Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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| No. 15 י_JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 149 ן Die Rechtfertigung des badischen Oberrats i Im VERORDNUNGSBLATT des Ü rossherzoglichen Ober• rats der Israeliten. ausgegeben Karlsruhe, den 18. Mürz 1907,! findet sich׳ im nichtamtlichen Teil, der unter ״Verantwortlich keit des Qrossherzogl Oherrats. Geh. Oberregierungsrat Di. Mayer'* erscheint, eine längere Ausführung über die Gründe, die den Oberrat zum Rückzug :11 .־?achcn der Wahlrechtsänderuiik veranlasst haben. Nachdem die Vorgeschichte mitgcteilt ist und festgcstcllt wurde, dass hinsichtlich der Einzelheiten des Entwurfs eine Übereinstimmung im Oberrat erzielt wurde, heisst es weiter: .; ״Nun erhob sich im Schosse des Oberrats selbst, ein j prinzipielles Bedenken von entscheidender Bedeutung . . . wie leicht konnte die Zulassung der ausserterminlichcn Stimmabgaben zu unzulässige»■ W a h 1 b e e i n * ' flussung und zwar nicht von Seiten der kirchlichen Behörden. Beamten und Bedientesten, denen der Oberrat volles Vertrauen schenkt, sondern von privater Seite 1 führen . . . An demselben Tage, an dem sich diese Oeberzeugung dem dem Respizienten des Oberrats aufdrängte — es war am 7. Mürz — trat er für die Zurückziehung der Vorlage ein*) welche tags darauf von dem Kollegium des Oberrats beschlossen und unverweilt sämtliche Abgeordneten mit dem Anfftgcn mitgcteilt wurde, dass nach neuerlicher Erwägung die Zulassung der ausserterminliehen Stimmabgabe auch bei korrektester Haltung der Synagogenräte zu unzulässiger privater Wahlbceinflussung Gelegenheit und Anreiz geben würde. Es ist nicht ohne Interessen dies festzustellen, damit es etwa nicht den Anschein gewinne, als ob die ganz unverständigen von haltlosen Einwänden und unbegründeten Unterstellungen erfüllten Auslassungen, welche in No. 10 ’ des ISRAELIT vom 7. März und in No. 10 der JÜDISCHEN , PRESSE vom i> März gegen die Vorlage des Oberrats gerichtet worden sind, irgendwie ins Gewicht gefallen wären.“ Demgegenüber ist nun folgendes festzustellen: ■ Am 7. März bis abends nach 9 Uhr. hat der Respizient des! Ofcerrats, Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer aus Karls* 1 ruhe, den Erwägungen, die nachher zur Zurücknahme der Vor- I läge führten, nicht Raum gegeben. J Bis dahin fand nämlich Jene Sitzung in Mannheim statt, , die auf Veranlassung des Herrn Dr. Mayer einberufen wurde, ' der er anwohntc und in der der Entwuri eine vernichtend».! Kritik erfuhr, während Herr Dr. Mavcr die Vorlage auf das Nachdrücklichste bis zuletzt verteidigte und ausserdem er klärte, dass die Haltung der Mannheimer Gemeindevertretung j kein Grund für eine Korrektur der oberrütiiehen Ansichten sei. 1 Es wäre darum interessant zu erfahren .wann und wo an jenem j von ihm besonders betonten 7. März Herr Dr. Mayer für die Zurückziehung der Vorlage ein trat“.״) da er nach Schluss j der für ihn resuitatlosen Mannheimer Sitzung sofort nach Karlsruhe zuriVckfuhr. Weiter: Die Artikel des ISRAELI!' und der JÜDISCHEN PRESSE, die zitiert werden und die Artikel der WELT und der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, die nicht zitiert werden, sollen den Oberrat nicht zu seinem fluclitähnlichen Rückzug veranlasst haben. Gewiss־ Die Artikel dieser Blätter erschienen später, denn Hccrn Dr. Mayer beeilte sich — noch ehe das Kollegium des Oberrats überhaupt tagen konnte — nach Mannheim zu berichten, dass die Vorlage zurückgezogen sei. Abc: die Gründe dieser Zeitungen waren identisch mit jenen Gründen, die d׳e Mannheimer Gemcindcvertretung zu ihrer entschlossenen Stellungnahme veranlasste. Einen Teil dieser Gründe macht sich das Verordnungblatt selbst zu eigen. Warum greift cs aber nur die orthodoxe Presse an und nicht auch die Mannheimer Gemeindevertretung, da jene doch dem Oberrat im wesentliche» nichts anderes unterstellte, als es auch die Wortführer der Mannheimer Gemeinde taten! Warum verschweigt das amtliche Blatt nicht allein den wahren achxerlialt. sondern sucht die Sache sogar so darzustellen, als ob der Oberrat aus sich heraus die Zurücknahme beschlossen hätte, als ob ״in: Schosse des Oberrats selbst“ jene Bedenken entstanden wären. während im Oberrat vielemrh — wie das Veordnungsblatt konstatiert — solle Übereinstimmung über die Zweckmassigkeit der Vorlage herrschte und der Respizient des Oberrats nur unter dem 1 starken Druck der Manheimer Gemeinderepräsentanz nachgab. 