Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 687 Golusblüte Das BERLINER TAGEBLATT bringt folgende für seine Interessenten recht interessante Anzeige: Ernslpeint! (Broftfaufmatttt, 3$raf:U, 36 3al>te alt, vctmdjcu;, i'ilj'rialt« tinM len, ffbr ar,i!ffc^cr.n Gn>jrc}*Wc|^iit6 ln einer Grefcfntt, a::i fetjs gütet ^atr.illc, getütet, gren. Her.;, g«mani4־׳e-I f.crjctf, ln guter, aefeUfvl>r:;.£er V.-':1ion, fttdtl auf liefern i.n\;e eine Sff&cin'gefäbrliu, 10 ft in fctr.em SM׳.“r.tcnlu־i!e eine *otdjc aadt feinen iJunfi:: 1*;״ fir.tet. $krT<.־i*'ente Xante tnul cte falt i aal feinet fla:r.ü1e fein, fe$r getütet, oetr:enb, f^lar.te Cr« {djetnung uni roC.־:; •:ig g.tcun;•'* aul* feien, «njgl. n fJtneliangen etter er. nnt. H. 279 W. an Haasenstoin ÄcVoglerA.-G., Berlin W. 8. Es ist jedenfalls überaus ״liberal“ von dem Germanischen, dass er keine Konventionalstrafe festsetzen lässt für den Fall, dass ev. Kinder weniger blond und germanisch aussehen sollten. Welche Summe von Sclbstverachtung des eigenen Wesens spricht aus diesem für die ״liberale Idee‘‘ so bezeichnenden Inserat! . Kleine Mitteilungen Berlin. Für die Vereidigung, die am Sonnabend im Lustgarten stattfand, wurden die jüdischen Mannschaften um IQVj Uhr in der S>־nagoge in der Oranienburgerstrassc von dem Rabbiner Dr. Eschelbach er unterwiesen. Der feierlichen Vereidigung im Lustgarten wohnten wie immer die jüdischen Rekruten als Zuschauer bei. ״Stöckerscher Geschäftsbetrieb. In seinen Organen stellt der ״ehrwürdige“ Expfarrer täglich fest, wie schlecht die Juden sind. Dass dabei frisch und froh erfunden wird, ist selbstverständlich. So musste bei der Köpenickcr Hauptmarnis- Geschichte das bekannte Herrengarderobengeschäft von Honmann in der Friedrichstrasse als jüdisches herhalten, weil sich sonst keine Gelegenheit fand, die ganze Sache auf die Juden zu schieben. Der Wiener Skandalprozess gegen die Kuppel- Wirtin Riehl, bei der die Polizei der antisemitischen Stadtverwaltung die übelste Rolle spielte, wird benutzt, um die Riehl, als Jüdin zu bezeichnen, obgleich sie katholisch ist. Ja, es geht nichts über ״christliche“ Wahrhaftigkeit.‘1 BERLINER BEOBACHTER. Berlin. In den Vorstand der neuen Synagoge ist Herr Alexander Hahn, in die Eriedhofskonunission Subdirektor Leszynski, in den Vorstand des Hospitals I s in a r Hamburger. in das Kuratorium des II. Waisenhauses Bcnas Levy gewählt worden. Berlin. Zar Vorbereitung der Wahl eines Ältesten- Stellvertreters an Stelle des krankheitshalber ausgeschiedcncn Geh. Rcgicnmgsrat Professor Pinncr ist ein Ausschuss eingesetzt worden, in welchen die Herren Sachs, Blumen thal. Kommerzienrat Friedländer. Veit Simon. M a n 11 c i m c r, Hirsch und BI a s c h k e gewählt wurden. Berlin. An Stelle der vor kurzem verstorbenen Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde: Josef Frankel, Louis Sieskind und Adolf Mayer sind die bisherigen Stellvcrtreten Herren Handelsrichter Jacob Weinberg. Kaufmann Bcnas Levy und Herr Emil Pincus in die Repräsentanz berufen worden. —־ Die Errichtung einer achten Gcmcindesynagoge im Nordwesten Berlins ist von dem Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde mit Rücksicht aui das neu zu errichtende Gotteshaus in der Easanenstrassc, ahgelehnt worden. Die Re- Präsentantenversammlung erklärte jedoch auch die Errichtung einer Nordwestsynagogc für erforderlich und betraute eine Kommission damit, nach einem geeigneten Terrain Umschau zu halten. Berlin. Ihre 24. Semesterantrittskneipe feierte vorige Woche der Verein Jüdischer Studenten Berlin mit dem Bruderverein Charlottcnburg gemeinsam. Aui bewusst jüdischer Grundlage stehend, erblickt der V.J.St. seine Hauptaufgabe darin, seine Mitglieder zu treuen Juden zu erziehen. In den weitesten Kreisen erfreut er sich des geachtctsteu Ansehens und die ZpliI seiner Anhänger wächst von Jahr zu Jahr. Zeugnis dafür legte die ansclmlicche Corona, die auch diesmal wieder sich eingestellt hatte, ab. Nach der die Kneipe einleitenden Be grüSsungsansprachc des Präsiden, stud. Hofstein, hielt cand. jur. Ilcrzberg eine von heisscr Liebe und Begeisterung für das Judentum getragene Tendenzrede. Begrüssungsworte richteten sodann die Vertreter der Alliance isradlite universelle, der Fr.