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Jüdische Rundschau · 1906-07-13 · Heft 28 (13.7.1906) · page 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 426 No. 2H JÜDISCHE RUNDSCHAU dazu ist die Zeitung, wie ich sie mir denke, nötig. Ich muss Ihre Geduld noch ein wenig missbrauchen und Ihnen die ycrhähuissc resp. die Mitgliedcrschaft einer Proyinzge.iieindc vorführen. Diese besteht fast immer aus zwei Kategorien; I. DctaiUisten. die ieden Ta« von S Uhr morgens bis 9--10 Uhr abends im Geschäft tätig sind und 2. Herren, welche im Vien- oder Fngroshandcl vom Montag bis Sonnabend sich aut ucr Reise befinden. Diese Herren zu einer Versammlung cinzuberufen ist iast nutzlose Muhe, denn am Sonntag Nachmittag legen Frau und Kinder Beschlag auf den Hausherrn und am Wochentage wird cs zu spat. Ausserdem finden m der ״Saison“ diverse Gemeinde־ und Chcwra-Sitzuiigeii statt, dann gibt cs Gesangs- und Kcgclabcnde. Litcraturvorträge usw usw. und die betr. Zeitanspriiclie werden immer an die* selben Personen gestellt, welche eigentlich n i c tu a 1 s Z e 11 haben. Und nun kommt die Zcitungsfrage. Die Lokalpresse muss gelesen werden, viele Geschäftsleute lesen ausserdem noch ein Hamburger. Frankfurter oder Berliner Blatt, manche noch eine Fachzeitung und dann kommt noch am F;״dc der Woche d i c Jüdische Zeitung. Niemals wird man es aber so weit bringen, dass in den meisten Familien mehrere Jüdische Zeitungen gehalten werden. Die Aufgabe unserer Presse ist und bleibt mithin, dass die Jüdische Zeitung unser Organ ist. Hierzu ist meiner Meinung nach nichts nötig als der Wille. Pie Presseverliältuissc liegen hei uns günstiger als irgendwo. Wir haben nicht nötig Radau nach oben oder unten zu machen, brauchen niemals bange zu sein nach oben oder unter hin anzustossen; sind mithin, was wohl wenige Zeitungen sagen können, gänzlich u n a b ־ hängig. Wir brauchen nicht mit Mitarbeitern zu technen, welche fragen, wieviel pro Zeile gezahlt hird. Unsere Zeitung soll ferner für den Herausgeber keine Ouelle zum Reichtum sein, sondern ihr Zweck ist nur die Arbeit fürs Judentum usw. usw. Freilich ist cs nicht nötig, dass den Lesern unserer Zcitng genau erzählt wird, dass dem Herrn Pinkules in Xilausen derselbe Orden verliehen ist. wie einem arischen Nachtwächter oder dassKaufmann Mcvcrfcld in Xyz Schützenkönig geworden ist. Aber immerhin muss der Stoff der Zeitung ein solcher sein, dass jeder darin findet was ihn interessiert und vor allem muss sic im zionistischen Sinne belehrend wirken. Auch der Provinziale muss wissen, ob er ״Politischer“. ״Zioue Zion" oder ״Cliowcwe Zion“ oder meinethalben auch Itoist ist. Die Zionistische Zeitung muss die Zeitung sein, an die man seine .Briefkastenfragen" einsendet und durch welche man seinen Buchhalter und seine Haushälterin sucht. Dan» wird sic ihren Zweck erfüllen und segensreich wirken könnet:. Und da sic. wie schon erwähn!״ unabhängig ist. kann und wird sic immer ein vornehmes Blatt sein und bleiben. Ich möchte Ihre Gastfreundschaft nicht länger, missbrauchen. Angenehm soll es mir sein, aus dem Kreise der Gesinnungsgenossen und Genossinnen zu vernehmen, inwieweit n״.n mir zustimmt. Alsdann ein andermal mehr davon. Im voraus iür gütige Aufnahme danken Hochachtend und Zionsgruss Roland v. d. Geeste. Die politische Betätigung und der Prager Parteitag (Schluss.) Wenn ich Ihnen mm mein Bekenntnis für den zu beschickenden Parteitag darlegen soll, so lautet es, kurz gefasst, dahin: Jeder Zionist ist in seinem Privatleben verpflichtet, sich nur mit jüdischer Politik zu beschäftigen. Die Betätigung r.aeh anderer Richtung schliesst den Betreffenden automatisch aus der grossen Weltorganisation aus. Jeder Zionist hat die Pflicht, dafür eiuzustehen dass der Jude als vollwertiger. Faktor in der nun für Österreich, unser Heimatland, das wir genau so lieben wie jeder patriotische Staatsbürger, kommender Epoche erscheine, und cs sind mH voller Intensität alle Vorbereitungen zu treffen, die dies anzubahnen imstande sind. Drittens fordere ich vollste Wahrung unserer Organisation und strengste Fiiihaltuitg der Disziplin. Denn nur in gemeinsamer Arbeit und mit unverrückbarem Blick auf die Erreichung der nationalen Selbständigkeit iiti Rahmen der Staatsgrundgesetzc hier, aber auch mit uuver־ rückbarem Blick auf das Endziel unserer grossen Idee im Laude unserer Väter, in Palästina, kann der Sieg errungen