Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651482--03906-2660854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 35 Seite 531 JÜDISCHE RUNDSCHAU die Sache aus dem oder jenem Grunde unmöglich ist. Es geht also beim besten Willen nicht. ״Es wäre so schön gewesen, es hat nicht sollen sein." ' Nun aber Ist den Phantasten ein mächtiger Freund et standen. Die Sache ist populär geworden, cs macht sich, wie mau stell ausdrückt, ein ״fühlbares Bedürfnis" bemerkbar. Dann dauert cs auch nicht mehr lange und die ersehnte Forde, rung ist nüchterne Wirklichkeit. Mit den Parteisekretären befinden wir uns augenblicklich im Anfänge des zweiten Stadiums. Wir müssen die Forderung propagieren ■ mit dem Bewusstsein, noch einen weiten .Weg bis zur Erreichung derselben zu haben. Denn ein erschwörender Umstand kommt noch hinzu: Wir haben in unscrer Bewegung zwar eine Menge fähiger Köp'e, aber sehr wenig Organisatoren. Wie kann man also mit Leuten spanisch sprechen, die zwar sonst ganz Intelligent sind, die aber kein Spanisch verstehen? Die Verständigung wird eben sehr mangelhaft sein. ־ ' Das eine müssten wir uns immer sagen. Unsere Bewegung als solche ist neu und neue Gedanken werden nur aus ihr selbst herausgeboren. Die Organisation aber ist etwas A'ltäglichcs, ist etwas, worin sielt alle Bewegungen in grösserem oder geringerem Grade ähneln, ln organisatorischer Hin«, sicht können wir zum Beispiel von der Sozialdemokratie vieles lernen. . Man mag über die Sache seihst denken, wie man will. Ich persönlich gehöre nicht zu jenen konservativen Tieren, die heim Anblick der roten Farbe sofort in wilde Wut geraten. Im Gegenteil. Nüchterne Prüfung ihrer technischen Einrichtungen wäre selbst für die Bekämpfung der Sozialdemokratie sehr vorteilhaft. Wir sehen• jedenfalls, dass die Sozialdemokratie über eine tüchtige und mundfertige Presse, über eine stets gefüllte Partcikassc und anderes verfügt, was für eine politische Bewegung unbedingt erforderlich ist. Ich glaube, dass die Parteisekretäre wesentlich dazu beigotragen haben. Die Partei hat dadurch 'in jedem grösseren Bezirk Leute, deren Beruf es ist, für die Partei zu agitieren, die Presse gewinnt ständige und zuverlässige Korrespondenten und Mitarbeiter tu allen Gegenden des Landes und, was nicht zu unterschätzen ist, die Partei gibt einer Anzahl brauchbarer und .tätiger Parteigenossen eine materiell erträgliche, ideell im höchsten Grade befriedigende Stellung. Ich glaube nicht, dass jemand den Wert der Parteisekretäre auch nur eine *Sekunde anzweifclt. Man könnte höchstens an zwei Dingen zweifeln. Erstens, werden wir geeignete Leute haben, und zweitens, werden wir die Mittel haben, die Partei* Sekretäre zu besolden? Jeder beliebige eignet sich nicht für diesen Posten. De» Parteisekretär muss allgemeine Bildung besitzen, das heisst nicht etwa, dass er eine höhere Schule besucht haben muss, im Gegenteil, manche der sozialdemokratischen Parteisekretäre — einer ist mir sogar persönlich bekannt — haben sich aus einfachen Arbeitern zu namhaften Schriftstellern entwickelt. ״ ׳ ־• *־׳■־■׳'' ־ Ferner Ist natürlich selbstredend, dass der Parteisekretär eine eingehende Kenntnis der Bewegung besitzt, dass er im- Stande ist, die Bewegung mit Wort und Schrift zu verteidigen. Er muss auch anspruchslos sein und darf vor allem nicht die mitunter schätzenswerte Tugend der Bequemlichkeit besitzen, wenigstens nicht, wenn cs sich um die Partei handelt. Wenn es gilt, muss er selbst Adressen schreiben, Flugblätter ver- *teilen und was der schönen Dinge mehr sind. leb bin überzeugt, dass unter unseren Jungen Akademikern und Kaufleuten, die wirklich ein Herz JiTr die Sache haben, .viele sind, die ihren alten Beruf, und wenn auch nur Versuchsweise för eine gewisse Zeit, gern an den Nagel hängen, um 'sich ffir die