Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 63 j ו Np. 6 ..Zigeunerisches‘* (deutsch. Kalle 1S65) enthaltet! «ne Kille | fc'ner und treffender Bemerkungen. Weniger glücklich war er in' schier Theorie der arisch-semitischen Sprachvcrwandschaft. die er in seinem ״Ncsso ario-scmitico“ (1863/61־) zu verteidigen . suchte. Vcn seinen sonstigen, selbständig erschienenen Schritten, sind noch seine italienische Uebcrsetzung Vencdischcr Hymnen und seine interessante Sammlung griechischer, lateinischer tisw. Inschriften auf alten indischen Gräbern in und bei Neapel (״Iscrizioni greche latine ebraiche <li antichi scpoleltri giudaichi c'cl N'apoletano“. Florenz 1870) zu erwähnen. Zahlreiche Aufsiltze von ihm linden sich auch in der Aufrecht-Kuhnschon ״Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung־‘, namentlich in den älteren Bänden; er sctiricb und sprach das Deutsche mit derselben Geläufigkeit wie se'ne Muttersprache. Ascoii war Mitglied fast aller wichtigeren gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes, so korrespondierendes Mitgied der Berliner Akademie der Wissenschaften der Academie des Inscriptions et des Belles-Iettres u. a. Vor wenigen Jahren wurde er aucn zum Ritter der Friedensklasse des preussischcn Ordens Pour le nnfritc ernannt. fsloch zu frisch getauft Das antisemitische DEUTSCHF. VOLKSBLATT in Wien schreibt: Das Magistratsgremium hat neuerlich •den erst vor einigen Monaten getauften Juden Dr. Grün be r g für die Stelle eines Stadtphysikus dem Stadtrate vorgeschlagen. Die Entscheidung liegt nun bei unseren auf das antisemitische Programm gewählten Stadträten. Man sollte glauben, dass die Entscheidung nicht schwer fallen kann. Allerlei Berner über Judentum und Christentum Der kürzlich verstorbene berühmte Strafrcchtslehrcr Albert Friedrich Berner hat sich in einer nur engeren Kreisen bekannten Schritt In interessanter Weise über ..Judentum und Christentum und ihre Zukunft־‘ geäussert. Er geht in dieser Ai beit, einem Vortrag, der. er 1S91 im Berliner Unions-Verein gehalten hat. von den einschlägigen Schriften Rcnans aus. Der berühmte Gelehrte hatte sich in einem Aufsätze in der ..Revue des deux Mondes‘־ dahm geäussert, dass das Christentum keineswegs eine Fortsetzung des Judentums sei. sondern eine im Schosse des Jdentums selbst vollzogene Reaktion Reger, den herrschenden Geist des Judentums. Sokrates und Plato seien in weit höherem Masse unsere Vorfahren als die rohen Beduinen aus der Zeit Josuas und Davids. Etwa zwanzig Jahre später aber in seiner berühmten Abhandlung über .,Judentum und Christentum‘* hat Renan diesem Standpunkt vollständig aufgegeben. Die ganze erste christliche Generation, sagt jetzt Renan, sei wesentlich jüdisch gewesen, und Paulus habe damals entschieden eine Ausnahmestellung eingenommen. Erst etwa hundert Jahre nach Christi Geburt setzte eine• feindselige Strömung gegen das Judentum ein. die zur vollständigen Spaltung geführt habe, nachdem das Christentum unter Konstantin dem Grossen im vierten Jahrhundert zur Staatsreligion geworden sei. Zuversichtlich erklärt jetzt Renan: ..Das Judentum, welches in der Vergangenheit so Giosscs geleistet Int. wird auch noch für die Zukunft von Bedeuturig sein. Die reine Religion, die die gesamte Menschheit vereinen kann, wird die Verwirklichung der Religion des Jcsaias sein, die ideale, von ihren Schlacken gereinigte jüdische Religion.“ So weit Renan. Daran anknüpfend führt nun Berner aus. dass das heutige Christentum wesentlich an zwei Schäden leide, an seinen polytheistischen Elementen, die durch die Berührung mit dem Heidentum entstanden seien, vor allem aber an seiner scholastischen Dogmatik, ln dem gegenwärtigen Kampfe gegen den Unglauben könne das Judentum, in dem die stärksten historischen Wurzeln des Monotheismus liegen, für die Neubildung des Christentums sehr wesentliche Dienste leisten. Das Judentum sei nicht mehr zu einer Weltreligion bcrufe.11, schon weil es sich nicht von dein Gedanken, eine nationale Religion zu sein, befreien könne. Andererseits sef eine Bekehrung der Juden zu einem noch polytheistisch gefärbten und durch scholastische Dogmatik verunstalteten Clnistcntum durchaus nicht wünschenswert, bestehe doch seine historische Mission, wenn man einmal von allem Prophetismus absieht, in der entschiedenen Behauptung des reinen Monotheismus.’