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Jüdische Rundschau · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · page 22

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite •42 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. tu ,I:! :I *׳! VorKctrasenc Rezitationen. Oie Versammlung trab ihrer Anerkennung durch Icblmiteu Beifall Ausdruck. . Hannover. Wir haben titts wirklich lange besonnen, ob . wir der RUNDSCHAU einen Bericht einsenden sollten. Wes- ] halb? Weil wir hier in Hannover in einer merkwürdigen Lage sind. Unsere Gruppe, zwischen 2—300 Schekelzablet stark, wa!• bis jetzt völlig unselbständig insofern, als unser vor kurzem nach Berlin verzogene Führer. Herr R. A. Gerne* mann, die geistigen und materiellen Interessen der Gruppe fast allein darstellte. Seinen Anordnungen wurde fast blindlings Folge geleistet und wir fuhren nicht schlecht dabei. Und was ist dem Zionistnus hier in H. nicht alles an Opposition geleistet worden! Nicht allein, dass die sogen, oberen Zehntausend sich bis auf einen geringen Bruchteil von der Sache!ernlialten, wurde sogar versucht, auf di«־ übrigen hiesigen luden dadurch einen Druck auszuiiben. dass man den osteuropäischen Glaubcnsbrüdcrtt einfach offen und ohne Um* schweif drohte, die Hilfe der Regierung (d. 11. die De!tu 11z i a t i o r. zur Ausweisung) anzurtiien. O b j c k t i v der Bewegung entgegen zu treten, fehlte es hauptsächlich an Gründen; desto intensiver versuchte man es mit pcrsft'nliehen Anfeindungen und Drohungen. Wer die leidenschuft* lieh bewegten, ausserordentlich erregten Versammlungen früherer .l.'hrc 11'Ugemr.eht hat. weiss manch‘, LieJchen davon zu singen. So sind wir Zionisten hier in Hannover daran! augewiesen, eine beschränkte Agitation zu treiben. Wir würden den Erfolg unserer Arbeit durchaus in Frage stellen, wollten wir ״energisch" Vorgehen. Nur die intensive Kleinarbeit, die durch Gruppcnversamtnlungen genährt wird, kann ins hier Erfolge bringen und .wird uns solche auch bringen. Pin für den Zionismus begeisterter Vorstand, eine Anzahl junger Damen, Uie sich ebenfalls nicht schäme:־., sich öffentlich als Juden zu bekennen, ein guter, alter Kern, um den sich die neuen Mitglieder gern und willig grünpieren, lässt uns für die Folge das Beste hoffen. Zwar fehlt uns ..unser Gronemann" allenthalben, zwar haben wir noch nicht gelernt, den versteckten und offenen Anfeindungen so gewandt entgegen zu treten, wie ihm Uns in hohem Masse zu Gebote stand; aber der gute Wille ist da und whcre i$ a will, there i$ also a way, Meyer. Kiel. Am 29. Januar sprach liier in einer relativ gut besuchten Versammlung Herr D r Blöde über ..D i e .1 u d c w als Rasse". Der glänzende Vortrag des Referenten fand den gebührenden Beifall. Die Veranstaltung bedeutete für uns eine erfreuliche Stärkung unserer Position. ln der sich anschliessenden Generalversammlung wurde ein neuer Vorstaiul gewählt, bestehend aus den Herren Dr. Bchr (als Vorsitzender). Berghoff. Engel. Tannenwald und Unna: als Ersatzmann wurde Herr cancl. iur. Nathan gewählt. — Im hiesigen Literatur verein sprach am 2. März Matthias Achcr aus Wien über ic sprach 1 ic 11 e und literarische Entwicklung der ö st Heben .luden" und fand durch seine inhaltsvollen Ausführungen ebenfalls den verdienten Beifall. Königsberg I. Pr. Herr Dr. Blöde hat uns imvergess- K.;l1c Tage