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Jüdische Rundschau · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 6 No. 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Dr. Arthur Biram spricht über die Zeit des Mittelalters. Berlin. Der Jüdische Turnverein ,.Bar Kochba“ voranstaltct an den Sonntagen vom 13. Januar bis zum 24. Februar im Vercinslokaic. Miinzstr. 8 I. eine weitere Reihe von Vortragen. Den ersten dieser Vorträge wird Herr Rabbiner Dr. Lcvy am Sonirtag. 13. Januar, abends 7 Uhr. über das Thema ״Feminismus im Judentum“ halten. Gaste herzlich willkommen. Breslau. Am Sonnabend, dem 15. Dezember, veranstaltete die Breslauer Zionistische Vereinigung wieder einmal ein Makkabäcr-Fcst grösseren Stils, das sich vorteilhaft von derartigen Festen der früheren Jahre unterschied: die Festteilnehmer wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht« — das Publikum, das sich cingciundcn. war ein besseres. — schliesslich: dem Zwecke des Festes, dem zu begründenden palästinischen Waisenhaus für die Pogromwaisen, wurde ca. 250 Mk. erübrigt. In dem künstlerischen Teil cntziTckto besonders das Publikum der Gesang von Fräulein Else W e i s s. die von Herrn Her ni a 1111 C e r i!1 i Verständnisvoll begleitet wurde, sowie der prächtige Klaviervortrag des bekannten Breslauer Tonkirnstiers Dr. Felix R o s e!11 h a 1. der der Aufforderung zur Mitwirkung bereitwilligst Folge geleistet hatte. Herr Paglrn und Herr Stern fanden gleichfalls viel Beiial mit ihr*.!! Gesangsvorträge:!. Die Festrede hatte Herr D r. Hans Gide o n H c y m an!!• Berlin übernommen, der die Zuhörer durch schien Vortrag iiir das modern-jüdische Beben und Wirken zu interessieren wohl verstand. Ein gemütlicher Tanz beschloss das Fest. In der Tanzpatisc fand eine Verlosung von Büchern. Bildern etc. statt. — Am 25. Dezember war eine öffentliche Ver ־ Sammlung. Der geräumige Saal des Palast-Restaurant war überfüllt. Dr. Elias Auerbach sprach über .״Allg c m c! n ־ i ü d i s c 11 c G c g e 11 w a r t s a r b c i t4‘. Verhältnls und Stellungnahme des Zionismus zu derselben. Hatte dieser Redner vor allem die kühler erwägenden Verstandesmcnsclien unserer ld׳.e näher gebracht, so ergänzte ihn vorzüglich als zweiter Redner D r. Heinrich Sachse, der sich diesmal mehr an das Gemüt und an das jüdische Herz wandte. Reicher Beifall lohnte die beiden Redner. In der kurzen Pause, die auf die beiden Reden folgte, entrichteten 37 Personen den Schekel, den sie sämtlich bisher noch nie bezahlt hatten. Diese Schekclzahluug ist umsomehr als ein Bekenntnis zum Zionimus zu betrachten, als vorher ausdrücklich auf diese Bedeutung der Schekelzahlung hingew ieseti worden war. (Ein Berichterstatter versucht, den Erfolg lEeser Ver- Sammlung und der Makkabäerieier herabzusetzen. Hierzu sei bemerkt, dass derselbe nicht aus eigener Anschauung urteilt, da er bei beiden Veranstaltungen nicht zugegen war Im übrigen gönne man diesem territorialistischru Hecht im zionistischen Karpfenteich sein Vergnügen.) s. Kattowitz. Am 27. Dezember v. .1. sprach in öffentlicher Versammlung Herr D r. E m i 1 M a r g 1! I i e s aus T e p I i t z in Böhmen über ..Die Zukunft der Jude 11“. Nach dem Vorträge entwickelte sich eine sehr scharfe und interessante Debatte. Als erster Redner drückte Herr D r. Ehrenfried den Zielen des Zionismus, soweit sie aui Erlangung einer Heimstättc für die flüchtigen Judcnmassen des Ostens gerichtet wären, seine Sympathie aus, bestritt jedreh das wichtigste Postulat des Basler Programms, die Existenz einer nationalen Gemeinschaft der Juden und vertrat im übrigen den bekannten Standpunkt des K.-C. Seine Ausführungen wurden durch den folgenden Redner. Herrn Rechtsanwalt Reich, gestützt und ergänzt. Er hob die Tatsache hervor, dass der Zionismus den Katastrophen des letzten Jahres völlig machtlos gegenübergestanden habe, meinte, dass die Bewegung für die Lösung praktischer Aufgaben gar nicht in Frage käme und wandte sich deshalb scharf gegen den verderblichen Einfluss der zionistischen Idee auf die jüdische Jugend. All diesen Einwürfen trat der Referent des Abends Gg. Dr. Emil Margulies mit ausserordentlichem Geschick entgegen. Er polemisierte wuchtig gegen dis Assimilantcntum. wies mit feiner Ironie und unter lebhafter Zustimmung aus der Ver- Sammlung an den Ausführungen der gegnerischen Redner den völligen Mangel an Vorschlägen zur Lösung der Judenfrage nach, stellte dieser Tatsache das positive Programm der Zionisten gegenüber und gab daun eine Darstellung unserer Paläsfinaarbcit. Seine Ausführungen wurden mit stürmischem Beifall gelohnt. Den Erfog des Redners und unserer Idee an diesem Abend mag am besten die Tatsache illustrieren, dass das Publikum, unter dem sich nur wenige Gesiimungsgenossen befanden, sich am Beginn und während des Vorträges ziemlich kühl und abweisend verhielt, im Laufe der Diskussion zusehends w'ämicr w׳urde und zuletzt jeden Hieb gegen die Gcgaer mit enthusiastischer Zustimmung begleitete. N.