Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ו § C) 1 uy ׳, >“* i1 \ \ ä Abonnementspreis einschliesslich LITERATURÜLATT Vierteljährlich t 1. durch die Expedition: a) in Berlin —.90 Mark, bj nach auswärts 1,— Mark, c) für das Ausland 1.50 Mark. 2. im Postabonnement: 1,25 Mark. Insertionspreis die vicrgcspaltcnc Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: llj 3:87. T Expedition und Adresse für Geldsendungen und Besteitungcn: Verlag Jüdische Rundschau, E. G. m. b. H. Berlin N. 54, Außuststr. 49a. Geschiftsstuadca der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags 3-7 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN' RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. - 1j Nummer 30 jj Berlin, 5. Abh 5666 — 27. Juli 1906 XI. Jahrgang Die Zeit der Trauer Tiscliah b’ Abh steht bevor. Wieder wird die Crimierung wach an die Zeit, wo vor fast 2000 Jahren der Tempel in Jerusalem, das jüdische N'aUonalhciligtim!, und damit die politische Selbständigkeit des Jüdischen Volkes in Trümmer ging und unser Volk in die Zer- Streuung hinausgetrieben wurde, um fortan unermessliehe Verfolgungen und Bedrückungen zu erdulden, jene ununterbrochene Reihe von Leiden, wie sie kein anderes Volk zu ertragen hatte. Mit blutigen Leitern ist auch das jüngste Blatt der Oescliichtc des Jüdischen Volkes geschrieben. Noch sind K i s c 11 i n c \v und 110 in e 1 nicht vergessen, noch die Wunden der Oktober-Pogrome von 1905 nicht geheilt, und von neuem hallt die Welt von dem Aufschrei unsrer gequälten Brüder wider! Wer vermag den Jammer zu schildern, wer die Hölle auszumalen, in welche binnen wenigen Stunden eine entmcnschtc Horde die volkreiche Judenstadt von Bialystok verwandelt hat! Und noch ist kein Ende dieser Grausamkeiten ab- Zusehen! Furchtbare Möglichkeiten schlummern •noch im Schosse der russischen Revolution und bedrohen auf Jahre hinaus vor allen anderen Völkern Russlands unsere Brüder und Schwestern. Die Auflösung d,er Duma zeigt, welche ungeheuren Stürme das Russische Reich durchrütteln werden, und sie alle werden ihre Wut auslassen au den Juden. Und wenn die Juden dort endlich die Staatsbürgerliehe Gleichberechtigung erringen sollten, — zeigt nicht das Schicksal der galizischcn und rumänischen Juden, wie. wenig eine liberale Verfassung auch niir der härtesten Jndennot Abhilfe zu bringen vermag? So hat die Geschichte dafür gesorgt, dass die Judenhcit niemals aufhörte zu fühlen, was cs für ein Volk bedeutet, seine nationale Selbständigkeit entbohren, überall zerstreut unter anderen Völkern leben zu müssen, nirgends die Majorität zu bilden, bei der die anderwärts verfolgten Stammesgenossen einen Schutz, einen Rückhalt, ein Heim finden könnten. Seit fast 2000 Jahren ist daher das Bew usstsein dessen, was wir am 9. Abh des •Jahres 70 verloren haben, in Israel niemals ganz ,erloschen. Die Tage der Belagerung und Zerstörung Jerusalems wurden zu Trauertagen für das Jüdische Volk, die der Klage um den Verlust der Freiheit und Selbständigkeit geweiht waren, und aus Tausenden von jüdischen Herzen stieg fortan in diesen Tagen der Schwur zum Himmel: אב אשכחך יוזשלם תשבח ימ-גי ״Wenn jeh Dein vergässe, Jerusalem, verdorre meine Rechte.“ Mehr als je drängt uns die Not der Zeit, nicht nur zu beten, sondern auch zu arbeiten, die Worte des Psalmistcn nicht gedankenlos zu wiederholen, sondern sie in die Tat lunzusetzen. Seit Jahrzehnten führt eine regellose Flucht unsere bedrängten Stammesgenossen aus den Ländern Ostcuropas auch dem Westen. Unbeschreibliche Leiden begleiten ihre Fahrt, deren Ergebnis nur allzuluiufig die Rückwanderung nach dem Ausgangspunkte ihres Elends ist. Unsummen von Geld und Volkskraft wurden schon verwendet, um (im besten Falle) ׳ die neuen Ghetti von London und New-York ungeachtet ihrer Hungerlöhne, ihrer entsetzlichen Wohnungsnot, mit dein Elend immer neuer Ankömmlinge zu füllen und die Lage ihrer Bewohner noch immer mehr zu verschlechtem. Schon verschliessen England und Amerika ihre Tore vor der Ücberzhal der Einwanderer, und gekie.terisch ergeht an uns Juden, die wir für das Schicksal unsrer unglücklichen Brüder initverantwort* lieh sind, die Frage: Wohin jetzt? Von allen Ländern Europas hat sich nur das Türkischc Reich (zu dem Palästina heute gehört) der aus Russland flüchtenden Juden erbarmt und ihnen seine Grenzen geöffnet. Seit Jahrzehnten geht der Massenflucht nach dem Westen parallel die Tätigkeit der Vereine und Wohltäter, die aus nationalen und religiösen Gründen die jüdische Kolonisation in Palästina gefördert und dort blühende Kolonien von jüdischen Ackerbauern geschaffen hat. Alle diese Ziele fasst seit 10 Jahren der Zionismus zusammen, der das Ende der typischen Judennot nur von der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk in!*alästina erw artet. Zu den wichtigsten Institutionen des Zionismus gehört der Na t i o n a 1 io 11 d. Er ist dazu bestimmt, in Palästina und den Nach bargebiete 11 Land zu kaufen, durch jüdische Ackerb a u c r bebauen und bearbeiten. z ti lassen, und alle U n t c r n c!1 m u n g e n, welche diesem Zwecke dienen, zu fürder 11.