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Jüdische Rundschau · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 31 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 463 Vertreter de! jüdischen Gemeinde suchten am Montag den Generalgmiverncur General Kau 1 bars auf, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass die Gerüchte über einen bevorstehenden Potcrom nicht zum Sehweiten kommen wollen‘ Der General erklärte, er könne nur das Rute Verhalten des regulären Militärs verbürgen. Für die Kosaken oder che christliche Bevölkerung im allgemeinen vermöge er nicht einzutreten. Kr fikrtc hinzu: «Wenn ein neuer Angriff aut das Leben eines einzelnen Kosaken gemacht wird, so wird Odessa knietief in Blut schwimmen. * Die Deputation war entsetzt über diese Worte und wies darauf hin. dass die offizielle Untersucluing ergeben habe, dass die Juden mit dem Morde des Kosaken nichts zu tun hätten. Die Antwort des Generals lautete: ״Das hat nichts zu sagen. Die Juden sind die An- Stifter und damit die wirklichen Urheber aller terroristischen Handlungen.“ — Es ist nicht zu verwundern, dass die Juden nun in höchster Aufregung waren. Bald darauf kam in der Tat die erste Nachricht von der Plünderung jüdischer Läden in einer Vorstandt Odessas durch Kosaken. Nach einem späteren Telegramm nahm die Plünderung grössere Ausdehnung an und erstreckte sich auf dieselben Strassen, in denen der Pöbel im vergangenen Jahre in so furchtbarer Weise hauste. Am Abend börtc die Plünderung in den Vorstädten auf. aber grosse Volksmengen durchzogen die Stadt. Die Panik hatte ihren Höhepunkt erreicht, denn die Kosaken erklärten offen, dass sie während der Nacht alle jüdischen Anwohner der Strasse, in der ihr Kamerad ermordet wurde, töten würden. General Kaulbars versprach den Juden Hilfe, falls sie durch einen patriotischen Umzug ihre Loyalität beweisen wurden. Der General Kaulbars. der baltischer Deutscher und vor seinem Ucbcrlritt zur griechisch-orthodoxen Kirche lutherisch war. ist einer der hauptsächlichsten Volksfeinde in Russland. Die Judanmetzefeien in Russland Wien. 26. Juli. In Form eines offenen Briefes an die regierenden Fürsten und Staatsoberhäupter der Kulturwelt hat Doktor Wilhelm Münz. Rabbiner in Gleiwitz, in der Koebncrschcn Verlagsbuch־ Handlung in Breslau eine Schrift erscheinen lassen, in welcher der Verfasser im Namen der Gerechtigkeit, der Liebe und der Barmherzigkeit an die gekrönten Häupter der Kulturwelt den Appell richtet, ihre Stimme gegen die immerwährenden Judenmetzclcicn in Russland zu erheben. Dr. Wilhelm Münz kleidet diesen einen Appell unter andern! in folgende-Worte: ,.Fürsten und Staatsoberhäupter! Erhebt euch auf euren Thronen, dass eure Stimme wie ein Donner , über die Lande rollt und die Höhen und die Tiefen Russlands erzittern: ״Haltet ein im Morden! Schändet nicht das Zeitalter, das unseren Namen trägt! Das vergossene unschuldige Blut spritzt bis an unsere Throne heran. .Wir dulden in der Kulturwclt keine Judenmetzeleien, wir verabscheuen diese gemeinen, offenkundigen Morde. Weg mit diesem Blute . . . unsere Augen sollen es nicht mehr sehen!“ Ein Appell an Bourgeois Das Zentralkomitee der Alliance IsraGitc in Paris hat folgenden Brief an den Minister des Acussern. Bourgeois, gerichtet: ' ״Die aus Russland kommenden Nachrichten lassen ein neues Massakrc in Odessa besorgen. Der Gouverneur dicsei Stadt hat fürchterliche Worte hören lassen, und die jüdische Bevölkerung ist erschrocken. Es droht ihr das Schicksal, abermals Plünderern und Mördern preisgegeben zu sein. Sie sieht nicht, wer sie beschützen soll und wird. Es gibt aber wenigstens eine Art Schutz, welchen die französische Regierung diesen unglücklichen Rettungsbcdürftigen gewähren konnte, indem sie die bedrohten Menschen aufnehmen und unter den Schutz der französischen Flagge stellen würde. Keine politische Rücksicht könnte diese Mass• rege! hindern, welche die Humanität fordert. Wir kennen genügend Ihre persönlichen Gefühle. Herr Minister, um nicht an der guten Aufnahme zu zweifeln, weiche Sie unserer Bitte gewähren werden!