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Jüdische Rundschau · 1906-06-08 · Heft 23 (8.6.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 23 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 347 votiert, die Anträge Friede mann und Dr. I.öfficr- Leipzig angenommen. * *י ( Der Kommers Abends fand ein Kommers in den Räumen der Börse statt, dem ein mit Lichtbildern illustrierter Vortrag Dr. Heinrieh Loewcs über Palästina voranging. Der Höhepunkt des Vortrages war bei Schluss die Vorführung eines vorzüglichen Bildes unseres grossen ticr/.l, das mit minutenlaug andauerndem Enthusiasmus begrfisst wurde. Eine grosse Reihe neuer Bilder waren eingefügt. Der Kommers war eine glänzende Veranstaltung und dürfte den Teilnehmern noch lange im freudigen Gedächtnis bleiben. Erst in später Nacht trennten sich die Teilnehmer in gehobener Stimmung. 3. Sitzung. Dienstag, den 5. Juni 1906 vormittags Die Landdebatte Der Präsident eröffnet die Sitzung um 9% Uhr. Nach Verlesung der cingclaufcnen zahlreichen Telegramme erhält das Wort zu seinem Referat über die Palästinafragcn: Professor Warburg. Aus dem inhaltrcichcn Referat, das wir in der nächsten Nummer im Wortlaut bringen werden, seien heute nur einige Ausführungen wiedergegeben. Diejenigen, die auf den Charter warten, um init der Arbeit zu beginnen, werden bei längerer Dauer der charterlosen Zeit in grösserer Zahl abfatten. Sehr viel wäre gc- Wonnen, wenn wir nüchterne, praktische Kreise für die Palästinaarbeit gewinnen könnten. Diese sind nicht allgemeinen Ideen, sondern tatsächlichen Plänen zugänglich. Mit ihnen würden wir Intelligenz und Kapital gewinnen. Das sicht man schon heute am ßnzatel. Redner verliest einen Brlei des Rev. Dr. Magnes. des Sekretärs der American Zionist. Eederation, der denselben Gedanken speziell für Amerika scharf betont. Die praktische Arbeit muss Bresche in Palästina legen, bevor die politische stürmen kann. Dass die vermeintliche Unmöglichkeit wirtschaftlicher Fortschritte ohne Charter nur ein Dogma ist. zeigen die Konsiliarberichte allrr Mächte aufs deutlichste.־ Es heisst auch, es wäre unklug von uns, das Land wertvoll zu machen, bevor wir cs besitzen. Das Ist deshalb falsch, weil wir fa nicht wollen, dass der Sultan das Land uns schenkt Wir wollen nur gewisse Rechte und Privilegien auf Grund unserer Privilegien erwerben. Man vergesse nie, dass die Entwicklung Palästinas auch ohne uns weiter geht, dann aber gegen uns. — Kann der Sultan unsere Arbeit einfach unterbinden? Das ist in der Türkei noch nie dagewesen, dazu liegt je länger desto weniger irgend ein Grund vor. Im Gegenteil würde durch uns gegenfilier Arabern und europäischen Mächten die türkische Herrscliaft in Palästina nur befestigt. Bisher ist die jüdische Bcvölkerurig mit den türkischen Beamten vorzüglich ausgekommen. Die eigene Arbeit der in Palästina Ansässigen ist das Wesentlichste. Ihre soziale Organisation und Fürsorge ist notwendig für die Entwicklung. — Die Palästina-Pioniere müssen wir warm begrässen. Während wir hier reden, schaffen sic die Grundlagen, auf denen wir später aufbauen werden. Die Aufgabe unserer finanziellen Institute ■ist die fandwirtschaftliche Kreditgewährung, die Unterstützung der Selbsthilfe. — Der Nationalfond kann zum Kauf von Land he rängezogen werden, das nicht unmittelbar der Kolonisation dienen soll; z. B. von Ländereien, die erst durch Melioration oder Aufforstung nutzbar gemacht werden können, zur Erwerbung von Boden für Lehrfarmen und Versuchsstationen, die nicht rein zionistisch zu sein brauchen. Im nächsten Jahre wird wohl auch der Ölbaumhain