Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651498--04237-2661201- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 758 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 51 Jüdische Studenten in Ungarn Die! Zahl der Juden auf den ungarischen Hochschulen, d. h. den Universitäten. Rechtsakademien und dem P01j־technikum (technische Hochschule in Budapest) betrug: im Durchschnitt der Jahre in absol. Zahlen in 5 alter Studierenden lb$6—1890 1375 27,31 1891 1895 1469 27.17 1896-1900 2101 26,75 1902 2860 2930 1903 2889 23,43 1904 3242 30,27 Die Juden sind hiernach, da ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Ungarns (ohne Kroatien—Slavonicn) nur 4.9 Proz. beträgt, auf den Hochschulen etwa 6 Mal stärker vertreten als die übrigen Konfessionen. Die Hörer der theologischen Lehranstalten und der theologischen Fakultät ati der Univcrsftät Budapest sind in obigen Zahlen nicht mit enthalten, ebenso nicht die Studierenden der kroatisch-slavonischen Universität in Zagreb, an welcher unter 1020 Studierenden 46 Juden waren. Unter den Studierenden der einzelnen Fakultäten waren Juden in der juristischen Fakultät io der philosophischen Fakultät in der medieinischen Fakultät in der Pharnuzi« am Polytechnikum in absol. Frozen• Zahlen tuaütcr 1886-1890 437 17,08 1891—1895 595 20.02 1896-1900 1096 22,91 1902 ׳ 1509 25,78 1903 1465 24 27 1904 1773 27,55 18S6-1S0O 44 10.89 1891-1895 71 12,86 1896-1900 114 12,94 1902 294 20,42 1903 457 21,64 1903 480 20,95 1886-1890 679 52,55 1891—1895 501 43,41 1886- 1800 353 45,43 1902 312 42,16 1903 334 40,54 1904 420 46,77 1886-1890 19 7,42 1891 - 1895nlcht angegeb. — 0־1896-191 28 17,05 1902 51 27,72 1903 bi 29,19 1904 61 27,60 1886-1890 205 37,89 1891-1895 302 41.43 1896-1900 510 40,60 1902 700 44,7G 1903 679 46,23 1904 608 45,27 Bemerkenswert ist hierbei, dass im Jahre 1904 die seit dem Jahrfünft 18S6—90 stark zurftckgegangene Zahl der Mediziner zum ersten Male wieder eine beträchtliche Steigerung aufweist, während die Zahl der Polytechniker abgenommen hat. im Verhältnis zur Zahl aller Polytechniker aber immer noch sehr hoch (45,27 Proz.) ist. An» meisten bevorzugen die Juden nach wie vor das juristische Studium. 54.69 Prozent aller jüdischen Studierenden gehörten der juristischen Fakultät gn. Ungarisches Statistisches Jahrbuch 1904 (Budapest 1906). Z. f. D. u. St. *d. J. Wenn das liebe Christfest Alljährlich, wenn das Christfest naht, muss das BERLINER TAGEBLATT, in dessen Annoncenspalten für getaufte Jüdinnen Männer und für bankerotte Herren jüdische Mädchen zur AufgoWung des verrosteten AdetsscUUdcs gesucht werden, seine christliche Gesinnung zeigen, die ihm niemand glaubt. Dass es sich damit lächerlich macht. Ist seine eigenste Angelegenheit. Dass es aber leider als Judenblatt angesehen wird und damit den Fluch dieser Lächerlichkeit auf uns und unsere Nation herüberwirft, ist schon ernsthafterer Natur. Wie prächtig sorgfältig es dabei zu Werke geht, ersieht man aus seinen Artikeln: ״Bücher als Weihnachtsgeschenke‘*. Da will es den neuen Judenroman Jettchen Gebert auf den Weihnacht*»• tisch legen, wie Stefan Zweigs ״Die frühen Kränze1’, die der Weihnachtsmann des B. T. als ״Kirchhofslcränze“ bezelchnet. Aber was hat eigentlich unser lieber Max Jung mann verbrochen, dass er durchaus auf den Weihnachtstisch gelegt werden soll? Ueber ihn wird wohlwollend geschrieben :’״Ein schmales Bändchen Verse gibt Max Junpiann unter dem Titel ״Dornen“ (Berlin. Bernhard Simion Nachf. 1906) heraus. Die meisten der Sammlung sind recht stachelig und sollen auch ritzen und sich empfindlich fühlbar machen. Sie sind aus der temperamentvollen Verteidigung des misshandelten Judentums erblüht. Auch wer die orthodoxen Anschauungen des Dichters (sic!) nicht teilt, muss, sofern er unbefangen menschlieher Regungen fähig ist. an diesen Dornen seine Freude haben. Sic sind spitz wie die Geistesschärfe des Talmuds, und wenn sie da. wo sie angreifen, ein Trönflein Blut flicsscn lassen, so erfüllen sic r.ur ihre Sendung als warnende Wächter gegen die Rosenräuher.