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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · Heft 42 (19.10.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 42 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Beilage •I RUNDSCHAU j&x1■ Aus der zionistischen Bewegung Berlin. Am 30. Oktober und 7. November d. Js. werden in Berlin zwei grosse zionistische Volksversammlungen stattfinden; die eine in der Viktoriabrauerei Lützow- Strasse, die andere im Berliner Handwerkerverein Sophienstrasse. Die Herren Dr. Franz Oppenheimer und Rechtsanwalt Gronemann haben die Vorträge übernommen. Das Jahr 5666 in der Geschichte der jüdischen Renaissance-Bewegung (Schluss.) Leider fiat sich die zionistische Organisation bei solchen Anlässen nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe gezeigt, indem sie cs an jeder informierenden und organisierenden Tätigkeit in Palästina fehlen Hess und nichts tat, was sie den Beeschliissen des siebenten Kongresses gemäss hätte tun können und müssen, um der Privatinitiative entgcgeiuukommen und den Einwanderern den dauernden Verbleib im Lande zu ermöglichen. Besonders stark wurd׳' das Fehlen einer zentralen Leitung und Organisation der privaten Unternehmungen, wie auch de! Mangel an geeigneten Kreditinstitutionen (Agrarbank etc.) vnipfnndcn. Die Kölner Jahreskonferenz scheint übrigens bereits diesen Fragen mehr oder weniger ihre Aufmerkstmkeil zugewandt zu haben, wenn auch ihre Beschlüsse vielen noch nicht genügen werden. Hoffentlich wird diesen detaillierteren Beschlüssen ein besseres Geschick beschicden sein, als bis fotzt den ins Grosse gehenden Beschlüssen des siebenten Kongresses. Dass der Palästinagedanke übrigens nicht nur die weiten Volksmasscn des Ostens ergriffen hat, beweist die Tatsache, dass neuerdings die Spitzen der Wiener jüdischen Bcvölkerung sich zur Gründung eines neuen Palästinakolonisations-Vcreins zusammentaten, und es wird für viele eine besondere Genugtuung gewesen sein, den Aufruf dieses Vereins, der einen eminent zionistischen Charakter trägt, von Männern unterzeichnet zu sehen, die sich lange Zeit dem Zionismus gegenüber ablehnend ja sogar feindlich verhalten haben.. Von grosser' Bedeutung für die Palästina-Arbeit ist die im letzten Jahre durch die Gründung der Jafia’er Knaben- Schule, der Jerusalemer Mädchenschule und anderer Lehranstatten erheblich erweiterte Tätigkeit des Hilfsvcreins der deutschen Juden auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina, die rückhaltlose Anerkennung verdient. Der Hilfsverein hat seine f ü d i s c 11 c n Aufgaben wie keine andere verwandte Organisation begritten. Seine Schulen in Palästina tragen im Gegensatz zu denjenigen der Alliance einen ausgesnrochen jüdisch-nationalen Charakter und das Hebräische ist in denselben als Unterrichts- und Umgangssprache wohl vorherrschend. Auch auf anderen Gebieten und in anderen Ländern machte sich ein erfreuliches Fortschreiten des nationalen Gedanken bemerkbar. In Österreich zog die A u 10 n o m i e b e - w e g u n g. d. h. die Bestrebungen zu Künsten einer jüdischnationalen Kurie weite Volkskreise in ihren Bann und der leidenschaftliche Kampf derselben gegen eine Cbaue assimilatorischer Kriecher und Leisetreter hielt eine Zeitlang die gesamte Jiidcuscliaft Oesterreichs in atemloser Spannung. Und seihst im assimilatorischen Deutschland hat eine Organi• sation wie der Verband der deutschen Juden, die anscheinend mit Nationaljudentum nichts zu tun hat. deutliche Zeichen des neuen Geistes gezeigt. Auf der letzten KonferenzdesVcrbandes wurde vielfach eine Snrache vefiihrt. die von mannhafter Würde und stolzem jüdischem Selbstbewusstsein getragen war. Besonders charakteristisch war in dieser Beziehung das ausgezeichnete Referat von Justizrat Fuchs. Im Zeichen der Sammlung und der Organisation stand in diesem Jahre auch das orthodoxe Judentum in Deutschland. Ich erinnere nur an die Qündung des Verbandes der Schomre-Schabbos-Vereine und des Bundes