Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 32 Suite 477 Tod des Chacham-Baschi Jerusalem. Der greise C 11 a c 11 a 111 B a sc 11 i S c 11 a' u 1 K 1 i u s c 11 i*1 r ist am 21. Juli im Alter von 89 J a h r e n gestorben. Der Chacham Baschi ist der Oberrabbincr de• sephardischcn Gemeinde. Diese ist eine Staat’ch anerkannte Organisation. Der Sultan bestätigt den Cbae’uini-Basclii ii; seinem Amt undverleiht ihm eine Am:s:ruJ1t. Rabbi Abrafiam Chajim G.'gin war der erste durch Kaiserliches Jräde ernannte Chudiam-Baschi von Palästina. Er wirkte als solcher von 18-12lSJS. Seine Nachfolger waren R. Jacob Covo (gest. 185 0. R. Chajim Nissan Abulafia (gest. 1860). R. Nhaiim David Chasan (gest. 1869). R. Abraham Ascfikc nasi (ecst. 1880). R. Meier Pani sei (gest. 1893), zuletzt Rabb; Scha'ul Jakob Eljaschär. R. Eljaschär war auch Mitglied des Rates der Stadt, hat sich aber wegen seine« hohen Alters schon seit Jahren durch seinen laikcl ui diesem Amte vertreten lassen. Der Ciiaciiam-Bascüi ist veranworilich für den Eingang der von den Juden 7.11 entrichtfndeii Steuern und für ihr Wohlverhalten. Er hat das Recht fiir die Cemcindekasse die Elcischsteuvr ־/n erlichen, und kann den ]Mitgliedern auch andere ■Abgaben nuferiegen. Er übt die Jurisdiktion über die Juden aus. imJ J!e türkischen Behörden sind vernfliclitet. die von ihm ünd se’nem Gerichtshofp ergangenen Verfiigtmgcii zur Ausführung zu bringen. I)cr ״Schcich-al.Jahik?‘ ist ein dem Oberrabbiner unterstehen, der Verwaltmigsbeamtcr, der die Aufrechterhaltiing der Ordnung im Judenvierte! lind die Erhebung der Steuern zu besorgen bat. De Asci1kena«i!11 erkennen die Autorität Je.■י Chacliam-Baschi Hiebt an und bilden daher eine aüerdings vom Staate nicht anerkannte besondere Organisation. Die eigeatliehe jüdische Gemeinde sind also nur die SefarJ'ni. ' Unter grosser Beteiligung der Bevölkerung fand die Bestattung des Cchacham-Baschi Eljaschär statt. Iknu er genoss nicht nur in der sephardischcn Gemeinde. sondern auch bei den Aschkcnasim die iiöcbstc Vcrebrung. Er war von tiefer Gelehrsamkeit auf dem Gebiete talmudischcn Wissens und hat eine Reihe von Schriften hinterlassen. Ein Teil seiner Manuskripte wurde ihm auf einer Reise nach Damaskus gestöhlen. Er hat auch das halacluschc Werk von seinem I ehrer R. Benjamin Navon herausgegeben. Se'ne Predigten hielt er 411 elegantestem Hebräisch; aber der sepbardisehen Überlieferung gemäss sprach er für gewöhnlich den spaniolis?hcu Dialekt. In Safcd als der jüngste Sohn des dortigen Daiau R. dieser Jeiucham Vilna Jcruschaimi geboren, kam er infolge der Verfolgungen des Pascha Abdullah :::! Jahre 1823 mit seinen Angehörigen nach Jerusalem. 