Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1906)
- Date
- 1906-05-11
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Benage JUEDISCHE RLJNDSCHALJ j&x1>N0•^' Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Die Ortsgruppen und Vertrauensmänner werden dringend gebeten, die Schekel und Landesbeiträge umgehend an unseren Schatzmeister, Herrn Max Woll- Steiner, Berlin NW. 23, Molsteiner Ufer 10, abznfiihrcn, ev. wenigstens die bisher eingegangenen Gelder zur Ab- Sendung zu bringen. 2. Die Broschüre ״Alte und neue Makkabäer‘‘, Gedenkrede von Dr. Franz Oppenheimer, gehalten auf der Jüdischen Gedenkfeier zu Berlin, am 22. Januar 1906 ist erschienen. Dieselbe kostet 10 Prg., bei ‘Abnahme von 100־ Exemplaren 5 Pig. Ausserdem ist die 2. Auflage der Festschrift ״Die Zukunft der Juden“ erschienen. Dieselbe ist zum ermässigten Preise von 75 P1. zu beziehen. Alle Bestellungen sind an den Verlag ״Jüdische Rundschau", Berlin N. 5-1, Auguststr. 49a zu richten. Zum Schekeltag 1. Zur Zahlung des Schekels ist jeder berechtigt und verpflichtet, der auf dem Boden des Baseler Programms steht, nicht nur Männer, sondern auch Frauen und jüngere Leute müssen den Schekel bezahlen. 2. Der Sen ekel beträgt 1 Mk. Dieser Betrag ist aber nur der Mindestbetrag. Die Parteigenossen sind daher aufzufordern, soweit dies in ihren Kräften steht, höhere Beträge als Schekel abzuführen. Letzteres ist in vielen Ortsgruppen deswegen unterlassen worden, weil man nach der Höhe der Schekelgelder die Zahl der Walilberechtigten zum Kongress festgestellt hat. In diesem Jahre ist eine derartige Befürchtung schon deswegen grundlos, weil Kongresswahlen nicht in Aussicht stellen. 3. Häufig werden, namentlich in grosse!cn Städten, von weniger eifrigen Parteigenossen Schekel aus Nachlässigkeit nicht bezahlt. Es ist durchaus zulässig, von Personen, welche bereits früher den Schekel bezahlt haben, oder sonst als Zionisten bekannt sind, denselben durch die Post einziehen zu lassen. Wir bitten dringend um ausführliche Berichte. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Zentralbureau. Der 10. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In Hannover am 4. und 5. Juni 1906. Das Referat über die Palästinafragen hat Herr Professor W a r b u r g übernommen. Das Referat über die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung wird von Herrn Dr. Friedemann und Herrn B c r t h o 1 d F e i w e 1 erstattet. Brauereien und Brennereien in Palästina Dr. Hoppe in seiner Besorgnis um den Gesundheitszustand der sich in Palästina etablierenden Juden lässt in der Nr. 13 der JUEDISCHEN RUNDSCHAU einen geharnischten Artikel gegen eine eventuelle Gründung von Brauereien und Breilnereien in diesem Lande erscheinen. Dr. Hoppe meint nfunlieh, dass die palästiischcn Juden, weil sic mit der Herstellung und mit dem Vertrieb der alkoholhaltigen Getränke sich beschuftigen werden, dem Alkoholismus preisgegeben werden. Nun will ich bemerken, dass cs gar nicht notwendig ist, dass ein Produkt vom Produzenten selbst konsumiert wird, im allgemeinen ist das Entgegengesetzte das richtige und deswegen können auch die Juden so tun, dass sie Bier brauen und Branntwein brennen und dies auf den nichtjüdischen Markt bringen. Die Hafenstädte Syriens, mit ihrer gemischten Einwohnerschaft und die zu Tausenden und Abertausenden zählenden Pilgcrscharen, Aegypter usw., werden die Konsumenten sein. Dass die Juden, wenn sic auch mit Bier und Schnaps *stets zu tun haben, doch massig bleiben, beweisen die so zahlreichen jüdischen Schankwirte Galiziens, Rumäniens und vor kurzem noch Russlands, von deren Liebe zum Alkohol nichts bekannt ist. Uebrigens waren doch Juden selbst mal in demselben Palästina und sic haben auch selbst den Wein gezogen. Wenn aber der jüdische Staat zu Grunde gine* so wird doch kein Mensch sagen, dass der Alkoholismus die Ursache seines Unterganges war. Auf noch einen Gesichtspunkt sei die Aufmerksamkeit des Herrn Dr. Hoppe gelenkt. Der in den Brennereien herzustcllcndc Spiritus braucht gar nicht als Gcnussmittel verwendet werden. Infolge der Armut Palästinas an Heizmittcln kann der Spiritus, anstatt Holz und Kohle, als Brennmaterial für allerlei Maschinen und Motore dienen. Die Herstellung von Alkohol aus dem Getreide, (das Getreide Palästinas infolge des kalkrcichen Bodens, enthält sehr viel Stärke, darum muss auch die Gewinnung von Alkohol in Palästina bedcutender als anderswo sein), aus den Weintrauben und aus dem Obst wird für Palästina weittragende ökonomische Bedeutung haben. Die mangelhaften Verkehrsvcrhältnisse Palästinas machen, dass oft die Rohprodukte des Ackerbaues an Ort und Stelle ihrer Produktion, nur die Hälfte ihres Wertes besitzen: die Kamcclbesitzer nehmen für den Transport des Getreides aus Hau ran' und Dscholan nach einem Hafen, die Stätte des zu transportierenden Erzeugnisses, einen sehr hohen Betrag, der für das Rohprodukt im Verhältnis viel höher ist. als für das daraus gewonnene Industrieerzeugnis. Wenn wir das massige und im Verhältnis zu seinem Volumen nicht so wertvolle Getreide, ,Trauben, Obst usw. in ein konzentriertes und wertvolleres Produkt (Alkohol) umwandcln, so kann dies für den Rohproduzenten (Landwirt, Gärtner) nur gewinnbringend sein. Man soll noch in Betracht ziehen, dass auch die Rückstände der Spiritusfabrikation noch Insofern für den Landwirt wichtig sind, als sie ein sehr gutes Viehfutter bieten. Dr. Hoppe ist wie Cs scheint, ein Mediziner, dem spezicll das Wohl der Juden an! Herzen liegt. Zugleich ist er, mit Recht, ein Gegner des Alkoholismus. Diese beiden Umstände haben ihn veranlasst, gegen die Gründung von Brauereien und Brennereien ln Palästina aufzutreten. Ich bin überzeugt, dass, wenn Dr. Hoppe jetzt die Breiyiereifrage nicht nur vom medizinischen Standpunkte betrachten wird, so wird er den Vorschlag von Prof. Dr. Warburg nicht so ohne weiteres verurteilen. Palästina muss den Wein bauen, weil der Boden und das Klima dieses Landes dazu geschaffen sind! M. Lcwitc, Landwirt.