Sache zu betätigen, wenn Ihnen mir eine gewisse ‘fnatcrielc Sicherung gegeben Ist. Die Errichtung einer solchen Stellung würde bald das Ziel .vieler unserer jüngeren foesinnungsgcnossen werden und auch das käme der Bewegung wieder zugute. Denn naturgemas muss sich jeder, wenn et Aussicht haben will, zunächst eine gründliche Kenntnis des Cledankeninhalts unserer Bewegung aneignen, muss sich in seinem kleineren Wirkungskreise betätigen und so weiter. So würde von selbst ein gesunder Nachwuchs entstehen. Ucbcr die finanzielle Seite der Sache will ich mich heute nicht in Einzelheiten ergehen. Ich will nur das eine heavorheben. Was die Sozialdemokratie durch die grössere Kopfzahl vor uns voraus hat, das können wir durch den grössere«! Reichtum ausgleichen, der auf den einzelnen von uns entfällt. Und daun soll der Parteisekretär nicht nur von den Vorhändenen, sondern vor allem von den neu hinzukommenden ernährt werden. So ist es für Obcrschlesien keine grosse Sache, 3000 Zionisten zusammenzubekommen. Dann entfällt auf jeden einzeln.?« nur eine Mark jährlich Unterhaltungskosten für den Parteisekretär. Mau braucht dazu auch keine neue Steuet. Der Landesbeitrag und freiwillige Stiftungen zu Organisator!- sehen Zwecken reichen völlig aus. Wer es will und kann, wird natürlich e'nen höheren Landesbeitrag zahlen. Für die paar Pfennige Nationaifonds braucht man nicht zu zittern. Davon wird derselbe doch nicht fett werden. Was •wir brauchen, sind Stiftungen und Legate, und die werden wir nur durch eine geeignete Agitation bekommen. Ich komme zum Schluss. Die Frage der: Parteisekretäre wird in absehbarer Zeit eine Lebensfrage unserer Bewegung. Mögen sich unsere kommenden Bezirks- und Delegiertentage eingehend mit ihr beschäftigen. Joseph Loewy. V, Kommilitonen Seit langem ist sich die zionistische Studentenschaft der Aufgaben bewusst.' die ihrer gemeinsamen ־Arbeit1 ־ arren, langem ihrer Pflicht, durch stramme Organisation ihre brachliegende Kraft zu heben. Neue, in das jüdische Volksleben tiefeingreifende Ereignisse haben zumal die mährisch-schlesische Studentenschaft vor neue Aufgaben gestellt. Beruht doch die zionistische Organisation Mährens und Schlesiens zum aller» grössten TeUe auf studentischen Korporationen. Deshalb sieht sich die jüdisch-akademische Vereinigung ״I v r i a*‘-\V i e n veranlasst, für Samstag, den ■8. .September d. J., II Uhr vo rmittags. im Strassmann’schen Brauhaussaale nach Mäh risch-Ostrau־ eine Zusammenkunft der jüdisehen Studentenschaft Mährens und Schlesiens cinzubcrufen. Aus der von der ״Ivria" vörgeschlagenen und in einer Bespreclutng der Vertreter der studentischen Korporationen Mährens und Schlesiens gebiligten Tagesordnung ist der Beweis für die Notwendigkeit einer solchen Zusammenkunft erbracht, und dürfte wohl ein einmaliges Appellieren an das zionistische Pflichtgefühl der Korporationen und jed?s Einzelnen genügen, um in dem Zeichen studentischer Disziplin und Opferwilligkeit an nationaler Arbeit direkten Anteil zu nehmen! Tagesordnung: 1. Begrüssung. 2. Wahl des Bureaus.' 3. Politische Erziehung des jüdischen Studenten: Dr.* Paul W e i s e n g r ii n. 4. Betätigung des zionistischen Studenten in Mähren und Schlesien: J.U.C. Felix \V i n t e r s t c i n. 5. Die materielle Lage des jüdischen Studenten: pliil. Erwin Horne'r.; ׳ 6. Organisation der Fcrialverbinduugen und Ihre alten Herren: iur. Viktor Altar. 7. Eventualia. ' Jüdisch-akademische Verbindung ״lvrla“-Wlen. J. A. d. A. C. cand. jur. Hugo Löwy. cand. jur. Hermann Löwv. dz. X dz. XXX Zuschriften sind zu richten an jur. Hermann Löwy M. O s t r a u . G a s w e r k. Jüdisch-akademische Verbindung ״Ivria“-Wicn feiert aty 8. und 9. September d. J. in M.-Ostrau ihre!» d r c i s s i g - s e m e s t r i g e n Bestand durch einen Kommers. ‘ * ■ * * ״ ' 4 ' '