Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Beilage JUEDISCI-IE RUNDSCHAU •8»».«*׳ Aus der zionistischer! Bewegung Berliner Zionistische Vereinigung! Die Broschüre ״Jüdische Volksbewegung“ hat, \ trotzdem sie erst vor kurzem erschienen ist, eine j grossere Verbreitung gefunden, als frühere zionistische j Agitationsbroschüren. Sie ist weniger für die inh'er-! zionistische Propaganda bestimmt, als für die Oewtnnung der dem Zionismus noch fer.istehcnden Kreise und hat sich, wie von vielen Seiten bestätigt wird, in letzterer Hinsicht besonders wirksam erwiese:!. Dieser Umstand erklärt neben dem geringen Umfange und dem billigen Preise der Broschüre ihren ungewöhnlich starken Absatz. Es verlangten bis jetzt: Die Berliner Zionistische Vereinigung 13400 Exemplare, das Zentral* bnreau der Zionistischen Vereinigung iür Deutschland!6500, Zionistische Ortsgruppe in Hamburg. 5000, Mannheim 2000, Hannover 1500, Mainz 1000, München 1000, Dessau, Stettin, Kattowitz, Strassburg. Gruppenverband Elsass-Lothringen. Dresden. Bcuthen. Lübeck. Wiesbaden, Iglau, Köuigshütte, Mayen, Bartenstein u. a. je 100—500.’ Der Absatz nach auswärtigen!.ändern hat ebenfalls bereits begonnen; so hat Prag 2000 Exemplare bestellt, die Schweizer Landcsorganisation 2000, Riga!000. Die Bioseliiiren wurden teils an Privatadressen verschickt, teils Zeitschriften beigelegt. Die ersten zwei Auflagen mit 40000 Exemplaren sowie die Hälfte der dritten Auflage, welche eben gedruckt wird, sind bereits vergeben. Zwei weitere Auflagen sind jedoch vorgesehen, so dass auch alte übrigen Organisationen sich an der Verbreitung der Broschüre beteiligen können. Bestellungen sind an das Zentralbu rea u der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 66, Mauerstrasse 2, zu adressieren. Die Broschüre wird an die Federationcn und Ortsgruppen ä 2 Pi. abgegeben. Unter dem Szepter des Sultans Zum Zlonlsltn-Kongrcss In Base' *) (Schluss.) In gleicher Weise könnte man auch mit Erfolg in Palästina zu Werke gehen, und ein Versuch ist ja auch schon gemacht worden. Ehe der Zufluss der vollständig mittellose״ und demoralisierten Flüchtlinge aus Russland cs für die türkische Regierung notwendig machte, das Einwanderungsverbot zu verschärfen, wandte nämlich Baron Rotschild bedeutende Summen an, um tüchtige und fleissige jüdische Kolonisten dem Laude zuzutühren. Sic wurden mit Land und einem kleinen Kapital versehen,, und sie haben bereits bedeutend zum Auf- Schwung des Ackerbaues beigetragen. In manchen Gegenden Palästinas wird schon jetzt ein vorzüglicher Wein produziert, und der Export der berühmten Jaffa-Apfelsinen ist in starker Zunahme begriffen, was unzweifelhaft den Rothschlldschen Kolonien zuzusclirciben Ist. Ist das ein Fingerzeig für den einzigen richtigen Weg? Während die Leiter der Ziotiisten-Bewegung klugerweise auf die schlechten und gemischten Elemente verzichten und sic ruhig in der Volksmenge der verschiedenen Länder verschwinden lassen, suchen sie hauptsächlich die Tüchtigkeit und Intelligenz, über welche die Nation gebietet, nach Palästina liiniibcrzuzichcn. Hier könnte sich dann sehr wohl ein grosses indisches Kulturzentrum entwickeln, lind in der klassischen Erde wird das bewunderungswürdige jüdische Volksgenie ge* öeihen und reiche fruchte in Literatur, Wissenschaft und Kunst tragen. Ist man sich erst darüber klar geworden, dass die Verwirklichung der zionistischen Pläne — vorausgesetzt, dass die Bewegung in die richtige Spur geleitet wird, — an und für sich keine Utopie ist, so bleibt nur noch die Frage zurück, ob politisch betrachtet, eine Aussicht aut Realisation dieses Zielen in einer fiberschauiichcn Zukunft besteht. Wir müssen mit einem unbedingten Ja antworten, und wir können hinzufügen: cs beruht natürlich auf dem guten Willen der türkischen Regiaung. Hierbei darf man aber nicht vergessen, dass dieser Wiho bekanntlich nie frei, sondern von den europäischen!Machten abhängig ist. Von diesen werden sich wahrscheinlich die meisten den Wünschen der Juden gegenüber wohlwollend oder doch passiv stellen. Es durfte sich leicht die geeignete Form für eine!sraelitischc Autonomie unter türkischer Oberhoheit finden, die z. B. Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und England genehm wäre. Allerdings würden diese Staaten sicher die weitgehendsten Garantien inbetreff des Schutzes der Interessen der verschiedenen Kirchengemeinschaiten an den heiligen Stätten fordern. Sind diese aber erst einmal gelüstet, so würden sic ihre Zustimmung zur Errichtung eines autonomen israelitischen Staates in Palästina nicht versagen. Ein solcher ״Staat in. Staat“ ist ja in der heutigen Orientpoütik auch nichts neues mehr. Die türkische Staatsform ist in dieser Beziehung überhaupt elastisch, wie keine andere. Nur hat man hier noch mit einem Staat zu rechnen, der sicher nicht ruhig der Einführung einer solchen Einrichtung in Palästina Zusehen dürfte, und das ist Russland, das in Palästina nicht nur politische, sondern auch kirchliche Interessen hat.' die sich ganz im Widerspruch mit den zionistischen Ideen befinden. Unglücklicherweise ist Russland aber gerade der Staat. <on dem die jetzige Regierung der Türkei abhängiger als von irgend einem anderen ist. Unter den augenblicklichen Verhältnisscn darf man sich von der Türkei nichts versprechen, wenn man Russland nicht auf seiner Seite hat. — Es ist für den Sultan Abdul-Hamid einfach ganz unmöglich, etwas zu unternehmen, was Russland nicht genehm ist. Wenn man deshalb in den israelitischen Kreisen, die die leitenden auf dem europäischen Finanzmarkt sind, cs bis dahin für richtig erachtet hat. durph einflussreiche Blätter, die ihn*:n zur Verfügung stehen, und auf aridere Weise Abdul-Hamids Gunst zu erlangen, während man gleichzeitig die russische Finanzpolitik in jeder Weise stützt, so dürfte dieses für das zionistische Z41kunitszicl nicht der richtige Weg sein. Es ist einleuchtend, dass die Bankerottpolitik, die von dem Jettfgen türkischen Regiment getrieben wird, und die die Balkatihalbinsei jeden Tag in die Gefahr bringt, in helle Flammen aufzugehen, nicht die richtige Beschützerin für eine ideale Bestrebung wie die zionistische sein kann. Diese muss ihre einzige Honnung au! eine liberale türkische Politik setzen, die mit Ernst und Kraft eine durchgreifende Reform des ganzen türkischen Gemein- und Staatswesens ins Werk setzt Rücksicht auf die verschiedenen Religionen nimmt und das Joch der fremden Mächte abschüttelt. Die Juden besitzen einen so bedeutenden sozialen und finanziellen Einfluss, dass cs den leitenden Männern der •) Aus: $ajd־f־Scltahanedd von All Nouri.