Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 29 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 435 Arbeiter wissen, dass der Pogrom vielmehr ein Attentat der Rcgicrungsagentcn war und dass die Metzeleien von Bialystok ein fürsorglich vorbereitetes Verbrechen der Regicrungsorganc b'ddeiu dessen Zweck cs war. die Energie des Volkes in seinem Kampfe um Recht und Freiheit zu brechen. Wir Arbeiter wollen aber, ohne Rücksicht auf die Sicherheit unseres Lebens, mit desto grosserer Energie gegen allerlei ״Schwarze Rotte“ lalmpfen. An den Schandpfahl mit den Namen aller derieuigen, die unschuldig Blut vergossen, gemordet und geschändet und dadurch die Nation mit Schande bedeckt haben.“ Verwarnung und Todesurteil Kaüowltz. BciZagorzc in Russisch-Polen wurden zw ei Lockspitzel erschossen aufgefunden. An ihre Brust waren Zettel mit dem Todesurteil geheftet. Bei Bcndzin wurde ein Mann von einem Kosaken erschossen, der erklärt, dass er von den Juden hierzu angestiftet worden sei. weil der Erschosscnc als ein Hatmtagitator für Judenhetzen galt. Im Grenzbezirk ist die Stimmung sehr erregt. Die Juden flüchten unter Zurücklassung ihrer Habe nach Bcndzin und Sosnowice. um leichter über die russische Grenze entkommen zu können. Die Jüdische Sozi alisten Partei in Sosnowicc stattet verdächtige Personen, die sie im Verdacht hat. Soiottc zu sein, mit Reisegeld aus und bedroht sie im Falle der Rückkehr mit dem Todesurteil. VOSSISC1IE ZEITUNG. Sinaihalbinsel Der Konflikt zwischen‘ England und Ägypten einerseits und der Türkei andererseits wegen der Besetzung Taabas auf der Shiailtalülnsel durch türkische Soldaten, der it! den ersten Maitagen mit der Zurückziehung der türkischen Truppen und einer Vereinbarung betreffend die Berichtigung der türkischägyptischen Grenze als beigelcgt angeschc 1 wurde, scheint, wie ferner aus London berichtet wird, neuerdings aufzuleben. Die Grenzbcfichtigungsarbeiten. welche damals begonnen und bis El-Rafiaa geführt wurden, haben einen sehr verworrenen Charakter angenommen. Die türkischen und die ägyptischen Delegierten arbeiten, anstatt nach gemeinsamem Programm denselben Wc״ zu verfolgen, von einander getrennt und jede Gruppe nach eigenem Ermessen. Die ägs'ptisciien Delegierten haben ihre türkischen Kollegen cingeladen. sich mit ihnen nach El-Arisch zu begeben, um dort die, beiderseitigen Arbeiten zu besprechen, die Pforte soll icdoch ihren Delegierten die Weisung erteilt haben, dieser Einladung nicht Folge zu leisten. Ä3 Lustige Ecke ■־־* (Golusbfüten.) Das HAMBURGER ISRAELITISCHE FAMILIENBLATT hat im Briefkasten wieder einen Originalartikcl. den wir ungern Lesern nicht vorenihalten wollen: Jtt״ Berlin. Mit der JÜDISCHEN RUNDSCHAU befassen wir uns ebensowenig, wie die Mehrzahl der anständigen Zionisten. Die unsachlichen und meist rein persönlichen Hanswurstiaden beweisen nur. dass die Kuratel, unter der das Blatt steht, nicht streng genug gchandhabt wird. Und kann weder Lob noch Tadel von dieser Seite berühren.“ Die ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS bringt in No. 23 vom 8. Juni folgendes protestantische Inserat: Ipeirat. <5ud)e mi<fj mit gt&ilbdet bubfdjcc £ame au3 gut bfirgttl Ärtifeu fiolbigft *11 ocrdjc» lidje». £in SBefifccr «nlaHfit (McfcfjäfteS, feljs fd551ter Scfiljung am SJobtnfcc («djiuei*), iProtcftnnt, 37 Qaijrc, gcfutib. 9tcffcf* tantinntn ®offen ccrtraucnSooff Stbrcffc ein* fenbtn. ^Ijolograpljic u״^ ngfjCre ebenfalls crumnfät an #a. ©. 1103 ßjpcbttion btefee 3eitung. Singer nafjeit Skrcaubtcit affe terminier foioie Sfgenten auSgefdjloffcn. Er sucht offenbar eine Protestantin im Unrechten Blatt: gemeint hat er sicher die PROTESTANTISCHEN MONATSHEFTE. Oder wollte er durch das Mosscschc Blatt eine ״zukünftige" Protestantin erwerben? # •* Kleine Mitteilungen I. Der Verein ..Esra“ hat dem Lehrerseminar des ״Hilfsvcrcius der Deutschen Juden“ zu Jerusalem 600 Mark tibenviesen. die zu Stipeiidienzweckci» verwendet werden sollen. 