jüdischer Akademiker. Auch der Versuch einer Regelung dcs Chalukkah- Wesens gehört in diesen Zusammenhang. Für höhere, grosszügige nationale Aufgaben zeigte die Orthodoxie leider auch in diesem Jahre kein Verständnis. Besonders erfreuliche Fortschritte hat das nationale Judentum im abgclaufcnen Jahre in Amerika gemacht. Der gewaltige Aufschwung, den die dortige ״Poale-Zion‘‘-Partei - bei der übrigens das zionistische Moment stärker prononzicrt ist als bei ihren gleichnamigen Kollegen in Europa — in den letzten Monaten genommen hat, legt beredtes Zeugnis dafür ab. Auch die allgemeine zionistische Bewegung hat in Amerika in diesem Jahre, wie die letzte Konferenz der A.Z.F. zeigte, an Breite und Tiefe ungemein zugenommeu. Mein Bericht würde nicht vollständig sein, wenn ich nicht noch des Versuchs zur endgültigen Schaffung und Konsolidicrung dcs״Ibriah“- Verbandes, einer Welt- Organisation zur Verbreitung und Neubelebung der hebräischen Snrache. gedenken würde. Im Anschluss an die Bcschlifsst der Baseler Konferenz der Ibriah-Vcrcine errichtete das Zentralkoniitec ein Agitations-Büro in Bern, welches gemcinsam mit Herrn Dr. Klausner, I ausanne, die laufenden Geschäfte (Veröffentlichung von geeigneten Broschüren und Flugblättern. Organisierung der Vereine etc.) zu besorgen hätte. Das Berner Büro hat sehr bald lebhaften Anklang gefunden und die unzähligen Zuschriften, die es bereits aus den verschiedensten Ländern von Vereinen und Privaten erhallen hat. zeigen, dass die Arbeit für die Sache der Ibriah auf sehr dankbaren und fruchtbaren Boden fällt. Nachdem nun in allerletzter Zeit auch im Punkte Presse eine Wendung zuni Bessern eingetreten ist, indem einige neue hebräische Zeitungen gegründet worden, bezw. im Entstehen begriffen sind, ist nun zu hoffen, dass es der Arbeit der Ibrfah auch an mächtiger Unterstützung seitens der Presse nicht fehlen wird. Au! dm Gebiete der hebräischen Literatur hat uns das abgelaufene Jahr zwar nur weniges gebracht, dieses wenige bedeutet aber einen Schatz von unermesslichen Reichtum, auf den jede europäische Literatur stolz sein könnte. Der geniale Bjalik überraschte uns mit einigen grösseren Schöpfungen, die die höchsten Ansprüche, die man an diesen Grossen zu stellen gewohnt war. noch übertrafen. Seine .,Mgilas-Ho’esch“. ,.Habrecliach“ und ״Mischire Hasaam“ sind von einer Gewalt und Schönheit, wie man sie nur in den Er- Zeugnissen der wenigen ganz grossen Dichter der Weltliteratur, die für Jahrtausende dichteten, findet. Der junge gottbegnadete J. C a h t n beschied uns eine weitere GedichtssamMung. die, in einer europäischen Snrache. geschrieben, dem Dichter einen Weltnamen verbürgt hätten. Weitere Erwähnung verdienen noch eine klassische, nach Form und Inhalt gleich gediegene Studie von Achad-Haam über Maimonides. ein wunderschönes grösseres Poem Tschernichowsky’s ..Kechom Hajom“. einige belletristische Arbeiten des hervorragend begabten Brenner, ferner d׳c 1. Lieferung des von Dr. Klausner redigierten ..0 z a r H a J a h e d u 111“. einer Originalcncyclo• pädie für die gesamte Wissenschaft des Judentums u. a. Alles in allem genommen, brachte uns das verflossene Jahr eine schwere Krisis auf national-oolitischem und kulturellem Gebiete, glücklicherweise aber auch den Beginn der Über- Windung derselben. Und so dürfen wir denn, botz allen Wirrnissen «nd Fährnissen unseres GolusPbens. getrost in die Zukunft blicken.Noch ist unsere unverwüstliche Kraft nicht gebrochen, noch ist unsere Hoffnung nicht verloren. Gesellschaftsreise Der Zionistische Zeutral-Vereln In Wien IX. Türken Strasse 9. schreibt den Rciscteilnehmern das Folgende: Euer Wohlgcboren! Unsere genlante Palästinareise hat wohl allseits lebhaften Anklang gefunden, so dass wie einige 100 Anfragen von Inter• cssenten aus allen Teilen Euronas erhielten. Trotz dieses günstigen Anlaufes h?hen wir aber dennoch bis zum heutigen Tage, dem End-Termin für den Abschluss 4

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