bereitet. Am 27. v. Mts. sprach er in öffentlicher \ י *put״ in der Böreerressoiircc über ״Zionistische Tagespolitik*‘ (Reichstagswahlcn. Zentral verein), uss darauf in Insterburg iii'-er die ״Bedeut 11!1 ■g des Zionisums“ und am 2. Mär/ referierte er in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Hoppe im Kasino des V.J.St. über das ״Pa lnsti na -1 n du s t r 10-S y n d i k a t‘־. Wir haben nicht mir einen gottbegnadeten Redner gehört, sondern zugleich eine Persönlichkeit kennen gelernt, die uns alle geiiugcn gen;»11uicr! hat. t־nd wir bedauern mir. dass beide hiesigen Voran-!:•U01n׳eii nicht denjemgen Besuch gehabt haben, den sie verdienten. Soviel indes ist siche•, dass die!nass- ׳ebenden Persönlichkeiten für das Paläsiina-tsvndikat ge• ,.!inen sind und dass w o hei eitler erneuten öiieutlieücti t>- brtertmg des Projektes die ganze Gerne! nd e auf 1 -1«erer Seite haben werden. 1• Filehne. Am Sonntag, tkm 24. Februar, veranstaltete die If.csigc zionistische Ortsgruppe in den festlich gcsclmiäcktcti R;<־vmen des Mark’schett?aales eine in allen PunUcu durjntis ■ •-hmccoc Pnrirmcic־r. Auf Einladung dos Vorstandes stellte stell Herr ür. Carl Kassel-Pofctt w liebenswürdigster Weise dem Verein zur Verfügung und gab i״ einem hall: :.tüitdigen Vortrag über das Thema ״Die Stellujig der Juden int modernen Staats wesen" eme!! fesselnden UeberMick der damabgeu Zustände in Pcrs'cn 1n׳U berichtete auch über den Stand der jüdisUtai Volksbou egaug. Seine vwj Hema koHimcivdtfi und zu Herze» gdumde^i Worte faadcu hr dicht gcfüUtea Saale warmen und regen BciiaÜ, IW 1»1זזז fotgead»• Komircr« wurde vom Vorsitzenden. Herrn Alfred Sa I i n g e r. geleitet und d merte bis nach Mitternacht. Gesangliche und rezitatorlsclic Vorträge wecliselten in.bunter Folge. Besonders sind die Vorträge der Herren R e 11 f e I d. Hcitiinnn. Leiser, wie Frau Eschen zu crvTihi'eti. Der als (inst erschienene Herr Rabbinar Nobel brachte in längerer, formvollendeter Redv ein Hoch auf den Vorstand U •s Vereins aus. ermahnte aber gleichzeitig, dass alle jüdische!• Vereine gemeinsam zum Wohlt der Gemeinde wie des Gesniutjuviemnins arbeiten möchten. Die Damen liess Herr Apotheker ßoschvv itz hochlebcn sic anfeuernd zur tätigen Mitarbeit am nationalen. Werke. Nach einem Purimscherz des Herrn K o n I o w i t z - Beutlien ergab c.ne amerikanisch•• Auktion dos Werkes ,.Palästina" für den erhlim'-ten Dichter M. Rosenfeld einen Betrag vor! 15-10 Alark. Sympathiekundgebungen und mehrere neue Mitglieder waren der glänzende Erfolg dieser echt jüdischen l eier. Körngshiittc O.S. Das von unserer Ortsgruppe am 2. Mär־,, veranstaltete Purim fest zeugte von dem Aufschwünge des Zionismus in unserer Oemeinde. Die festlich geschmückten Raume ^Jes k'a1v,־rh1>fs rcicuicn für dk >׳\ ^!ailnehiner kaum aus. Eiugeleifct wiird»־ der Abend durch einen von Frl. B e 11 y Grün i!erg gesprochenen Prolog. Darin schlossen sich mehrere Chorgesänge (Morgengebet ans der Opci ״Joseph in Ägypten•‘, ״HaUclujob“ v<m Sacki nnd das ״!;ngeltcrzeU" ans dem ,.Elias"), die »niser Gesinnungsgenosse. Herr Oberkantor W it te 11 bc r g in meisterhafter Weise eingeübt hatte, nid die von Herrn W i tt ־׳ n b e r g selbst vorgetrrwcr.e Arie ..F.s ist geling‘־ aus dein ״Elias־•. SoJann saug Herr D r.!: c 7 י vs c r - Attloiiictihi'me in wahr Ir.: ft ..beehc Her" Weise die beiden lustigen