Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-11-23 · Heft 47 (23.11.1906) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651494--04164-2661124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 70 i No. *17 JÜDISCHE RUNDSCHAU! — wäre der Ermordete kein Jude gewesen, der Mörder wäre nicht straffrei ausgegangen sondern weil der Ermordete ein Jude war. Die Geschworenen suchten ihrer Verachtung und der Freude. dass ein JuJe vernichtet wurde, Ausdruck zu geben. Die Handelskammer in iiotosani gab jüngst eine Statistik der Arbeiter der nördlichen Bezirke Rumäniens heraus. In derselben wird s.hr heilig darüber Klage getiihrt. dass die Juden das grösste Gcwerbeknntingeut lietern und die Riimäneu zurückgedrängt sind. Ja. wen!» sie auch nicht Gewerbetreibende'sein dürfen, was sollen sic denn anfangen. nachdem sic zu den Schulen unter sehr schweren Aufnahmebedingungen Zutritt haben! Die liberale Partei droht den jüdischen Pächtern eine SUpro/.cntigc Steuer auf ihre Güter an. Mit anderen Worten: Wenn Göhr zu verpachten sind, so solle«! mir Rumänen die Pachter sein. Aus Anlass der Köuigsinanövcr in Botosani begab sich eine Deputation der israelitischen Kuhnsgcmeinde, an deren Spitze sich Dr. O I i w e 11 b a u «n befand, zum rumänischen König, um bei ihm für die Anerkennung der Kultusgemeinde als Juristische Person vorzusprechen. Dr. Oliwenbaum, der wegen seines unerschrockenen und mannhaften Auftretens in jüdischen Prägen in Rumänien und wegen seiner im Vorjahre an den damaligen Minister Lascar gehaltenen Ansprache in Judensachen sich bekannt gemacht hat, hielt eine v»ständige Rede an den König, übergab ihm ein Memorandum und wies darauf hin, dass die Juden in Rumänien v o g e 11 r c i sind. Der König machte der Deputation in sehr freundlichen Worten die Zusage, dass er das Memorandum studieren werde. Indische Juden Interessante Einzelheiten über die Juden an der Malabarkiiste erzählt ein Jude aus Cochin im Londoner JEWISH CHRON1CLE. Wir erfahren daraus, dass unsere Glaubensgenossen in jenem Teile Britisch-Indicns scharf gesondert sind in weisse Juden, schwarze Juden und sogenannte ״Mcschuschararim‘*. Während die ersteren nur eine einzige Gemeinde bilden und eine Synagoge besitzen, bestehen die schwarzen Juden aus sieben Gemeinden, davon je zwei in Cochin und in Ernacolam, je eine in Mola, Paroov und in Chinomanqualatn. Die Mcschuschararim, das sind die Abkömmlinge derer, welche in letzter Zeit von den weissen Juden zugelassen wurden, wohnen zumeist in Bombay und Calcutta, nur wenige innerhalb der schwarzen Juden in Cochin. Die weissen Juden halten sich von den schwarzen völlig gesondert und besuchen nur selten ihre Versammlungen. Die europäischen und anderen fremdländischen Juden gehen nur mit ersteren Ehen ein. selten mit letzteren. Die Meschuscliararim, welche keine eigene Synagoge besitzen, sind auf die Mitbenutzung des Tempels der weissen Juden angewiesen, dürfen jedoch keine Sitzplätze einehmen und werden nur ein einziges Mal im Jahre, am Sirnchath Tora, aufgerufen. Diese kränkende Zurücksetzung veranlasste die Mcschuschararim in Kalkutta zu Ende des Jahres 1£>S1 ,sich beschwerdefiihrcnd an den Chachani Baschi in Jerusalem, Rabbi Meir Patnizcl, zu wenden, der sie für eine Mischlingsrassc hielt und abwies, aber, nachdem er den wahren Sachverhalt erfahren hatte, eine andere Entscheidung traf, ohne dass dieselbe ausgeiührt wurde In Kalkutta dauern diese Drangsalierungen bis auf den heutigen Tag fort, namentlich seitens der schwarzen Juden. Die letzteren beschlossen, nachdem die Korrespondenz der Mescliuschararim mit dem Chacham Baschi im Jahre 1SS1 in dem Kaikuttaer Journal HAPERACH veröffentlicht worden war, sich in ״Mejuschassim*‘ und ״Nicht-Meiuscliassim“ zu spalten. Die schwarzen Juden führten früher keine Zunamen, ausser zwei oder drei Familien, die ״Madaai‘‘ hiessen. Während der letzten Jahrzehnte haben sieh Bezeichnungen, w ie ״Melamed“, ״Gadi** etc. eingebürgert. Es gibt unter ihnen keine Kohanim. Neuerdings werden sic, besonders Angehörige der Gemeinde in Cochin von den weissen Juden in Bombay als Chasanlm, Lehrer usw. beschäftigt. Aber sonst bleiben sie von einander streng geschieden. Dass die weissen Juden mit den schwarzen Juden keine ehelichen Verbindungen schliesscn. hat seinen Grund vorwiegend in den Kastenverhaltnissen der Hindus, unter denen die ersteren lange Zeit gelebt und deren Sitten und Vorurteile sie angenommen haben. 