Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 398 JÜDISCHE Vermutlich wird auch schau hu kommenden Jahre der erste O e 1 b a u in h a i n des Nationlfonds gepflanzt werden, wahrscheinlich auf einem dem Nationalfond von Herrn üoldbcrg i.1 Wilna geschenkten Terrain bei der jüdischen Kolonie Clicdcra. Zum Schluss sei roch der Bestrebungen gedacht, die, auf Privatiuiativc ausserhalb Palästinas wobuender Gesinnungsgenossen basierend, der palästinensischen Landwirtschaft zugute kommen. Nur in Kürze seien die jetzt vielfach auftauchenden Pläne erwähnt, durch S i c d e I u n g s g c ״ o s s c 11 - schäften oder wenigstens, durch korporativen Zusarumcnschluss grösserer Gruppen Ausw׳andcrungslustiger die nötigen Geldmittel zu beschaffen, um Land in Palästina auizukaufen, es sukzessive zu bepflanzen und so allmählich die Möglichkeit' zu erlangen, seihst ־ nach Palästina überzusicdcln. Diese dem Prinzip nach * sehr gesunde und in der von der Gesellschaft Mcnucha Wenachla begründeten Kolonie Rechoboth mit Erfolg durchgeführtc Kolonisationsmethode krankt nur noch daran, dass infolge der geringen Mittel der Kontribuenten die Teilraten gewöhnlich so klein sind, dass die Zeitdauer bis zur Ermöglichung der Uebersiedelung eine enorm lange wird, so dass die Kontribuenten in der Wartezeit vielfach erlahmen und sich zurückziehen, indem sie ihre eingeschlossciien Beiträge verfallen lassen. Mehr darf man sich wohl von dem jetzt in Gründung begriffenen P f 1 a n z 11 n g s v c r c i n ״P a 1 ä s t i n a" versprechen,- d־ ־ zwar nicht die Möglichkeit eigener Uebersiedelung .,chaii'cn will, aber doch durch die Masse der Kontribuierenden, einer grossen Zahl Landarbeiter die Möglichkeit der Sesshaftmachung bietet. Die Idee ist die, dass jeder Jude in Welt — den alten Traditionen entsprechend — ein Stückchen Land, und zwar möglichst einen Fruchtgarten, in Palästina sein eigen nennen sollte; als Einheit ist ein Dtmani Land (ca. */״ ha, etwas über 3/י Morgen) gedacht. Jedes Mitglied des Vereins hat die für Landkauf und Bepflanzung mit Fruchtbäumen nötigen 80 Mk. zu erlegen; kann cs die Summe nicht auf einmal zahlen, so steht es ihm frei, cs ratenweise zu tun, wobei es nach Zahlung der zum Landkauf nötigen Summe von 20 Mk. ausserordentliches Vercinsmitglicd wird, ordentliches hingegen erst nach Zahlung der weiteren 60 Mk. Sein Bcsitztitcl wird durch Eintragung in das Liegenschaftsbuch des Vereins sowie durch Ausstellung eines Diploms bestätigt; auch erhält cs, soweit Ernicn erzielt werden, jährlich eine kleine Palästinagabe in Gestalt von Landesprodukten (Mandeln, Rosinen, Oliven, Wein, Orangen, Konserven etc.) gewissermassen als Pachtschilling. Es hat auch das Recht, seinen Fruchtgarten einzäunen zu lassen, attcli können nach seinem Tode seine Erben gegen Erlegung einer Steuer in diesen Besitz eintreten. Nach unserer Rechnung genügen 25 Mitglieder des Vereins zur Sesshaftmachung einer palästinensischen Arbeiterfamilie, 50 Mitglieder können sogar schon einer Familie die Uebersiedelung nach Palästina ermöglichen; in000 Mitglieder würden also 200 Familien, das sind 1000 Personen, die Möglichkeit gewähren, in Palästina zu leben. Der Verein wirkt also in dreifacher Weise: erstens trägt er bei zur Nationalisierung des palästinensischen Bodens, und darin liegt der Wert desselben für den Zionismus; zweitens bietet er armen Volksgenossen die Möglichkeit der Existenz, und