״ Armer orthodoxer Jungmann: Das hast du nun von deiner freien Gesinnung. Das TAGEBLATT hat dich zur Orthodoxie bekehrt. Du bist vernichtet, dein Ruf (im TAGEBLATT) für immer dahin. Hättest du lieber in den MITTEILUNGEN aus dem liberalen Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde Vogelsteinartikel geschrieben, anstatt prächtige, geistsprühende Gedichte zu machen, es wäre dir erspart geblieben, dich im Mosse-Levysohn’schcn TAGEBLATT auf den Weihnachtstisch gelegt zu sollen. Dir wird das Vcrsetuachen vergehen. Denn der Witz, den das B. T; machte, ist feiner als all dein Witz. Aber tröste dien mit Martin Bubcr, dessen herrliche Geschichten des Rabbi Nach m a n ebenfalls den Geschenk tisch des BERLINER TAGEBLATTES zum Christfest schmucken: ״I> i e Ocschichten des Rabbi Nncli man n“, ihm iiaclierzählt von Martin Bub er (Rütten & Löning, Frankfürt a. M.l. Nachman war der letzte jüdische Mystiker und der einzige Märchendichter unter den Juden. Die Geschieh; תג, die er seinen Schülern zu erzählen pflegte, sind wundervolle Legenden voll tiefster Lebensweisheit.“ ־־־ Immerhin wäre cs ungerecht, nicht anerkennen zu woben, dass das TAGEBLATT, abgesehen von der lü eher liehen Rtforizierung unter die Weihnachtsgeschenke versucht hat, ein freundliches Wort diesen Büchern zu widmen. Ein palästinisches Oel- Unternehmen Das ORGAN FÜR DEN OEL- UND FETTHANDEL in Trier schreibt: ״Unser Korrespondent in Palästina schreibt uns: Dass ctic Juden cs verstanden haben, sich in Palästina immer mehr Arbcitsgcbictc zu erringen und selbst zu erzwingen, beweist wieder das neueste jüdische Unternehmen. Es hat sich eine grosse jüdische Gesellschaft gebildet mit ganz enormem .ICapital. deren Kapitalisten und Arrangeure aber geheimnisvoll für die Menge unbekannt bleiben. Diese Gesellschaft beabsichtigt in erster Linie die enorme Oelgcwirimmg Palästinas entsprechend zu verwerten und so ungezählten in Palästina ansässigen Juden Arbeit und Verdienst zu geben. Es soll in Palästina, der Ort ist noch unbekannt, eine grosse Fabrik errichtet werden, während überall irn ganzen Lande Filial-Fabriken gegründet werden sollen. Dabei hat man drei Ausbeutungswege im Auge. In erster Linie soll das vorzügliche und so reichlich vorkommende palästinische Oel systematischer und damit besser gewonnen werden, als es bis jetzt der Fall ist. und dürfte man durch die Gewinnung eines wirklich reinen und guten Olivenöls selbst Frankreich Konkurrenz machen. Heute übersteigt die Nachfrage in pflanzlichen Oclen überall das Angebot, und insbesondere gute reine Arten werden immer teuerer. Sodann will die Gesellschaft fetthaltige Toilettenseifen im Grossen fabrizieren, grade weil Palästina ganz aut auswärtige Seifet» angewiesen ist. Drittens sollen Oelfuttcrkuclien für das Vieh hergestcllt werden, was angesichts des palästinischen Futtermangels von nicht genug zu schätzender Bedeutung werden dürfte. Die Seife soll auch nach Aegypten und über ganz Syrien hin exportiert werden, und habet» sich die Gründer bereits ihre Abnehmer gesichert. Sämtliche Fabriken und Filialsteilcn sollen mit den neuesten Maschinen und Gerätschaften ausgestattet sein und werden in jeder der Filialen jüdische Ingenieure und Chemiker die Fabrikation bcwachen. Der ganze Plan der Gründung u»»d Einrichtung ist ein so gut durchdachter, dass es sich bei der Sache kaum noch um einen Versuch handeln kann.“ Opfer der Pogrome In Russland Das Petersburger jüdische Hilfskomitee veröffentlicht folgende Tabelle über die Opfer der ietztjührigen Judcnverfolgungen in Russland;