Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-12-29 · Heft 52 (29.12.1906) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 52 (29.12.1906)
Date
1906-12-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651499--04261-2661226
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 52 Seite 777 JÜDISCHE RUNDSCHAU die allgemeine Befriedigung von allen konstatiert wurde. Von den Darbietungen gebührt besonders hcrypjgehobcn zu werden die Vorführung der Cafß Chantant Ponomol. und vor allem die sinnreiche prachtyolle Damenspende, ein schönes Herzl-Rclief aus echter Bronze, sodass das Fest neben der schönen der Erinnerung auch eine dauernde Mahnv.ng an eine gute Jüdische Gesinnung hn Gefolge haben wird. Strassburg.. Die E Isass-Lothringischc Verwaltungs- Zwangsvollstrcckungsordnung vom 26. Mai 1905 enthält folgende Bestimmung: ״Zur Nachtzeit sowie an Sonntagen und ailgemeinen Feiertagen dürfen Pfändungen und Versteigerungen nicht vorgenommen werden: ebensowenig gegen Israeliten am Sabbat und an Israelitischen Feiertagen. Die Vorlesung eines Dramas ..Jakob* *' von Ludwig Klausner- Dawoc fand Donnerstag abend im Verein für jüdische Gcschichte und Literatur durch Frau Marie Pospischil statt. Klausner bemüht sich seit Jahren vergeblich, einem seiner Stücke; die alle dem Alten Testament entnommen sind. 7.u einer öffentlichen Aufiührung zu verhelfen. Das gestern durch Frau Pospischil im grossen und ganzen stimmungsvoll vorgetiagcne Drama, das die bekannte biblische Geschichte von Esau. der um ein Gericht Linsen sein Erstgeburtsrccht verkauft, und von Jakob, der um Lcah und Rebekka je sieben Jahre dient, zum Vorwurf hat kann allerdings auf Bühnenerfolg und Bühnenwirksamkeit keinen Anspruch erheben. In den fünf Akten, die zürn Teil unendlich weit ausgesponren sind, wie de! zweite Aufzug. 7um Teil so kurz anmuten, wie eine kleine Szene, wird sehr viel geredet und sehr wenig gehandelt. Vor allen aber hat sich der Autor vollständig in der Sprache vergriffen. Seine Menschen reden die Sprache unserer Zeit, und die Pc!- sollen des Dramas haben alle einen viel zu modernen Anstrich,. Eisenach. 15. Dezember. Die Antisemiten stellen in sieben Thüringer Wahlkreisen einen Kandidaten auf. Krakau. Gestern abend 10’־-* Uhr wurde in der Judengasse ein Jüdischer Mann von einer Anzahl älterer Gymnasiasten überfallen und gcinisshaadelt. Einer der Rowdies wurde gefasst und arretiert. Der Vater dieses netten Jünglings bot dem Gemisshandelten 2־X» Kr. Entschädigung an. Stipendien. Aus der Mnrckwald-St'ütr.;» sind für Studierende der Bcrlincr Universität für das Jahr 1. Oktober 1906—1. Oktober 1907 6 Stipendien von Je 3CD l.lark zu vergehen und zwar Je drei an jüdische und Je drei an christliche Studenten mit Ausnahme der theologisch.cn Fakultät. Den .Bewerbungen sind das Reife- Zeugnis, sämtliche Abgangszeugnisse früher besuchter Universitäten, das Anmeldebuch, ein Dekanats- und ein Bcdüritigkeitszeugnis beizufügen. Die Gesuche sind an den akademischen Senat zu richten und vor dem 29. Dezember auf dem Sekretariat ahzugeben. Danzig. Das gestern Nachmittag beim hiesigen Kgl. Polizeipräsidium fcstgestelltc amtliche Resultat hat ergeben, dass zu Repräsentanten der Synagogengemeinde zu Danzig die Herren Hermann Gnttmann, Dr. Julius Lewy, Simon Anker, Justizrat Behrendt, Karl Listenfeld, Leopold Pcrls, Dr. Siegmund, und zu Stellvertretern die Herren Moritz Cohn, Julius Bocritz, Dr. Jacob Ginsberg und Julius Gerson bei der am Montag im Bildimgsvcreinshause abgchaltenen Wahl gewählt worden sind. Bartels. Adolf, Handbuch zur Geschichte der deutschen Literatur. (Leipzig. Ed. Avenarius, geh. 6 Mark.) Mit Recht nennt Bartels dieses Buch eine Ergänzung nicht nur zu seiner, sondern zu jeder grossen Literaturgeschichte. Er gibt die Quellen und die Literatur zur ganzen deutschen Literaturgeschichte. also ein zweiter Goedcke. d. h. im Kleinen, da B. nur bei den grossen Dichtern Vollständigkeit anstrebt, im übrigen nur das Wesentliche anführt. Von grossem Wert wird das Buch für die neue Zeit, wo Goedcke versagt. Bis zum Jahre 1906 sind hier die deutschen Dichter nebst biognphischcn Angaben verzeichnet: dazu werden ihre Werke und die Literatur darüber angeführt. Wie genau es der Verfasser mit seinen Angaben nimmt, sieht man schon daraus, dass er bet dem IsraeUen das religiös© Bekenntnis verzeichnet. Aus den Ortsgruppen Fortsetzung aus der Beilage. Leipzig. Am 15. Dezember fand die Makkabäerfeier der Zionistischen Vereinigung Leipzig im Festsaalc des Centraltheaters