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Jüdische Rundschau · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jahrgang Nach Palästina, ins Judenland Die amerikanische Federation ־ der Zionisten hat einen Beschluss gefasst, der auf der einen Seite ebenso freudige Zustimmung wie auf der andern den lebhaftesteu Widerspruch gefunden hat. Pas ist nicht zu verwundern. Penn er liegt auf dem Gebiete, welches seit Anbeginn der zionistischen Bewegung das heissumstrittenste war. Er betrifft die praktische Gegenwartsarbeit in Palästina. Viele Jahre vor den Kongressen hat dieser Streit eingesetzt und er hat seitdem nie geruht, wenn auch die Schärfe, mit der er fetzt geführt wird, seinen Grund in dem Ugandavorsclilag und in dem daraus entstandenen Itoschisma hat. Erst als man anstelle der Liebe zu Palästina die zu einem andern Lande setzen zu können glaubte, nahm der Streit um die Palästinaarbeit eine sch rohere Form an. Denn die ״Episode Bambus“ war doch nur eine Episode, und ihr Urheber wurde gerade von den Anhängern der praktischen Palästinaarbeit ausserhalb der Partei gestellt. Die einseitige Betonung der Diplomatie, die keineswegs mit Politik identisch ist, sondern nur einen zwar wesentlichen, aber immer nur einen Teil der Politik ausmachen kann, hat auf der andern Seite naturgemäss einen zu starken Nachdruck auf die unmittelbare Arbeit in Palästina im Gefolge gehabt. Die Palästinapioniere sind, soweit sic über das Ziel hinausschiesscn, lediglich eine Folge der jahrelangen, viel zu weit gehenden Ablehnung jeder doch so dringend notwendigen Arbeit in Palästina. Dazu kommt, dass dieselben, die noch in Hannover so eindrucksvoll vor jeder Tätigkeit in Palästina warnten, dieselben sind, die zur Konferenz der nichtzionistisehen Ito nach London eilen. Und doch haben sie noch in Hannover eingestanden, dass die Ito das nicht geworden ist und nie werden kann, was ihre Freunde von ihr erhofft haben. Pie Mischehe, die Zangwill den indischen Nationalismus mit der halben Assimilation cingehen lässt, um die Geldmittel der Assimilation für die Gründung der Heimstätte irgendwo flüssig zu machen, bleibt zwar unfruchtbar, und bestenfalls werden die Kinder aus dieser Mischehe nicht jüdisch sein, aber ihre Existenz wirkt dauernd auf den Zionismus schädigend, indem sie den falschen Eindruck hervorruft, als könnten wir durch blosse •diplomatische Verhandlungen, ohne das Jüdische Volk auf unserer Seite zu haben, irgend etwas erreichen. Dieser Radikalismus auf der einen Seite ist es, der den Radikalismus auf der anderen Seite hervorruft. Die Ablehnung jeder Arbeit in Palästina, auch der seit langen Jahren als dringend notwendig erkannten und von Herz! selbst noch begonnenen Vorarbeiten, in Verbindung mit der Ablehnung von Palästina überhaupt muss das Volk, das sein Statnmesland grenzenlos liebt, veranlassen, die Kleinarbeit in Palästina zu überschätzen und selbst solche Arbeiten in Aussicht zu nehmen, die dem politisehen Gedanken des Zionismus unter Umständen vielleicht nicht angemessen sein können. Denn wenn es auch selbstverständlich ist, dass die Grundlage, auf die sich die Zionistische Politik in irgend welchen Verhandlungen stützt, um so grösser und kräftiger ist, je grösser und ausgedehnter der jüdische Besitz und die jüdische Bevölkerung in Palästina ist, wenn auch jedes Volk, das irgend welche Aspirationen aui Palästina erliebt, mit Hochdruck an der wirtschaftlichen Er- Schliessung des Landes namentlich durch den Kaut von Grund und Boden arbeitet, so ist es doch selbst verstündlich, dass wir unter keinen Umständen wieder in die Fehler, zurückverfallen dürfen, die wir seit zwanzig Jahren an der Kleinkolonisation in Palästina dauernd be- I kämpfen. Denn wenn auch die Kolonisten und die russischen Zionsfreunde immer von politischen Er- Wägungen in ihrer Arbeit sich leiten Hessen, so hat doch die fremde Verwaltung dauernd so gearbeitet, dass die politischen Schritte dadurch nicht gefördert, sondern gehemmt wurden. Hat man doch ganz unnötigerweise jene Bachschischwirtschaft eingeführt, die immer als Mittel zur Bekämpfung jeder wirksamen Palästinaarbeit herhaltcn muss. Hat doch diese grundsatzlose Arbeit der ״Administration“ das Einwanderungsverbot mitverschuldet, das nach dem siebenten Kongress ausser Kraft gesetzt wurde. Bezeichnend für diese palästinafeind־ liehe Verwaltung ist es, dass die Ica für die Landarbeiter Preise ausgesetzt hat, die Palästina verlassen wollten, während die zurückbleibenden von ihr brotlos gemacht wurden, um sie zum Verlassen des Landes zu zwingen. - r־ Mit allen diesen Erwägungen hat aber der amerikanische Beschluss nichts zu tun. Wenn auch vielleicht der Antragsteller Prof. Schechter solche Gedanken . haben mag; die Masse der amerikanischen Juden und der dortige!) Zionisten geht einfach von dem Zwange aus, angesichts des Einwanderungsgesetzes in Amerika und angesichts des gleichwohl drohend anschwellenden Einwandererstromes nach irgend einer Richtung etwas

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