Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage JUEDISCME RUNDSCHAU j&x1- N°2° ( Aus der zionistischen Bewegung Delegierten- und Schekeltage Zwei wichtige Tage umgrenzen uns in diesem Jahre das Fest der Gesetzgebung. Auf Anordnung des Aktionskomitccs gehen ihm die Schckeltage voran. Auf dem ganzen Erdenrund werden Juden. — Zionisten an einem und demselben Tage die Schekel zahlen, in Freude, dass sic der Einheitspartei des Juden Volkes angehören und dazu bestimmt siid, für die Einheit und Erhaltung des Judentums treu zusammen zu stehen. Die Bedeutung der Schckeltage ist in diesem Jahre noch grösser als sie cs in andern Jahren sein wird. Denn es gilt, die Einheit und Einmütigkeit dokumentieren. Es hat Meinungsverschiedenheiten im Zionismus gegeben, und cs ist kein Unglück, dass wir auch jetzt nicht alle einer Meinung sind. Aber schliesslich sind der Momente' unendlich viel mehr vorhanden, die uns verbinden, denn die uns trennen. Und wir haben auf allen Seiten das Bedürfnis, das wieder hervorzukehren, was uiis einigt. Darum begriissen wir die Schckeltage in Deutschland ganz besonders. Denn sie werden uns nicht bloss zur Agitation nach aussen dienen, sondern uns Gelegenheit geben, über manche Missverständnisse hinauszukommen, damit wir unter Achtung der abweichenden Meinung des Parteigenossen erst einmal sehen, dass er Parteigenosse ist. Der Zionismus hat keinen Schmollwinkel. Wer sich etwa freiwillig: hineinbegeben würde, wäre bereits ausserhalb des Zionismus. Weil aber alle Schmollwinklcr draussen stehen, verstehen wir, dass wir trotz aller kleinen und bisweilen einmal grösseren Differenzen Glieder eines grossen Ganzen sind und diesem gleichen grossen Ganzen dienen. In diesem Sinne wird der Delegiertentag, der nach Hannover einberufen wurde, nicht minder grosse Wichtigkeit haben als die Schekeltage. Seine Aufgabe ist es freilich nicht, Gegensätze zu verk!eistern;?die mit Verkleisterung nicht aus der Welt geschafft werden. Aber er wird allen Gruppen im Zionismus auf Grundlage der Kongressbeschlüsse die gleiche Arbeitsgelegenheit, die gleiche Arbeitsfreudigkeit verbürgen. Alle Zionisten haben die gleiche Pflicht, das Gewehr zu schultern und in Reih und Glied zu stehen. Die gleichen Pflichten erfordern auch hier die gleichen Rechte und wir wollen die letzten sein, die einander verketzern wegen der kleinen Unterschiede, die uns trennen. Jeder Zionist, der in Reih und Glied marschiert, hat das gleiche Recht auf Vertrauen und das gleiche Recht, seiner besten Meinung Ausdruck zu verschaffen. Weiss er doch, dass alles nur getan wird, für die Einigkeit des Zionismus, die uns die Einheit und Einigkeit der Gesamtjudenheit verbürgen soll. Die Wahlen zum Delegierten tag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland stehcn auf der Tagesordnung. Jeder . Wähler möge sich der ungeheuer grossen Wichtigkeit bewusst sein, die diesem zehnten Delcgicrtentagc im Sinne der Einigkeit und damit der Erhaltung der Partei und des Judentums zukommt. Wenn er sich der Tragweite seiner Stimmabgabe bewusst ist, wird er Männer wählen, die dem Zionismus treu sind, die nicht beiseite stehen, wenn cs gilt zu arbeiten und zu kämpfen, אנשים הנמים ונבונים וידועים Männer, die klug sind für das jüdische Volk, einsichtig für die zionistische Partei und die sich gewissenhaft Rechnung legen über die Folgen ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit auf dem deutschen Zionistentage. Nach Parteien wird. man wählen. Auch w i r haben einen festen Standpunkt in der innerzionistischen und über die äussere Politik der Partei. W i r werden diesen Standpunkt durchaus zurückstcllcn. Um der Einigkeit des Zionismus willen, die augenblicklieh das höchste Parteiprinzip sein muss, richten wir an unsere Freunde die Bitte, nur zu wählen אגשים הנמים ונבונים וידועים Männer, die gewillt sind, dem Zionismus und der Einigkeit der zionistischen Partei jedes Opfer zu bringen. Unser Wunsch ist cs, dass Dclcgicrtentag und Schckeltage zur Ausbreitung und Vertiefung unserer Idee, am meisten aber zu einem herzlichen brüderlichen Verhältnis iti den zionistischen Reihen beitragen. Eljäqim. Der lO.Oeleglertentag derZionisfischen Vereinigung für Deutschland am 4. und 5. Juni 1906 in Hannover 1. Der Dclegiertentag findet in den Räumen der Börse in Hannover, Oster st r. 16b, statt. 2. Bisher sind folgende Wahlen gemeldet: 1. Hamburg: Dr. Halpern, Dr. Victor Dr. Franck, L. Estermann, Moritz S. Wolff als Delegierte; Julius Holländer, Samt. Cohn, Eduard Lcvinson, Ref. Dr. David, Frl. Vcilchenfcld als Ersatzdclegicrtc, sämtlich aus Hamburg. 2. Mühlhausen I. Eis.: Moritz Goldschniidt, Hambürg, Leo Michael, Hamburg. 3. Folgende Parteigenossen haben sich zur Uebernalime von Mandaten bereit erklärt: Maler Hermann Struck, Berlin, Dr. Sonderling, Wilmersdorf- Berlin, Salo Hepner, Charlottcnburg-Bcrlin, Dr. Alfred Nossig, Halcnsce-Bcrlin, Dr. Alfred Lcvy, Hohenbostel, Adolf Graupe, Berlin, Siegfried Pion- 10 w s k i, Hamburg, M. R e i n g c n 11 e i m, Hannover, Fad eil 11 echt, Hannover, Frau Dr. Joel, Lübeck, Beckcrgrube 5S, Fräulein Charlotte Mühsam, Lübeck, Waislingerallcc 8a, Kaufmann Max Walk, Breslau, Junkcrstr. 11, Dr. Israel Auerbach, Charlottenburg- Berlin, Wilmersdorferstr. 91־, Kaufmann Max Cohn, Berlin, Niedcrwallstr. 30a. Wir bemerken ausdrücklich, dass wir in dieser Liste sämtliche Parteigenossen ohne Unterschied ihrer ParteisteNung aufführen, welche sich zur Uebernalime eines Mandates bereit erklärt haben. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Mehrere wohlhabende jüdische Familien in Jaffa und Jerusalem suchen Erzieherinnen für ihre Kinder. Nähere Auskunft erteilt Herr Lewantin, Direktor der Anglo-Palcstinc Company in Jaffa. 2. Eine grosse Anzahl von Ortsgruppen und Vertrauensmännern hat noch immer nicht die Schckclgelder und Landesbeiträge abgeführt. Wir bitten nochmals dringend um Einsendung derselben an unseren Schatzmcister, Herrn Max Wollsteiner, Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10. .