-V. Hasmonäa. der Dahlcmia, der Berliner Zionistischen Vereinigung, des Vereins Jüdischer Akademiker, des Jüdischen Volksvcreins und Turnvereins ״Bar-Kcehba * an den V.J.St. Besonderen Beifall erntete A.H. Rabbiner Dr. Emil Cohn, der die jungen Mitglieder an ihre Pflichten dem Judentum und Verein gegenüber gemahnte. Nach den Ansprachen der Herren Dozent Dr. Jahuda, Dr. Wechselmann und Dr. Julius Moses wurde der offizielle Teil geschlossen und cs folgte eine überaus gemütliche Eiduiität. Weinhelm. Ein Beleidigungsprozcss des hiesigen jüdischen Arztes Dr. Haussmann gegen einen antisemitischen Kollegen ist jetzt nach mehreren Verhandlungen zugunsten des Klägers entschieden worden. Demselben lag folgendes zugrunde: Das Dienstmädchen des Kaufmanns 0. in Hembach bei Weinheim erkrankte an Diphteritis. und der Ha«!shcrr ersuchte den behandelnden Arzt. Dr. Ebner, öfter nach demselben zu sehen und wenn er auch ausser der Ortskrankenkasse es aus seiner Tasche bezahlen müsse. Dieses Angebot aber schlug Dr. Ebner aus und im Laufe der Unterhaltung und Auseinandersetzung liess er die Worte fallen; ״Sie haben mich bestechen wollen, da müssen Sie zum Juden Haussmann gehen, der nimmt Geld an.“ Diese Äusserung bildete nun den Gegenstand der Klage seitens des Herrn Dr. Haussmann, der in dem vorliegenden Krankheitsfälle überhaupt nicht zugezogen war und daher von Dr. Ebner willkürlich beleidigt wurde. Letzterer gibt die Äusserung zu. will aber dazu bestimmt worden sein durch die Annahme, Dr. Haussmann habe sich als früherer Hausarzt des O^clien Hauses, derartige Vcrgütigungen geben lassen, sonst hätte wohl Herr O. ein derartiges Anerbieten nicht gemacht. Dies habe er um so eher annchmeii können, als HerrDr. Haussmann, nach seinen Erfahrungen, den Gelderwerb in standesuuwürdiger Weise bei Ausübung der Praxis in den Vordergrund stelle. Uber die vom Beklagten angeführten Fälle wurde vom Gericht als Sachverständiger ein Mannheimer Arzt beigezogen, der nicht einmal ein inkorrektes Gebahren in den vorgebrachten Fällen erblicken konnte, viel weniger ein standesunwürdiges Benehmen. Der antisemitische Jünger Äskulaps wurde vom Gericht zu 75 Mark Geldstrafe und sämtlichen, nicht geringen Kosten verurteilt. Hannover. Am Sonntag, 4. November, veranstaltete der seit 6 Wochen hier gegründete Jüdische Dilletantenklub eine Thcatcraufführung: Opferung Isaaks in 4 Akten (von Goldfaden). Als gute Talente zeigten sich besonders Herr Stub als Abraham, Erl. Locker als Sara, and FrJ. Gutmann als Isaak. Herr Leisner spielte Ismacl wie ein ge- Schulter Komiker. Herr Lichten spielte als Elieser im 1. Akt etwas lau, holte Im II. und III. Akt alles wieder ein. München. Der ״Verein Jüdischer Studenten“ feierte am Sonnabend, den 10. November, seine Semester-Antrittskneipe. Der zahlreiche Besuch bewies wieder einmal, einer wie grossen Beliebtheit sich der V.J.$t. sowohl bei der hiesigen jüdischen Studentenschaft wie bei der Bürgerschaft erfreut. Vertreter der Verbindung im K.Z.V. ..Jordania“, der ״Vereinigung Jüdischer Akademiker im (B.J.A.)“ der Zionistisehen Ortsgruppe, des ״Vereins für Statistik der Juden* brachten dem V.J.St. ihren Glückwunsch dar. Eine besondere Freude war es uns. dass auch Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu uns sein Wohlwollen in warmen Worten bewies. Die Kneipe nahm einen würdigen Verlauf und erst nach Witternacht trennten sich die Teilnehmer. Zuschriften an den V.J.St. sind zu richten an: Henry Unnna XXX, M ü 11 c h e n, R 0 t h m u n ds t r. 6III r. Glogau. Auf dem alten jüdischen Friedhofe wurden 106 Leichen resp. deren Gebeine. Schädel usw. exhumiert, wozu ebensoviel kleine Särge und Leichentücher verwendet wurden. Diese Arbeiten und die Überführung und Wiederbestattung nahm volle drei Wochen Zeit in Anspruch. In Ingenhelm (Pfalz) hat der Synagogenvorstand Julius Weil letztwillig 300 Mark in vierprozentigen Wertpapieren der katholischen Kirche vermacht, damit aus den Zinsen an dürftige Arme Brot verteilt werde. Die Synagogengemeinde Königshütte hat die früheren Fleischhallcn in ihrem Gcmcindchause auf der Schimmelpfennigstrasse in einen Betsaal umgcwandelt, in dem die* Wochentagsandacliten fortan stattfinden werden, um in den Wintermonaten die kostspielige Beheizung der grossen Synagoge zu ersparen. Der neue, entsprechend ausgestaltete Betsaal wurde kürzlich durch eine würdige Feier eingeweiht, der sich ein Festessen im Hotel ..Kaiserhof“ anschloss. Ein jüdischer Verein für Krankenpflege ist ,vor kurzem in Worms gegründet worden, der es sich zur Aufgabe macht, Schwestern anzustellen und Kranke ohne Unterschied der Konfession und vollständig unentgeltlich pflegen zu lassen. ייי־ייייי יוי