Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 43S T No. 29 . JÜDISCHE RUNDSCHAU sein vom jiidisclicn Zentrum, von New-York (er wohut in Baltimore), ihn dazu zwingen. sein Amt als Präsident niederzulegcn. ״Wichtige Arbeite».“ sagte er weiter .stellen uns bevor. Das Aktionskomitee unu die Palüstiua-kommiss’.״״ haben viel Arbeit vor sich. Die Arbeit, die jüdische Bevölkerunß in Palästina mit Land oder Beschönigung zu versorgen. muss jeden Zionisten interessieren. Kr schloss mit diesen Worten: ״Trotzdem unser Programm darin besteht, ci.s öftentlich-rechllich gesichertes Heim für die Juden in Palästina zu schaffen, so ist nicht das Heim allein und nicht das Land allein, das uns interessiert. Wir arbeiten ii'!r das Volk, fürs Jüdische Volk. Wir müssen alles auweade». unser Volk zu vereinigen und in ihm das nationale Bewusstsein zu erwecken. Die Arbeit des Zionismus liegt nicht blos« in Palästina, nicht bloss in Russland, wo die Juden am meisten leiden, sondern überall, hauptsächlich 11 i e r in A m e r i k a.“ Eine Depesche von David Wolf!sehr, wurde vorgelesen, in der er den amerikanischen Zionisten Ghitk und Erfolg wünscht. Er drückt darin den Wunsch aus. dass die Bewegung eine politische bleiben und nicht zur Klein- Kolonisation herabsinken möge. Die Anwesenden waren durch den Inhalt des Telegramms so interessiert, dass :׳jemand den Namen von Hcrzl applaudierte (!!) der bei dieser Gclcgenhcft zum ersten Male aui der Konvention erwähnt wurde. Es wurde beschlossen, eine Kabe’antwort an Wolffsohn und. ein Bcgriissungstclegramm an die Kanadischen Zionisten zu senden, die am gleichen Tag ihre Konvention in T oronto eröffnet hatten. Hierauf la* Dr. Magnes als Sekretär seinen Bericht vor. Die Schckcleinnr.hme betrug im letzten Jahr 1615 Dollar gegen 1650 Dollar im vorigen Jahr. Die Federation zahlt jetzt 213 Vereine, die meistenteils gut organisiert sii.d. Es wurden Berichte von der Propaganda-Kommission und dem Organisationskomitee verlesen. Die Sitzung wurde dann geschlossen. Die Massenversammlung Sonntag, um S Uhr abends, wurde eine Masscnvcrsainmlung zu Ehren der Delegierten abgehalten. Noch nie *•־at eine Versammlung in Amerika einen solchen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Dr. Friedenwald. Präsident of the American Zion.sts eröffnete die Versammlung, indem er einen kurzen Ueberblick über den Zionismus im allgemeinen und den amerikanischen im besonderen gab. Als erster Redner sprach Prof. Dr. Salomon S c 11 e c 11 ־ ter, Präsident des jüdisch-theologischen Scminais. Er erklärte, dass der Zionismus und die jüdische Religion Hand In Hand gehen müssten. ' Nach ihm sprach der alte jüdische Gelehrte Dr. Louis Demwitz. Rabbiner Dr. Magnes hat ihm da.iuf er widert dass der Zionismus keine religiöse, sondern eine soziale Bewegung ist. Seine Rede machte einen sehr tiefen Eindruck auf alle Zuhörer. Es sprachen noch Rabbiner A s c 11 i!1 s k v vo!, Pittsbürg. Mr. Fromenson. Dr. Magnes und Rabbiner M aslianski. Die Rede von Mr. Fromenson enthielt eine Aufforderung an das Publikum für den Nationalfond Wie sehr seine Worte die Zuhörer beeinflussten, ist daraus zu ersehen, dass die Sammlung für den Nationalfonds an diesem Abend!100 Dollar (etwa 4500 Mark) eingebracht hat. Die Konvention In Kanada Die 7. Jährliche Konvention der kanadischen Z'onisten wurde Montag, den 2. Juli unter dem Vorsitz von Dr Sola eröffnet. Er erklärte, dass der Sultan jetzt das Verbot zuriiekgezogen hat. wonach die Juden sich in Palästina nicht liiederlnsscR dürften, somit ist jetzt die passendste Zeit, sich dort anzusicdcln. Taur.ersviflc, Montag. 