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Jüdische Rundschau · 1906-10-26 · Heft 43 (26.10.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jahrgang Liberaler Rischus Die russische hohe Regierung, dieselbe Regierung des Herrn Stolypin, die die Bialystoker Greuel zum mindesten geduldet, die in Siedlec zum mindesten mit verschuldet liat, soll nach dem BERLINER TAGE- BLATT die Judenemanzipation beschlossen haben, ln der BERLINER VOLKSZEITUNG, in der derselbe Verleger stets einen demokratischeren Ton zulässt, war vorsichtiger Weise der Ausdruck Judenemanzipation vermieden worden. Statt dessen waren dort kritische Betrachtungen angeknüpft, die keineswegs empfehlender Natur waren. Das ist recht so. Demi cjuod licet Jovi, non licet bovi. Was dem reichen Juden, der zumeist ״religiös liberal" ist, passt, das braucht darum dem Juden aus dem Mittelstände noch immer nicht einleuchtend zu sein. Auch hat der Jude aus dein Mittelstände, der sein Geld nicht in russischen Pogrompapieren anlegen kann, keinen Wert für die Gross- Kapitalisten, die den Geldmarkt mit russischen Anleihen versorgen. Die Leser des BERLINER TAGEBLATT dürfen schon glauben, dass es mit den Pogroms zu Ende geht, wenigstens . solange, bis die nächste Pogromanleihe unter jüdisches' Dach und Fach gebracht ist. In den Augen der nichtjüdisch'en Welt ist es dabei höchst gleichgiltig, ob die Mendelssohns und levysohns, die die russischen ' Anleihen Ianzieren und die Berliner Zeitungen redigieren, ״bereits als Christen geboren‘־ sind. Sie si’eht in den Nachkommen der Juden, die sich selbst für waschechte Teutonen ansehen möchten, die Juden, die nach ihrer Meinung für Geld und Geldesgewinn die eigene Nation verraten. W i r freilicli können von dem Protestanten Arthur Levysohn nicht verlangen, dass sein BERLINER TAGEBLATT in Jüdischen Dingen einen jüdischen Standpunkt einniinmt. Wie können eben mir feststcllen. was uns freilich von nichtjiidischer Seite nicht geglaubt wird, dass das Judentum keinen ärgeren und gefährlicheren Gegner hat, als die ganze grosse Gruppe getaufter Juden 111d ihrer Nachkommen, deren Taufe allein ja ihrerseits das Eingeständnis enthält, dass sic das Judentum für etwas halten, das entfernt werden muss. An der angeblichen Judenemaiizipation ist nur das wahr, dass Stolypin in Erwägung gezogen hat, dass zu Staatsämtern in der Theorie auch Juden zügelassen werden sollen. Selbst wenn aus der Erwägung allen Erfahrungen und allem Wissen von der Aufrichtigkeit der russischen Panipregicrung zuwider etwas werden sollte, so würde das nur Wenigen ganz reichen Juden in Russnnd zugute kommen können, während die Masse der 6 Millionen russischer Juden nichts davon hat. Freilich würde inan auch dann allgemein, wie jetzt das BERLINER TAGEBLATT, von der vollzogenen Judenemanzipation sprechen und sich nur darüber wundern lind empören, dass die russischen Juden noch mehr haben wollen. In Wahrheit aber sind es ganz andere Bedürfnisse, die die russische׳.! Juden haben. Von einer Oeffnung des Ansicdlungsryons. von einer Erlaubnis, Grund und Boden irgendwcldier Art zu besitzen, von den prtniitivsten Rechten der Sicherheit von Leib und Leben, von - Freizügigkeit und Gewerbe!reiheit, von Glauben und Stammestum ist nicht die Rede. Der russische Jude lebt in Russland wie in einem Zuchthaus, in dem jeder sich erlauben darf, ungestraft den Gefängniswärter und den Henker zu spielen, und da sollte es irgend welche Bedeutung haben, wenn man .wie es übrigens noch vor zwanzig Jahren der Fall war, einen oder den anderen Juden, der sehr, sehr reich ist, zu einem Staatsamt befördert' Herr Stolypin kannte die liberale Presse recht gut. als er sich den Anschein gab, dass er ihr diesen Knochen zum Abnagen hDwerfen wolle. Er wusste, dus.s sic das Judentum lediglich damit vertritt, dass sie in regelmässigen Abständen die Klage erhebt, dass es nicht genügt, in Berlin W. geboren zu sein, um Reserve- Offizier zu werden, sondern dass man sich vorher taufen lassen muss, und dass diese Taufe auch nur dann zum Olfizier in der aktiven Armee befähigt, wetm inan es versteht, die darin involvierte Abstammung von stammestreucn Juden zu verbergen. Im übrigen vertritt sie lediglich das Interesse der getauiten Juden und derer, die es werden wollen, und ist nicht minder juden t u m s feindlich, als die Antisemiten und Konservativen indenfei idlich sind. Nur dass diese aus ihrer Feindschaft weniger Hehl machen. Es ist deshalb sehr verwunderlich, dass so viele Leser des BERLINER TAGEBLATTS sich *au dem Artikel des Dr. Wilhelm Feilchcnfeld. stossen, der in dem ZEITGEIST über die russischen Juden herfällt. Der Artikel gehört mit seiner halben, verhaltenen Feind- Seligkeit gegen das jüdische Stanunestum und gegen die russischen Juden insbesondere ganz und gar in den Zeitgeisi, wie er vom BERLINER TAGEBLATT vertreten wird. . . ״ U ״״ f. Xi

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