5EÜ Sprechsaal czf" Für die ',Mitteilungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetxHche Verantwortlichkeit. - _ - ... —1 Berlin. Im ISRAELIT (No. 46) vom 15. November 1906 (27 Chesehwan 5667) findet sich auf der letzten Seite ein Inserat einer Braunschweiger Firma, die ein Musikinstrument ״Klosterglockcir*. f.rner Christbaumständer und ähnliche Sache anbietet. Wenn die Firma glaubt, diese Artikel im ..Z c n 1 r a I o r g a n für das orthodoxe J u d e n tu m*' anpreisen zu müssen, macht sie sich wohl eine eigenartige Vorstellung von den Bedürfnissen eines orthodoxen Juden, aber dagegen Hess״• sich noch nichts sagen. Wenn sie aber — wie 1111 vorliegenden Falle ihrem Namen die Bezeichnung: ״Streng reelles, christliches (jeschüttsliaus, beifügt, wäre cs Pflicht des ISRAELIT . das Inserat, das ja für alle jüdische Kautleute eine grobe Beleidigung enthält, zurfickzuwciscn. Wenn schon jüdische Blätter solche Notizen drucken, was ist dann den antisemitischen Zeitungen gestattet? X. Y. Z. Kleine Mitteilungen Charlottcnburg. Der Verein Jüdischer Studenten (im B.J.C.> an der Kgl. Tcchn. Hochschule zu Berlin, veranstaltet am Montag, dem 3. Dezember 1906, irn Tiergartenhof, abends 8 Uhr, sein Stiftungsfest- Pafästirtawein-KommerS und Ball zur Feier seines 10 senicstrigen Besteht ns. Berlin Bezüglich der Terminverlcgung wegen der jüdisehen Feiertage teilt Rechtsanwalt Dr. Martin Isaac in der ALLGEMEINEN ZEITUNG DES JUDENTUMS folgenden Bescheid des Kanimergerichtspräsidcnten mit: ־ '־'•־■־ ״Nach Prüfung der Sachlage habe ich dem Herrn Präsiden ten des Landgerichts II in Berlin mitgeteilt, dass nach meiner Auffassung dem von Ihnen, Herr Rechtsanwalt, bei dem Amtsgerichte Berlin-Schöneberg cingebrachten Anträge, den auf den 20. September d. J. anberaumten Hauptverliandlungstcrxnin in der Privatklage T. c./a. W. 21 B. 23. 06 wegen des auf diesen Tag fallenden jüdischen Neujahrsfestes zu verlegen, stauzugeben gewesen wäre. Die Abteilung 21 des genannten Amtsgerichts wird in gleichem Sinne verständigt werden.*‘ Damit ist auch den jüdischen Rechtsanwälten das Recht auf Verlegung der auf die hohen jüdischen Feiertage fallenden Termine, das bereits jeder Privatperson gewährt war, zugestanden worden. Berlin. 11. November. Die Alliance Israelite Universelle wird iür Deutschland ihre Monatsberichte nicht mehr gesondert herausgeben, sondern diese in der jüdischen Monatsschrift OST UND WEST, die fetzt der Alliance gehört, erscheinen Ia.$$en. Kattowltz. 10. November. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss die Errichtung einer neuen jüdischen Religionsabteilung an der hiesigen Knabemnittelschule. Bunzlau. Die hiesige Polizeiverwaltung hat das Schladtten nach jüdischem Ritus im städtischen Schlachthause untersagt. Das Verbot ist sofort in Kraft getreten. Bodenbach, S. November. In diesem Herbst wird hier der . Bau einer Synagoge in Angriff genommen. Sie soll bis 31. Juli n. J. fertig sein. Recklinghausen. In der Nacht vom 19. November wurde in die hiesige Synagoge eingebrochen. Den Dieben fielen wertvolle Silbergeräte und der Inhalt der Armenbüchse zum Opfer. Gr.-Strehlitz, 16. Novedmber. Dieser Tage feierte Her! Simon Graetzer seinen 70jährigen Geburtstag. Die vielen Ehrungen, die dem hohen Jubilar zuteil w urden — ebenso sehr von der jüdischen als christlichen Mitbürgcrschait — erachten wir gemäss seiner allzeit wohltätigen Gesinnung und seinen sonstigen Charakter-Eigenschaften als Mensch und Grosskautmann für selbstverständlich. Uns interessiert dagegen Herr Graetzer insofern besonders, als er im Gegensatz zu seinen and seiner Umgebung althergebrachten Anschauungen dem Zionismus nicht hindernd gegenübersteht, vielmehr, so weit als angängig, mit Rat und vor allem mit Tat, d. h. klingender Münze, denselben fördert. Er hat sich bei keiner unserer Sammlungen ausgeschlossen —־ wie w׳äre das auch möglich ־— wo doch sein Sohn, der bekannte Maler Alfred Graetzer, eine dem Zionismus so nahestehende Persönlichkeit ist! — Wir wünschen dem Siebigjährigen bis 100 Jahre gleiche Oelstes- und Körperfrischei . . *׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.