Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 534 No. 36 JÜDISCHE Bei Beginn der Nachmittagssitzung beantragte Dr. Alexander Mantorek eine Erweiterung der Kompetenzen des Schiedsgerichts. Er begründete den Antrag mit gewissen Streitigkeiten in England und Oesterreich. Der Antrag wurde prinzipiell angenommen und dem Aktionskoiüitee zur weiteren Veranlassung überwiesen. Präsident Wolfisohn nahm Gelegenheit, das Verhalten eines Österreichischen Vereins zu rügen, der ein Mitglied des grossen Aktionskomitees zur Demission aufgefordert hat. Die Mitglieder des Aktionskomitees würden vom Kongress gewählt und seien nur diesem verantwortlich. Hieran! erstattete Professor Dr. War bürg den Berieht der Palästinakonimission. In der Debatte wurde die Tätigkeit der Chowewe-Zion in Palätsina, die starke Einwanderung der letzten Monate, die Unterstützung des Bezalcl, sowie einzelne Landkäufe der Nationaliondsvcrwalumg besprochen. Auch die Notwendigkeit einer höheren Schule in Palästina wurde gestreift. Dr. W'eizmaim suchte die Debatte auf die prinzipielle!*rage der gegenwärtigen Arbeit in Palästina zu lenken. Dr. Alexander Mannorek bat aber als zeitiger Präsident der Konferenz diese Frage zuriickzustellcn. Die Debatte schloss mit der Annahme folgender Anträge: 1. Antrag Warburg: *Die Jahreskonferenz erachtet cs zur Förderung der jüdisch-kulturellen Institutionen!11 Palästina, wie Nationalbibliothek,!Museum. Versuchsstation für wünschcnswert, dass ein vom A.-K. verwalteter Palüstinakulturfonds begründet werde. 2. Antrag Warburg: Die Jahreskouferenz erachtet es zwecks Wciteriiihrung der praktischen Palästinaarbeit für wünschenswert,, dass die nötigen Fonds, soweit als möglich, nicht von dem Schekel, sondern durch besondere Beitrage bestritten werden und empfiehlt den Federationcn und Ortsgruppen, gemäss dem Vorgehen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die Mitglieder der zionis.isehen Organisation zu freiwilligen PaUistinabeiträgeu Iieranzuziehcn. 3. Antrag Tschlenow: Pie Jahreskonferenz beschliesst, der Nationalfond soll in Jerusalem soviel Boden kaufen, als für ein passendes Gebäude für den Bezalcl notwendig ist. Das für das Gebäude notwendige Geld soll der Nationaliond der Anglo-Palcstine-Company auf einige Jahre leihweise zur Verfügung stellen, und diese soll den Bau ausführen. Nach cinstfmdiger Pause begann um Uhr abends die Nachtsitzung. Dieselbe endete erst uni 5‘ä Uhr morgens. Mit sehr geringen Ausnahmen folgten sämtliche Teilnehmer der Konferenz der Debatte über die prinzipielle Frage der Arbeit in Palästina bis zum frühen Morgen. Schon diese Tatsache beweist, welche Bedeutung ihr beigemessen .wurde. Die formelle Unterläge der Diskussion bildeten Anträge der Herren Ussischkin und Warburg auf Gründung einer Agrarbank (Hypothekenbank) in Palästina und auf Verwendung von Geldern des Nationalfonds und der Bank zur Bildüng eines Agrarfonds. Wie vorweg bemerkt werden mag. fanden diese Anträge so wenig Unterstützung, dass sic von den Antragstellern teils zurückgezogen, teils abgeschwächt wurden. Zur Annahme gelangten nur Resolutionen dahin, das Aktionskomitee möge die Fragen einer Hypothekenbank und eines Agrarfonds prüfen und Land des Nationab'onds zur Verpachtung an frühere Kfschlncwcr Waisen und Arbeiter in! Werte von 20f0־f1 Francs unter gewissen Voraussetzungen zur Verfügung stellen. Pas Ergebnis der Debatte war somit tatsächlich RUNDSCHAU eine Ablehnung der weitgehenden Anträge Ussischkin