern beweist. Der Magen ist allerd*ngs kosmopolitisch, die Seele aber ist national und den Juden drangt es überall dorthin zu diesen Brüdern, in deren Mitte er sich seelisch auslebcn kann. Eine gleichmässigc Verteilung der Juden in Russland ist deshalb sehr unwahrscheinlich, was auch .,chon die Tatsache beweist, dass seit dem Jahre 1S65 nur 12000 jüdische Handwerker, von der Erlaubnis, überall.in Russland zu wohnen, Gebrauch machten. Die heutige Aus- Wanderung . die eigentlich nur flucht ist. wird ebenfalls nichts daran ändern, dass die Emigranten ein Ghetto bilden und an ihrer Sprache festiialten. Ganz anders ist das Bild in Amerika. Ihm, dem Redner, war cs auigefallen. dass die Juden dort einfache Menschen n.it einfachen Augen sind, ohne Ängstlichkeit im Sprechen und Handeln. Erst 1852 hat die Emigration begönnen und doch haben die Juden cs schon dort soweit gebracht: dort sieht man zum Beweise dessen nicht etwa jüdische Generäle und Minister, sondern jüdische Schutzleute. Die zweite Generation spricht glänzend und fast ausschliesslich englisch, der erste Staatsanwalt in Chicago ist noch vor 16 Jahren in Wilna ansässig gewesen. Trotzdem besitzen die Juden auch in Amerika keine gesellschaftliche Gleichbercchtiging. Im Gegenteil, kaum ־ in einem andern Lande ist der Jude gesellschaftlich so geächtet wie dort. In Baltimore z. B. sind mehr als 40 Hotels den Juden verschlossen. Die Volke! sehen eben in den Jaden nur entwurzelte und zusammenhanglcsc Menschen, ohne Sprache und nationale Eigenart, ohne nationale!! Anteil an der internationalen Kunst und Wissen* schaft. Juden sind zwar in grosser Anzahl In der Kunst und Wissenschaft eines jeden Volkes vertreten aber dort gelten sie ja nur als Deutsche. Franzosen und Engländer usw. Ihre hervorragenden wissenschaftlichen und künstlerischen Leistun* gen fallen fa dem Kulturschatze der betr. Nation zu und wo oleibt das jüdische Volk? Der Fortschritt und der allgemeine Freiheitskampf werden früher oder später den Juden in Russland bürgerliche und den Juden West-Europas auch politische Rechte verschaffen. Allein die gesellschaftliche Gleichbereelltigung werden die Juden der ganzen Welt nur dann erringen, wenn sie unter einheitlicher Fahne auftreten werden, wenn ein Zentrum und eine Stätte errichtet sein wird. wo Sich de!1 Jüdische Geist und die jüdische Eigenart frei und ungehindert entwickeln werden. Dieses Zentrum kann nur im Lande unserer Vater geschaffen werden, wo die jüdische Vergangenheit ruht, wo wir den seit 2000 Jahren abgerissenen Faden wieder aufnenmen und weiter spinnen werden; denn die Zukunftjst nur die durch eine andere Tür eintretende Vergangenheit. M. Kowner. Jahresbericht der Ortsgruppe Hamburg-Altona. Wir begannen das Geschäftsjahr mit 277 Mitgliedern. Der Abgang betrug 39, der Zugang 47. sodass sich der jetzige Mitgliederstand (Mitte März 07) auf 285 beläuft. In nur geringer Zahl befanden sich unter den Ausgeschiedenen Ortsansässige, die meisten gingen durch Wegzug der Ortsgruppe verloren, werden also In ihrer Mehrheit der Organisation erhalten bl&iben. Die Zahl der Schckclzahlcr in Hamburg-Altona ist von 311 auf 340 angestiegen. Die Ortsgruppe veranstaltete zunächst folgende 15 Mitglieder- und Agitations-Versammlungen: 1) 29. März 1906: Ordentliche General-Versammlung. 2) 26. April 1906: Dr. Kalmus: Vorschlag betr. den Palästina-Vereln. *, 3) 10. Mal 1906: Wahlen für den Delegiertcntag in Hannover. Al—6)28. Mai 1906: Drei Schekeltags - Versammlungen in 6 fr I Hamburg-Altona und Wandsbeck. Redner: Dr. Franck. Dr. Haipern. Dr. Victor. Dr. Landau-Lübeck. 7) 14. Juni 1906: Bericht über den Delegiertcntag in Haiinover. *8) 15. September 1906: Dr. Kalmus: Die innerpolitische Lage des Zionismus. 9) 25. Oktober 1906: Dr.’med. David: Der Zionismus and das religiös-liberale Judentum. 10) 15. November 1906: Dr. Victor: Die jüngsten Ereignisse in der zionistischen Bewegung. Mitteilungen der Herren Charlop und Makoff aus Palästina. 