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Jüdische Rundschau · 1906-11-30 · Heft 48 (30.11.1906) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 716 No. J8 1 I I I I t t 1 II ־ 1 j s! 1 ' t i I a i* 11 i t ׳ i s 1 fr i * I f I ן i * i » ז t *• f i S politischen Bewegungen keineswegs gleichgültig sein kann, oh sie die Juden für oder Regen sich haben. Ebensowenig aber darf es den Juden gleichgültig sein, ob sie sich an einen Leichnam oder au Lebenskräfte ketten, denen die Zukunft gehört. Und diese Klüfte sind, was die Türkei betrifft, bei der liberalen Richtung zu suchen, die das Land von den Fremden selbstsüchtigen Einmischungen befreien und die Leitung nach modernen Kulturbegriffen uniformen will. In der konstitutionellen freien Türkei, die hoffenlich wie e!11 Vogel Phönix aus dem brennenden Balkan erstehen wird, hat der Zionismus als eine Art Auswanderungtnircau fiir Europas überschüssige Israeliten eine Zukunft, er kann zt» einem kulturellen und politischen Faktor von weitgehende» Bedeutung für das Plus werden, das er dem türkischen Volk an Intelligenz und Bildung zuiühren wird. . Ich zweifle nicht‘daran, dass die angeboren? Idealität der Juden ihnen schliesslich zeigen wird, wo sie ihre natürlichen Bundesgenossen zu suchen haben und dass ihr praktischer Sinn ihnen den richtigen Weg vorschreiben wird, um ein Znsanunenarbeiten zur Förderung des echten Zionismus ins Werk zu setzen. —I Aus den Ortsgruppen ן Ber11n. Die Makk abäerfeier der Zionistischen Vereinigung findet in diesem Jahre am IS. Dezember (Schabbath-Chanukah) in den Mohcnzollernsälen, Bande»* Strasse 35 36 (.Moabit) statt. Der Beginn des offiziellen Teiles ist aul 9 llhr festgesetzt. Das vorbereitende Komitee sorgt für eine besonders würdevolle Ausgestaltung der Feier. Berlin. In der Jüdisch -nationalen Frauen vefe i n i g u 11 g hielt Frl. Noemi Bauet!! am Donnerstag, dem 15. November, abends, in Wittners Restaurant. Mnnzstr. 8. einen Vortrag über: ..Soziale Hilfsarbeit der modernen Jüdin“. Rednern! waif die wichtige Fra^e auf, wie und wem sollen wir helfen? Zuerst unseren armen jüdischen Schwestern und Brüdern! Die Vortragende wies auf die aufopfernde Tätigkeit des jüdischen Volksvereins hin. der den Auswanderern hilfreich zur Seite steht und schon viel Gutes geschaffen hat. Begeistert stimmte das Auditorium der formvollendeten und tief zu Herzen gehenden Rede des Frl. Baneth bei. ms. Würzburg. Vorige Woche referierte Dr. Blöde- Niirnberg in einer öffentlichen Versammlung über ״Der neueste Kritiker d e s Z i o 111 s m u s!“ Redner widerlegte an der Hand des Vogelsteinschen Aufsatzes die Einwände des Stettiner Rabbiners aut das glänzendste. In der Diskussion die sich bis ca. 12 Uhr hinzog. wurde zum grossen Teil über allgemeine Fragen des Zionismus debattiert. Strassburg I. E. Am 8. d. M. leitete der Verein jüdischer Studenten durch seine Antrittskneipe offiziell das Seinester ein. Das rege Interesse, welches seinen Bestrebungen sowohl in der Bürgerschaft, als auch seitens der isr. Behörden entgegengebracht wird, zeigte sich dadurch, dass neben den Vorständen der isr. Vereine am Platze aucH ein Mitglied des isr. Konsistoriums als dessen Vertreter erschienen war und 1n warmen Worten seine Sympathie für den Verein ausdrückte. Auf der Kneipe wechselten ernste musikalische Darbietungen mit hutnorvollen Vorträgen ab und eine urgemütliche Fidelität hielt die Teilnehnier noch bis in die späte Nacht zusammen. Hamburg. Am 15. d. M. fand eine Ortsgruppcnversamm lung statt. Nachdem der Vorsitzende Dr. Kalmus die an wesenden Gäste. Dr. Blöde aus Nürnberg. Schnelling Hannover und die beiden Palästina-Kolonisten C h a r l ס ס um Makoff aus Rechoboth herzlich begriisst hatte, erstattet Dr. Victor c«n Referat über die Jüngsten Ereignisse \\\ de zionistischen Bewegung. Er wies auf die intensive Diskussio über die Existenzberechtigung einer jüdisch-nationalen Parte in Deutschland hin und führte eine Reihe von Gründe an, dl in - IUI Jf w MIV ו:ךי j..