Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I ו Seite 70*1 JÜDISCHERUNDSCHAU No. 47 Zirka fönf/igtausend Mark sind bisher schon gezeichnet*), auch hat die Anglo-Palcstine Co. durch ihre Filialen in Palästina und Syrien uns ihfe bereitwillige Unterstützung zugesagt. Der Sitz der Gesellschaft wird Berlin sein; als ehrenamtliche Geschäftsführer sind 2 erfahrene Kattfleute in angesehener sozialer Stellung in Aussicht genommen, wahrend als Vertreter des Syndikats in Palästina ein mit langjähriger kaufmännischer Praxis ausgerüsteter Nationalukonom, der gleichzeitig Jurist ist. ausersehen wurde. Als BanksteHen notieren wir die Jüdische KoJonlalbanh, London, sowie die Bankfirma A. H. Hey 1uann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59• ßcitritts-Anmeldungci wolle man an den Endes- Unterzeichneten senden. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, das Reüssieren derartiger Syndikate in überseeischen Lündem zu verfolgen. Im Orient haben besonders beigische und französische Syndikate sehr bedeutende Unternehmungen (Hafcnbaulen, Eisenbahnen, Vcrsorgung von Städten mit Licht und Wasser, Fabriken ctc.) auf diese Weise in die Wege geleitet. Wir sind überzeugt, dass ähnliche Bestrebungen in unserer Intercssensnhäre Palästina bei vorsichtiger Gcschärtsiiihrung gleichfalls Erfolg haben werden. Wir hoffen, dass auch E\v. Hochwohlgeboren die Gelegenheit nicht versäumen werden, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das geeignet erscheint, jüdische Interescsn in Palästina aufs wesentlichste zu fördern und daneben nicht unerhebliche geschäftliche Chancen bietet. Zu weiteren Auskünften sowie zur Uebcrsendung der Programme des S3*ndikats ist die Kommission zur Erforschung Palästinas, Berlin W. 15, Uhlandslrasse 175, gern bereit. Im Aufträge des vorbereitenden Komitees des Palästina-Industrie-Syndikats, G. m. b. H. gez. Prof. Dr• O. W a r b u r g, Vorsitzender der Palästina-Kommission. 11. Die Palästina-Kommission beehrt sich hierdurch den zionistischen Gesinnungsgenossen mitzuteilen, dass die Vorarbeiten zur Pflanzung des ersten ölbaumhalns mit Geldern der ölbaumspenden soweit gedielten sind, dass auf dem von dem verehrten Mitgliedc des A.-K*. Herr J. L. Qoldberg in Wilna, dem Nationalfonds geschenkten Terrain in Chudeira Im Februar des kommenden Jahres die Oelbäume angepflanzt werden können. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei noch hervorgehoben, dass die Olbaumspcnden, sowie die dafür anzulcgenden Ölbaum-Pflanzungen vom Nationalfonds verwaltet werden. Bel dieser Gelegenheit bringt die Palästina-Kommission zur Kenntnis der Herren Gesinnungsgenossen, dass das für den *) In der Stadt Irkutsk in Sibirien sind ca. 10 Anteile gezeichnet worden. HERZL-WALD in Aussicht genommene Terrain voraussichtlich schon binnen kurzem in den Besitz des Nationalfonds übergehen wird. Es sind aber bisher noch keine 1000 ölbäume füi den Herzlwatd gespendet, während der Hcrzlwald mindestens aas 10 000 Bäumen bestehen muss. Wir richten daher an die nach Tausenden und Abertausenden zählenden Verehrer unseres unvergesslichen Führers den den dringenden Appell, eine rege Agitation in den Ortsgruppen sämtlicher Föderationen dafür zu entfalten, dass die noch fehlenden zirka 9000 Bäume möglichst bald gespendet werden, damit unserm grossen Führer schon im nächsten Jahre das geplante schöne Nationaldenkmal an den Stätten seiner Sehnsucht errichtet