Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 530 JÜDISCHE RUNDSCHAU .—■״ —- -״-*■*! *■». ■ -— ■ , , —* —_ _ No. 35 die Ortsgruppe au den Gruppenverbaud wenden, damit dieser einen geeigneten Vorsitzenden entsendet. Eine Agitationsver- Sammlung mit einem Nichtzionisten oder wenig gewandten Oesinnungsgenossen ais Vorsitzenden hat erfahrungsgemäss keinen Erfolg:. II. Der Versammlung sol! eine eindringliche Propaganda vorausgehen. Soweit irgend tunlich, sind die Gcnicindcmit- Rlicdcr mündlich zu beeinflussen und durch Broschüren und Flugblätter aufzuklären. Per Ucbergang zu neuen politischen Anschauungen vollzieht sich bei den meisten Menschen — insbesondere bei den für uns wertvollen intelligenten Elementen — nur allmählich. Man darf daher von einem kurzen Vorträge nicht alles erwarten, wenn derselbe auch noch so eindringlich gehalten ist. Ein Vortrag hat nur dann Erfolg, wenn das Publikum bereits auf die Gedankenwelt des Zionismus vorbereitet ist. Ucberdics ist die Wirkung der Versammlungen l.eincswegs ausschliesslich vom Redner abhängig, vielmehr auch von vielen anderen Faktoren lokaler und allgemeiner Natur. III. Der Redner ist rechtzeitig schriftlich und mündlich von lokalen Verhältnissen, den Strömungen in der Gemeinde, sowie unter den Parteigenossen usw. zu unterrichten, damit alles Verletzende der Rede fcrnbleiht. bringen, damit er Gelegenheit zur persönlichen Einwirkung findet. Soweit möglich, sind Vorbesprechung n in kleinem Kreise in einem geeigneten Lokal (Privatwohnung oder Vereins-?.immer) zu veranstalten. IX. Ausschlaggebend für den Erfolg einer Versammlung pflegt der Umstand zu sein, ob in den Zeitungen redaktionelle Notizen erscheinen. Es ist daher dringend notwendig, dass der Vor* stand rechtzeitig versucht, die massgebenden Lokalblätter zur Aufnahme von Notizen zu veranlassen, eventiull müssen Jedenfalls angemessene Inserate aufgegeben werdet. Dementsprechend ist unmittelbar nach der Versammlung ein Bericht über den Verlauf derselben abzusetzen und den Redaktionen lilnzusendcn. Auch die Aufnahme dieses Berichtes ist. soweit erforderlich, durch persönliche Rücksprache zu bceir,nassen. X. Nach dem Redner soll der Vorsitzende nur dann eine eigene längere Ansprache halten, wenn er den Worten des Redners Wichtiges hinzuzufügen hat. Blosse Wiederholungen aus der Rede. Mitteilung gleichgiltigcr Vcrcinsangclcgcnkeitcn nimmt dem Publikum die Stimmung und verdirbt die Wirkung des Vortrages. Dahingegen soll der Vorsitzende regelmässig in kurzen, markigen Worten ztun Beitritt zur Ortsgruppe und zu Spenden für den Nationalfond auffordern. IV. Auswärtige Redner sollen nur dann in Anspruch genommen werden, wenn ein grösserer Erfolg zu erwarten ist. Die Berufung gerade der besten und daher am meisten :n Anspruch genommenen Agitatoren von Seiten kleiner Gruppen oder gar einzelner Personen nach Orten, in denen die Bevölkerung vom Wesen unserer Idee noch wenig oder nichts weiss, ist ein oft wiederholter Missbrauch, der beseitigt werden muss Ein solches Vorgehen schädigt indirekt die Bewegung, weil Vorträge an wichtigen Orten dadurch unmöglich gemacht werden, dass die bekannten Agitationsredner nur einem kleinen Teil der an sie gerichteten Wünsche genügen können. Die Ausbildung Jüngerer Herren zu Agitationsrednern, insbesondere für Kleinstädte mit anspruchsloserer Bevölkerung ist daher eine zwingende Notwendigkeit. XL Die neuen Mitglieder haben durch ihre Beitrittserklärung naturgemäss wohl zu erkennen gegeben, dass sie sich für Zionisten ):alten. Durchaus aber nicht, dass sie mit der zionisti* sehen Idee bereits wirklich vertraut sind. Die Beitrittscrklärung ist nicht das Ende der notigen Einwirkung auf die neuen Mitglieder, sondern erst der Anfang. Es ist daher durchaus notwendig, den neuen Mitgliedern