11) 24. November 1906: N. So ko 10 w-Warschau: Die Lage der Juden in Russland (öffentliche Versammlung im gr. Saale des ״Logenheims".) 12) 24. Januar 1907: Dr. Blöd e-Nürnberg: Die Juden als 13) 16. Februar 1907: Dr. Halpcrn: Jüdische Volkspolitik. (Öffentliche Versammlung in Wandsbeck.) 14) 21. Februar 1907: Dr. Victor: Juden und Tagespolitik. 15) 18. März 1907: Dr. Blöd c-Nürnbcrg: Jüdische Kolonial- Politik, (öffentliche Versammlung im Konventgarten.) Von national-kulturellen Veranstaltungen seien genannt: 1) 11. Dezember 1906: Makkabäerfeier mit Ball, in den Räumen des «Logenheims“. Herr Rabbiner Dr. Schornstein- Kopenhagen hielt die Festrede 2) 31. Januar. 7. und 14. Februar 1907: Historischer Vortragszyklus. Herr Rabb. Dr. L ö w c n t h a 1: ״Die Zeit der Hasinonacr und Herodianer‘4. 3) 26. Februar 1907: Jiidisch-Iitteranschcr Abend (gemeinsam mit der Hcnry-Jones-Loge U. O. B. B., dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur und dem Verein ehemaliger Schüler der Talmud-Tora) Dr. Nathan Birnbäum-Wien: ״Die Sprache und Literatur der Juden des Ostens“. James Kuncrt -Berlin: Rezitation in jüdischer Mundart. Von den beiden innerhalb der Ortsgruppe bestellenden Verbänden trat der M i s r a c h i wenig an die Oefieiuüchkeit, während die 1905 begründete zionistische Frauen vere i n i g u n g eine lebhafte Tätigkeit entfaltete. Sie zählt 92 Mitglieder (Vorstand: Frau Huldschiner. Vorsitzende. Frau Dr. C h \v o 11 e s, Frau Ester mann. Frau Dr. F i n k, Frl. L fi b k e. Frau Constanze Mathiasson und Frl. Vc i 1 c!1 c n 1 e 1 d). Die Tätigkeit bestand einerseits in soz i a I c r Hilfsarbeit, verwiegend zugunsten von Ausländer- Familien. Im Sommer wurden zum ersten Mal in Hamburg regelmässige Ferienausflüge n.it schwachen jüdischen Rinden! unternommen (sog. T a g c s f e r i c n k o10 n i c n. Unsere Pfleglinge fanden gastliche Aufnahme bei dem ״Verein Kinderspielplatz am Köhlbrand4‘, wofür wir diesem und insbesondere seinem trefflichen Leiter Herrn H i n 17 e zu aufrichtigem Danke verpflichtet sind. Die starke Beteiligung und der gute Erfolg ermutigen zur Wiederaufnähme und Ausgestaltung des Unternehmens im kommenden Sommer. Andererseits leistete die Frauengruppe jüdischnationale Arbeit: sic hielt Versammlungen ab. sorgte für Agitation, veranstaltete zu Purim für 400 Kinder ein wohlgelungenes Kostümfest (Bewertung. Ansprache von Frl. Lübke, Purim-Festspiel, Polonaise und Tanz. Zutritt für die Kinder kostenlos) Die Ortsgruppe Hess es sich angelegen sein, auch alle andem gangbaren Wege zur Propagierung des Zionismus zu beschreiten. Die treffliche Broschüre: ״Die jüdische Volksbewegung“ wurde in einer Anzahl von 5200 Exemplaren mit einer Aufforderung zun! Beitritt dem HAMBURGER ISRAE- L1TISCHEN FAMILIENBLATT beigelegt. Die Einladungskarten zu den Versammlungen enthielten regelmässige Hinweise auf die verschiedenen zionistischen Institutionen, wie Nationalfondtelegrarnnie. Materialicnsammlune und dergl. Die politischen Tagesbliittcr brachten regelmässige, z. T. sehr ausführliche Berichte über unsere Versammlungen. Agitationsbroschiiren. Flugblätter. RUNDSCHAU-Nummern etc. wurden in grosser Anzahl verteilt und an Einzelpersonen versandt. Die WELT liegt seit mehreren Monaten in allen Strassenverkaufsstollen Hamburgs aus. Auf zionistische Anregung erfolgte: 1) die Gründung des von der Ortsgruppe subventionierten Vereins: ״Jüdische Volkslesehalle'* im Mai 1906. Vorsitzender ist z. Zt. Herr Rabb. Dr. L ö w e n t h a I. Ein geräumiges Lokal. Kohlhöfen 17,wurde von dem ״Verein zur Speisung bedürftiger israelitischer Kinder" unentgeltlieh überlassen, wofür wir auch an dieser Stelle unser!! herzlichsten Dank sagen. In der Lesehalle, die jeden Abend geöffnet ist. liegen ca. 30 jüdische Blätter aus. Auch eine Bibliothek ist im Entstehen begriffen. Erfreulicherweise ist in jüngster Zeit ein Zusammengehen i r 1' ץ ון*י!״ י ו״״•1,׳11״,־1 rt'י,ח,י;(<יו«■״י •®"(ימוי •*.יייי״ייי^״״י» ^<ייי ״׳׳׳jywy«

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