1 Wirsind nicht geneigt, den Ober rat so niedrig einZu- ( schützen, wie es das Verordnungsblatt tut und wollen nicht •) Voq uns gesperrt gedruckt. glauben, dass er nicht die Gefahren der Wahlbceinflussung und die Gefährdung des Wahlgeheimnisses ebenso erkannt hätte, wie Jeder, der die Vorlage auch nur einer primitiven Prüfupg unterzog und wie die jüdischen Zeitungen fast einmütig feststellten. Oder •wären ihm hur jene Mängel klar geworden, die als a u s d r üc k I i c h e Bestimmungen in seiner. Vorlage stehen und eine vortreffliche Stütze seiner Ziele bedeutet hatten! Wäre der Oberrat wirklich so einseitig, dass .er annehmen konnte, dass seine Gegner die kirchlichen Behörden einfach würden schalten und walten lassen, um die Stimmzettel allein von denen abzuholcn. die ihnen ihrer Bemühung würdig schienen, ohne wenigstens zu versuchen, der behördlichen Einmischung ein — wenn auch schwierige - Paroli zu bieten! Wäre der Oberrat wirklich so voreingenenmien, zu verlangen, dass man die Möglichkeit einer Waldbeeinflussurig durch die Synagogenräte oder ihre Unter beim ten ignoriere! Es ist völig nebensächlich, ob der Oberrat den kirchlichen Behörden. Beamten und Bedienstesten volles Vertrauen schenkt. Die Möglichkeit einer Beeinflussung genügt schon, abgesehen davon, dass das Vertrauen auch bei den Wählern vorhanden sein muss, was sich schlechterdings gar nicht konstatieren lässt. Wie dem auch sein! Man muss ausdrücklich wiederholen, dass die orthodoxe Presse, die das Verordnungsblatt angcgriffcr.hat. nichts andere.! tat. als dit Mannheimer Gemeindevertretung, über die sich der Artikel- Schreiber aussclnveigt und darum ist es diesmal im höchsten Grade deplaziert, wenn das Verordnungblatt in einem kühnen Übergang als Verteidiger der Städte auf dem Plane erscheint und sie mobil zu machen sucht, weil der ISRAELIT den ״in differenten Haufen in den Städten“ angegriffen hat. ״Das ist die Quittung des orthodoxen Zentralorgans für die bedeutenden Opfer, die die städtischen Israeliten .... zur Unterstützung der meist konservativen Landgemeinden .... alljährlich gebracht haben,“ ruft es emphatisch aus. Verwechseln wir nicht die Begriffe! Der ״indifferente Haufe in den Städten" stand auch diesmals gleichgültig bei Seite. Aber von enenr ״Haufen“ lösen sidti doch allmählich andere Gruppen ab. die sich nicht getroffen fühlen, weil für sie. die für viele städtische Gemcindemitglieder heute noch geltende Kritik des ISRAELIT nicht zutrifft: ״Wenn es ihnen nicht sehr bequem gemacht wird, will jene S^tte von Juden wahrhaftig nichts vom Judentum wfsen.‘*- Wir haben nicht den Beruf die Orthodoxie zu verteidigen. Aber wir lassen nicht zu. dass man hier aus ihrer Haut Riemen zu schneiden versucht. Und darum sei immer wieder gesagt, dass der nicht indifferente Teil der städtischen Bevölkerung. darunter der grössere Teil der Gemeindevertretung der ultraliberalsten Gemeinde des Landes und hauptsächlich selbst Männer ultraliberalster Richtung sich in dieser Angelcgenhelt mit den Ansichten der Orthodoxen identifizierten und dass darum jeder Versuch, den einen gegen den anderen ausznspielen, in diesem Fall von vornherein ohne Eriolg ist. Zum ersten Mal wurde bewiesen, dass der ludifferentisnius in den Städten seinen Höhepunkt erreicht bat und dass mimnicht mehr eine Bevormundung seiner Behörden ohne alle* Kritik hinnchmep will, denn auch in Freiburg setzte die Protest- bewegung ein und gerade an dem Tage, an dem der Entwurf, zurückgezogen wurde, sollte eine öffentliche Versammlung dort stattfinden. Das ist der Lichtpunkt an dieser Atfäre. Uns Zionisten mag es noch zur besonderen Genugtuung gereichen, dass es die Unsrigen waren, die hierbei sowohl In Mannheim, wie auch in Freiburg die Initiative ergriffen. Ben Ami. Kleine Mitteilungen Jüdische Theateraufführungen. Für die vom .,Verein zur Förderung Jüdischer Kunst'' vorbereiteten Theateraufführungen werden (neben Berufsschau- Spielern) für Volkszenen intelligente, schau spielerisch begabte Liebhaber in grössere: Anzahl gesucht. •Alle diejenigen, die die Aufführungen in dieser Weise zu fördern geneigt sind, insbesondere iuch unsere Glaubensgenossen aus /.dem Osten, werden ersucht, sich unverzüglich schriftlich bei :n. Unterzeichneten melden zu wollen. I. A.; A dolf .0 raupe. trihiührcr .des .״Vereins zur Förderung jüdischer Kunst‘ . ג ■Berlin ,• Lipehncratratse 12.