ziinächst einfachere, dann eingehendere Broschüren zuzusenden, sie 7um Ahonncment der RUNDSCHAU zu veranlassen und durch sonstige Veranstaltungcn ihre Kenntnis zu vertiefen und ihr Interesse wach zu halten. XH. Die GruDpcnverhände und Ortsgruopcn werden gebeten, nachdrücklich auf Befolgung obiger Instruktion zu achten. V. Am Eingang des Saales soll sich ein T-isch befinden, auf dem Broschüren. Flugblätter, zionistische Bücher aller Art, Photographien. Ansichtskarten etc. zürn Verkauf ausgelegt werden. Die Preise sind auf den Schriften deutlich kenntlich zu machen. Dieser Verkauf nützt der Verbreitung unserer Idee, fördert die Interessen der Schriftsteller und deckt einen Teil der durch den Vortrag entstandenen Ausgaben Die Expedition der JÜDISCHEN RUNDSCHAU hält die aus dem Broschüreninserat ersichtlichen Schriften ständig zur Verfügung‘ der Ortsgruppen. Muster für Beitrittskarten. Hierdurch trete ich der Zioivstischen Ortsgruppe in . . . .. mit einem vierteljährlichen Beitrage von .; . bei. ' Name: Stand: Wohnung: Der Mindesbcitrag beträgt Zentralbureau der Zionistischen . . . Mk. vierteljährlich. Vereinigung für Deutschland. VI. Diskussionen sind mir da notwendig und zweckentsprechend, wo das Publikum bereits eingehende Kenntnis vom Wesen das Zionismus besitzt. Andererseits wird durch dieselben sehr oft nur vorlauten Elementen Gelegenheit gegeben sich zu brüsten und der Redner gezwungen, sich mit oft albernen Einwänden abzugeben. Solche Diskussionen verderben die Wirkung der Vorträge. Es ist daher im einzelnen Falle zu prüfen .ob nicht besser vom Vorsitzenden bekannt gegeben wird, dass der Redner bereit ist. Fragen über unklar gebliebene Punkte zu beantworten. Vif. Vor Jeder Versammlung sind mehrere Mitglieder zur Ein- Sammlung von Beitrittserklärungen zu bestimmen. Denselben sind vorbereitete Listen mit Abteilungen für Namen. Stand und Wohnort der neuen Mitglieder cinzuhändigea» Die Auswähl elnes einzelnen Sammlers genügt nicht, da in der Regel die Zelt für den Rundgang desselben in die kurze Pause nach dem Vortrage fältt. Für eine Tätigkeit dhscr Art sind besonders Frauen geeignet. Empfehlen dürfte sich auch die Verteilte von Beitrittserklärungen. entweder durch Übergabe an die Elntretcnden oder durch Niederlcgung auf den Plätzen, nach anliegendem Muster. Mündliche Einsammlung von Beitrittserklärungen wird aber hierdurch nicht überflüssig. VIII. Wir empfehlen endlich, den Redner vor dem Vortrag mit dem Rabbiner, den Gemeindevorstehern und anderen ange- ■^ebenen Mitgliedern der Gemeinde in direkte Berührung zu Zur Frage der Parteisekretäre Der Forderung der Parteisekretäre geht cs ähnlich, wie den meisten neuartigen Forderungen der Organisation, wie neuen Ideen Oberhaupt. Man kann deutlich drei .. tadien unterscheiden. ־ -. Zuerst taucht der Gedanke in einem oder einigen ״unpraktischen und phantastischen“ Köpfen auf. Die Menge der ״praktisch“ Denkenden schüttelt die Köpfe und geht über die Anregung zur Tagesordnung über. Das ist das erste Stadium. Dann aber sieht man, dass die Karre sich ein wenig *verfahren hat und nicht mehr so recht vorwärts gehen will. Man sucht nach Gründen und nach Abhilfe. Die Phantasten erscheinen wieder und sagen: Prüft doch einmal unsere Vorschlage, dis Risiko ist unverhältnismäsig gering und der Er* folg zum mindesten nicht unwahrscheinlich.“ d. h. wenn die Phantasten die Ausdauer haben und nicht schon lange verärgert schwelgen. ״ Die Mutigeren der Phantasten also schreiben aufklärende Artikel, stellen Rentabilitätsberechnungen auf, bringen auf Bezirkstagen und Kongressen Anträge ein und fassen Resolutinneh.. Man, d. 11. die Praktischen, geht ärgerlich an die Prfifuug der Frage heran, die man vorher hat unter den Tisch falten lassen. Man prüft in dieser Stimmung und findet —*dass י