Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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OQ 0\(\i; hO 100 O "j \j IJÜ ü \jü ü Abonnementspreis «nschlicsslich LITERATURBLATT ulerteljih.-lich: 1. «furch die Eijcdrtion: «) In Berlin —,90 Mark. b) nach aus* wärls I,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. ■2. Im Pestaüennement: 1,25 Mark. Insertionspreis die vicrccspatienc Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine JüdiscHe Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4 Telephon: II, 3JS7. Expedition und Adresse fCr Geldsendungen und Bestellungen: Verlag iüdirche Rundschau, EG m. b. H. Berlin N. 54, Auguststr. 49a. Gcschlftsstunden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags 3 7 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Nummer 39 Berlin, 9. Tischri 5667 — 28. September 1906 XI. Jahrgang!2:ה und Sac’r Ein Wort 11 ת Dr. Vogelstein. Die Zeit, wo sich die grosse Mehrzahl der in Deutschland Angestellten Rabbiner verleiten Hess, einen Protest gegen de;1 Zionismus in die Welt zu setzen, ist hingst vorüber. Wollte jemand den Versuch wieder* holen, den deiiunzhtorischen Rabbiuerpiotcst einer Ver- Sammlung der deutschen Rabbiner vorzulcgcn, so würde er nur noch ein mitleidiges Lächeln hervorrufen oder aber eine scharfe Zurückweisung. Der Zionismus l.at einen Siegeslauf angelretui und nicht zum mindesten eine grosse Reihe von Rabbinern für sich ge- Wonnen, die sich im Jahre 1S07 noch zu dem Protest gegen den Zionismus hatten überreden lassen. Seitdem sind auch die grossen Wortführer im Streite gegen den Zionismus mit gutem Grunde recht wortkarg geworden t:!1d von dc.1 Herren Dr. Maybanm und Dr. Vogelstein war wenig oder nichts mehr zu hören. Da trat eine Wandlung ein. Der Führer der zionistischcn Parei starb und den Aussenstehendcn schien es einen Augenblick, als könnte eine Spaltung eintrete,1. Das war ein gründlicher Irrtum von denen, die oberfläclilich an den Fenstern hinsahen, aber nicht imstande waren, einen Bück in das Innere des Hauses zu werfen, geschweige denn einen tieferen Einblick zu nehmen. Gleichzeitig aber begann die Judennot in Russland so entsetzliche Formen auzunehmen, dass dort jede Arbeit und sogar ein grosser Teil zionistischer Tätigkeit lahm gelegt ist. Die ganze Fidle des entsetzlichen Jammers in Russland, der alle Schrecknisse des grausigsten Mittelalters weit überbietet und alle Feuersbriinste, die im mittelalterlichen Jtidenvolkc gewütet haben, grell überstrahlt, übt ihren niederschmetternden Eindruck natürlich in erster Line auf die Gruppe im "Stamme aus. die sich am meisten um das Wohl und Wehe der Brüder bekümmert. Und so ist cs nur selbstverständlich, dass der tiefe Jammer sich bei den Zionisten am meisten geltend macht und sie am allertiefsten niederdriiekt. Diesen Augenblick tiefster Niedergeschlagenheit wählte der Rabbiner Dr. Vogelstein aus Stettin aus, um den Zionismus in den ״Mitteilungen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin“ und in der ALLGE- MEINEN ZEITUNG DES JUDENTUMS zu vernichten. In einem Artikel, ..Der Zionismus, eine Gefahr für die gedeihliche Entwicklung des Judentums״', der um die Wirksamkeit zu erhöhen, auch noch als Massenbroschüre versandt wird, hat Herr Rabbiner Dr. Vogelstein uns allen den Garaus gemacht. Jetzt veiss man, %\־ie gefährlich wir sind und aller unserer Propagandaarbeit ist die Spitze abgebrochen worden. Herr Dr. Vogelstein geht in seinem Artikel sehr l.lug und vorsichtig zu Werke. F.r wolle den Zionismus ״in ruhiger, rein sachlicher Weise, leidenkeliattslos und furchtlos* in seinen Gefahren darlegen. Er fügt wörtlich hinzu: ״Ein gewisser Mut gehört ja freilich dazu, gege i den Zionismus aufzutreten. Wer es wagt, die Bewegung zu bekämpfen und als schädlich oder gar verderblich zu bezeichnen, setzt sich sofort den gehässigsten persönlichen Ang r i 1 Le n seitens der zionistischen Presse aus und muss Verunglimpfungen aller Art über sich ergehen lassen.“ Hier ist der erste Irrtum: Obwohl man uns Zionisten ohne jede Spur von Berechtigung denunziert hat, obwohl sogar der Partei- und Gesinnungsgenosse des Dr. Vogelstein. der Professor Ludwig Geiger in Berlin das Ansinnen, an den Staat gestellt hat, uns wegen unserer politischen jüdischen Gesinnungen die Staatsbüpgerrechte zu entziehen und damit die ganze rechtliche Stellung der deuts.hcn Ces־mt- Judenbeit gefährdet hat, ist cs nicht der Fall, dass wir zu gehässigen persönlichen Angriffen in der Polen! k übergehen. Freilich könne׳.! wir nicht etwa das Vorgehen des Herrn Geiger loben, ebenso wenig wie wir seinen in der Jüdischen Gemeinde Berlins stets durcligefiilirteii Standpunkt zu billigen vermögen, tfuhtige Fachleute von den geeigneten Stellen in der Gemeinde deshalb zuriiekzuweisen. weil sie Zionisten s i!1 d. Es kann nicht jeder wie sein Protege Elias Jakob F ronie r Judentumsteind sein Aber wo ist in dem Artikel des Herrn Vogelstein die .,ruhige, rein sachliche Weise“ mit der er seine Darlegungen feidenschaftslos und furchtlos" machen will, wenn er gegen die Zionisten ״den volbcgrfludetcn Vorwurf erhebt, dass sie die jüdische Idee getrübt und verfälscht haben.“ Wir hätten es bisher wenigstens iiir eine Bcschitnpfung angesehen, wenn wir von jemandem behauptet hätten, dass er ״verfälsch t.“ Nunmehr erfahren wir von Herrn Rabbi.ier Vogelstein, ״dass dieser angeblich ״vollbcgrfindete Yorwmi" nicht zu dem gehört“, was er ״gehässige Angriife“ nennt.. Denn er versichert uns ja durch das Versprechen der ״sachlichen und ruhigen Weise“, dass er kek'e ״ge•