Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1906)
- Date
- 1906-07-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU _Seite 423 No. 28 Europäer als solche gerichtet ist. Die Missstimmung finde ihren einzigen Grund in dem Widerwillen des ägyptischen Volkes gegen die englische Fremdherrschaft, die gehasst wird, und trägt nicht so sehr einen religiösen, wie einen nationalistischen Charakter. Dass der Pau-Islamismus in den zurzeit bestehenden Verhältnissen dort einen Nährboden finde und somit auch den Hass gegen England schüre. sei {eattfn abzuleugnen. Juden in den Südstaaten In der ift Philadelphia erscheinenden Zeitung THE JEW1SH EXPONENT vom 22. Juni schreibt ein Herr A. W. Rieh einen sehr interessanten Artikel über die in den letzten Jahren stattgefundenen Ansicdlungeu jüdischer Familien in. den Siidstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika und gibt darin speziell einen Bericht über die Gründung der Niedcrlassung Arpin in der Nähe des Dorfes Arpiu. Wood County, Wiscousin. Er schreibt u. a., dass durch die Masseneinwanderungen osteuropäischer Juden, die in verstärktem Masse besonders seit dem Jahre 1901 stattüiulcn, unter der Leitung des unermüdlichen und eifrig arbeitenden Cyrus L. Sulzbcrger in New-York ein Komitee gebildet wurde, welches dafür Sorge trug, dass ein grosser Teil der ankonunenden Juden in solche Bezirke wcitergesdrlckt wurden, in denen sie in dort vorhandenen Industrien Beschäftigung findon konnten. In-. zwischen fing man an. für die »vielen Tausende ncmnkotninender Juden neue Erwerbsquellen zu suchen. Es wurde die ״Jcwish Agricultural and Industrial Aid Socictv“ (Jüdisehe Industrie und Landwirtsehaftshilfsgescllschait) gegriindet lind mit deren Hilfe begann mau in den verschiedensten Orten zu kolonisieren. Mr. Rieh ist ein Beauftragter dieser G Seilschaft und schreibt nun speziell über die Kolonie- Arpin etwa folgendes: Am I. Dezember!,AM kamen 7 Juden mit ihren Frauen und Kindern (23 au Zahl) an dem Platze ihrer künftigen Wohnstätte an. Im Dörfchen Arpiu. welches dicht neben der Kolonie gelegen ist. waren gerade einige Häuschen frei, in denen vorläufige Unterkunft gefunden werden konnte. Dadurch brauchte man sich nicht mit der Errichtung vork'iufiger Wohnstätte!! aufhalten. imd konnte sofort mit der Bearbeitung des Landes beginnen. Im August 1905 begann mail in der Kolonie mit der Erbauung der Wohnhäuser. Die meisten Ansiedler erbauten sich mit Hilfe der Gesellschaft kleine, höchstens zweistöckige Fachwerkhäuser, deren Preis sich auf 400—5(X) Pid. Sterl. stellte. Zwei der Ansiedler mit nur kleinen Familien erbauten sicli einfachere einstöckige Häuser, die aber natürlich auch bedeutend billiger waren, nämlich ca. 100 Dollars. Heute wohnen bereits 14 Familien in diesei Kolonie und stehen auch finanziell schon ganz gut. DI•' Kinder besuchen zwar noch, wie das vorausgcschcn ist. die Schule des benachbarten Dorfes Arpin. doch hofft die neue Gemeinde ״Kolonie Arpin** sich bald selbst einen ״Mclamcd** anstelle!! zu können, der ausser dem Unterricht der Kinder!׳och den gemeinscliafthchei! Gottesdienst leiten soll, denn die Leute sind alle streng orthodox und halten Sabbat und Feiertage streng iime. — Diese Kolonie ist nur eine von den vielen, welche jetzt in Amerika gegründet worden sind und deren Anzahl sich ständig mehrt. Golusbllite In No. 23 des MANUFAKTURIST sucht Herr Coli 11 einen Christ: Herren-Konf.u.Scfuihwaren. Junger, lucht., branehekundlger Verkäufer und Dekorateur (Christ) per 1. Juligcs. Off. m. Bild u. Gehaltsanspr. bei freier Station. Julius Cohn! Pinneberg-Hamburg• —I Hus Qemßinden und üerclnen ן— Breslau. Wie bekannt, beabsichtigen die Israelitische Krankenpflegeanstalt und die Kircheugemcinde zu St. Salvator das ihnen gehörige Land an der Hohen/oUcrn- und an der Menzeistrasse so auszuluuschen, dass der in Aussicht genotumene Kirchbau auf das jetzt dem Israelitischen Krankenhausc gehörige EckgrundstUck zwischen Menzel- und Hoohenzollcrn- Strasse zu stehen käme, während das an der Holieiizollernstrasse gelegene Areal der Kirchgemeinde zur Arrondierung des Krankenhausgrundstücks dienen würde. Die Kirchgemeinde hat nun den Abschluss des Tauschgeschäftes davon abhängig gemacht, dass ihr Mehrkosten für die Kirchcnanlage aus dem Tausche nicht erwachsen. Solche Mehrkosten würden sich aber ergeben, wem: bei der Errichtung der Kirche die G.emcindc zu den Strassenbaukosten für den Ausbau der Menzel• Strasse herangezogen werden würde. Der Magistrat beantragt nun, einer Petition des Vorstandes des Israelitisch•.