Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 750 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 50 trotz dieser besonderen Organisation sind diese intelligenten Teile unseres Volkes für die zionistisch.? Zukunftsarbeit verloren. Es ist also Tatsache, dass in der augenblicklichen, für uns so Susserst schwierigen Lage, wo wir einen Jeden nötig haben, um uns eine Zukunft erringen zu können, dass in dieser Zeit uns durch di: sozialistische Bewegung viele und gerade besonders wertvolle Teile verloren gegangen sind und verloren gehen. Wir müssen die Tauf-Assimilanten aus Berlin \V. etc. streng unterscheiden von denen, die uns durch die Kraft des S o 7. i a 1 i s nitis genommen werden. Mit nicht alizu gross:r Trauer brauchen wir die Tauf-Assimilanten von unserem Stamme scheiden sehen, dagegen müssen wir mit utnso grosserem Ernst die Ursache in Augenschein nehmen, die so viele — auch bewusst nationale Teile unseres Stammes — in den Sozialismus hineinführt. Es ist uns allen bekannt, dass sich auch innerhalb des Zionismus seit einiger Zeit eine streng sozialistische Bewc- Kung, die Poale-Zion. gebildet hat. Man erfährt von objektiven Beurteilern. dass der Gegensatz zwischen den bürgerlichen und den sozialistischen Zionistu! * besonders in Russland -• sich immer weiter vertieit. Wir fragen, woher kommt es, dass der Zionismus einerseits nicht die Kraft hat, wie andere Teile des Volkes, auch die organisierten Proletarier an sich zu fesseln, woher kommt es, dass sich in den allerletzt-,m Jahren innerhalb des Zionismus eine neue Partei, die sozialistischcn Zionisten, herausgebildct hat? Wer die Geschiclne des Zionismus nach dieser Seite hin verfolgt hat. kann nicht umhin, mit Bedauern zu konstatieren, dass die zionistische Bewegtmg sowohl auf ihren Kongressen durch die Kundgebungen ihrer Führer, als auch bei anderen Gelegenheiten cs an dem wichtigen Verständnis gegenüber dem grossen sich heute abspielenden Kampfe zwischen besitzenden und besitzlosen Klassen, hat fehlen lassen. Das Paktieren mit dem Zionismus, die Aengstlichkeit in sozialen Dingen aui dem Kongresse und bei anderen Gelegenheit-:!! hat sicherlich manche sozial weitsich־ tige Elemente vom Zionismus abgeha.i. :־. Dies müssen wir erkennen und nicht einseitig auf den ״Bund“ mit Steinen werfen. Der Klassenkampf spielt natürlich auch in un$:r jüdisches Volk hinein. Es ist nun unserer Meinung nach eine besondere Aufgabe der zionistisch denkenden Jüdischen Bourgeoisie, nicht mit Unverständnis dem Emporringen des modernen jüdisehen Proletariats zu begegnen, damit das so notwendige Zusammenarbeiten aller Teile des Volkes möglich gemacht wird. Der Zionismus muss selbstverständlich alle Teile des Volkes umfassen und kann sich nicht auf einen Klassenstandpunkt fcstiegcri. Es ist aber klar, dass der Zionismus ohrv? das moderne Jüdische Proletariat, dessen Kraft wir Im Jetzigen rus. sischen Revolutionskampic so hell aufleuchten sehen, sein Ziel nicht erreichen kann. Er braucht diese Kräfte und es wird deshalb zur zwingenden Notwendigkeit eine Taktik cinzuschlagen, die zum Erhalt dieser Kräfte verhilft. Für uns heisst es nicht, wie ein zionistischer Führer mal sagte, die oberen Zehntausend zu gewinnen, sondern wir müssen durch unsere ganze Arbeitsart, durch unser ganzes Tun und Lossen unsenm bedrängten Brüder zeigen, dass wir gewillt sind, ein Gemehnvesen erstehen zu lassen, nicht durch kapitalistische Ausbeutung glänzend, sondern durch moderne soziale Einricbtungen dem Prinzip d^r Gerechtigkeit und Gleichheit zum Siege verhelfend. So und nicht anders werden wir den uns sich heute zeigenden Gegensatz zwischen Sozialismus und Zionismus überwinden und unseren! Volke damit durch gemeinsame Arbeit eine Zukunft erobern können. Wir befinden uns bei derartiger Handlungsweise keines- Wegs in schlechter Gesellschaft. Bringen wir doch damit unsere Tradition zu Ehren, von der uns allen die Gesetze eines Moses bekannt sind, hervorragend durch ihren sozialen und humanen Geist. Lauten doch die Zukunitsworte eines unserer Propheten: ״Ich mache zu deiner Polizei die soziale Eintracht und zu deiner Regierung die soziale Gerechtigkeit.” Kr ich Lew־y. Aus den