Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ג; Abonnemontsprels *fnichllessllch LITERATURBLATT *fertoljlhrflch: 1. durch dis Exceditlon: •) In Berlin —,90 Marx, b) nach aus- «Irts 1,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. L 1• Psftabonnsmsnt 1,25 Mark. ־י Insertionsprels dl• Tiergespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig, XJD Allgemeine JUdisolie Zeitung* Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. aeschiftMtuadea dar Exp0«lHloa tlgllch (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 U*•־. Alle Rechte torbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Qucllenangsbe gestattet.!;xpedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag lOdUche Rundschiu, E. O. m. b.H, Berlin N.64, Auguitstr•**• 49a. Nummer 25 Berlin, 29. Siwan 5666 — 22. Juni 1906 xi. Jahrgang . Berlin. Montag, den 25. Juni, findet in einem der grössten Säle Berlins (Näheres Anschlagsäulen) eine allgemeine Versammlung statt, in der gegen die Unterdrückung der russischen Freiheitsbestrebungen durch Judenmassakers protestiert werden soll. Auch in andern Städten Deutschlands sind ähnliche Veranstaltungen in Vorbereitung. In Berlin werden u. a. auch Geh. Rat Prof. Dr. voil Liszt und der bekannte Politiker Pfarrer Dr. Friedrich Naumann sprechen. Infolge dieser allgemeinen Protestver- Sammlung wird die Generalversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung vertagt Näheres wird noch mitgeteilt. Gründonnerstag in Bialystock Die Saat des Hasses, die seit den Tagen der Landtagsreden des Hofpredigers Stöcker in Berlin gesät wurde, geilt wieder einmal in blutiger Ernte in Russland auf. Der innige historische Zusammenhang zwischen der Stöekcrschen Berliner Bewegung, zwischen den blutrünstigen Reden des in Berlin so sanftmutig behandelten Grafen Piickler und den Ausbrüchen einer künstlichen, erlogenen Volkswut in Russland steht über allem Zweifel. Wir würden die׳Bedeutung des Hufpredigers Stöcker unterschätzen, wenn wir uns nicht bei den russischen Judenverfolgungen erinnern würden, dass er der Ausgangspunkt der ganzen systematischen Judenverfolgung ist, die seit seinem Auftreten ein Volk von vielen Millionen verschieden nach dem Kulturgrad der einzelnen Länder, jedenfalls aber die Juden aller Länder hetzt. Es ist kein Zufall, dass das Blatt, das die Interessen des Vaters des Antisemitismus vertritt.־ gerade jetzt scheinbar zufällig sich ütissert, dass ״die russischjüdischen Revolutionäre fabrikmüssig Grausamkeitsgeschichtcu der (russischen) Regierung erfinden, um das Volk gegen dieselbe aufzustacheln“. Die Lese«־ der frommen Zeitung DAS REICH werden damit, so halb hingewiesen, dass man die Geschichten, die jetzt aus Bialystock herübertönen, aus den Fingern der russischjüdischen Revolutionäre gesogen sein sollen, oder wenigstens stark übertrieben sind. DAS REICH fühlt sich eben ganz konscqncntermassen verwandt mit den Schergen von Bialystock, und man muss ihm nachsagen, dass cs noch geschickter als die andern Gcsinnungsgenossen der russischen Antisemiten deren Sache führt. Die konservative SCHLESISCHE ZEITUNG, die die Judenfeindschaft in Schlesien in der für diese Provinz angemessenen Form vertritt, hat das gleiche Empfinden, sich für die Ucbcrschreitung eines angemessenen Judenklopfens entschuldigen zu müssen und berichtet deshalb aus dem verlogenen־ ST. PETERSBURGER HEROLD, dem Organ des baltischen Antisemitismus, eine Geschichte von einem angeblichen jüdischen politischen Mörder Aron Jclin, dem in einer ebenso angeblichen anarchistischen Proklamation sieben Extramordtaten nachgewiesen werden, von denen jede einzelne, wenn sic wahr wäre, mit der sonst in der SCHLESISCHEN ZEITUNG und dem ST. PETERSBURGER HEROLD üblichen Behauptung von der Feigheit der Juden in schreiendem und unversöhnlichem Widerspruch stünde. Dieser Aron Jclin ist aber arischen Blutes, denn er ist aus׳ den rein arischen Redaktionsfingern des ST. PETERSBURGER HEROLD gesogen, der ebenfalls sehr gut weiss, warum er gerade es nötig hat, Material heranzuschleppen, um die Berechtigung der Bialystocker Judenverfolgung zu erweisen. Wenn also die SCHLESISCHE ZEITUNG es für notwendig erachtet, diese ״grosse Mordgcschichtc, die sich zugetragen hat“, ihren Lesern aufzutischen mit der Einleitung, dass die ״folgende Korrespondenz aus Bialystock (russisch Bjelostok), zum Verständnis der sich jetzt in dieser Stadt abspielenden Vorgänge dienen mag“, so geschieht das ebenfalls in Würdigung der eigenen Verdienste um den Fortgang judenfeindlicher Gesinnung. Es ist das nicht gerade etwas von einem schlechten Gewissen, ln Gegenteil, es liegt sogar bei der Mitteilung etwas von einer gewissen persönlichen Genugtuung über getane Pflicht vor. Und ein gutes Gewissen ist doch wahrlich ein sanftes Ruhekissen auch für die SCHLESISCHE ZEITUNG. Die Judenverfolgung von Bialystock ist erwiesener-!nassen von St. Petersburg aus organisiert. Wer der Mann ist, der des Kaisers Namen dazu missbrauchte, der Polizei und Militär so in der Hand hat, dass er nur zu befehlen brauchte, um den Polizeimeistcr ermorden, die Juden verfolgen und zu Hunderten nicdertnetzeln zu lassen, wird wohl später einmal aus Archiven und geheimen Schränken bekannt werden, wenn ein künfti-