— illtUUiif* vmwi n. ** ־ ־ .UW•»» merksamkeit verdiene ferner der Parteitag der P o a 1 e - Z i o n. Der dort vorgelegtc Programmentwurf sHIe einen geistreicher» Versuch einer ökonomisch historischen Begründung des Zionlsmus dar. Aus rein territorialistischcn Gesichtspunkten sei man zu Palästina gelangt. F.in Mangel liege daiin. dass mar» das rlnzlp der materialistischen Auffassung unter Ausscheidung aller ideologischen Momente rein durehgefiihrt habe. — Die Ausführungen Dr. Victors fanden lebhaften Beifall. In der Diskussion wandte sich Dr. Wasch itz gegen das Hineintragen territorialistischer Tendenzen in die zionistische Bewegung. Nun folgten Mitteilungen der Herren C 11a r 10 p und Makoff. Unter dem sichtbaren Interesse der Versammlung gaben sie in der Form einer Unterhaltung Auskunft über die landwirtschaftlichen, kommerziellen, rechtlichen. Gesundheit* lieben Verhältnisse in den jüdischen Kolonien in Palästina. Zum Schluss erstattete Dr Fra 11c k einen Bericht über die jüdische Hochsclmle in Lida und verlas einen Aufruf des Rabbiners Reines zur Unterstützung dieser Hochschule. Este rmann erklärte, dass er diesen Aufruf angesichts der kulturellen Bedeutung der Lidaer Hochschule fiir die russische Judetilieit auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt aus wann befürworten können. Brcmcrfaven. Am Busstage sprach hier Herr Dr. Kalmus aus Hamburg. Trotz strömenden Regens und mehre!;11 anderen Versammlungen war der Vortrag ziemlich gut besucht. Thema: ״Das Erwachen des Jüdischen Volkes."' Grosser Beifall, Publikum hauptsächlich Damen. 7 Ncuaufnahmen. Jetzt 30 Mitglieder. Ungefähr ein Drittel der Gcmeiudemitglieder (d. h. der Familien). Langsam, aber sicherer O« «%«• Leipzig. Am 22. ds. sprach Herr N. Sokolow im ״Bonoraud" vor einer Versammlung von ca. 800 Personen über das Thema: ״Die Lage der Juden in Russland, die EmanzJpationsaussichterv und der Zionismus“. Seine geistreichen, überaus klaren Ausführungen fesselten die Menge, die seinem fast zweistündigen Vortrage gespannt folgte. Von den allgemeinen russischen Verhältnissen ausgehend, schilderte er die traurige Lage unserer Brüder, denen durch Ausnahmegesetze, Zirkulare, Willkür. Pogrome und Pogromangst das Leben ganz unutöglieh gemacht wird. Alle die angeblichen Erleichterungen, die die Bureankratic von Zeit zu Zeit versprach und durchführte, waren nur auf Illusion berechnet, in der Tat blichen die Be- Schränkungen bestehen: jetzt erst sollen sie durch die Revolution fallen, endlich soll den Juden die volle Glcichbercchtigttng zu teil werden. Aber der Vortragende begnügte sich nicht, die Tatsache der Ernanzipationsbestrebungen bloss zu konstatieren, er begründete sie vielmehr in fein psychologisclicr Weise aus der Opposition gegen alles Bestehende, also auch gegen die Art. wie mau bis jetzt die Juden zu behandeln beliebte. Trotzdem der Sieg der Revolution und in seiner Folge die Emanzipation für ihn unzweifelhaft ist. musste er dennoch unter Berücksichtigung der realen Machtfaktoren in Russland und auf Grund der Erfahrungen über die Gleichberechtiguug der Juden in den anderen Staaten, die Möglichkeit der Lösung der Judem'rage hierdurch oder gar durch Assimilation ziirfickveiscn. Nur der Zionismus, der das in den jüdischen Massen vorhandene, latente Bedürnts nach einer jüdischen Kultur befriedigen, der eine volle wirtschaftliche Differenzierung von den anderen erreichen wird, kann die grosse Frage lösen, es darf daher über die Halbmittel zur Linderung der momentanen Judennot nie vergessen werden. Der Redner zeigte nun. dass gerade Palästina allen Anforderungen die wir hinsichtlich eines Landes stellen müssen, vollkommen genügt, insbesondere sieht er in dem Mangel einer Kultur einen grossen Vorteil; der Jude wird sich nicht assimilieren müssen, sondern selbst an der Schaffung der Volkskultur mitarbeiten. Ein bedeutendes jüdisches, wenn auch ganz unkultiviertes Eiement, die sephardischcn Juden, sind vorhanden, unter ihnen ist zunächst der Zionismus zu propagieren, sie sollen die Grundläge bilden für den späteren Bau! Die gute Wirkung, die Herr Sokolow durch seine meisterhaften Ausführungen erzielte, bewies die mit sehr grosser Majorität erfolgte Annahme der folgenden von ihm vorgeschlagenen Resolution: ״Die im Bonorand in Leipzig am 22. November 1906 tagende jüdische Volks- Versammlung erklärt ihre lebhafte Sympathie mit den Zielen der Zionistischen Bewegung. Sie erklärt die volle Emanzipation der Juden im Osten fiir unbedingt erforderlich und ist der festen Ucbcrzeugung, dass die endgültige Lösung der Judenfrage sowohl int allgemeinen wie der in Russland im besonderen durch die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina erfolgen wird.׳‘ Diese Resolution wurde von den Territorialisten heftig aber erfolglos bekämpft; auf zionistischer Seite beteiligten sich an der Diskussion Herr Wilner und der zufällig anwesende Herr Kaplan aus Südafrika. München. Zu Anfang der Wintcrsaison trat ein Wechsel in der Person des I. Vorsitzenden ein. Anstelle des Herrn J. Schachno. dem seine anderweitigen Pflichten nicht nicht die nötige freie Zeit gönnen, ist Herr Dr. Isak Straus an die Spitze der Ortsgruppe getreten. Unser Winterprogramm 1 i I! il

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