Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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9 CTw 1 C\C\C r K \ m % W Abonnementspreis chMehllessIlch LITERATURBLATT ' «Urttljihrlicti: 1. durch die Expedition: c) In Berlin —,90 Marte, b) nach aus- «Irts I,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. t. 1■ PostalHinnement 1,25 Mark. Insertlonsprefs ii tr!erge*p8!tene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemein e Jüdische Zeitung Redaktion: BERLIN NW. 52, Melänchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. Uxpeditlon und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verltg fodiioh• RtiAdicbau, E. O. m. b.H., Berlin H.M, AugutUtrm• 49a. aeachZftutuodoa der Expe.llttou täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vor* mittags 10—1, nachmittags 3—7 Uh־. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEOISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 24 Berlin, 22. Siwan 5666 — 15. Juni 1906 XI. Jahrgang Grosse Gesichtspunkte Grosse Gesichtspunkte sind es nicht immer gewesen, die in der jüdischen Gemeindepoiitik Berlins atisschlaggebend waren. Freilich hätten sie es sein sollen. Denn mehr und mehr drängt sich der wichtigste Teil des jiidischeu Lebens von. Deutschland in Berlin zusammen. Wohnt doch bereits mindestens ein Fünftel aller deutsehen Juden in Berlin. Da kann und muss man von der Gemeindeverwaltung erwarten, dass mit den grösseren Zwecken, mit den grösseren Mitteln und mit der grösseren Verantwortlichkeit die Gesichtspunkte grösser, der Horizont weiter werde. Das schien erst vor kurzem sich zu bewähren, als infolge des Missverständnisses zwischen Allianz und Milisv.ereln die differierenden Organisationen mit der Jüdischen Gemeinde das Abkommen trafen, mit ihr gemcinsam ein allgemeines Bureau für die durchwandernden Judenflüchtlinge zu gründen, das auch infolge der immer noch andauernden und sich steigernden Massenaustreibungen von ausländischen Juden aus Berlin ein mehr als reiches Arbeitsfeld fand. Das Bureau fing an, sicli gut zu bewähren. Dies scheint aber Grund genug für die Jüdische Gemeindeverwaltung zu sein, um sich seiner zu entledigen. Nicht etwa, um Ersparnisse zu machen. Die Gemeinde ist sogar bereit, noch^ grössere Mittel als bisher herzugeben. Aber cs scheint, dass weitherzige soziale Fürsorge doch nicht in den liberalen Ideenkreis hineingeht. Vielleicht trägt auch der Umstand hierzu bei, dass der Bureaukratismus in der Jüdischen Gemeinde viel ausgeprägter und natürlich auch engherziger ist, als das im Staate der Fall zu sein pflegt. Die kleineren Verhältnisse bringen eben engere Auffassung mit sich. Die Jüdische Gemeinde ist die Vertrctcrin von hundcrtzwanzigtaiisciid deutschen Juden und man darf billig von ihr verlangen, dass sie mit grossem Massstabe misst. Wenn man es einer Privat- Person ohne weiteres nachsehen darf, dass sie eine Arbeit bei gesteigerten Ansprüchen nicht mehr genügend leisten kann, so darf doch die Jüdische Gemeinde Berlins nicht die Verantwortung Privatvercinigiingen, und wären sic die allergrössteu, überlassen, wo sie einmal Gelegenheit hatte, sich an leitender Stelle zu betätigen. Es wäre das ein Verzicht der Gemeinde auf die Würde und die Pflicht, auf die Verantwortung und leitende Stellung, die ihr von rechtswegen zukommen. Es scheint, dass die Gemeinde die feste Absicht hat, die Leitung der Auswauderungshureaus in die Hände der mitbeteiligten Gesellschaften, der Allianz, des Hilfs- Vereins und der Logen zu legen, und für sich nur das Recht zu behalten, in althergebrachter Weise die Kassenbesuchcr mit Billets zur nächsten Station zu versehen. Das heisst, dieselbe Jüdische Gemeinde, die mit Recht seit Jahren bestrebt ist, die Privatiristitute, Waisenhäuser, Altersversorgungen, Wohltätigkeilsvereine usw. in ihrer Hand zu vereinigen, will die wichtigste sozialjüdische Fürsorge, die ihr zukommt, die Sorge um die Auswanderer, aus der Hand geben. Das sollte sich die Gemeindeverwaltung dreimal überlegen, ehe sie sich zu diesem Schritte bereit finden lässt. Von keiner Seite wird ein Zwang auf die Gemeinde ausgeübt, sicli dieser ihrer segensreichen Piliclit zu entschlagen, und sie hat ganz gewiss nicht das Recht, sich dieser in eminentem Sinne sozialen Fürsorge für unsere Brüder zu entziehen. Wenn andere nur Geld geben, so genügt das. Von der jüdischen Grossgemeinde Berlins hat man mehr zu verlangen. Sie hat auf dem Wege sozialer Arbeit im Judentum voranznschrciten. Es wäre ein nicht wieder gut zu machender Felder, wenn die Jüdische Gemeinde sicli dazu herbeiliesse, Geld zu geben und die schwere Verantwortlichkeit andern zu überlassen, deren Tun und Lassen nicht durch allgemeine Wahlen korrigiert werden kann. Wir erwarten, dass der. Versuch, der Jüdischen Gemeinde diese Ehrenpflicht abzunehmen, nicht weiter fortgesetzt wird. D e 1110 c r a t i s s i nui s. Palästinafragen Referat des Mitgliedes des Engeren A.C. Prof. O. Warburg auf dem Delcgiertentagc in Hannover. Der Zionismus, soweit er sich auf die Palästinaarbeit bezieht, hat zwei Quellen, eine ständig flicssende und eine intermittierende, nämlich die Palästinatreue und die Judennot. Erstere hat stets, auch in präzionistisehen Zeiten, für Palästina gearbeitet, aber die Arbeit war in ihrer Art von der heutigen verschieden und bis vor kurzem völlig ungeregelt, ausserdem auch hauptsächlich daran krankend, dass sic auf Wohltätigkeit basiert war. Die Judennot betrachtete Palästina 11111gegen nur als einen eventuell konkurrierenden Ausweg; daher ist der aus dieser Quelle dem Zionismus zuströinende. Bach ein unsicherer, der häufig versiegt, wenn die Not gelegentlich ahnimmt, oder wenn sich neue Emigrationsmöglichkeitcn crschliessen, oder wenn irgend-