2. Der ״Verein zur Fürsorge für Israelitische Waisen in Bamberg“ hat angesichts der traurigen Vorgänge in Russland und der grossen Anzahl der durch die Pogrome verwaisten Kinder dem ״Hilfsvcrcin der Deutschen Juden“ in hochherziger Weise für 5 Jahre eine Summe von jährlich 500 .Mark zur Verfügung gestellt, um zwei russischen Waisenniädchcn eine sorgfältige Erziehung und Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen. Fasttage. Aus dein Haag wird gemeldet, dass der Oberrabbincr von Holland angeordnet hat, dass, solange die Unruhen in den Jüdischen Gegenden Russlands iortdauern. man täglich 2111a! besondere Gebete sagen soll. Ausserdem war der vorige Montag als offizieller Fasttag festgesetzt. Strassburg. Am 1. Juli fand das Sommerfcst des Vereins jüdischer Studenten an der Universität Strassburg statt. Eine längere, ungemein genussreiche Fusstour führte die Teilnehmer des Festes durch eine der schönsten Partieeu der Vogesen. Der Ausilug. an dem s:ch ausser Freiburger Bundesbrüdern auch zahlreiche Gäste aus der Bürgerschaft beteiligten — insbesondere war de Damenw elt zahlreich vertreten — führte nach der stattlichen Burgruine Girbadcn. wo iiir angenehmste Unterhaltung durch Gesellschaftsspiele. Ucbcrraschungcn usw. Sorge getragen war. Erst gegen 11 Uhr abends trafen die FesUeüuchmcr. voiibctriedigt mit dem ihnen Gebotenen, wieder in Strassburg ein. Die Jto In Parlament und Presse. Major Evans Gordon hat den Unterstaatssekretär für die Kolonien interpelliert, ob in anbetracht der neuesten Verfolgungen und Gewalttaten gegen die Juden in Russland iigend welche Mittel versucht worden seien, den Kolonisationsplan der Jto auszuiölircn. Mr. Churchill, der Ur.terstaatssekretär. antwortete, dass die Jto zwar auch gegenwärtig mit der Regierung deswegen unterhandle: ein praktischer Vorschlag der Regierung aber vorläufig nicht gemacht sei. Im JEW1SH EXPONENT w ird in einem sehr interessanten Briefe bewegliche Klage geführt über zionistische Führer, die zugleich in der Jto sind, und dadurch dem Zionismus schaden An den Zaren. JEW1S11 EXPONENT berichtet, dass eine Petition, an der sich viele berühmte Frauen Englands und Amerikas beteüigen werden, vorbereitet und demnächst an den Zaren gehen wird: »״» dieser soll der Zar ersucht werden, sich selbst für seine Untertanen zu interessieren und den schrecklichen Verfolgungen, welche die Juden zu erdulden haben, ein Ende zu machen. ,Die Elemente hassen“ Eür die Opfer der Brandkatastroolic in Uutschie (bei Bobruisk). die den halben Ort in Asche leete und 70 jüdische Familien auf das schwerste betroffen hat (sic wurden sämtlich obdachlos), sind vom H 11 i s v e r c i n der Deutschen Juden 5'XXl Mk. bewilligt und zur zweckentsprechenden Vcrteiluug sofort nach Petersburg überwiesen worden. Smyrna. Ein Jüdisches Krankenhaus ist hier errichtet worden. Die für die Ausrüstung imd Unterhaltung desselben nötige Summe gibt Baron Rothschild. Jüdische Kunst In Amerika. In der Kunstausstellung in Brooklyn ist seit Kürzen! eine Anzahl von Bildern aus der italienischen Schule des siebenzehnten Jahrhunderts ausgestellt, welche hauptsächlich Personcu der Jüdischen Geschichte darstcllen. Die besten Bilder sind u. a.: ״Abraham und die Engel.“ ״Der Tod des jungen Königs Moab," .Lot und seine Tochter“ und ״Pas salomonischc Urteil". Wie uns mitgeteilt wird. Ist diese Sammlung dem dortigen Museum zum Geschenk gemacht worden. , ... -* ־־-־ 1׳ - wm 1 •;־״.״־ ״״ ׳״־־־* 1' Briefkasten der Redaktion -— - “~1 es «־'־.י־“־־"•....—- » Aul verschiedene Anfragen. Sic wundern sich, dass wir zuweilen Huligans. dann wieder Chuligani. endlich sogar Hooligans in englischer Orthographie schreiben. Diese engiische Schreibart scheint vielen ganz falsch zu sein. Der Zusammenhang ist aber folgender: Hooligan ist der Name einer irischen Verbreclieriarnilie. Der Prozess gegen diese Vcrbrccheriamilie erregte weit über Irland und England hinaus, ungeheures Aufsehen. Seit dieser Zeit hat man Verbrechern solcher Art. Plünderern. Räubern usw. de!» Namen Hooligan beigelcgt. Da die russische Sprache das ״H“ nicht kennt, so wird im Russischen daraus Chooligan oder Kooligan ge-