statt. Nach einem gediegenen Konzert, in dem sich ur.ser Gesinnungsgenosse Herr Jakob Magisiner (Violine) ganz besonders auszeichncte. hielt unser Herr Dr. Hcinric״ Locwe seinen trefflichen Lichtbildervortrag ..Kreuz und quer durch Palästina". Konzert wie Vortrag fanden bei den zahlreich erschienenen Stammesgenossen lebhaften Beifall. München. Am 18. Dezember fand in einem der grössten Säle Münchens eine Jüdische Volksversammlung der ziotüstisehen Ortsgruppe statt, in welcher Herr Dr. Isak Straus über ..Die heutige Lage der Juden und der Zion'smus" sprach. Ein recht zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden, zum Teil ein Verdienst der kurz vor der Versammlung versandten Broschüre ״Die jüdische Volksbewegung, deren ruhiger, sachlicher Ton allgemeinen Anklang gefunden batte. Der Vortragende legte in leidenschaftsloser Form die zu einer endgültigen systematischen Lösung der Judenfrage drängenden Faktoren dar und entwickelte im Anschluss daran die Piinzipien des zionistischen Gedankens. Eine rege Diskussion, in der auch die Gegner zu Worte kamen, schloss sich an. Der ganze Verlauf war ein durchaus würdiger, zahlreiche Anwesende wünschten auch weiterhin über die Veranstaltungen unserer Ortsgruppe unterrichtet zu werden: auch einige neue Mitglieder hat uns der Abend geworben. Die Schekcl-Samm- Iung ist im Fluss, und wir hoffen auch dies Jahr auf ein nicht allzu bescheidenes Ergebnis. ls. Samtcr. Am Sonntag, dem 16. er., fand in der hiesigen zionistischen Ortsgruppe in Verbindung mit der Obcrsitzkoer Ortsgruppe eine erhebende Makkabäcrieier statt. Zuerst hie!: Herr Dr. Jeremias aus Posen eine schön: Festrede, alsdann schilderte Herr Dr. Moses aus Berlin in meisterhafter Rede die Entwicklung der jüdischen modernen Kunst mit Darstel- Iung von Lichtbildern. Der Vortrag fand sehr grossen Beifall bei dem zahlreich erschienenen Publikum. Alsdann wurden die Chanukka-Lichter von Herrn Kantor Gol.d.augezündet und das Chanukka-Licd unter seiner Leitung von vielen Kindern gcsungen, welche auch später die zionistische Volkshymne mvt gutem Erfolg vortrugen. Alsdann folgte ein von Frl. Tina Berg ausdrucksvoll gesprochener .Prolog. Nunmehr führten 8 Schüler und Schülerinnen einen Reigen im Kostüm der Rococcozeit auf, welcher allgemein sehr gefiel. Zuletzt sang Herr Cantor Gold ein schönes Lied, nach welchem der Tanz ln seine Rechte trat welcher die Gesellschaft bis 3 Uhr fröhlich Zusammenhalt. Herr Kantor Gold hat sich überhaupt um das Zustandekommen und den schönen Verlauf des Festes die grösste Mühe gegeben und gebührt ihm wie Herrn Dr. Jeremias und Herrn Dr. Moses der herzlichste Dank unserer Ortstfruppc. Dessau, 17. Dez. Die hiesige Ortsgruppe hat am 16. d. M. ihr Makkabäerfest gefeiert. Dasselbe war imposant. Fast d!e ganze Gemeinde war erschienen. Herr Blitz hatte alles bis in Kleinste geordnet und alles war aufs beste gelungen. Herr Rechtsanwalt Dr. Ascher hielt die Festrede, m welcher er auf die geschichtlichen Ereignisse der Makkabäer hinwies und mit den Worten des deutschen Dichters Herder schloss: ..Blick in die Gegenwart und horch’ aus der Vergangenheit die Zukunft." Den gesanglichen Teil versahen Hoiopernsängertn Frl. Forti am hiesigen Hoftheater und Konzertsänger Herr Hofstein aus Dresden. Herr Zeisscl. Hofschauspicler am hiesigen Hoftheater, trug eine Zionide von Juda Hajevi und andere Lieder vor. Herr Zeisscl ist Gesinnungsgenosse und da sah man. wie Worte aus tiefem eigenem Empfinden geschöpft, am besten quellen. Ernste Gesänge und ernste Rezitationen von Frl. Wolfenstein vorgetragen, wechselten fast drei Stunden miteinander ab. Hernach gab sich die Versammlung der festliehen Stimmung hin. die die ganze Nacht hindurch anhielt, bis erst das Morgengrauen zum Aufbruch mahnte. B, Teplltz-Schönau. M a k k a b ä c r f c i e r. Die weiten Säle *des Lindenhofs vereinigten am 16. Dezember ein sehr zahlreiches Publikum (gegen 400 Personen) zur Makkabäerfeier des hiesigen Jüdischen Volks Vereins ״Zion". Zur Eröffnung sprach Frl. Camilla D ü h r e n , eine der beliebtest«« Künstlerinnen des hiesigen Stadttheaters, meisterhaft und von starken» Beifall belohnt, Nossigs packenden Prolog ״Die Makkabäer'*. Es folgte der Festvortrag Dr. Heinrich Loe wes: ״Das Land der Makkabäer". In langer bunter Reihe wechselten die tadellosen Skioptikonbildcr vor den Augen der entzückten Festgäste. Waren schon die Bilder, die die herrliehen Landschaften unseres Mutterlandes uns schauen liessen. \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.