2. Juli. Der amerikanische Zionismus verzeichnet heute zwei Siege. Auf der heutigen Sitzung wurde die Frage über praktische Arbeit in Palästina erörtert, eine Frage, an der jetzt alle Zionisten der ganzen Welt lebhaft interessiert sind. Es ist daher leicht zu verstehen, wie gross die Freude und Begelsterung aller Delegierten war. als ein Telegramm von Prof. War bürg vorgelesen wurde, in dem er!nitgeteilt hatte, dass ..d e [ Hilfsvercin der deutschen Juden sich bereit erklärt hatte. Hand m Hand mit den Zionisten in der Besiedlung Palästinas zu gehen. D ...P/.of• Sch echt er legte die Notwendigkeit. Lund in Palästina zu kaufen und Kolonien zu gründen. da,\ Eine grosse Uebcrraschung hraclite'allen Delegierten Dr. Pereira Mendes’ Worte. Dr. Me »des ist Präsident der amerikanischen Ter ritorialistciL Wie freudig überrascht waren wir daher, von ihm zu höien. dass er mit Leib und Seele für Zion ist! Er erklärte, dass in der jetzigen Zeit, die mit praktischer Arbeit in Palästina begonnen!tat. es ein Verbrechen wäre, unsere Kräfte zu zersplittern. Dies ist ein neuer Beweis, dass der Tcrritorialismi^ seiuel! Boden und Einfluss verliert, soweit er hier überhaupt Boden zu gewinnen schien. Tanncrsvillc. Dienstag. 3. Jtii. Die heutige Sitzung der zionistischen Konvention war der Federation oi American Zionists gewidmet. Es wurd * über die Vorschläge des Exekutivkomitees, über das \V«I1' und Welie der Federation, diskutiert. Gestern kam folgender Brief von Dr. Max Nor da 11 zur Verlesung: . Lieber Dr. Magnes. Da ich cimVc Tage nicht zu Hause war, habe kb erst heute Ihren Brief erhalten und fürchte, dass me.ne Antwort zu spät in Ihre Hände gelangen wird. Icn beeile mich deshalb, einige Worte an meine amerikanischen BrüJe• und Freunde zu richten. Das Judentum durchlebt jetzt vielleicht die gefährlichste Stunde seines Exils. Der Zionismus, so schön und •tark er auch moralisch ist. ist materiell noch allzu chwach ־ ־ nicht durch unsere Schuld, sondern als Resultat der Gleichgiltigkeit des grössten Teils unseres Volkes — baldige, praktische liiile für die Millionen Juden zu schauen. deren Leben in Gefahr schwebt. Aber jedenfalls hat unsere Bewegung eine grosse Aufgabe zu erfüllen־ sie muss aufrecht erhalten das Ideal, das die jetzige Krisis überleben, und wie ein Kompass den Weg zeigen, den unsere nationale Entwickelung gehen soll. Es ist unsere heilige Schuld zur Zukunft, den Zionismus nicht abschwächen zu lassen. Unsere nächste Arbeit ist. unsere zerstreuten uiglü'ckliehen Brüder zusammenzuhaltcn. ihnen Mut cinzuflösscn gute Juden und Zionisten zu bleiben, in welchen Kreisen sie sich auch befinden mögen. In Palästina muss unsere Arbeit auf das Studiere^ des Landes, das Schaffen von Bildungsanstalten beschränkt bleiben. Aber mehr als alles müssen wir unsere Bewegung aufrecht erhalten und verstärken, denn nur eine sdarke und reiche zionistische Organisation kann hoffen, ihren Zweck eines Tages zu erreichen.•) Ich verbleibe mit Zionsgruss D r. Max N 0 r d c u. Nach Nordaus Brief wurden die Glückwünsche und Depeschen von zionistischen Vereinen aus dem ganzen Lande vorgelesen. Die Frage, den JUED1SCHEN KAEMPFER. Organ der amerikanischen Poale-Zion, zu unterstützen, rief eine sehr heisse Debatte hervor. Uni es nicht zu Skandalen und unwürdigen Debatten kommen zu lassen, haben die Poale-Zionistischen Delegierten ihre Forderung lieber zurückgezogen. Es wurde eine Resolution angenommen, die Kolonialbank zu ersuchen, hier eine Filiale zu eröffnen. Das gestrige Bankett zu Ehren der Delegierten hatte einen grossen Erfolg. Die Festredner waren Pro!. Scheel!- 1 e r . Dr. Magnes. Rabbiner M a s 1 i a n s k i. 700 Dollar (2200 Mark) wurde für die Federation gesammelt. Mittwoch, den 4. Juli. Heute fanden die Wahlen statt. Mit grosser Freude werden alle Zionisten die Nachricht begrüssen. dass Dr. F r i e - dcnwald und Dr. Magnes ihre Aemter bcibehaltcn haben, erstcrcc. als Präsident, letzterer als Sekretär. Es wurde eine Resolution angenommen, wonach kein Territorialist Mitglied des Exckutiv-Komitccs sein darf. Und so endete die neunte Konvention der amerikanischen Zionisten. Joseph M. Rubin. —, Aus den Ortsgruppen ן— | Berlin. Am Donnerstag, fand in Berlin, veranstaltet von der Berliner Zionistischen Vereinigung dem Jüdischen Volksverein, der Jiidisclmatioiralen Frauen Vereinigung, dem Bar- Kochba, den Vereinen Jüdischer Studenten zu Berlin und Charlottenburg und der Hasmonäa eine gemeinsame Gedenkfeier statt, bei der Herr Fritz Richard aus und über Hcrzl vortrug und Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn sowie Herr Dr. Heinrich Loewc die Gedenkreden hielten. Ganz besonders fein und meisterhaft ausgearbeitet war Emil Colins Rede, die ein MusJter von grossem Aufbau und zarter Kleinarbeit zugleich «