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Jüdische Rundschau · 1906-12-21 · Heft 51 (21.12.1906) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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cm Abonnementspreis ifnschliesslieh LITERATURBLATT. vlertcljährlRb: 1. durch die Expedition: •) In Berlin —,90 •Mark. bJ nach aus* wärts 1,— Mark, c) für aas Ausland 1,50 Mark. 2. Im Poiiabonrement: 1,25 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Sestellungen: Verlag Jüdische Rundschau, E. O. m. b. H. Berlin N. 54, Augustitr. 491. Insertionspreis die viergespaltene Petit*Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. aesebiftsstunden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3 7 Uhr. 'Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck'aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 51 Berlin, 4. Tebeth 5667 — 21. Dezember 1906 XI. Jahrgang Die nächste Nummer wird wegen der christlichen Feiertase erst am Freitag, dem 28. Dezember 1906, zum Versand kommen, somit erst am Sominbend und Sonntag in die Hände unserer Abonnenten gelange». T rutzfest Eine ungehaltene Rede, gewidmet der Zionistischen Ortsgruppe von Königsberg. Von Dr. med. Carl Kassel (Posen). Die Tatsache steht einzig in der Geschichte da, dass die Feier eines Festes ausschliesslich durch den Instinkt und das Wollen eines Volkes so neue Gestalt angenommen hat, wie das Makkabäerfest sie heut in der ganzen Judenheit zeigt. Und die noch ausserhalb der Volksbewegurig stellen, horch doch von der Freude, welche in unseren Hallen herrscht, fühlen den Ernst der Einkehr, der nicht ganz von Sang und Tanz übertönt werden kann und merken, ob sie wollen oder nicht, dass ein Zwang sie zur Gemeinschaft unseres \o!kes treibi, dem sic sich tür die Dauer nicht werden widersetzen können. Das Fest, welches durch Lichterglanz am stillen Herd dereinst gefeiert wurde, der Tag, an welchem nur dort, wo Juden in engen Strassen dicht bei einander wohnen, heut noch durch Kerzenfeuer die Fensterreihe erleuchtet wird und dem Vorübergehenden Kunde von Festesfreude gibt, wird zum Volksfeste ohne Gleichen. Einkehr! Ernste Ei lkehr halten wir heut. Der Heldenkampf der Juden unter Mattathias zeigte uns ein Aufflammen heideimiütigcn Einlieitsgekstes unseres Volkes. Seither aber verging die Jahrtausende hindurch kein Tag für uns ohne Kampf. Doch wenn wir jetzt der Opier gedenken, die wenige Meilen von hier im Kampfe für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit fallen, so drängt sich uns ein trauriges Gefühl für die Judenheit von heut auf: damals Ei ligkeit und daher der Sieg. Heut aber *noch steht der reiche Jude vielfach helfend dem Judenmörder bei. Es ist kein leerer Wahn und bleibt ein Schandfleck auf unserem Volke, dass, während Tausende und Abertau־ sende für dies Menschentum verbluten, ein Häuflein aus unserer eigenen Mitte den Mördern die Waffen reicht. Ausnahmen zwar, aber doch Tatsachen! Durch festes Zusammenstehen der Juden aller Länder ist cs allein möglich, das Judenlos unter den Wirtsvölkern erträglich zu machen und unser endliches Ziel, die öffentlich rechtliche Heimstätte in unserem Muttcrlande, zu erlangen. Sind wir auf dem Wege hierzu? Das Sträuben noch eines Teiles unserer Stammesbrüder gegen den Gedanken, dass das Judentum eine Nation ist, kan;1 schon deshalb nicht ernst genommen werden, weil die Machthaber aller Staaten von jeher uns als einen dem eigenen Volksstamm fremden Bestandteil betrachteten und, mögen wir in unseren Gefühlen und Handlungen uns noch so sehr in das Wirtsstaatstum eingefügt haben, uns als Fremdlinge behandelten. Selbst das freie Amerika und England schaffte!! Ausnahmegesetze gegen uns. Und in diesen beiden Ländern ist der gesellschaftliche Antisemitismus nicht minder ausgebildet wie bei uns. Denken Sie an die Dreyfus-Campagne in Frankreich — wo also in aller Welt existiert kerne TFen uung zwischen Juden und Christen? Nirgends sind trotzdem die Juden mit ihrem ganzen Wesen so aufgegangen in dem der neuen Heimat, w ie gerade in England, Frankreich und Amerika. Die aber, welche nicht an die Existenz der jüdischen Nation glauben zu wollen vorgaben, welche noch daran zu glauben den Schein erwecken, dass nichts von innerer Scheidung da, dass nur der Glaube den Juden vom Christen trennt, heucheln plötzlich Gläubigkeit und beteuern durch eine bewusste •Lüge, dass ihnen heilig ist, was sie im Innersten ihres Herzens verspotten. Die Frage der zahlreichen Taufen wird jetzt in unseren Kreisen zu Unrecht so viel besprechen: ich meine, dass wir recht zufrieden sein dürfen, die rückgratschwachen Elemente los zu werden; denn darin besteht doch die Stärke des Judentums, dass das Feuer u.is gehärtet und geläutert hat. Und wo Stahl geschmiedet w ird, fällt die Schlacke ab. Eine Rettung des Judentums gibt es nur im natiunalcn Gedanken und in der auf ihm beruhenden Einigkeit. Darum musste unser Herzl ihm die grundlegende Bedeutung in seiner Judenstaatpolitik geben. Woran vorerst nur wenige auserlesene Geister geglaubt, jetzt ist es der Glaube grosser Massen und bald w׳ird er Gemeingut des Judentums sein. Ich denke an das Wort Paul de Lagardes: ״Nationen bestehen nicht aus Mil- Iionen: sie bestehen aus den Menschen, welche sich der Aufgabe der Nation bewusst und darum im Stande sind, vor die N!111 e n zu treten und sie zur w i r k e n d e n Zahl zu machen.“ Die Schule, durch die unser Volk gegangen, hat aber bei uns wenige Nullen gelassen. Wir werden stark sein durch die Einigkeit.-Um ihren Wert richtig zu würdigen, greifen wir eine Phase aus unserer Geschichte heraus: werfen wir einen Blick zu-; T יד jt f!

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