werden kann. Der Hcrzlwald soll ein Wallfahrtsort für alle diejenigen werden, die an die Wiedergeburt des jüdischen Volkes und des jüdischen Genius glauben. Zur allgemeinen Orientierung wiederholt die Palästina- Kommission, dass sich gerade ölbäume deshalb in so hohem Masse für nationale Stiftungen eignen, weil der Ölbaum wohl der langlebigste Repräsentant der Kulturpflanzen ist. ölbäumc, die ein Alter von 300—400 Jahren bei rationeller Pflege und Schonung erreichen, sind nicht selten; ja es sollen sogar Exemplare existieren, sind nicht selten; ja es sollen sogar Exemplare existieren, die ein Alter von 1000 Jahren und darüber erreicht haben. Laut Berechnung unserer Kommission würde ein mit ölbäumen bepflanztes Terrain von zirka 3000 ha (ä 100 Bäume per Hektar und J0 Bäume per Dunau» gerechnet)*), schon irn 15. Jahre einen Reinertrag von mindestens 9 0 0 0 0 0 ־ F r a n k e n. bringen, welcher Betrag also zum Beispiel die selbständige Erhaltung einer JÜDISCHEN HOCHSCHULE In PALÄSTINA ermöglichen würde. י Aber auch materielle Guter würden geschaffen: Tausende von jüdischen Arbeitern oder Pächtern würden bei den Oclbaumpflanzungcn einen reichlichen, ehrlichen, und gesunden Unterhalt finden, neue Industrien könnten dadurch in Palästina entstehen, die Ausfuhr sich vermehren und Handel und Wandel von Neuem erblühen.*) Schliesslich würden grosse ölbauniwäkler auch auf das Klima Palästinas eine günstige Wirkung ausüben. Die Palästina-Kommission hofft, dass ihr heutiger Mahnruf nicht unerhört verhallen wird. gez. Prof. Dr. Warburg, Vorsitzender der Palästina - Kommiission. Aus den Ortsgruppen Berlin. Die Herren, welche ln der Versammlung am 19. November auf Grund der ausgegebenen Listen Scheitelgelder gesammelt haben, werden gebeten, die noch nicht abgelieferten Listen und Gelder schleunigst an Herrn J. H. Wagner, Prcnzlauerallce 9 cinzuschlcken, damit den Betreffenden die Schekelquittungcn ־ sofort zugestellt werden können. Berliner’Zionistische Vereinigung. Der Vorstand. Berlin. Der hervorragende hebräische Schriftsteller Nahum Sokolow aus Warschau, der das Generalsekretariatdes zionistischen Zentralbureaus leitet, sprach in Dräsels Festsälen vor einen tausendköpfigen Publikum über ״Das Erwachendes jüdischen Geistes int Osten“. Die Juden — führte er aus — haben als ein ״Volk des Buches“ in der Lehre nach dem Verluste Palästinas ihre geistige Heimat wiedergefunden, während sie der politischen noch entbehrten. Sie sind die typischen Vertreter des Intellektualismus. Der ihnen mit ihren arabischen Stammesbrüdern gemeinsame ererbte Geist des Prophetentunis machte die Juden zu Propagatoren jeder neue! Idee, soweit sie im Kern dem jüdischen Wesen entspricht• Heute macht sich in den grossen Massen der östlichen Judenheit das Bestreben geltend, nicht nur die modernen allgemein- ■menschlichen Idccn zu popularisieren, sondern eine eigene' nationale Kultur wieder zu schaffen. Die Wiederbelebung der hebräischen Sprache allein genügt nicht zuzr Erreichung dieses Zieles. Auch die Wiedcrbcsiedelung des Orients und besonders Palästinas durch Juden, erzeugt allein noch keine neujüdische Kultur; obwohl sie als Rahmen für dieselbe uneutbchrlich ist. Die Nachkommen der spanischen Juden im Orient sind geistig nicht produktiv; auch die Schulen der Alliance *) Die Kosten eines Ölbaumes bis zu seiner Selbsterhaltung betragen: 6 Mark - 7,50 Frcs. — 7.50 Kr. - 3 Rub. — 6 sh. — 1 & Dollar.