Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 30DISCH1! RUNDSCHAU - ------ .... - - - « *־--—־ . ־■ - י » . No. 9 Sprache pflegteir, und das& die'Schüler zwar in ihrer i Heitnat keinen Bescheid wussten, dafür aber sämtliche | Departements des französischen Staates vor- und rück- I wärts; herschnurren konnten. Während der Zeitj Strömung " entsprechend, der die Allianz ihre Entstehung verdankt, im allgemeinen grosser Wert dem formalen Sprachstudium beigelegt wurde, vernachlässigte man die hebräische Sprache als etwas kulturwidriges, oas Lehrern zu unterrichten nicht zieme, die auf der dcolc normale in Paris ihre Vorbildung erhalten hatten. Praktischer Unterricht wurde gar nicht erteilt, und Nctters grossartige Schöpfung Miqwch-J׳srael bekam erst Wert, als von zionistischer Seite die ersten Kolonien entstanden, und das wirklich in die Erscheinung tieten Hessen, was Netter und Leven und die andern bei der Gründung der Allianz schon geträumt hatten. Aber immer noch konnte sich die Aiiianz von dem veralteten Vorurteile Europas nicht losmachen, das in dem bekannten, aber darum doch unwahren Saizc sich ausspricht, dass Sprachen bilde», 1. Gewiss tun sie das; aber in einem so beschränkte!» Masse, dass es mehr als gcfährlich war, durch die Lehrer der Allianzschulen diese falsche europäische Anschauung in Länder tragen zu lassen, wo sie noch unangebrachter war. Darum musste die Allianz viele Angriffe gerade von wohlgesinntester Seite über sich ergehen lassen, und wer es ehrlich mi; der Allianz meinte, konnte nicht anders Propaganda für sie treiben, als dass er gleichzeitig den neuzugewinnenden Mitgliedern von vornherein reinen Wein darüber einschenkte, dass die A. I. U. noch nicht imstände wäre, eine reale Bildung und eine jüdische Erziehung im Orient unter den Juden zu verbreiten. Anerkannt muss werden, dass die Leitung in Paris, wohl zum Teil unter dem Einfluss der Zentralkomiteemitglieder in andern Ländern mehr und mehr von ihren schweren Fehlern zurückgekommeii ist, und wenn auch noch immer dieselbe Vertrauensperson in den Angelegenheiten der Kolonien leider das Vertrauen der Herren in Paris in zu reichem Masse besitzt, so muss doch unumwunden zugegeben werden, dass in den Schulen eine so־ durchgreifende Wendung zum Besseren eingetreten ist, dass diese Institutionen sich dem ihnen vorgezeichneten Ziele mit Kiesenschritten nähern. Heute wird im allgemeinen in den orientalischen Schulen unseres grossen Kulturvcreins weniger Wert aut das sprachliche als auf das reale Unterrichtsgebiet gelegt, und vo,1 Sprachen Nachdruck auf die Landessprache, aber nicht auf das Hebräische gelegt, wobei ausdrück־ lieh gesagt sein soll, dass nicht jede Verbesserung ip unserm Sinne herzlich willkommen wäre. Wenn man noch die Mittel und Anregungen in betracht zieht, die die Alliance dem verstorbenen Konsul Simon verdankt und die sie im Interesse der Heranbildung einer jüdischen Industriebe Völkern i.g in Palästina nutzt, sc» müssen wir gestehen, dass bei allen noch existierenden Fehlern die Allianz sich auf dem Wege befindet, dem ihr ihre (minder zum Wohle des jüdischen Volkes vorgezeichnet hatten. Zum Kritisieren wird darum doch immer noch etwas bleiben. Als unter dem Vorantreten von Kriskller und Makower der verstorbene Prof. Dr. Moritz Lazarus im Anfänge der siebziger Jahre es versuchte, der Alliance kraelit-e Universelle eine deutschen Verein, eine ,.Deutsche Allianz“ emgegenzusetzen ־empfand mau c?