Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I 1 l t! ו l hob \ ü Abonnementspreis *fnicMtesslich LITERATURBLATT vierte!jährlich: 1. durch die Expedition: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach auswlrts 1,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. t, |a Pattabonnement 1,25 Mark. Insertionspreis die?tergespaltcne Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. <A.llß,emeioe Jüdische Zeitung; Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vertag fi4?ect1t Rundschau, E. Q. m. b. H., Sertio 64 .א. Augustxtrasi• 49a. aeschiftaatunden der Exp®*Utluo tlgllch (ausser Sabbat und Sonntag) vor• mittags 10—1, nachmluags 3—7 Uh-״ Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangibe gestattet. Beriin, 15. Siwan 5666 Nummer 23 XI. Jahrgang Eröffnungsrede des Präsidenten Dr. Bodenheimer Hochgeeh rtc Versammlung! Indem ich Sie hcrzlichst liier bcgriissc, freut cs mich, fcststcllen zu können, dass sieh heute zum 2. Mal ein Delcgiertentag der deutschen Zionisten in dieser schönen Stadt, die durch ihre Anhänglichkeit an ihre grosse Vcrgangenheit berfilunt ist, versammelt hat. Nur eine kleine Zahl von Delegierten war es, welche sich vor 6 Jahren hiersclbst zusaimuenfand, um an dem Ausbau unserer Organisation in Deutschland zu arbeiten. Stattlieh ist die Zahl der Delegierten nunmehr, welche mit' demselben Eifer und derselben Treue und Begeisterung im Dienste unserer Sache tätig sind. Eine historische Bedeutung hat dieser Delcgiertentag hauptsächlich darum, weil er als der 10. eine Reihe von Tagungen absehliesst, welche in stetigem Aufstieg den Sieg eines grossen Gedankens, eines erhabenen Menschheitsidcals über das Vorurteil, die Spottsaclie und kleinliche Norgelei einer feindlichen Clique darstellt. 10 Jahre sind es auch, seitdem sich in Köln a. Rh. eine kleine Zahl begeisterter Männer zusainmentat, um eine National-jüdische Vereinigung zu gründen, deren Zweck sein sollte, die zerstreuten Zionisten Deutschlands unter einer gemeinsamen Flagge zu vereinigen, und die Schar derselben durch eifrige Propaganda zu mehren. Drei in ihrer scharfen kategorischen Sprache unzweideutige Thesen enthielten das Postulat des jüdischen Volkstums, des jüdischen Staates und des jüdischen Landes. Diese Organisation war die einzige Gruppe, welche in Deutschland bereit war, den Weckruf Herzl’s an das schlafende Judentum mit einem begeisterteil Echo zu begriissen. In Bingen war es, wo der erste Delcgiertentag stattfand. Klein, in enger Stube, aber mit ernstem Inhalt tagte die Versammlung. Galt es doch, Stellung zu nehmen zu der Idee eines allgemeinen Kongresses, welche Dr. Hcrzl machtvoll entrollt hatte. Ein harter Kampf erwartete die heimkehrenden Delegierten: Ein Kampf, der nicht immer mit lauteren Mitteln geführt wurde. Noch heute stehen uns manche dieser Gegner skeptisch gegenüber. Aber die Streitaxt, welche sie früher so kampfcslreudig gegen uns geschwungen, haben sic, Gott sei es gedankt, längst niedcrgelcgt. Von dieser Zelt an haben wir in regelmässigen Abständen Jahr für Jahr unsere Reihen gemustert, unsere Organisation aiisgcbaut und in heissen! Redeturnier unsere Anschaumigen über Zionismus und unsere Stellung als deutsche Juden innerhalb der Bewegung geläutert. Da kam der härteste Schicksalssclilag, der unser armes Volk seit Jahrhunderten getrofien: Der allzurasche Tod unseres gefeierten Führers. Noch wählt der Schmerz hierüber grenzenlos in unserem Herzen, und die Erinnerung an die Zeit, wo seine edle ManncsgestaU die Wogen der Leidenschaft des Kongresses meisterte, bleibt unvergänglich vor unserem Auge. Der Sturm, der nach seinem Hinscheiden in der Bewegung losbrach, weckte immer von neuem die Sehnsucht nach einem Führer, der würdig wäre, in seinen Spuren zu wandeln. Auch in Deutschland haben die letzten Jahre die entstandene Lücke schmerzlich empfunden. Wo sonst ein Streit gegensätzlicher Meinungen unter den Genossen entbrannte, beugten wir uns gern der Autorität unseres grossen Führers. Nun aber pocht Jede Parteirichtung auf ihren Schein und jeder glaubt, den Ring der echten und unverfälschten Wahrheit za besitzen und bekämpft den Genossen, mit dem er Schulter an Schulter für die gemeinsame Sache kämpfen sollte, als ob er ein Feind seines Volkes wäre. So konnte es fast scheinen, als ob man cs hier und dort nicht einmal für nötig hielte, die eigene Organisation zu achten, die man in mühevoller Arbeit unter Hingabe der ganzen Kraft aufgerichtet. Das ist eine grosse Gefahr, auf welche hinzuweisen ich für eine harte, aber notwendige Pflicht halte. Ein Kampf, wie er nach dem letzten Kongress zwischen den cinzelnen Richtungen auch in Deutschland entbrannte, ist mit dem Fluch der Unfruchtbarkeit behaftet. Statt dass man sich brüderlich hilft, um einen grösseren Boden für die Ebene der Freiheit zu schaffen, legt man sich gegenseitig eine Fessel an, die Verbitterung und Mutlosigkeit in allen Lagern Hervorrufen. Positive neue Werte werden hierdurch nicht geschaffen. Für die Führung der Politik und für die Taktik der Bewegung ist einzig und allein die oberste Leitung berufen, deren Zusammen- Setzung und Richtung auf dem Kongress und nicht auf dem Delegicrtentag der einzelnen Landesorganisationcn bestimmt wird. Welche Stellung dieser Landesorganisation gegenüber den einzelnen Fraktionen des Kongresses zukommt, ist eine schwierige Frage, deren Lösung am besten einer Zeit Vorbehalten bleibt, in welcher die Stürme der Partei einer beruhigteren Stimmung Fiat zgemaeht haben. Gedanken, welche die grosse Verzweiflung einer unsagbaren Not unserer Briidci im Osien Hervorrufen, werden vielleicht in andere Bahnen gelenkt, nachdem diesen