werden. Es ist mir bekannt, dass ein Rundschreiben des Tcplitzer Rayon-Komitees bei ihnen einige Verwirrung hervorgerufen hat. Ich nehme gerade diese Gelegenheit wahr, auch das etwas eingehender zu besprechen. Und ich kamt das nicht besser tun. als indem ich Ihnen die Antwort mitteile, die ich in Vertretung der .,Freien Zionistischen Vereinigung für Böhmen" an das Rayonkonmec gerichtet habe: Prag, den 9. Juni 06. Sehr geehrte Herren! Ich danke Ihnen bestens iii'r die Übersendung Ihrer Zuschritt vom 6. d. Mts. und hin so frei, der vom löhl. Volksverein ..Zion" vertretenen Ansicht gegenüber den Standpunkt des von mir geleiteten Vereines zu entwickeln. 1. Stellt sich das ungezogene Zirkular des D.K., das — wie Sie selbst schreiben - über Weisung des L.K. erfolgte, als der Befehl der Vorgesetzten Behörde dar. der unbedingt aus- Zufuhren ist. 2. Ist nirgends das Recht der Leitung des Verbandes ..Zion“ ernstlich zu bestreiten, der Generalversammlung (auch wenn sic eine ausserordentliche ׳ist) eine Tagesordnung vorzuschlagen. 3. Die Generalversammlung (Parteitag) ist unbestreitbar berechtigt, die vorgeschlageuc Tagesordnung abzulelinca. Die in der Generalversammlung vertretenen Einzelvereine sind wieder berechtigt, ihicn Delegierten imperative Mandate zu erteilen. Ich stelle dahin, ob es angcz.cigt ist, unter den ganz, exzeptionellen Verhältniseu. die heute mm einmal bestehen, über Ungesetzlichkeit. Inkompetenz usw. Klage zu führen. "Wir sollen nicht warten, bis die Ereignisse über uns zur Tagesorduuug übergehen und uns vor ein fait accompli stellen, sondern die Entwicklung der Dinge mitschreitend beeinflussen. Fs ist heute kein Zweifel, dass der Parteitag mit imposanter Majorität dem Verbände ״Zion" eine innerpolitisdic Organisation als jnstriiment bexgehen wird, die Klippen des Vereinsgesetzes zu umschinen. Eine Niederlage der böhmischen Dolegierten, die sich auf den von Unten gewünschten Beschluss (vorausgesetzt, dass er zustande kommt) gestützt gegen dik politische Aktion wehren würden, wäre daun eine Niederlage unseres Distriktes. Sollen wir nicht vielmehr das unsere tun, dass die Würde der jüdischen Nation, die durch Basel erzwungene jüdische Einheit, nun uneingeschränkt aufrecht bleibt? Sollen wir denn die Hände ruhen lassen? Die Verantwortuug. die wir dadurch auf uns nehmen .ist grösser, als die. dass ein Verein in Böhmen aufgelöst wird (was übrigens ausgeschlossen ist). NB. Die in Galizien aufgelösten Vereine waren Poale-Zion, keine Einzelvereine des ״Zion". Werden wir aber aufgelöst, dann beträgt der Schaden bloss 5 K.. nämlich Stempel au! neue Statuten. Die dann bei uns bleiben sind wenigstens keine Opportunisten, sondern entschlossene, bewusste Zionisten, denen das Baseler Programm eine W e 11 a n s c 11 a u - u n g ist. Soweit ich Ihre Ansichten in merito keime, gehen sie dahin, dass die politische Betätigung fiir Galizien und die Bukowina seitens der Zionisten berechtigt ist. hei uns hingegen die Voraussetzungen hierfür fehlen. (Verciusgcsctz usw. lasse ich hier beiseite.) Ich hin anderer Ansicht. Aber darüber lässt sich eben streiten. Und wenn sich über Ansichten streiten lässt, dann kommt cs gewöhnlich zur Aussprache und zur Verständigung. Die Reichskonferenz hat. da sie eben aus Leuten zusammengesetzt war. die den Boden der Legalität nicht verlassen wollten, ausgesprochen, dass die Frage der politischen Aktion reif genug ׳ist, von der Gesamtheit der Zionisten Osterreichs besprochen und beraten zu werden. An die Stelle der bisherigen Arbeit v1!0־ einigen wenigen soll die Wucht der Gesamtorgariisatjon treten. Ein gemeinsames Ziel — wohlverstanden fiir Österreich — soll gesteckt werden. Ja da sollen wir alles geschehen lassen? Sollen wir nicht vielmehr ganz laut und mit der wünschenswertesten Klarheit erklären־ Die Frage der jüdischen Vertretung im Parlament rührt auch an unserer Stellung? Die Ehre des Zionismus, des logisch zu Lude gedachten Judentums, ist engagiert. Und es hilft nichts, kein starres Festhalten an der Resolution, keine Furcht vor der Polizei. Wir müssen das Unsere tun. um mit den östliehen Genossen zusammen die Frage einer gedeihlichen Lösung, wie sic der Ehre unseres \oIkcs. dem Gedanke׳! des aufre c 111 e u J u d e n 111 m s am besten entspricht, ziizufiilireii. Kurz und gut. wir müssen unsere zioirstische I t licht tun!

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