Ortsgruppen sehen Vereinigung statt. Der Beginn des offiziellen Teiles ist auf präzise 9 Uhr festgesetzt. Eingelcitet wird der Abend mit dem von Alfred Nossig verfassten Prolog, den Herr Regisseur Fritz Richard sprechen wird. Es folgen sodann musikalische Vorträge dfcr Damen Elisabeth Lcsscr. Betty Tcnnenbaiim un3 Josephinc. Kraus. Letztere >vird besonders jüdische Lieder singen. Audi während der Kaffeetaicl haben die Künstler ihre Mitwirkung zugesagt. Von Mitgliedern des jüdischen Turnvereins .,Bar-Kochba" werden Leiteroyramiden gestellt. Die Damen der jüdisch-nationalen Frauenvereinigung sorgen während des ganzen Abends für ein «\0scheres Büffet. Vom Alexanderplatz sind die Festräume mit der Stadtbahn (Balmhof Bellevue) oder^mit dem elektrischen Omnibus.No. 19 zu erreichen. Berlin. Die Jüdisch-nationale Frauenverelnlgurtg voranstaltet am Montag, dem 17. d. M.. Nachmittags 2 Uhr. in den Königsäicn, Neue Königstrasse. Eingang Wadzeckstr. ein Kinde r-Makkabäc riest. Die Festred: wird Herr Dr. Israel Auerbach halten. Ein Theaterstückchen, von Frl. Marg. Am.olski einstudiert und von kleinen Mädchen und Knaben gespielt, soll zur Unterhaltung der kleinen Gesellschaft beitragen. Ebenso, ein Reigen, der von einigen Mitgliedern der Mädchenabtciliuig des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba getanzt wird. Die kleinen Gäste sollen auch mit Schokolade um! Kuchen bewirtet und mit Spielsachen erfreut werden. Da das Fest attsschiiesslieh nur für arme Kinder bestimmt ist, so bittet die Jüdisch-nationale Frauenvcreinigtmg um gefällige Unterstützung, Geldsendungen nimmt Fr. Lina Wagner-Tauber, Prenzlauer Alice 9. entgegen. Köln. Ihr erste Diskussionsabend der Zionistischen Vercinigung Köln am verflossenen Samstag erbrachte den Beweis, dass der neue Vorstand mit der Einführung von öffentlichen *Diskussionsabenden, in denen Fragen von allgemein jüdischem Interesse behandelt wepden sollen, das Richtige getroffen hat. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen war als Thema des Absnds: ״Konservatives und liberales Judent u in‘* angesetzt. Der Referent. Herr Direktor Lcvy. bebaudelte die!*'rage von allgemeinen Standpunkt aus. während der Korreferent Herr Berger das Thema vom Standpunkte des modernen Juden betrachtete, der ohne r.ligiösc Uebcriieferung aufgewachsen, infolge der nationalen jüdischen Bewegung den! Judentum und auch der jüdischen Religion wieder zugeführt wurde. Die Diskussion war höchst interessant, es sprachen eine Reih,: von Herren, die man bisher in den Versammlungen der der zionistischen Vereinigung nicht gesehen hätte. Der Grui'dzug der Diskussion war die übereinstimmende Uebeizeugung, dass das moderne Judentum sich wieder der jüdischen Religion nähere und dass das nationale zionistische Judentum und insbesondere der Zionismus das gemeinsame Band und den g.meinsamen Boden bilde, auf dem sich alle jüdischen Anschauunyeu im Eintreten für das Judentum zusammenfindeu könnten. Die mehr als 100 Besucher starke Versammlung folgte den Ausführungen rr.it lebhaftem Interesse. Iglau, Der Jüdische Volksverein ״Theodor Herzl” für Iglau ,1ud Umgebung feiert am Samstag, iS. Kisitv 5667 15. De-?ejiiber 1906 im Saale des Hotel Cap seine diesjährige Ma k k ab ä e r f c i c r. B.:gi!1n S?-» Uhr abends. Hamhurg-Altona. In tiefem Schmerze erfüllen wir die traurige Pflicht, niitzute.'len, dass unser allverehrter Ehrenpräsident, der Mitschöpfer d.־r zionistischen Idee und Gründer unserer Ortsgruppe, der Freund und Bcrater Theodor Herzls, Herr Gustav G. Cohen am 10. Dezember (23. Kislev) im 77. Lebensjahre verschieden ist. Die Bestattung fand Mittwoch, de!» 12. d. Mts., morgens 9’e Uhr. vom Trauerhausc. Harvestehuderweg 53, aus statt. Als Zeichen der Li:bc und Teilnahme bitten wir jeden einzelnen, zur Pflanzung eines Ülbaumgartcns in Palästina, der im HeT7.lwaWc für alle Zeiten den Namen unseres Gustav G. Cohen tragen soll, eine Geldspende*) bezustcuern. Der Vorstand, I. A.* D r. Kalmus. *) Gef!, an Herrn Satnl. Cohen, Admiralitätsstr. 33/31. Bank-Konto: Norddeutsche Bank. Berlin. Morgen. Sonnabend Abend, findet in den Hohenzollemsälen, Bandelstrasse 35, die Makkabäerfelcr der zlonisU- I