*!! Krankenhauses folgend, die Stadtverordnetenversammlung möge sich damit einverstanden erklären, dass die Salvator-Gemeinde n u r mit der Hälfte der auf entfallenden Strassenaulagekosten beim Ausbau der Menzeistrasse herangezogen werde. Da die Kirchgemeinde den Tausch nur unter der Bedingung vorgekommen wissen will, dass ihr keine Mehrkosten erwachsen, ist anzunchmen. dass das Israelitische Krankenhaus den auf die Kirchgemeinde entfallenden Teil der Strassenbaukosten übernimmt. Für diese Annahme spricht auch die Tatsache, dass der Antrag aut Ermässigune der Kosten vom Israelitischen Krankenhause ausgegangen ist. Ahlem. Der Bericht der israelitischen Eiziehungs-Anstalt Ahlem gibt ein Bild ihrer Entwicklung im Jahre 19*35. erwähn!, u. a. die Vollendung des Anbaues an das Knabenliaus. das iiuumehr die Unterbringung von 100 Zöglingen ermöglicht verbreitet sich über die Gärtnerei- und sonstigen daselbst ausgeübten gewerblichen Betriebe, insbesondere die Bäckerei und Schuhmacherei und ist in der Lage, auf eine hervorragende *Auszeichnung aui der letzten Nordwestdeutschen Obstbau- Ausstellung hinwciscu zu können. Die allenthalben auerkannte grosse Bedeutung der Israel. Erzielumgs-Anstalt in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht wird noch erhöht durch die erfreuliche Entwickelung des Mädchenhauses. das. nebenbei erwähnt, den gemeinsamen Unterricht von Knaben und Mädchen unter 14 Jahren cingefiihrt hat. Der Handfertigkeits- und Gartenbau-Unterricht der Schüler hat befriedigende Erfolge gezeitigt. I!! der Lehrliiigsabteilung (wir wollen nur dies hervorbeben) fanden bislang 126 junge Leute ihre Ausbildung. zwei zu Tischlern, einer zum Bäcker, alle übrigen zu Gärtnern. Dass manche — wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz — den Berai wechselten, zeigt, wie u. a. noch gewisse Einflüsse und Vorurteile, insbesondere von seiten der Angehörigen, sich nachteilig geltend machen. Der Bericht über die Finanzen der Anstalt ist insofern recht günstig, als sowohl die Jahresbeiträge als auch die Spenden eine beachtenswerte Zunahme aufweisen. Trotzdem erscheint es notwendig, dass noch immer weitere Kreise sich die Unterstützung der Anstalt angelegen sein lassen, die wohl geeignet ist, die regelmässig von antisemitischer Seite wiederkehrende Behauptung zu widerlegen, dass die Juden sich nicht zu körperlicher Arbeit eignen. Kleine Mitteilungen Worms. Auf das vom Vorstande der hiesigen israelitischen Rcligionsgerneinde veranlasste Preisausschreiben über: ״Was bedeutet Raschi für seine Zeit, wie wirkte er in der Folge und von welchem Werte sind seine Schriften für die Jetztzeit?“ sind 2 Arbeiten eingelaufcn, welche beide mit einen» Preis ausgezeichnet worden sind. Die Verfasser sind: Kreisrabbiner Dr. Beerrnann-Iitslerburg und Landrabbiner Dr. Doctor-Cassel. Beide Schriften werden dem Drucke übergeben. Auswandererwege Hamburg. Nachdem in Russland in gesundheitsschädlicher Beziehung seit längerem wieder normale Verhältnisse eingetreten, hat die amerikanische Regierung die bisher für russische Auswanderer vorgcschrieben gewesene dreitägige Beobachtungszeit im Hamburger Hafen wieder auigehoben. Russische Auswanderer brauchen daher von jetzt aber weder früher in Hamburg einzutreffen, noch länger sich dort aijizulialtcn .als die Angehörigen anderer Länder. Dagegen müssen sie ge- .wärtig sein* auf gewissen Durchgangsstationeit angehaltcn und vielleicht gar ins Polizeigefäugnis gebracht zu werden. Es empfiehlt sich für sie nach wie vor der Weg’ über das ungarische Flume mehr als den nördlichen Weg. Wien. Die österreichische Delegation setzt die Debatte über den Etat des Auswärtigen Amtes fort. Dr. Strauch er protestiert gegen die Bemerkung Kramarschs. dass russische jüdische Studenten die Revolution machen. An den russischen Universitäten studierten fünf Prozent Juden und man könne daher nicht davon sprechen, dass die Juden die Revolution machen. Ausländerschutz in Russland Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat die pariamentarische Kommission zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes