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Jüdische Rundschau · 1906-09-14 · Heft 37 (14.7.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 37 (14.7.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 37 Seite 55S die Opfer In Russlcnd besprochen. Ueber letzteren Punkt jdng die allgemeine Ansicht dahin, dass man zwar im Pr:nzfp hierüber zweierlei Meinung sein könne, dass aber die Hingabe der Spende durch die ausserordentlichen Verhältnisse gerechtfertigt sei. lieber das russische Geschäft wurden bcfriedigende Erklärungen gegeben. Das Engagement der Bank hat stell von 1200 000 Rubel bereits jetzt auf 500 000 Rubel vermindert. : Auch von dieser Summe werden 200000 Rubel in den nächsten Monaten aus Russland herausgezogen. Dei Rest ist selbst im äussersten Fall ungefährdet. Die Verluste der Bank sind sehr gering, sodass der für diesen Fall gebildctc Reservefonds auf alle Falle ausrcichen wird. Für das in Russland freigewordene Kapital hdt sich neue Verwendung in London gefunden. Das neu aufgenommene Kontangogegeschält (Beleihung börsenfähiger Papiere ersten Ranges) wirft einen zwar kleinen aber sicheren Gewinn ab. Im laufenden Geschäftsjahr ist der Gewinn der Bank sehr gestiegen. Das Direktorium hofft bestimmt, im neuen Jahr eine dreiprozentige Dividende verteilen zu können. Sämttche Faktoren der Bank sind mit der Jahreskonferenz der Ansicht, dass der Schwer* punkt der Bank immer mehr nach Palästina verlegt werden muss. Infolgedessen hat das Direktorium die Gründung neuer Filialen ausserhalb Palästinas abgelchnt. Die Anglo Palestinc Company entwickelt sich gut. Ihr Umsatz ist auf 100 Millionett Franks gestiegen. Sie wird voraussichtlich ebenfalls im laufenden Jahr Dividende geben können. Von grösster Bedcutung ist die neue Filiale in ßeyrut. da Beyrut einer de! ersten Handelsplätze des Orients ist. Die Bank wird sich bcmühen, für die Zukunft jährlich eine MinmaldviJende von 3'יי zu erreichen, uni neues Kapital herauzuziehen. Letzteres ist dringend notwendig, wenn die Bank bezw. ihre Tochtcrgeselb schalt. die Anglo Palästinc Company neue Filialen in Paliistina gründen soll. Am notwendigsten wäre eine solche Filiale in Haifa. An die Erörterung dieser überaus wichtigen geschäftlichen Fragen schloss sich eine erregte Debatte über das Verhalten des Direktors der Bank Cowen. der der vom Kongress beschlossenen Statutenänderung widerstrebt. Ein von einem Aktionär eingebrachtes Misstrauensvotum gegen Herrn Cowen wurde mit Rücksicht auf die grossen Verdienstc desselben um die Bank und den Zionismus mit grosser Majorität abgelehnt. Nach Wiederwahl des ausscheidenden Direktors Kann- Haag und Genehmigung des Geschäftsberichtes konnte die ordentliche Generalversammlung uni 2U• Uhr geschlossen werden. JÜDISCHE RUNDSCHAU Ausserordentliche Generalversammlung. Der Abstimmung über die Statutenänderungen ging nur eine kurze Debatte voraus. Herr Cowen suchte seine ab- •lehnende Haltung trotz des Beschlusses des 7. Kongresses zu begründen. Herr Bcntwich dagegen erklärte, dass er Infolge der Gegenagitation der Territorialsten nunmehr für die Acnderung eintrete. Die Abstimmung ergab die Annahme der An» träge mit 9673 gegen 697 Stimmen. Hiernach dürfte die Genchmigung der Beschlüsse durch die englischen Gerichtshöfe ausser Zweifel sein. Der Wirkungskreis der Bank ist somit itu wesentlichen auf die asiatische Türkei. Sinai und Cypern beschränkt. Ausserdem sind einige weniger wichtige Bc- Stimmungen der Statuten geändert. Insbesondere haben die Besitzer von Inhaberaktien das Recht erhalten, auf General- Versammlungen mitzustimmen. Bisher hatten dies Recht nur die Namensaktionäre. Ausserdem hat das Direktorium das Recht erhalten, unerhobene Dividenden schon nach einem Jahr für Zwecke der Bank zu verwenden, vorbehaltlich des Rechts der Aktionäre auf nachträgliche Auszahlung der Dividende. Aus den Ortsgruppen Köln, 30. August. Die Zionistische Ortsgruppe Köln veranstaltcte gestern abend anlässlich der hier stattfindenden Jahreskonferenz der zionistischen Weltorganisation im grossen Saale der Lcscgcsellschaft einen Festkommers, der sehr zahl,- reich besucht war, und einen schönen Verlauf nahm An den unter der Leitung des Kongrcsspräsidentcn. Dr. Max Nordau, aus Paris, stattfindendeu Verhandlungen hatten die hervorragendsten Zionistenfiihrer aus allen Ländern tcilgciiom* men. Zu dem Kommerse waren auch die ehemaligen Duma- Mitglieder. Dr. Schinarjah Lenin aus Wilna. Dr. N. Katzeneisohn aus Libau und Rechtsanwalt S. Rosenbaum aus Minsk (Russland), ferner die Herren S. W. Lewin-Epstcin aus New- York. Dr. Marmorvk aus Paris, Universitätsprofessor Dr. Chain! Wait/mann aus Manchester, Dr. Levontin, Direktor der Anglo-Palcstine-Compans׳, aus Jaffa, M. Ussischkin aus Jckatcrinoslaw und fast alle Mitglieder des grossen Aktions» Komitees erschienen. Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenhcinter cröffnctc den Kommers mit herzlichen Bcgrüssungswortcn. Er wies auf die Bedrückung der Juden in Russland hin. wo das Blut der Juden in Strömen floss. Max Nordau habe auf dem ersten Zionistenkongress hingewiesen auf die Judenvcrfolgungcn in Rumänien. Nun aber sei die Lage der jüdischen Bevölkerung in Russland, wo noch fortwährend Judcnnietzcleien stattfiiidcn. viel entsetzlicher. Um so mehr müssten alle Zionisten jetzt daran fcsthalten. dass Palästina ein freies Land für die Juden werde. Nachdem man dann das hebräische Lied .,Die Hoffnung“ gesungen.• wies der Präsident der Zionisten, Herr Wolffsohn, aus Köln, darauf hin, dass die Konferenz jetzt zum zehnten Male tage. Aus kleinen Anfängen sei die Bewegung hervorgegangen und ständig gewachsen. Mit aller Krait müsse das Ziel, in Palästina eine Heimstätte für die Juden zu schaffen, weiter verfolgt werden. Das müsse nicht bloss der Wunsch der Juden, sondern aller guter Menschen sein. Herr Sokolow aus Warschau, de! bekannte hebräische Schriftsteller, führte aus, dass jedes Kulturwerk sein Helm schütze. Wie dem Engländer sein Home über alles gehe, so sei Palästina als Heimstätte für die armen Juden eine Notwendigkeit, für die reichen ein Ideal. Das frühere Duma-Mitglied. Dr. Katzenclsohn aus Warschau, dankte für die Sympathicbczeugung für die verfolgten russischer! Juden. Diese Sympatliicbezeugimg werde ein Trost für die Bedrückten sein, die eben wegen der Verfolgung in Russland am meisten danach strebten, in Palästina ein freies Heim zu erhalten. Herr Dr. Schabt aus Wien erinnerte daran, dass es Theodor Her/.l in Wien war. der den Zionismus ins Leben rief. Nach seinem Tode fiel die Führerschaft an die deutsche Landsmannschaft. Mögen dem Nachfolger Herzls. Herrn Woliisohn in Köln, alle Zionisten so treu zur Seite stehen, wie es die Wiener bei der Griintfum־׳ des Zionismus getan haben. Es folgten dann auf der Bühne turnerische Uebungen der Damen- und der Murren-Riege des hiesigen jüdischen Turnvereins, deren Vorführungen am Barren viel Beifall randen. Nachdem man hierauf nach der Melodie ״Der Gott, der Eisen wachsen liess“ ein hübsches gemeinschaftliches Lied gesungen, sprach Herr Dr. Gronemami aus Hannover, der Präsident des dortigen Turnvereins, dem Kölner jüdischen Turnverein herzlichen Dank für seine vorzüglichen Darbictungen aus. Im Laufe des Abends folgten dann noch weitere turnerische Frei* und Stabübungcn der Damen- und Herrenriege, Musikvorträge der Kapelle und Begrfissungcn von Vertretern des Zionismus in Amerika, so dass der Kommers allen Teilnehmern eine irohe Erinnerung bleiben wird. Dresden. 10. September. Unsere Tätigkeit nach den Sonn merferien vermochten wir mit einem glänzenden Vortrag van Herrn Dr. Heinrich Locwc aus Berlin über ״Die Berechtigung des Zionismus“ am 6. September einzuleiten. Leider war di<* Beteiligung an diesem Abend infolge der etwas ungünstigen Jahreszeit nicht ganz befriedigend und dies ist umsomehr zu bedauern, als die trefflichen Darlegungen des Redners für einen weitaus grösseren Hörerkreis bestimmt waren. -י Es gelang uns dennoch mehrere neue Mitglieder zu gewinnen und 16 Mk. .Ciir den Nationalfond zu sammeln, wovon 12 Mark für Ölbaumspenden zu Ehren von Herrn Dr. Locwc und seiner anwesenden Frau Gemahlin bestimmt wurden. Nationalfond Sammlungen für den Nationalfond und andere zionistische Zwecke sind ausschliesslich zu senden andcnSchatzmelsterdes Zentralbureaus, Herrn Max WoIIsUlner, Berlin NW. *3, - ——■ז■■ ■י■■ Holsteiner Ufer 10. .. Paul Borch&rdt, Betho, Frltdikhstr. 226 .... 21, * Mk, Gesammelt von Frou Regina Scelig, Mannheim, als Challah-Geld.12,— ״ Dr. med. H. Gottgetreu, Münster (Oberlahn Kr.) aus besonderem Anlass. \t— Ignaz Timar, Berlin, Joachimstalcratr. 15 ... . 2.50 ״ Ertrag der Büchse bei Lippmann Bloch, Breslau 25,25 , Frl. Trude Hillsohn, Königsberg, für an T. & Co. gelieferte Metalle . 3t_ H. B., g:\vonnene Wette von P. K. 0,50 " Durch L. Schild, Posen, gesammelt auf der B ad t'sehen Hochzeit . 6,85 ״ Aus der Nationalfondbüchse von Rabbiner Auerbach, Wronke. 6,05 ״

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