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Jüdische Rundschau · 1906-11-02 · Heft 44 (2.11.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I 1 'fTOW’PJ? wW)fW£, yyÄÄWbäiHjiy'iby Abonnenientsprels ^nschliesslich LITERATURBLATT «!•rieljlhrlich: I. durch die 11ped׳t,:05: *) In Bcrl'n — .90 Mark, b; ׳ ach auswärts 1,— Mark, c) für das Ausland 1.50 Mark. 2. Im Postatennemenf: 1,25 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Jüdische Randschau, E. Q. tn. b. H. Berlin N. 54, Auguststr. 49a. Insertionspreis die vlerc׳'cnn|!cne PeUt-ZeHe oder derv Riua 25 Picnnig. Al'e Rechte Vorbehalten BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. aeschlftsxtandeo der Expedition täglich (ausser Sabbat undSonntag) vormittags 10—1, nachmittags 37־ Uhr. Abdruck aus der JUED1SCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Nummer 44 Berlin, 13. Marcheschwan0607—2. November 1906 1 * ■■׳.׳■■. ... XI. Jahrgang Jüdische Arbeit in Palästina Vortrag von Dr. F r a 11 z 0 p p e 11 h c i 111 c r. Nehmen ־wir einmal an, die liier Versammelten seien ohne Ausnahme Nicht-Zionisten, Begriff und Ideal des Zionismus existiere noch gar nicht. Nehmen wir sogar an, die hier Versammelten seien ohne Ausnahme Nicht- Judc.1. Sie seien nur hier zusammengekomnien, uni aus allgemein-menschlicher Sympathie, aus dem Gefühl humaner Solidarität das Geschick eines unglücklichen Volkes mitzufühlcn und A'tassrcgeln zu beraten, wie man ihm sein furchtbares Los erleichtern könne. Kurz, versetzen Sic sich um einige Jahrzehnte zurück in eine Zeit, in der man — weiter war, als heute, in der das Bürgertum noch wagte, Ideale von Biirgerfreihcit und Menschenwert zu haben u'id zu bekennen, in der die harte Ichsucht und der beschränkte Kirchturmsgeist des nationalen Partikularisnms noch nicht als die höchste Weisheit ausgerufen wurde. Denken Sie sich, wir ständen der osteuropäischen Judenfrage mit der Stirnmung gegenüber, wie unsere Väter der Griechen- und Polenfrage oder der Sklaventrage in Nordamerika, ganz ohne persönliches Interesse, ganz ohne Verwandtschaftsgefühl und Blutspflichten, nur als Menschen, die mit Brudermenschen leiden und zu kämpfen bereit sind. Was fordert nun die grosse Stunde von uns? Das Problem liegt offen da und wartet au! seine Lösung. Jenseits unserer östlichen Grenze hat der ungeheuerste Feudalstaat der Weltgeschichte ein riesiges Land und ein zahlloses Volk ins Verderben gcstürzt. Dem militärischen Zusammenbruch folgte der finanzielle, beide verursacht, mit Notwendigkeit hervorgerufen durch den moralischen Zusammenbruch. Alle Greuel, die nach dem Zeugnis der .Weltgeschichte jedes auf purer Unterdrückung und Ausbeutung aufgebaute Staatswesen verheeren müssen, haben sich in diesen unendlichen Rahmen zu Uebeln von so gigantischer Grösse ausgewachsen, wie sie kaum in dem ebenso riesenhaft ausgedehnten kaiserlichen Rotn ihr Gegenstück finden. Was auf einem Binnensee ein Wirbelwind ist, wächst auf dem freien Ozean zutn Taifun, der alles zerstört! Und so hat denn auch hier die Demcralisation von Ober- und Unterklasse den höchsten Grad erreicht: der Uebermut und die verbrecherische Gewalttätigkeit des Adels entsprechen der Dumpfheit, Tücke und tierischen Roheit der Massen. So konnte es nicht weitergehen, das sah der Bewusste und fühlte selbst der Unbewusste in tiefem Instinkte. Der Schrei nach Selbstbestimmung, nach Bürgerrechten, nach Freiheit erhob sich von allen Seiten, betäubte das Ohr der Herrschenden und brandete wie eine Springflut au den Despotentron. 140 Millionen Menschen• fordern Luft und Licht, um leben, um atmen zu können, aus Not, nicht luftigen Theoremen zuliebe. Die Geschichte selbst batte ihr Urteil abgegeben: der Fluch des Despotismus war ebenso wenig mein zu leugnen, wie die Segnungen der Freiheit in Westeuropa und den Kolonien der Europäer. Die Herrscher fühlten die Grundsätzen ihrer Macht wanken. Aber noch fühlten sie das Schwert nicht nahe genug an ihrem Nacken, um freiwillig auf die Vorrechte zu verzichten, die ein ganzes Riesenvolk zu Grunde richteten. Sie ersannen statt dessen ein teuflisches Mittel, um wenigstens Zeit zu gewinnen. Die Wut der Massen abzule.nken, ihrer aufs »äusserste gespannten Zerstörungskraft ein Ventil zu öffnen, das war ihrer Weisheit letzter Schluss. Innerhalb der unterworfenen, mit Nagaika und Galgen, mit Kanonen und Heiligenbildern in Raison gehaltenen Masse fand sich ein Volk fremder Sprache und Sitte, fremder Herkunft und Rcligiqn, die Juden, ein Volk in jedem Sinne, nur dass ihnen das eigene Land fehlte. Sie waren nie Russen, durften es nie sein, sie waren immer nur Juden, durften nicht anderes sein. Sie lebten als Scliutzgcnosseu, bedrückt, verachtet und atisgebeutet, aber als Schutzgenossen ,die nur Pflichten, aber keinerlei Rechte hatten, nicht einmal das Recht auf Leib und Lebern geschweige denn auf Hab und Gut. So lastete denn der Druck doppelt, und doppelt unerträglich auf diesem jüdischen Volke, ein Drück der Knechtsvölker zermalmt hätte. Aber dieses Volk hat von altershcr Herrenblut in seinen Adern; es stammt, wie die russischen Junker, von jenen kriegerischen Hirten ab, die der Welt ihre Herrschaft und ihre Gesetze mit der Waffe aufzwangen. Wir empfinden es mit Stolz, dass zwei Jahrtausende Druck, Exil und Pariatum diesen Stahl nicht rosten und brechen Hessen. Wir empfinden es mit Stolz, dass dieses Volk schmutziger und verachteter Metönkcn so viele der Kämpfer stellte, die m erster Reihe, trotz Kerker und Galgen, den Kampf der Menschenrechte gegen verrächte Gewalt mitfochten. Und wir wollen uns nicht beklagen, wenn diese Kämpfer als Opfer fallen. Krieg ist Krieg, und sie wissen, was sie wagen und wofür sie es wagen. Man kamt auch am Galgen den Tod auf dem Felde der Ehre sterben! אויוי r "״"־י»'ff*' *#«וי«««•■8* ■r?**יי־״״י•

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