Volkslieder ..Der Seid! mit der Babe" und ,Sinichas Iha1m:h". Die־ Vorlesung eiliger imigi״Jischcr Dielitungen durch Herrn Kaufmann B u!1 m ־ Königshütte und die zündende F estre d e des Herrn A r I!111 r Morgenstc.rn aus Gleiwitz unterbrachen die musikalischen Darhielt.nc־e11. Das Fest brachte, trotz der Itolien Unkosten, einen Reinertrag von ca. א*» Mk.. der den P o g r o 111 w a i s e nk i 11 ü c r n zufalien soll. W ir gewannen ferner 10 neue Mitglieder. so dass unsere Gruppe jetzt über $0 Köpfe zählt. Dresden. Ein•; Seit ld.ru :g über den Hergang tmd Verlauf unserer letzten grossen öneutücljcn Versammlung dürfte,1 wir am zweckmässigsten dureh ungekürzte Widergabe eines Berichtes des hiesigen freisinnigen Blattes DRESDNER ZEITUNG gerecht wer dem; Judeitgfieuo in! 20, Jahrhundert. Ueber Thema sprncli am Dienstag Abend im .Herzogin Garten" in Vertretung des er- Elias Auerbach ein Herr Dr. Grebenhagen öffentliche!! Vcrsnnm׳l:mg der z'eiiLstisclicn Orts- Im Anfang seines Vortrages betonte der Redner, er ero.v,: A. tl'.s uni׳ handeii. Geistes!nassen Red!־er treib.•it ״Das deutsche dk'cs interessante Saale des Hotels , krankten Herrn Dt. in einer gruppe. wolle gewissennas<L1.־:־ nur ein Referat von denn eigentlichen Vortrage geben und mir einer regen D skuss.on die Wege vorbereiten und •ging d um zimäclist ־aut die fkdcutimg des Wortes Ghetto über. Zweierlei verstand Redner unter diesem Begriff, einmal in materieller Pezic-humg; die Anhäufung zahlreicimr Juden auf fest begrenzten Teniü>;i<*u 11,1J :11 ideeller: die ־gd'bgen E.igc1!seh־:ft.;1!. die sich infolgedessen notwendig .in n«us-’vf•. Kh« <hietto im :»iteruimliehe!» Sinne sei ckaunt und; boiiebe־: mir noch z. B. in Russland vor- All Stvik־ der körperlichen Dw'rcibcit sei die des g. trete:׳, d;•־ den Juden vtrankmsie. sich gew isse•־- als Paria unter den übrigen Völkern zu betrachten, ging s' ihnn auf die historischen Duellen dieser Unelo und ln׳b vor allem das gros-0 Verdaust Moses Mendelssohns hervor, der im Verein mit der französischen Rcvo- Ji,־l i n halmbreekeiü gewirkt hebe. Wenn auch die frauzösisehe Revolution die Juden Mensciu.nrccluc geuiessci! liess, zu voller Anerkennung hätten erst lange Kaimpfe geführt. In Deutschland l»est'.־he dies. ge'stige* Juden not, ü! gewissem Simie sogar noch c i'e niaterklle wie es sich z. H. bei der liaodelsgesctzgehl! 1!g. im Heere usw׳. zege. Das Judentum babe versucht, sich dein dcut-chen Volke anzupasscn. de» Dank habe cs «n (KStalt des Aut!semi(istnus e«halten, der seinen grössten tieguer m Theodor Herzl gefunden lüde. Nur auf eigen .*01 )•ulische־t f ■o*■1׳ ,׳< ko1»־teu sich a'lg I äl! güedeii d' 4 geist gen J־jJe .'tums 1 Ww 1״k• *11. D e Jude» /!;itlcn iu1p;er Bedvute'des geh.ist t, wo auch immer sic «gewirkt lüiüeii itn.l diese Rüstigen l'riuuRcMSwbufu!1 seien allen Völkern zu gute gekommen. Sdairge ♦de» <ie־r Jo׳Je nicht auf v.i«ie ludividuH1.׳- tu« I ־esii'ae, lange ionie de•׳ Kampf zu e'־»e־r Hngsameii. aber siij’ei*.» V'er;jiclum;g d •s lydcir.ciiis; dem! di4־ starken Qiarjkr tere wurden zermürbr. r.־ schwachen gehen i!;! Volke unter. Bis jetzt tiabe sieb das Judentum nur dmvii /.uzug aus frciiidesi iXnäent i. H. Polen vrhultw-n. Alle ,V e«x*eJu; das Volk in *:•i^ l.ar.d m vcrirt'iaaztu muf dort m sujninghi. sc ru 4tv> 1 , 1 ׳r».

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