Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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t) '' 0 מ^:סר)גגן)ץ)1 j t t L ר ' ג:1 J L . .J l Abonnementsprcls einschliesslich LITERATURBLATT tierldjährüsh: I. «furch die Eipedition: a) ln Berlin —,90 Mark. bJ nach aus wärts 1,— Mark. cJ lür das Auslan« 1,50 Mark. 2. Im Postaionr.ement: l,?5 Mark. Insertionspreis. 1׳ ü'JvüKjj IVjL Allgemeine Jüd!selbe Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. die vlerßcspattcnc Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag jüdische Rundschau, E. G. m. b. H. Berlin N. 54, Äuguststr. 49a. Telephon: II, 3287. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck *us der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet aeschuftsstunden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vor* mittags 10—1, nachmittags 3-7 Uhr.' Nummer 34 Berlin, 3. Eliül 5666 24. August 1906 XI. Jahrgang Jüdisches, AHzüjüdisches’, Alan muss nicht glauben, dass die Devise der Juden des neunzehnten Jahrhunderts schon so ganz ausgestorben ist, dieser Wahlspruch, der besonders aus dem Munde der kauin dem Ghetto fcntsprungcnen ertönte: .,Nur nicht jüdisch!“ Wir werden noch Jahrhunderte «ui den Nachwirkungen der Krankheit des Jahrhunderts der Judcniumsauilösung leiden und wenn auch das Judentum bereits durch krätuge Lebcnsäusserungcn gezeigt hat, dss cs ,nicht daran denkt, den wöiil- oder vielnielir bosgemeinteu. Rat zu befolgen, sich zu Grabe zu legen, so ist doch der .angcrichtete Schaden unendiicn gross. Man begreiit den ganzen jatnmer der.liberalen Richtung, die alles andere und hur nicht lioeral ist, wenn man im BERLINER TAGEBLATT, das zugleich jüdisch — und christlich ist, liest, dass die zunehmenden Mischeilen auf die — man staune über die Gelehrsamkeit, die sich bei Kastan sollen lassen könnte — aui die ״zuneltmende Toleranz" zuriickgehcl tine nette Toleranz, von der auch eine BJeichrödcrsche Tochter eine Geschichte zuerzählen \veiss, die der Toleranz ein russisches Bild verleiht. Und wenn noch diese Miscliehengeschichte stimmen würde, ln Wahrheit aber weiss man, dass die meisten sogenannten Mischehen nicht zwischen Juden uiid Alt- Christen vor sich gehen, sondern dass sich wie in Spanieii Ferdinands und Isabdias bereits jene Zwischennatioh gebildet hat, die aus. rasschaftem Instinkt und weil sie keine altcliristlielien Mischehen eingehen kann, ״Mischehen" mit Juden und Jüdinnen cingeht. Immerhin ist es schon erfreulich, dass die Johann Pfefferkorns and Maximilian — ach nein Isidor Witkowskys gegenüber den Tausenden die Minderheit bilden, die das eigene Volk nicht beschmutzen sondern nur ztifrieden sind, wepn man ihnen bei der Stelleiibesctzung lind liri Kaffee nicht gleich in Rechnung setzt, dass Ihre lutherische, evangelische und katholische Konfession noch allzusehr den Reiz der Neuheit hat. Krst der Zionismus hat es zu einer reinlichen Scheidüng zwischen ,den Juden und der sich hcubildcndcn speziellen Berliner Zwischcunation gebracht. Diese reinliche Scheidung ist aber deswegen so notwendig, weil sielt der Unterschied zwischen' liberalen Juden, die wie Bernstein die Reformgemeinde gründeten und dem Bernstein, der frommer evangelischer Kirchenvcrtreter ISJ• sich nur generationenhaft liiid oft auch das nicht feststellen lasst. Der Ucbcrgaiig von einem jüdischen Libcralismus, der nichts glaubt, zu einer christlichen Ortho- Goxic, die sehr viel glaubt, ist alizuliäutig vorgenonimcn worden, um nicht den engen Zusammenhang zwischen, diesen scheinbar auseinander strebenden Richtungen zur Evidenz zu zeigen, Es leiiltc bisher das Moment, das hier Wandel zu schafien geeignet ist, so dass erst der Zionismus die Kluft zeigte, die zwischen den Totengräbern des Judentums gähnt und denen, die es erhalten wissen wollen. . . ־ . Mit der Organisation des Zionismus ist der erste grosse Schritt getan zur .Wiederkonsolidierung . des . in einem Jahrhundert liberaler flerrscliatl zermorsciiten jüdischen Volkstums. Wer dem Judentume eine Zukunft wünscht, wer daher der Meinung ist, dass aas Judenvolk zu etwas besserem berufen ist, als nach einem zweitausendjährigen Martyrium und Leidenshejdentum; ohne Gleichen, kielt selbst auizülösen und eines linrülnn-' liehen Todes zu sterben, der muss sich der zionistischen Partei ansclilicsseii und es ireudig begrüssen, dass es allerorten und überall die Möglichkeit gibt, sich in die neue 'Organisation eiii'zuleb'en. , 1 ,» ״ * . t, . ■ , , . .... ■; In jüngster ,ZpR sind es ganz besonders die'neuen Gruppeiiverbände gewesen, von denen zionistische’ Arbeit und, neues jüdisches Leben ausgeiit. Oft sind sie zuerst noch klein und unansehnlich, wie die Verbände von Brandenburg und Pommern,' oder der neugegründete.von Mittelsclilcsien. Aber alle haben in der meist sehr kurzen Zeit ihres Bestehens bereits gezeigt,' dass sie in liölicm Masse dazu angetan sind, neues Leben in den Ortsgruppen ziim entfalten, neue Gruppen Ins Lebet!' zu rufen und Jüdisches Leben dort eniporkeiinen zu lassen, wo alles erstarrt und erstorben zit sein schien. Der süddeutsche Grüppcnverbandstäg,' der in dieser Woche Zusammentritt, um in Maiinheitii zu tagen, dürfte in hohem Masse in diesem Sinne wirken. Er‘wird riiclit bioss für die Klärung der Meinungen in! Zionismus, nicht bloss fiir die Propaganda des Palästiimgedankens wirken, sondern vor allen! auch Keime jüdischer Gesinnung in Stadt und Land ausstreueu, die der Entjudung widersteltcii, die bei dem berühmten: ״Nur nicht jüdisch" anfängt, bei der Jiicleüiaufe sich feirtsetzt und indem Atitise• mitismus der getauften Judenstüniinlingc ihr verfichtlieiies linianislische Ende findet. Aus diesem Grunde‘ legen wir allen utisern Frcunden es dringend ans Herz, dein süddeutschen Zioiiistöiitag beiztt wohnen imd von ilim sich י neue Anregungen zu iltrer Arbeit im Kampfe für Juden und Judentum ztt holen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass wir nur für