-F.-Snmmlung: 2 Bäume für den Hcrzlvald. Gfelwltz. Am 27. er., abends, fand hicrsclbst eine von der zionistischen Ortsgruppe Glciwitz cinbcrufcne öffer.tliehe Versammlung statt. Der Redner des Abends, Herr D r. Ellas Auerbach aus Berlin setzte in klaren, iibcrzeugenden Worten zunächst auseinander, dass die deutschen Juden trotz der ihnen im Prinzip gewährten politischen Gleich- Stellung mit ihren andern Mitbürgern bei Besetzung der höheren Acrnter. besonders aber ׳in gesellschaftlicher Beziehung, zurückgesetzt würde. Auch in den andern Ländern Westenropas sei die Lage der Juden keine glänzende. Noch trauriger gehe es den osteuropäischen Juden, bei denen zur politischen ur.d gesellschaftlichen Rechtlosigkeit auch noch der Mangel der Freizügigkeit der Arbeitsgelegenheit und der Sicherheit des Lebens l!inzukom:nc. Diese Judennot könne aber nicht, wie vielfach vorgcschlagen wird, durch Taufe und Mischehe beseitigt werden; denn auf diese Weise könne wohl der einzelne sein Judentum aufgebe!:, nicht aber ein Volk von 10—12 Millionen; ferner habe sich in einen grossen Teil der Juden Westeuropas, besonders aber unter den osteuropäischen Jud.-n, das National-Bewusstsein und auf Grund des Selbsterhaltungstriebes, der nicht nur dem Einzelnen, sondern and! eine, ein Ganzes bildende Masse, einnelmie. den Willen als Volk fortzubestellen erhalten. Ein wirksame* Mittel, das Judentum zu heilen, sei der Zionismus, der in Palästina, der Heimat der Juden, ein neues Gemeinwesen zu begründen im Begriff sei. Das jüdische Voll:, so iührte der Redner aus. sei schon auf dem Wege nach der neuer! Heimat, denn in emsiger Arbeit werde das Land durchforscht, die Gründung von Industrieen werde verbreitet, Land zu׳• (iründij.ig von Kolonien angekauft, um dem des 2000jährigen WanJerns müden jüdischen Volke wieder ein neues Heim zu begründen, indem cs seine Kräfte ungehindert entfalten könnte. In der Diskussion wurde seitens eines Teilnehmers der Versammlung über die Palästina-Landfrage Auskunft gewünscht und auf diese Anregung hin gab zum Schluss Herr Dr. Heinrich Loc w׳ c - Berlin ein anziehendes und fesselndes Bild über Land «md Leute in Palästina, in dem er nachwies, dass Palästina allein jede wirtschaftliche, politische, nationale und ideale Gcwä.ir biete, ein freies Judenland zu werden. Der Erfolg des Abends war eine Anzahl Neuanmeldungen, trotzdem der Abend wegen der Kürze der Zeit nicht ge-!lügend vorbereitet werden konnte unJ zumeist Gesinnungsgenossen erschienen waren. Wir werden Vortragsabende intensiver verbereiten müssen. Frankfurt a. M. Unter ausserordentlich grosser Beteiligung aus allen Kreisen der hiesigen Juden fand die Makkabäerfeier der hiesigen Zionistischen Vereinigung statt. Trotzdem es an Chanukahfeiem der verschiedensten Art hier nicht fehlte, mussten Hunderte noch zuriiekgew iesen werden, da der grosse Sani der Frankfurter Loge und alle Nebenräumc überfüllt waren. [וסי! Mittelpunkt des Abends bildete die Ansprache des Herrn Dr Beucnlicimcr aus Cöln. so be/.eiclmete der Redner in seiner bescheidenen Weise sehe :siständigen Ausführungen. Ausgehend von den Taten der Makkabäer, zeigte der Redner, wie da* Streben nach nationaler Selbständigkeit auf dem Boden unseres Vaterlandes im jüdischen Volke immer lebendig war. Dann gab er ein Bild über das Entstellen und die Entwickelung der zionistischen Gedanken und zeigte, dass cs im Gegensätze zum Territoriaiismus nur eine Lösung der Judcniragc gebe: die öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in P a 1 ä s t i n a. — Ein sehr reichhaltiges Programm folgte der mit stürmischem •Beifall aufgenonmienen Rede. Lebende Bilder aus der jüdischen Geschichte, gestellt von dem bekannten Maler Jakob Nassbäum (einem Gesinnungsgenossen), prachtvolle Rezitationen, des beliebten Schauspielers Auerbach vom hiesigen Stadtthcatcr. hebräische Rezitation einer jungen Zionistin (Tochter unseres Goitein). Klavier- und Gesangsvorträge folgten in bunter Reihe. Eine Tombolaverlasung in der Pause bot den Besuchern manche Überraschung und ein für den Abend verfasstes Lustspiel unseres Mitglieds J. Bamberger beschloss den Abend, auf den die Frankfurter Zionistische Vereinigung mit Befriedigung zuriickblickcn darf. Posen. Jüdischer Diskutierklub Posen. I. Jahresbericht. Der erste Jahresbericht uiLscres Vereins muss siel־, notwendigerueise rnit der Vorgeschichte desselben befassen, mit den Gründen, aus denen heraus die Schaffung unseres Vereins erfolgt ist. Der ״Jüdische Diskutierklub“ war ein Produkt seiner Zeit.' In einer Zeit, die in der jüdischen Geschichte den verdienten Namen einer Renaissance des Judentums führt, w0׳

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