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Jüdische Rundschau · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Es ist wieder einmal wahr geworden: Eine grosse Bewegung hisst sieh nicht machen, weder durch guten Willen und rührigen Eifer Einzelner, noch durch Programme, auch wenn sie noch so schön und geschlossen sind. Die Tatsachen des Lebens sind stärker als der lauterste Wille und das beste Programm, und sie zwängen mit einer gew issen eintönigen, ermüdenden Unerbittlichkeit jede politische Bewegung auch gegen den Willen ihrer Stifter in das enge Geleise des Mögliehen und Notwendigen, in die Welt des Realen. So ergeht es in diesen Tagen, unter unseren Augen der Jüdischen Territorial-Organisation, der Ito. Als die Ito auf dem 7. Kongress im Gegensatz zum Zionismus entstand, da waren es zwei Differenzpunkte, welche die Trennung herbeiführten: die Palästinaarbeit in ,ihrer Beziehung zur Autonomie und die Behandlung der Judennot. Die Zionisten*) sagten: Wir müssen Palästina wärtschaftlich erobern und können erst durch diese Arbeit auf die Erlangung der politischen Autonomie rechnen; die Kolonisation auf einem anderen Gebiet ist auch bei Garantierung einer weitgehenden Autonomie nicht Arbeit des Zionismus. -- Die Territorialistcn sagten: Wir arbeiten streng im Sinne Herzl's. Als erste Vorbedingung der Kolonisation müssen wir den Charter, die politische Autonomie, verlangen. Das ist die Hauptsache am zionistischen Prinzip; wo wir kolonisieren, ist nebensächlich. — Die Zionisten sagten: Die Aufgabe des Zionismus ist nicht die Behandlung der akuten Judennot, sondern die Grundlegung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina, die nicht unmittelbar mit der Judennot verknüpft ist. An der akuten Judenwanderungsfrage müssen wir nach Kräften mitarbeiten, aber nur als Einzelne, nicht als Bewegung. — Die Territorialisten sagten: Die Wanderung des Juden Volkes und seine Not ist unser wichtigstes Problem. Die Judenwanderung muss auf das autonome Territorium konzentriert werden, das wir suchen. Unsere Bewegung *) Meine lieben Gesinnungsgenossen von der ״politischen‘‘ Richtung bitte dch. nicht nervös zu werden. w׳en11 ich sie —• gegen besseres Wissen! —• vielfach mit den ״Tcrritorialisten“ zusammenwerie. Das ist nur scheinbar. Tatsächlich lasse ich sie in der Auseinandersetzung mit dem entschiedenen Territorialismus ganz ausser Rechnung. Sie möchten, bitte, sich nur da getroffen fühlen, wo ihre Argumente sich mit den territorlalistischen decken. (Anm. des Verfassers.) muss diese Arbeit für die Gegenwart mit allen Kräften unternehmen. Wenn wir heute diese programmatischen Punkte so festlegen, die zur Trennung führten, so wird mancher Territorialist diese Eestleguug nicht mehr als richtig gelten lassen wollen. Aber man braucht ja nur das Protokoll des 7. Kongresses und die ersten Sitzungsberichte der Ito nachzulcseii, um diesen Sachverhalt zu bestätigen. Israel Z a ng wi 11 war es vor allen, der diese י Anschauungen in der ihm eigenen drastischen und an- schauliehen Weise zum Ausdruck brachte; er ist der | geistige Führer und der bedeutendste Vertreter, der einzige grosszügige Vertreter der territorialistischen Richtung. Charterpolitik gegen Wirtschaftspolitik, Not- Standsaktion gegen weitreichende Grundsteinlegung, Nationalismus gegen sentimentale Kleinkolonisation — so hiessen die Parolen, die in dem heftigen Kampfe gegen den Hauptstamm des neugecinten Zionismus ausgegeben wurden. Was ist aus diesen Prinzipien in 17 kurzen Monaten geworden! Die Bewegung der Ito, das war die erste grosse Enttäuschung Zangwills, ist nie eine Volksbewegung geworden. Es ist nicht wahr, dass das ״Volk“ territorialistisch empfindet; es will, ״hinaus“, aber wenn es dabei nicht an Palästina denkt, dann sind ihm diese theoretischen Dinge, Autonomie, Nationalismus, Konzentration furchtbar gleichgültig. , Es will Brot und Ruhe, kein Territorium. Darum bestand der eine Flügel der Ito aus ehemaligen Zionisten, meist Akade• mikern, der andere aus fortgeschrittenen PhilaiUropen. meist aus den oberen Zehntausend — das ״Volk־‘ blieb kalt. Und dann, das Territorium war nicht so leicht zu finden, als man auf dem Kongress gemeint habe; das war die zweite grosse Enttäuschung Zangwiüs. Ostafrika hatte er noch auf dem 7. Kongress dafür gehalten. Am 12. Novemcbr!906 aber wurde in Manchester ein Brief Zangwills verlesen (zitiert nach der .National- Zeitung von! 23. Now), worin er sagt. . . wir ״dürften kaum ohne grosse Anstrengung eine Nation finden, die uns auch nur das kleinste Stückchen ihres Besitzes leichten Herzens abtreten würde. cehst das britisch• ostafrikanische Angebot war so verklausuliert, dass es nichts mehr als eine lokale Selbstverwaltung zu bieten vermochte.“ Damit gibt er halb zu, dass wir recht daran taten, das Angebot abzulehnen. Und dämmert . ihm da nicht vielleicht ein Grauen herauf bei dem Ge• <

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