1S53 wurde er Dajan und 1863 Vorsitzender des Bcth Din; von ISS) ab fungierte er als Vertreter des damaligen Ciiaeham-Baschi, dem er 1893 im Amte folgte. Er stammte wie sein Vorgänger Paniscl aus einer russisclijiidisclien Familie und zwar aus W ilna und hatte sich wie viele asclikcnasische Juden des Orients spaguolisicrt. Altes und Neues aus der Mareotis •Während der ״toten Saison" pflcgui die Ausgrabungen 1 n A g v p t e 11 unterbrochen zu werden. Diesmal machen Italiener und Deutsche eine Ausnahme. Die Arbeiten in der Menasstadt wurden im Gegenteil, dank der energischen Förderung l'rankiiirts. mit dreifacher Arbeitemhl im Juni u1!d Juli so weit geführt, dass mm auch das Br.tvstcrimn mit seinen Annexräumen völlig freiliegt lind Arkad :;stör. Gruit- Kirche lind Taufkirche in ihrem Zusammenhang sich als machtiges Ganze präsentieren. * - Ein weiterer bedeutender Schritt zur kulturellen Erschliessung der Mareotis ist mit der A11 Siedlung flüchtiger russischer Juden bei Ham mAm. vier Stunden westlich vom Karin-Abu- M I n a , geschehen. Bisher sind einige hundert Kolonisten ciugctroffen. Der gewaltige Land komplex den f ii r sie eine Gesellschaft vorn K 11 c d I v c gekauft hat. bedarf nur des Wassers, um diesen Teil der W ii s t e wieder in F r t! c h 11 a n d z 11 v c rwandcl״. Da der Bau eines Kanals, nach dem verlassene u N 111» t r i e h ־ K a 11111 11 i 11. 11 r d die A 11läge eines grossen S a m in e I r c s c r v o I r s gen I a u t ist. kann man die neuen Kulturträger n 11 r begrüssen und ihnen den Beduinen gegenüber einen leichten Stand wünschen. Vielleicht fällt von diev.-n Arbeiten auch einiges für die Archäologie ab, denn Bir H a in m A m w ird gewöhnlich als die Stätte des alten Halmyrue bczeichnet. Jüdischdeuisch in der Kapkolonie Die Kapregicrung und ihr Parlament haben in das neue Hiuwaiuieritiigsgesetz eine Bestimmung aufgei!• :;niieii. dass der jiklischcicutsche Dialekt als eine europäische Sprache zu betrachten sei. Dies ist deshalb von hoher Bcd.iitmig. weil gemäss der Einwaiiderimgsbill von 1902 jeder Ankömmling, der nicht in den Charakteren einer europäischen Sprache cili Gesuch an den Minister schreiben kann, an der Landung vet hindert wird. B-.ziiglich des Jüdisckdeutschen war danach die Rechtslage unsicher. Daher wandte sich ttu Jahre 1803 der Advokat Alexander als Vertreter von 23 jüdischen Gemeinden und Organisationen der Kolonie an die Regierung mit der Bitte. d!c Annahme eines Amendements dieses Gesetzes hcrheizunihreti. durch das jeder Zweitel über die rechtliche Beurteilung des Jiidischdcutschcn beseitigt würde. Die Regieruug versprach diese Bitte bei der nächsten Gelegenheit zu erfüllen und gab inzwischen i.'iren Beamten die Anweisung, die jüdisch geschriebenen Gesuche zuzulassen. Infolge des Rücktritts des damaligen Ministeriums unterblieb jedoch einstvc.l n de gesetzliche Festlegung dieser, auch unter d;-.u Ministerium Jameson weiter geübten Praxis, so dass bei der diesjährigen Veröffentlichung des neuen Gesetzentwurfes wiederum eine jüdische Deputation bei der Regierung in dieser Angelegenheit vorstellig wurde. Die Bereitwilligkeit, mit der daraufhin ilie Regierung und das gesamte Parlament dem erwähnten Amendement ihre Zustimmung gaben, soll als ein schönes Zeichen vorurteilsfreier Gesinnung dankbar vermerkt werden. Kleins Mitteilungen Berlin. Das Zcnlralburcau für jüdische Auswanderungsangclcgcnlieit hat eine Tabelle der Fahrpreise von den hauptsächlichsten russischen Städten mit jüdischer Bevölkerung nach den russischen Haien lind den Hauptpunkten der deutschen und österreichischen Grenze herausgegeben. Derartige Tabellen, die den Organisationen. Komitees. Gemeinden und auch den Auswanderern selbst die Möglichkeit bieten, den Preis fiir die ganze Reise vom Ausgaugsort bis zum Endziel zu berechnen und die so ein wichtiges Mittel bilden, um Auswanderer auf den billigsten Weg aufmerksam zu machen und sie vor Über- Vorteilung zu schützen, werden von dem Zcnlralburcau auch für andere Länder namenlich Galizien und Rumänien, besorgt werden. München. Unter den 7-1S1 Volksschulen in Bayern befinden sicli 8S jüdische. An den allgemeinen Volksschulen wirken 162 jüdische Lehrkräfte, die Rcligionslehrer mitgerechnet. Sie werden von 470S jüdischen Kindern besucht. An du Mittelschulen betrug die Zahl der jüdischen Schüler 3*155. an den Fachschulen 130־. an den Präparandenschulen 100, an den Schullehrerscminaren 37. Strassburg 3. August. Nach dem vom Direktor der Religiopsschule der israelitischen Gemeinde zu Strassburg iicransgegebcnen Jahresberichte der Anstalt wurde dieselbe im verflossenen Schuljahre 1905 von 319 tim Vorjahre 307) Kindern,!56 Knaben und 163 Mädchen, besucht. In dem «Idenburgischcn Orte Vechta hat der Mctzgergescllc M c v e r Jak o b s o h n sein 7 5 j ä 11 r i g e s A r I) e i t s - j ti h i I ä 11 m gefeiert.. Er ist 98 Jahre alt und^ noch immer bei dem Meister Heinemann in Arbeit. Der Grossherzog von Oldenburg verlieh ihm. wie die DEUTSCHE FLEISCHERZEI- TUNG nkldct. die Medaille für Treue in der Arbeit. Bochum, 3. August. Heute Abend fand in der Tonhalle eine von etwa 300 Personen besuchte öffentliche Volksvcr* Sammlung statt, worin der jetzt beim hiesigen Voksblatt tätige ehemalige Vorwärts-Redakteur W e t z k e r über . die russischeu Greuel und die Judenverfolgungen in Russland“ sprach, ln der anschliessenden Erörterung nahmen der sozialdemokrat'sche Reichstagsabgeordnete H u e und die Arbeiter Roch t und W alter das Wort. Es wurde schliesslich folgende Resolution angenommen: ״Die Versammlung spricht dem um seine Freiheit m:d um sein Selhstbestiimmmgsrecht kämpfenden russischen Volke ihre Sympathie aus. Sie verurteilt nachdriicklicb die abscheulichen, von den Gewalthabern ver* ursachtcn Jiidcnmelzeleien. Sic hat den Wunsch und die Hoffnung, der Kampf gegen den Zionismus, gegen die Willkür• hcrrschaft und die Ausbeutung möge mit dem Siege des Volkes enden zum Segen Europas, zutu Vorteil des deutschen sowie des gesamten europäischen, arbeitenden Volkes. Der Sieg der Demokratie in Russland ist das Ende des Absolutismus in ganz Europa.“ Laut Meldung des FlOYELÖ hat der ungarische Unterrichtsminister Graf Albert Apponvi anlässlich .eines koukreten Falles verfügt, dass jene Mitglieder einer jüdischen Ku!tt!sgeiuei11de. die im selben Orte in de״ Verband einer anderen jüdischen Kultiisgcmdnde eintreten. die auf sic vorschrift.sniässig ausgeworfene Steuer noch fünf Jahre nach ihrem ihrem Austritte zu bezahlen haben. Buenos-Aires. Die jüdischen Einwanderer aus Russland haben in Argentinien, wenn sie nicht im Besitze von Geldmittelii sinJ. sehr schwer zu leiden. . Die hiesige jüdische V