des N.F. angelegt w׳erden. Die wichtigste Rolle in der Erschliessung des Landes wird die private Arbeit spielen, die wir nur systematisch in die Wege leiten müssen. Man beginnt jetzt mit der Bildung von Sicdlungsgcnosscnschaftcn. Sic scheinen sich zu bewähren, aber ihre Beiträge sind zu klein, daher die Übersiedlung zu langsam. — Wegen der zahlreichen Anregungen, die das Referat im einzelnen enthielt, besonders wegen des in! Entstehen begriffenen Pflanzungsvereins ,.Paiästina", muss auf das wörtliche Referat in der nächsten Nummer verw’iescn werden. (Lauter und andauernder Beifall nach dem Vortrage.) Frau Dr. Jo öl- Lübeck gab ein kurzes Reierat über die Matcrlalicnsammlung, für die noch zu wenig geschieht Die Ortsgruppen w׳erde11 ersucht, hier ihre Pflicht zu tun. Dr. H a n t k e stellt in Gemeinschaft mit Prof. Warburg und den Ortsgruppen Mamburg-Altona, Berlin, München, Leipzig etc. den Antrag auf Einführung einer Palästina-Steuer von mindestens einer Mark jährlich. Dr. J e r c m ias-Posen: Es ist unmöglich gegen den Strom zu schwimmen, der unzweifelhaft auf eitle praktische Palästina-Arbeit hindräugt, aber wehren muss man siel! dagegen, so lange cs geht. Die ״politische“ Gruppe ist nicht gegen jede Arbeit in Palästina. Aber die eigentliche Arbeit muss den Vereinen überlassen werden. Die zionistische Bcw'cgung darf nur die wissenschaftliche und kulturelle Vorarbeit leisten. Redner weist darauf hin. wie gefährdet das Grundeigcntum in der Türkei nach dem geltenden Recht ist. und zitiert einen Fall, wo fast eine Konfiskation stattgeiunden hätte. Sodann verliest er mehrere Urteile nichtjüdischcr Autoren über die Schwierigkeiten, die sich deutscher Kolonisation in Aanatoiicn durch die Unsicherheit des Grundeigentum^ entgegenstellcn. (Lebhafter Beifall und Widerspruch) E s t c r m a 11 n - Hamburg: Prof. Warburg's gestrige Erklärung und seine heutige Rede widersprechen sich. Er hat heute gesagt, dass der N.F. Land kaufen soll, das wertvoll und umworben ist. — Die Arbeit der sog. Pioniere ist weiter nichts als ein unzweckmässiger Ausw׳anderungsversucE Wenn sie einige Jahre in Palästina gearbeitet haben werde•!, wird man sie, wie so viele andere, doch nach Amerika schaffen müssen. Den strategischen Vergleich Prof. Warburg s über die Taktik des Zionismus hält er für falsch. — 1:1 Palästina lässt sich nichts Lohnendes beginnen. Wäre das n.öglicli, dann würde englisches, deutsches oder französis'hcs Kapital es längst versucht haben. Hugo Schachtel -Breslau: Aus Estermav:’< Rede würde folgen, dass wir gut daran täten, überhaupt F־*’üstina fallen zu lassen und ein anderes Land zu suchen. Landsuchcr aber gehören nicht in den Zionismus. — Sodann bn .*t Kidncr einen Antrag der Ortsgruppe München w'cgcn Jer Kischincw’cr Waisenkinder zur Besprechung und verbogt, dass etw׳as Energisches in dieser Sache geschehe. Dr. Israel Auerbach -Berlin: Der Versuch m** den Kischinewcr Waisenkinder fst falsch angefangen worden uid musste darum missglücken. Es muss eine dauernde Institution geschaffen w'crdcn. Dafür aber fehlen die Mittel. — Die Schulen in den Kolonien müssen unabhängig w'crdcn von den philanthropischen Administratoren, und nur von den Kolonisten selbst abhängcii. — Wenn wir uns von der Arbeit zurückhaften, w׳erden die Chowewe-Zion doch ihr Werk fortsetzen, und es werden manche Felder geschehen, die wir verhindern könnten. — Von den Palästina-Pionieren kam! man nicht sagen, dass sic haben auswatulern müssen. Arbeiten kunnten sic in Amerika besser; es ist also kein unzweckmässiger

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