Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage Aus der zionistischen Bewegung Mitteilung der Palästina-Kommission; j An die Leiter der zionistischen Föderationen, j » Sehr geehrte Herrerf! j Laut den dem Endesunterzeichneten zugegangenen j Mitteilungen will in Antwerpen eine Gruppe von j Zionisten gemeinschaftlich einen Tausendmark-Antcil j des Paiästina-Industrie-Syndikats G. in. b. H. zciclmen. : Ferner geht aus dem in der November-Nummer des! ״Israel Messenger“ veröffentlichte*:! Brief des Präsi- \ deuten der Shanghai Zionist Association, Herrn Jacques : Bhuncnfeld hervor. dass sich die Shanghai Zionist } Association am Syndikat mit einigen Anteilen a 1 s V e r - [ e i n zu beteiligen beabsichtigt.! Die hier angeführten Tatsachen zeugen am bej redtsten davon, wie schnell sich das Verständnis für die i Notwendigkeit der wirtschaftlichen Erschliessung; Palästinas überall und selbst in den entlegensten Stütz-! punkten unserer Organisation verbreitet. Die Vcr- Wirklichtmg der beiden Vorschläge stösst indes auf eine Schwierigkeit rein formeller Art, die darin bestellt, dass Gruppen oder Vereine nach dem deutschen Gesetz keine juristische Person repräsentieren und sich deshalb als . solche am Syndikat offiziell nicht beteiligen können, j Diese juristische Schwierigkeit küsst sich indes leicht be-! seifigen: die betreffenden Gruppen oder Vereine j brauchen nur ei.ien Treuhänder zu ernennen, der für j deren Rechnung den Gesamtbetrag des Tausendmark־ Anteils •zu zeichnen und auch als der offizielle Teilj nelimer am Syndikat zu gelten hat. j Um auch die mit der Wahl von Treuhändern ver-; btindencn Weitläufigkeiten leicht zu überwinden, wäre 1 wohl das Allerrichtigste, wem ein derartiger Verein! oder Gruppe den I Jewish Colonial Trust Ltd., London j zu ihrem Treuhänder ernennt. Der Jewish Colonial Trust würde ir. diesem Falle als der juristische Gesellschafter des Syndikats figurieren und auch die Interessen der Besitzer der gedachten Kollektiv-Shares dem Syndikat gegenüber zu vertreten haben. Sollte der Trust der Treuhänder zahlreicher Kollektiv-Anteile werck’1, so würde ihm wahrscheinlieh auch ein Sitz im Aufsichtsrat des Syndikats gewährt werden. Vorliegende Anlegung hält d’er Endesunterzeichnete für praktisch leicht durchführbar, weil es doch voraussichtlich zahlreiche Ortsgruppen gibt, wo zehn oder zwanzig Mitglieder gemeinschaftlich einen Ta 11 send mark- Anteil zeichnen Können. Es wäre sehr erfreulich, wenn das Vorgehen der Antwerpcner und Shanghafer Zioniste'1 überall Nachahnnmg finden wurde, denn es ist wohl Jederman klar, dass das Syndikat Grosses leisten könnte, wenn ihm von Anbeginn an ein grösseres Kapital, sagen wir dreihundert Tausend Mark, zur Verfügung stehen würde. Auch bedarf cs wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, dass, wenn es gelingen sollte, mit Hilfe der angeregten Kollektiv-Anteile das Syndikats-Kapital bedeutend zu erhöhen, das Syndikat selbst an seiner rein geschäftlichen Grundlage dadurch nichts eiiibüsscn würde und die Besitzer der gemeinschaftlichen Shares über die voraussichtliche zukünftige Dividende vermittelst des Jewish Colonial Trusts, das heisst ihres Treuhänders leicht verfügen könnten. Ich erlaube mir daher an die geehrten Leiter der federationen die ergebene Bitte zu richten, vom vorliegenden Vorschlag den Ortsgruppen und Vertrauensmämiern durch Rundschreiben Kenntnis zu geben. Mit bestem Dank und vorzüglicher Hochachtung gez. Prof. Dr. O. Warburg, Vorsitzender der Palästina-Kommission. P. S. S ä m 11 i c 11 e. P a r t e i b I ä 11 e r w e r d c n 11 m v 0 11 i n h a 111 i c h e 11 Abdruck der h e 111 i - gen Mitteilung h ö f 1 i c 11 s t gebeten. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Um die Propaganda für den Nationalfonds in Deutschland anzuregen, haben wir ein besonderes Bureau für ,Propaganda des jüdischen Na t i on a I fo 11 d s“ eingesetzt. Die Ortsgruppe Breslau hat die Leitung des Bureaus übernommen. An der Spitze desselben steht Herr Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau, Königsplatz 3b. Zuschriitcn in Angelegenheiten des Jüdischen Nationalfonds’ sind ausschliesslich an diese-.i zu richten, dagegen sind Geldsendungen nach wie vor an Herrn Max W o! I s t e i n e r, Berlin N.W. 23. Holsteiner Ufer 10, zu adressieren. 2. Bei den M a k k a b ä e r i e i e r n bitten wir die verehrlichcn Ortsgruppen nicht zu übersehen, für jede Eintrittskarte ind jedes Programm einen Zuschlag von 5 Pig. für den Nationalfonds zu erheben. Einige• Bemerkungen' zunf Thema: ״Wir und die Sozialdemokratie“ ' Wir sind dem Verfasser des Artikels in der vorigen Nun!- n:er ..Wir und die Sozialdemokratie“ Dank schuldig, dass er d'e Diskussion über dieses Thema, ..obwohl heikel und schvicrig“ entfacht hat. Ls kann kein einsichtiger Beurteiier der Verhältnisse im Zweifel darüber sein, dass eine derartige Diskussion äusserst wichtig und andererseits in unseren Kreisen bisher sehr vernachlässigt worden ist. Es ist unserer Meinun״ nach vollkommen richtig was Dr. Max Besser in dem auch in diesem Blatte veröffentlichten!;eilten Vorträge ״Judentum und Sozialismus“ sagte: ״Von der Gestaltung des-Verhiiitnisscs 7.wischct1 Zionismus und Sozialismus hängt die Zukunft des jüdischen Volkes ab." Stellen wir zuerst nia! hierzu die Tatsachen fest. Immer grösser wird der Abfluss der jüdischen Int'.ilektucllen nach den« sozialdemokratischen Lager, was Herr Tuba! mit Recht erwähnt und beklagt. Selten wir nun weiter nach Russland, wo die grosse Masse des Judentums lebt, so finden wir. dass es sich hier nicht nur um einzelne Intellektuelle unseres Stamnies, sondern um ganze Teile — und nicht die minderwertigsten — handelt, die sich dem sozialdemokratischen Lager, organisiert im Bund, angeschlossen^ haben, ln den EI manzinationsländcrn seb.tt wir also die Zahl der einzelnen Intel- Icktuclicn immer grosser werden, die sich der sozialdemokratischen Partei zuwenden und damit unserem Volke verloren gelien. In Russland und in den Ghettos von Ncw-York und London sehen wir dagegen kompakte Massen unserer Brüder kst organisiert in einer Reihe mit den Sozialisten der andere.1 Länder kämpfen. Wir wollen uns nicht darüber täuschen.