• Wenn nun aber einerseits das Christentum durch die Einwirkung des Judentums die Reinheit und Einfalt des Monotheismus zurückeroberte, wie gross würde doch auch andererseits der Gewinn für das Judentum sein, wenn es sich i .. einem so geläuterten Christentum anschlösse! Es würde sich ■ endlich herausretten aus seiner traurigen Isolierung, aus der i , historischen Sackgasse, in welcher es seit der talmudischen Reaktion festsitzt.“ Ein ernsthafter Gegensatz zwischen der chi istlichon und jüdischen Moral bestehe nicht: weit grössere Schwierigkeiten bilde der Glaube an die Person Christi und die christliche Religion. Jene ist die Religion, die Christus selbst als übermenschliches Wesen verehrt. Jene ist vollkommen klar und für alle Menschen, diese ist so ungewiss und zweideutig, so dass keim: zwei Menschen darüber einig sind.‘־ Bekanntlich wollen neuere moderne Strömungen einer fr״itn Theologie, wie etwa Kalthoff sie vertat, von der Person Chrfsti vollständig abschen. Berner spricht sich entschieden (!;.gegen ans. ־ Fr hält eine Loslüsrag des Christentums von der Pe•r:••(ןןו seines Begründers für unmöglich, verspricht sich aber nichts von den Resultaten de.• historischen Kritik, wie sic seit Straiss ausgeübt wird. Derjenige Christus, der wirklich in der christlichen Religion lebe, sei die Gestalt des ganzen neuen Testaments: an d t־es hätten wir uns zu haitat. gleichviel ob sein Christus den historischen Tatsachen entspreche oder nicht. Jedenfalls entziehe sich die Person Christi jeder dogmatischen Formulierung, und es müsse völlige Freiheit hinsichtlich ihrer Auflassung gewährt sein. Zum Schluss seiner Ausführungen stellt Berner folgende These auf: ״Die Religion de! Zukunft wird sein: ein von! Wunderglauben befreites, durch den Wiedereintritt des Judentums im Gcttccsglaiiben gefestigtes, .und von aller dogmatischen Scholastik wie von allem polvtheistisclien Ersatz gereinigtes Christentum.“ Es wäre interessant fcstzustellen. ob Berner nichtjüdischer Abkunft war. Die Form des Familiennamens ebenso wie die ganze Denkweise ,assen wenig darauf schliessen. Bundes-Lied des ״V e r e i u s Jüdischer Studenten M a k k a h ä a“. Mel.: Der Gott, der Eisen wachsen liess. Lasst klingen nun im stolzen Rund Das Lied zu Kampf und Wehre! Lasst singen uns im Bruderbund Das Lied zu Judas Ehre! Und wie wir mit einander gehn Im Klingen und im Sagen. So wollen wir zusammenstehn Im Kämpfen und im Ringen. Das sei ein Kampf, gar stark und schön. Und soll es immer bleiben: Das Ducken und das Leisegehn. Das mögen andre treiben! Fort Judenleid und Judenschmerz Und weichliches Zerfliessen: Empor, du starkes, junges Herz. Die Zukunft froh zu grüssen! Wir sind so jung, wir sind so froh. Nichts Froh’res gibt’s aut Erden; Wir wissen auch, wir werden so Zu rechten Männern werden! Und stritten wir für Judas Ruhm Voll Kraft in Jugendzeiten. So werden wir im Mannestum Noch zehnmal besser streiten. ״Für Judas Ehre allezeit ln Liebe und in Treuen!“ In Lebenslust und Lebensleid Lasst uns den Ruf erneuen! Zum Schw ure hebt die Hand empor. Das hall’ wir Sturmeswehen! Uml klingen lasst den vollen Chor Von Judas Auferstehen! 1907. Dr. Emil Cohn (V.J.St. Berlin. A.H.) Kleine Mitteilungen Berlin. Jüdischer Turnverein ״Bar Kochba“. Der nächste Vortragsabend mit anschliessendem geselligen Bcisammensesii findet am Sonntag, dem 10. d. Mts., in unserem Vereinslokal, MünzStr. 61. statt. Herr Theobald Scholcm wird über ״Die Juden in der W 2 11 g e c h i c h t ,e“ sprechen. Begrrm präzise 7 Uhr. Gäste herzlich wllkommen! Berlin. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder hat sich in letzter Zelt derart ausgedehnt, dass er sich gezwungen sah, ein eigenes Bureau zu errichten. Es ist am * 1. Januar Motzstr, 8, Gartenhaus parterre, eröffnet worden. 1 *