drittens, und das ist gewiss nicht zu unterschätzen, wird ei ein neues Band bilden zwischen den Juden in der Diaspora and in Palästina. Es sollte daher die Pflicht eines jeden Juden sein, diesen! Verein beizutreten und für ihn zu wirken. RUNDSCHAU__N0.26 . Endlich sei auch noch der Plantagen gesellschäften in Palästina gedacht. Die Genossenschaft Izhar zeigt uns, mit wie wenig Mitteln sich eine wertvolle Plantage in Palästina begründen lässt, falls die richtige Leitung vorhanden ist und man von vornherein über die zur Durchführung nötigen Geldmittel verfügt. Ohne grossen Optimismus darf man sich von einer Orangenpflanzung 12—20 Prozent Dividende verspredien. Genau so, wie die europäischen Völker in ihren Kolonien Pflanzungsgesellscbaften gründen, indem sic Patriotismus mit Hoffnung auf guten Gewinn verbinden, so sollten auch wir Juden unserer Anhänglichkeit zu Palästina dadurch Ausdruck verleihen, dass wir dort in gut fundierten Plantagen-Untcrnehmungcn Geld investiereu. War früher die Schwierigkeit der Aufsicht ein gewaltiges Hindernis, so ist jetzt infolge der leichten Zugänglichkeit des Landes und vermöge der vielen Vertrauensmänner, die wir in Palästina haben, in unseren landwirtschaftlichen Fachmännern, in den Bankfilialen etc., das Risiko gerade für landwirtschaftliche Unternehmungcu ein recht geringes. Wir sollten nicht nur Araber und Griechen die schönen Gewinne der Orangengärten einheimsen lassen, sondern auch selbst daran teilnehmen. Die Gründung solcher Plantagcn-Untcrnchmungen halte ich,für eine der wichtigsten Aufgaben praktischer Palästinaarbeit, wenn auch natiirlieh nicht des Zionismus. Was die industrielle Entwicklung Palästinas betrifft, so ist bekanntlich in bezug hierauf Palästina ein fast noch jungfräuliches Terrain; dass sich gute Erfolge erzielen lassen, zeigen Beispiele der neuesten Zeit. Es gibt vielerlei erfolgversprechende Industrien, selbst wenn man von den von Dr. Hoppe so scharf bekämpften Bierbrauereien und Brennereien absiebt. Es sei nur an Konservenfabriken, Ziegeleien, Zement-, Seifen-, Gries- und Makkaroni-, Parfümerie-, Zigarettenfabriken etc. erinnert. Desgleichen lassen sich manche bergbauliche Unternehmungen schaffen, ferner harrt das Transportwesen der weiteren Ausbildung, besonders was den Bau von Kleinbahnen, Einrichtung eines Automobisverkcbrs. Her- Stellung einer geregelten Küstenschiffahrt betrifft; ferner sind auf dem Gebiete der Kanalisation, Wasserleitung und Beleuchtung der grösseren Städte noch manche Aufgaben zu lösen. Hier gilt es, das praktisch Durchführbare und eine Rentabilität Versprechende von dem vorläufig Unausführbaren oder Unrentablen zu scheiden und die nötigen Vorarbeiten technischer und finanzieller Natur zu veranlassen. Die Bank kann diese Arbeiten natürlich nur fördern, sie aber nicht auf eigene Rechnung unternehmen; die Palästinakonimission kann, sollte sie später über die nötigen Fonds verfügen, zw׳ar ctw׳as mehr als bloss moralische Untcrstiilzung gewähren. (Schluss folgt.) Bei Veranstaltung öffentlicher Ver- Sammlungen zu beobachtende Vorschriften! Zn wiederholten Malen sind an das Zeutralbuieau Klagen von Agitutiniisrcdiiern darüber gelaugt, dass ihre Vorträge erfolglos bleiben, weil die Ortsgruppen die Vcrsammlungabende nicht gehörig vorbcrcitcu und den vom Redner erzielten Erfolg nicht auszuniitzen verstehen. Wir bitv.11 daher die Ortsgruppen in Zukunft folgendes zu beachten: : 1 +%