“ Ein Heim für jüdische Flüchtlinge aus Russland Um den armen jüdischen Flüchtlingen, welche Russland ־verlassen und dadurch ihr Gewerbe verloren haben. Gelegenheit zu geben, sicii-ihren Unterhalt zu verdienen, hat die North Egyptian Land Co. Ltd. westlich von Alexandrien ein Terrain gekauft, auf dem sich diese russischen Flüchtlinge ansiedeln werden. Das von der erwähnten Gesellschaft gekaufte Terrain umfasst einen Flächeninhalt von 14500 Feddan (1 Feddan 4200 Quadratmeter), liegt 60 Kilometer, westlich von Alexandrien. bei der Station Hamman der Privateisenbahn des Vizekönigs von Egypten. Die Bahn selbst ist bereits 130 Kilometer lang und ihr Bau wird ununterbrochen fortgesetzt, da sie bis zur Grenze von Tripolis, etwa 450 Kilometer westlieh von Alexandrien, ausgebaut werden soll. Auswanderung Die Krakauer NOVA REEORMA meldet, dass der Bezirkshauptmanu von Cliozenow 24 jüdische Familien seines Bezirkc-s. die aus Russland stammen, aber zum grössten Teile nahezu 30 Jahre in Oesterreich wohnen, ausgewiesen habe. Die Zahl der Ausgewiesenen, die den Ort binnen acht Tagen zu Verlassen haben, beträgt insgesamt etwa 150 Personen. Vergeblicne Mühe Wien. 30. Juli, Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde und der Israelitischen Allianz richteten eine gemeinsame Ein gäbe an den Minister des Auswärtigen. Grafen Goluchowskt um Intervention wegen der Vorgänge in Bialystok. Die dortigen Exzesse seien umso empörender, als deren Vorbereitung und Durchführung auf die Urheberschaft und tätige Mitwirkung der russischen Regierung resp. jener Autoritäten hinweisen, welche die Regierung repräsentieren. Auch die unter der Be- Zeichnung ״Hooligans“ bekannte Mordbrenuerbaude sei schon bilialie eine Institution der kaiserlich russischen Regierung. Die Eingabe verlangt. Oesterreich und die anderen Mächte möcltten bewirken, dass Russland dem Bandenwesen, das es ge• meiiisani mit Oesterreich in Mazedonien bekämpft, im eigenen Lande ein Ende mache. Pogromwaisen Podwoloczyska. 25. Juli, ln Begleitung der Erau Rabino- , witsch aus Charkow sind aus Odessa 130 infolge der Juden- ן massakres als Waisen zurückgebliebene Kinder beiderlei Ge- ־ schlechtes liier cingetroffen und nach Lemberg weitergereist. I Die Fürsorge für die Pogromwaisen. die ausserhalb Russ- 1 lauds ihre Erziehung erhalten sollen, ist von den jüdischen Organisationen der Leitung der Grossloge für Deutschland, U. O. B. B. unterstellt worden. Die Alliance Israelite Universeile hat für die Bialystoker Waisen in der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover fünf Freistellen gestiftet. Als Erziehuupsbeitrag für diese Waisen hat die Alliance zunächst 16 000 Mk. bestimmt, und zwar rechnet dieser Betrag gesondert neben der Summe von 20 000 Mk״ die die Alliance zur Linderung der ersten Not nach Bialystok geschickt und neben den 100 0ö0 Rubeln, die sie in Gemeinschaft mit den Bruderinstituten in Europa und Amerika für das heimgesuchte ßialvstok angewiesen hat. Frankfurt a. M. Heute Vormittag kamen zwöli jüdische P 0 g-r o!11 wa.1 s e n, deren Eltern in Russland errnordet worden sind, aus Kiew und Bialystok hier an. Sechs von ihnen finden in der jüdischen Waisenanstatt Aufnahme. Die andern sechs werden in der jüdischen Suppenanstalt ver* pflegt und dann anderen Anstalten überwiesen. Unter den sechs Kindern, die In die jüdische Waisenanstalt kommen, sind fiinf Geschwister, das ältest Kind ist 15 Jahre, das jüngste zehn Monate alt. Hamburg, den 9. Abh 5666. Gestern, Ereco Tisclio b’Abh laugten liier 60 russische Pogromwaisen an. Sie sollen von hier nach Amerika befördert werden. Das hiesige Komitee des Vereins zur Unterstützung Obdachloser nahin sich ihre! an und brachte sic in den Auswandererinnen der H. A. P.A.G. unter. Uudenwanderung Jaffa. Hier landeten etwa 500 russische Juden, um in Lydda und Ransieh sich niederzulassen. Ueberhaupt trägt man sich an kompetenter Stelle mit der Idee, im ostjurdanisehen Gebiete — Syrien — eine russisch-lüdische Kolonie zu gründen, falls von'Seite der Regierung,eine genügende Garantic gegen die Ucberfälle der Beduinen •geboten würde. Komödie der Irrungen Noch Immer werden die Bestrebungen der sogenannten JlO mit denen der zionistischen Partei verwechselt und von dieser ■Verwechselung hat der Zionismus zum mindesten keinen Vorteil. Wie. sehr den Aussenstehenden'Zionismus, JTO und sogar das Werk der 1CA in Argentinien durcheinandergeht, ersieht man aus der folgenden Mitteilung der Münchener ALLGEMEINEN ZEITUNG: Zlonlstenkolonle In Argentinien. Am 1. und 2. August wird in London unter dem Vorsitz, des englischen Dichters und Politikers J. Zangwill die erste internationale Konferenz •der Jewish Territoriai-Organisation stattfinden. die es sich zur Aufgabe gemacht hat. die

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