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Jüdische Rundschau · 1906-05-11 · Heft 19 (11.5.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 19 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1 )|H נ\ם נ c o (r Ä *י-.— *» n R 13 Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT vltHeljihrlleh: 1. 4urch dla Eipedition: <) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus- »trts I,— Mark, c) fflr das Ausland 1,50 Mark. L In PasUbonnement 1,25 Mark. Insertionspreis <fe »!«,gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Jüdische Zeitungp Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. aeschiftssttmden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10-1, nachmittags 3-7 Ulr Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag JQdlssho Ruutfichtu, E. O. m.b.h., BerHa K.H, Auguttstratea 48a. Numme* 19 Berlin, 16. Jjjär 5666 — 11. Mai 1906 XI. Jahrgang Verständige Juden I oder anetändige Juden?! Wenn der Abgeordnete Froelich im Reichstage eine! Rede hält, die in einer Pückierversammlung besser an- 1 gebracht wäre als gerade im Deutschen Reichstag, so ist 1 an dieser Rede ausser ״der ganzen Million polnischer j Juden, die sich in Deutschland niederlasscn will“, nichts weiter von Interesse, als dass die Rede schliesst mit dem ״Lebhaften Bravo recht s“. I Da, rechts im Reichstag, wo, trotz aller gegenteiligen Behauptungen, allein das wahre und wirkliche Christenj turn vertreten wird, finden diese Angriffe immer ein leb- J liaftes Echo. Dort ist wahrer christlicher Geist und die t Herren Professor Strack, Moritz Schwalb und wie sie alle heissen, sind doch keine so wahren Christen wie die! Herren von der Rechten. Wir wissen sehr wohl, dass ' Stöcker ein sehr guter Christ ist, und ein Mann, der 1 sicher besser als andere welss, was Chrlstentu n! ist. Der wahre Geist des Christentums kommt ־ zum Ausdruck in diesem seinem Vertreter. Wir j halten uns aber keineswegs für berufen, besser zu wissen, was *das wahre Christentum ist, als Hof Prediger a. D. Stöcker, als die Christ liehen Zeitungen mit der besonderen christlichen Tendenz, die KREUZZEITUNG, die STAATSBUERGERZE1TUNG und die andern Blätter, die ganz besonders ihre Christliehe Zugehörigkeit in besonderem Sinne betonen. Zu dieser Rechten im Hause, die das Spezifisch-Christliche vertritt, gehört auch der Herr von Oldenburg, und wir geben gern zu, dass in seiner Rede der ganze Geist zum Ausdruck kommt, den das Christentum seit beinahe zweitausend Jahren gegen die Juden atmet. Der Abgeordnete von Oldenburg hat, so weit wir uns ein Urteil hierüber erlauben dürfen, als echter Christ und ganz im Sinne des Christentums gesprochen. Wenn wir aber mit ihm nicht rechten über den Begriff des Christentums und für wahres Christentum ansehen und als den echten Geist der Religion der Liebe erkennen, was er dafür erachtet, so sind wir doch mit ihn» uneins, wenn er sich ein Urteil darüber anmasst, was Judentum ist, und was Juden zukommt. Das versteht er nicht. Wenn er es verstünde, so hätte er es unmöglich fertig bekommen, im Reichstage zu behaupten, dass die anständigen Juden seine Meinung über die Austreibungen russischer Juden aus Berlin teilen. Wie ungeheuerlich ihm diese Behauptung nachher selbst erschien, kann man daraus ersehen, dass er es für angebracht hielt, im Stenogramm seiner Rede das Wort ״anständig“ durch ״verständig“ zu ersetzen. Er verstand es, dass cs nur ganz elende und erbärmliche Juden sein können, die sich dazu hergeben würden, ihm zu versichern, dass sk*. seiner Meinung wären. Das wäre doch der mildeste Ausdruck für solche Juden, die sich gewissermassen an dem wirtschaftlichen :Mord ihrer Brüder durch solche unverantwortlichen Aussagen mitschuldig machten. Das müssen Leute sein, die es verdienen, dass, ihnen der Schimpf zuteil wird, von dein antisemitischen Abgeordneten Froelich als ״die besseren Juden“ anerkannt zu werden, ״d i c a 11 c 11 d u r c 11 a u s und freimutig anerkennen, dass sie ein Grauen haben vor ihren Brüdern aus dem Osten, d i e i n G l a u b e!1 s s t a r r heit, Tracht, Lebe nsf ü h r u n g und gesellschaftlichen Gewöhnh e i t e n allermeist von ihnen a b w c i c 11 c n.“ Wir konstatieren mit Befriedigung, dass wir zu Froelichs ״besseren Israeliten“ nicht gehören; denn wir kennen keinen ärgeren Schimpf, als aus diesem Munde in diesem Sinne so geloht zu werden. Wir waren durchaus aufrichtig, wenn wir immer wieder die uns widerwärtigerweise von antisemitischer Seite angebiederte Hochachtung angewidert zurückgewies'en haben. Wir dürfen ruhig sein; der Abgeordnete Froelich meint uns nicht und kann uns nicht meinen. Immerhin ist cs bezeichnend, dass ״die anständigen Juden“ von den Antisemiten Lattmann und Froelich und von von Oldenburg lierangezogen wurden. Aber auch vom Herrn von Oldenburg fühlen wir uns nicht getroffen. Er hat wohl mit jenen aus zwei Metallen gemischten Juden christlicher Konfession Fühlung genommen, die auf den Bänken der konservativen Partei Dialekt und Typus der ostdeutschen oder westpolnisclicn Judenschaft vertreten. Und von denen ist es sehr verständig, wenn sie in voller Konsequenz ihres Austritts aus der semitischen Rasse auch verständig genug sind, die Ausweisungen zu rechtfertigen, die jene uugetauften Juden mindern, von denen jeder eine deutliche Mahnung an ihre ehemalige Rasse ist. Dass es aber auch in den Reihen der ungetauften Juden immerhin noch Elemente gibt, auf die sich die antisemitische Hetze berufen kann, das mussten wir aus der Rede des Herrn Froelich erfahren. Der zitierte natürlieh das Rundschreiben des Königsberger Herrn Perl-

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