und Warburg. Ebenso wichtig waren die prinzipiellen Aeussernngen der Diskussionsredner. Insbesondere waren die Reden der Herren Dr. Wcizmatui Sokolocv, Dr. Schcmariah Lcwiu und Fciwel eine eindrucksvolle Darlegung der Notwendigkeit einer Tätigkeit in Palästina!.nter Vermeidung jeden Moments, das einen Rückfall in vorzionistische Anschauungen verraten könnte. Ausserdem beteiligten siel! der Präsident Wolfisohn, Dr. Marmorek, Dr. Katzcnclsohn, Rechtsanwalt Rosenbaum, Moser, Lewontin, Grcenberg, Scheinfdn, Warburg, Ussischkin. Dr. Sapir und Dr. Hantkc an der Debatte, die weniger bedeutsam durch die formellen Beschlüsse, w׳ar, als durch die Anlegung, die sic den Leitern der Bewcguiig selbst gab und durch die Aussicht für eine allgemeine Verständigung über das so bestrittene Gebiet der Palästinaarbeit, die sie cröfmete. Sie hat bewiesen, dass die Bedenken, die insbesondere in Deutschland geäussert worden sind, imbegriindet sind, dass im grossen Aktionskomitee niemals eine Majorität für einen unpolitischen Zionismus möglich'seift wird. Sitzung am Freitag, dem 31. August 1906. Die Freitagssitzung litt ein wenig unter der allgemeinen Abspannung und der Notwendigkeit, den Rest des Stoffes bis zum Beginn des Sabbats zu erledigen. Der Bericht der Nationalfondverwaltung• der Untersuchungskomuiission über die Entstehung der Pogrome, der Propagandakomniission, das . Biicherreferat, das Pressreferat w urden erstattet. . Wichtige PescI1liis.se wurden nicht gefasst. Die Anregung der Propagandakommission, ein jüdisches Tageblatt in deutscher Sprache zu gründen, wurde sympathisch begrüsst, ohne dass damit die Frage, ob ein solches Unternehmen fim;nzieh durchführbar ist, bejaht werden konnte. Die Augelegcnheit hätte eine eingehendere Behandlung verdient und dürfte auch den 8. Kongress beschäftigen. Auch die Pressfrngc muss als bis zum 8. Kongress vertagt angesellen werden, Das Referat Feiwels bot sehr wertvolle Anregungen über die Notwendigkeit offiziöser Organe in deutscher, englischer und russischer Sprache, über die Verschmelzung der deutsch-zionistischen Zeihingen und über ein Pressbureau, sow ie eine jüdische Zeitimgskorrcspondenz. Das Aktionskomitee wird sich mit diesen Fragen beschäftigen. Vor der Hand w ird in der Herausgabe der WELT eine Acndcrung nicht eintreten. Zum Bericht der Nationalfondverwaltung wurde auf Antrag Dr. Hantke dem A.-K. empfohlen, nach ßccndigutig aller organisatorischen Arbeiten für den Nationalfond, die in einigen Monaten hevorsteht, das Zentralbureau des Nationalfonds von Wien nach Cöln und London zu verlegen, um es mit den übrigen Parteibureaus zu vereinigen. Der Bericht über die Schckclsammlung des letzten Rechnungsjahres ergab die traurige Tatsache, dass die Eingänge an Schekeln die Ausgaben nicht entfernt deckten. Die Zahl der Schcke! ist zw׳ar in fast allen Ländern ausser Russland gestiegen, teilweise sogar sehr erheblich, ein Resultat, das in einem Jahre ohne Kongress ganz besonders bcrvorgcUobcn zw werden verdient. Viele Landesorganisationen haben aber zu hohe Abzüge an den Scliekeigeldern gemacht, so dass der durch die Revolution in Russland entstandene Ausfall nicht gedeckt werden konnte. Die Jahreskonfer׳'nz sprach daher den Landesorganisationen gegeniiberden ׳,ringenden Wunsch aus. in Zukunft den Schekel voll abziFiihrcn und rügte insbesondere, dass einige Fcder.ponen ohne Bewilligtmg des Aktionskomitees Schckclgcldcr für ihre Bedürfnise verwandt haben. Präsident Wolfisohn gab