• mit Hecht als einen nicht zu duldenden Angriff auf das Judentum, obwohl cs gerade Lazarus unendlich fern lag, durch die deutsche Allianz oen Zusammenhang der Ge• Seilschaft, die hebräisch heisst נל '-יאל הנדים zu zerreissen und den deutsch-jüdischer. Hilfsvcrciu, oen er plante, etwa als Vorgespann irgend welcher politischer Parteien benutzen zu wollen. Man empfand i:• allen treu-jüdischen Kreisen, dass eine solche Treu- 1:1!ng von der allgemeinen Vereinigung zum Zwecke icrritorialcn Zusammenschlusses mit den! tiefen zwar unbewussten, aber daium nicht minder heissen jüdischen Nationalgefühl im Widerstreit stand. Damm wurde die Spaltung der Allianz nicht zur Takache. Und ebenso werden andere Institutionen, die aus irgend welchen Motiven der Allianz emgegengcstelh werden, auch das eine Gute haben, dass sie die Allianz aus ihrer Lctltargie auirütteln, in die sie seit anderthalb Jahrzehnten versenken war. Und Ute Grundsätze der Alliancegründung, werden in ihnen immer mächtiger, als bei der Allianz selbst. Optische Berichterstattung mit sprechenden Photographien (Golus-Blüten) I. Bild: Moderne Propheten und Asslmllanten-Loglk. Versammlung. Moderner Prophet auf dem Podium. Pause — Der Rabbi räuspert sich. Die Augen des Allgewaltigen sprühen unheitnliehe Blitze. Gleich bricht das Gewitter los. Wen wird es wohl trefien? Lange Stille und gespannte Erwartung. ..Ihr begreift also, dass die Israeliten bei ihrer Mission geduldig ausharren müssen (Bravo!): ja, wir müssen die Menschheit belehren und bekehren! (Bravo!) . Daher weg mit Zionsschwärmerei (Sehr richtig!), die auf eine Utopie gerichtet ist. (Sehr richtig! Hört! Hört!) Jeder fromme, seiner erhabenen Mission sich bewusste Israelit muss jene unpatriotischen Verändcrtmgssüchtigeu, die ihr Vaterland mit einem andern vertauschen möchten, (sehr richtig!) verachten! (Bra — bleibt im Halse stecken), GL ich jenen, welche auf Raub ausgehen nach fremdem Hab und Gut!!! (Eisige Stille.) Diejenigen aber, denen nichts heilig ist und dennoch sich erdreisten, jüdische Ideale fördern zu wollen, sind dem Fluche verfallen! Amen." (Unruhe, dann wieder plötzliehe Stille.) Kommerzienrat Duckermann ergreift das Wort: ״Wir polnischen Staatsbürger israelitischer Konfession können den Worten des verehrten Vorredners nur beistimmen. Ich persönlich bin zwar religiös-liberal und halte die Religion für einen überwundenen Stand- Punkt (Widerspruch), glaube aber, dass die Mission der israelitischen Konfession durch sogenannte nationale Bestrebungen nicht gestört werden dyrf. Wir nationale Polen israelitischen Glaubens erwarten vielmehr sehnsuchtsvoll und mit ausgebreitete,ו Armen jenen Zeit- Punkt, wo unsere polnischen Brüder, durch uns• re Mission bekehrt, uns entgjegenkommen, damit wir sie liebevoll an unser Herz drücken. Und da kommt der unselige Zionismus und verdirbt uns die Arbeit eines ganzen Jahrhunderts. Daher nieder —" Einer aus der Versammlung: ״Sic waren allerdings itn Begriffe, ein Jahrtausende gehegtes und gepflegtes Ideal, die Liebe zum jüdischen Volkstume, aus den Herzen zu reissen. Da aber die Herzen nut dem Ideale innig verwachsen sind, so kam cs den Assimilantcti nicht darauf an, die Herzen herauszurcissen und zu zerfhisehen. ' Da kam der Zionismus, klopfte ihnen auf. die