Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jahrgang Judenpolitik Wi•; gern würden wir uns in der Lage sehen, eine Jniicnpolitik im Deut.selien Reiche nicht treiben zu müssen, hs ist keine angenehme Stellung. eine angegi fiten׳.;Minorität za bilden. Und unsere Minorität ist •eifi־ klein und wird von Jahr zu Jahr kleiner. Penn wenn auch einmal die Verringerung der jüdischen Bevöikerung in Pentschlatid gegenüber den Umwohnern zu einen! zeitweiligen Stillstände komm», so sorgen schon die Preussische Jtidcnpulitik mit ihren antiscmnischen 'Ausweisungen und den Preisen auf die Taufe nie!!;!!!!;!der wie der immer schärfer gegen die .luden d^r.kleinen und minieren Orte einsetzende Boyhott" für die dauernde Abnahme der Mir eiiie Bevölkerung von!!!ehr ais 00!Millionen rech׳ kleinen Zähl von kaum f>10׳(Vu Juden. ‘Pie Stellung der Juden ist schon von vornherein durch ihre numerische Schwäche gegeben. Dazu kommt die immer schärier cinsetzemJe offenantisemitische “Hewegmig. Wir wollen •gär)nicht vom Judenhass "der Konservativen reden; dic'in'ihr Tivoli- Programm die Entrechtung der deutschen Juden auigcno’j’.yten haben, auch gar .nicht ••von ,־tkmr Rischus, •der in den Kreisen des Zentrums in dein Augenblick den antisemitischen Ausdruek. fand, , w o _der •Judcnstäinmling B.־r1flmrg ihnen gegeuüher.Ucht; der iliiii in Christlieher tlesinmmg gew iss keinen Zoll nncligibt. Kann er doch den Wert des Cliristcntunis; als־. Neuelirist•• noch ganz ämters empfinden als Herr Sdiädler und ' seine Freunde. Aber er dürfte ausreichend iiir uns sein, dass die Zahl der reinantiscmitisclien V*׳ä! 1 Ter. die sich , seit dem Jahre 1893 von 244 5*13 auf 448 8119, also auf heinalie das Doppelte erhöht hat, die Zahl der waiilbereclitigieii Juden im Deutschen Reiche um mehr als das ,sechsfache übertrifft. Wer angesichts dieser Tatsachen davon reden will, dass wir deutschen Juden keine!» Hasse in der deutschen Bevölkerung gegemiberstdun, der treibt Vogelstrausspolitik, die wir Juden um unserer Existenz wilkn nicht initmache» dürfen. Diese Vogelslrausspolitik, die uns ein reden will, dass wir keine anderen Interessen haben, als die des Bütgerstandes oder gar der Arbeiterklasse, hat uns in diese Lage gebracht. Sie hat es verhindert, dass wir rechtzeitig uns zu'jüdischer Arbeit zusanmiengesclilosseu halien, und diese Vogelstrausspolitik war es, die uns erfreute, wenn liberale Parteien, "Juden - selbstverständlich nur getaufte, xvie Mmrdaii und Heekscher in den Reichstag entsandte. Als ob jemals seit Jahrzehnten auch mir ein nngetauticr Jude im deutschen oder preiissischcn Parlumcm sich um jüdische Angelegenheiten, und v.'ire es auch nur die Abwehr des Antisemitismus. bemüht hätte. Aber längst kennt der Reichstag i!ng..u,1ü.e .ludci! nur noch in de r Partei, deren indische MiiglKdci• verpflichtet zu sein glauben, das Judentum und di;• Angriffe auf seine Eine als Privat?: Jic zu betrachten. Die Zahl der rcmami.senmischcn Abgeord?e.c«! ist aber bei der letzten Wahl von 21 auf .0י gestiegen, d. 11. rund acht Prozent tki .Abgeordneten haben überhaupt zum Programm ausschliesslich die Bekämduug der Jude!׳, während bekuinncnuasseii die Majorität icchts und zum Teil in der Mine stets d1:.״ kräftigen Resonanzboden für die. antisemitischen Ob.;־.!;.''ך bildete. Und auch dieser Resonanzböden ist* eriiebfieh kräftiger geworden. ... . -.1 Pass bei den AYulilvu viele konservative’Judcm'eiude auf liberal-.n Krücken in den Reichstag eiuzogen. soll uns wenig schmerzen. Es ist aber Tatsuche, dass liberale Parteien auch den peinen 'Amtsemiten den Vorzug gab.-u. vor andern iinkssfciienden Parteien und dass allein nenn rdlnamiscmitisclie Äjtgeordue'tl'' niclit bloss dem A!ö; schwellen der ü-.mstnmisehcn Stimmen, sondern vor allem dem offenen ,mul "cm>c!tiede!;e!t Eintreten der. Eihken ibre Wahl verlkbiken. •"'•In. Escliw ege-Schmalka!■״ de!!, Meissen-Grossenhaiit jiitd Apokla-Weimar sind die! Antisemiten ausschliesslich '•gew ähtl ,.durch das ge;, schlossene und piainuässigc Eintreten der freisinnigen■ Volkspanei für sie. in Aisielu-Lauterbach haben sic!!' Freisinnige und Sozialdemokraten hierzu zusanuuenge^ runden, in Marburg Sozialdemokraten und Nationa'-f liberale, in Giessen-Griiüeberg haben di•.־ Soziakletm•-:' kraten das Kimststiick allein fertig gebracht. Pas sollte uns Jude» doch stutzig machen, mehr »och als die anti;[ semitischen und amisemitclucleii Angriffe, die von. Freisinnigen und Kamenilich von Sozialdemokraten in;• manchen Wahlkreisen mit Erfolg gegen jüdische Gegenkandidaten gerichtet wurden. Demgegenüber können wir die Notwendigkeit einer Abwehr keine» Augenblick verkenne«, freilich können wir uns ebenso wenig mit der Politik des A.bwehrvcreins und des Zentialvereins identfizfere». Penn, vveim' aiich beide sich ein löbliches Ziel, gesetzt haben, so alberten sic doch mit ganz untauglichen -Mitteln und jage» einer Utopie nach. Pa sic nicht den Mensche» andere Köpfe aufsetzen können, ais die sie von Gebmt י״«1י.«ץ", »*»■um״IJWWHy ft*1 יי**ןי*יי r\