Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 264 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 18 6. Palästinafragen. 7. Pressereferat. 8. Eventualia. 9. Neuwahlen. Zu Punkt 6 liegt bereits ein Antrag der Ortsgruppe Hamburg-Altona vor, für Deutschland einen Palästina-Schekel einzuführen. Die Namen der Referenten werden noch bekannt gegeben. Die Verhandlungen werden Montag pünktlieh um 9 Uhr morgens beginnen. Die Zen־; tralkomiteesitzung findet Sonntag, den 3. Juni nachmittags 6 Uhr statt. Herren und Damen, welche bereit sind, ausserhalb ihrer Ortsgruppe Mandate zu übernehmen, werden gebeten, dies dem Zentralbureau bis zum 15. Mai mitzuteilen. Die Liste der bis dahin Gemeldeten wird den Orisgruppen dann auf Verlangen zugesandt werden. Der Schekel Das Zcntralburcau der zionistischen Organisation in Russland hat soeben folgenden Aufruf erlassen: : ״Nicht gross und nicht schwer ist die zionistische Steuer. Viet grössere und schwerere Oeldopfcr werden Zionisten noch bringen müssen, um ihr Ideal in Leben umzusetzen, viele Opfer, noch schwerer als Oeldopfcr, warten unser auf unserem Wege. Aber nicht weniger wichtig als alle andere Leistungen ist die kleine Schekelzahlung. Ohne Schekel kann die zionistische Organisation nicht bestellen. Der Schekel ist fiir jeden Zionisten das erste Zeichen seiner Zugehörigkeit zur Organisation. Der Schekel ist die Grundlage für alle Tätigkeit und Entfaltung der zionistischen Organisation. Wie furchtbar ist unsere lange, achtzehnlumdertjährigc Golus-Rechnung! Wie schwer und wie teuer bezahlen wir die mit unserem Blut bespritzten finsteren Winkel des Exils! Wie teuer, wie heilig muss uns da der Weg sein, der zur Freiheit führt, zur Selbständigkeit, nach unserer alt-neuen Heimat. Und dazu führt uns der Zionismus. Die erste, notwendige Steuer aber im Interesse des Zionismus der zionistischen Organisation ist der Schekel. Alien unseren Brüdern rufen wir 7u: Weckt auf in euch den starken Willen zur nationalen Befreiung, vereinigt all eure Krüftc unter der Fahne der nationalen Freiheitsbewegung des Zionismus! Allen unseren Brüdern, denen die Interessen der zionistisehen Bewegung teuer sind, rufen wir zu: Gedenket des Schekels! Und erfüllt mögen unser aller Herzen sein von dem einen heiligen Willen: Leben und aufbliihcn soll das freie Jüdische Volk auf seinem eigenen freien Boden —־ in Erez- J Israöl!“ |—ן Aus den Ortsgruppen ן— Berlin. Am Donnerstag, dem 26. April fand in den Sophiensälen eine Volksversammlung statt, in der Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leopold Kahn aus Wien, früheres Miiglied des Engern und jetzt des Grossen Aktionskomitees der Zionistischen Partei über ״Zionismus und Diaspora“ sdrach. Der Saal, der weit grösser ist, als der frühere Handwerkersaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und vor dieser viel• hundertköpfigen Menge hielt Dr. Kahn seinen Vortrag, durch den er sein Publikum eine volle Stunde lang in Spannung hielt. Reicher Beifall wurde;dem Redner während seines Vortrages und nach demselben zuteil. Nach dem Vortrag hielt Dr. A r t h u r H a n t ke, der die Versammlung leitete, eine Ansprache, in der er auf die Massenausweisungen hinwies, die zur Zeit in Berlin stattfinden. Mit bewegten Worten wandte er sich an die Versammlung, nicht durch lärmende De• monstrationen und nicht durch scharfe Worte aber doch entschieden das zu äussern, was die Ehre und die Judenwürde verlange. Das schwere Unrecht, das hier Tausenden geschähe, nur weil sie Juden sind, wäre ein Schimpf für die deutschen Juden, die das über ihre Brüder dauernd ergehen lassen müssten, was keine andere Nation und keine andere Glaubensgemeinschaft über ihre Angehörigen ergehen lassen müsste. Es gälte deshalb der Gewalt gegen* über, der man nichts entgegenstellen könne, die Würde und die Ehre zu wahren und er schlage deshalb die fo'gende. gewiss in den gemässigsten Formen gehaltene Resolution vor: Die Versammlung spricht ihr tiefstes Bedauern über die fortgesetzten unbegründeten Ausweisungen russischer Juden aus. Sic protestiert gegen diese Verletzung der Menschlichkeit und stellt fest, das die Regierung damit indirekt die judenfeindliclien Behörden Russlands unte:• stützt. Diese Resolution wurde einstimmig von der vielhundertköpligen Versammlung gefasst, die durch wieder• hohen und langanhaltenden Beifall zu den Ausfuhr* ungen Dr. Hantkes und zu der Resolution ihre volle Zustimmung zum Ausdruck brachte. Hie• bei sei bemerkt, dass auch der GENERAL- ANZEIGER für die Gesamlintercssen des Judentums diese Resolution', wiedergibt, die in einer jüdischer Volkversammlung gefasst sei. Aber er hat vergessen hinzuzusetzen, dass diese einzige jüdische Volksver- Sammlung, die es für nötig befand gegen die Judenaustreibungen zu protestieren, eben eine zionistische Versammlung war. Er wird sicher nicht verabsäumen, diese kleine Vergesslichkeit wieder gut zu machen. Berlin. Am Dienstag, dem 6. Mai, veranstaltet die Berliner Zionistische Vereinigung, zusammen mit dem Jüdischen Turnverein ״Bar Kochba" und der üdischnationalen Fraucnvcrciniguug einen Morris Rosenfeldabcn. Herr Dr. Zlocisti hat den einleitenden Vortrag übernommen. Es werden sodann eine Reihe von Lichtungen Morris Rosenfelds zum Vortrag gelangen. Es haben sich hierzu bereits eine Reihe nainhafter Vortragskünstler und Sängerinnen dem Festkomitd zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis des Abends wird der Ehrengabe für Morris Rosenfeld zur Verfügung gestellt werden. Berlin. Am Sonntag, dem 29. v, Mts. veranstalteten die rraucuabteilungen des Jüdischen Turnvereins Bar Koch bi! ein Kaffeekränzchen, das sich eines sehr zahlreichen Besuches seitens der Turnerinnen zu erfreuen hatte. Die Festrede hielt FH Channah Margarete Sachs über ..Die Rechte der antiken und die Pf.ichten der modernen Jüdin.“ Die Rednet in. die als Fülircrin der nationaljüdischcn Frauenbewegung bekannt ist, behandelte das Thema mit gewohnter Meisterschaft und bcwies, welche eingehenden Studien sic auf diesem Gebiete gcmacht hat. Mit einem flammenden Aufruf an die jüdischen jungen Damen in erster Linie fiir die Sache ihres eigenen, des jüdischen Volkes zu arbeiten, schloss der hochinteressante Vortrag. Einige Rezitationen, die in tiefempfundener Weise von dem Vcrcinsmitglicdc Erl. Meyer vorgetragen wurden, sowie andere Darbietungen folgten, die Anwesenden noch lange in harmonischer Stimmung z.usammciihaltcnd. Das Fest, um dessen Gelingen sich in hervorragender Weise besonders das Vorstandsmitglied Frl. Gertrud Weinberg verdient gemacht hatte, legte Zeugnis von dem echt nationaljüdischcn Geiste ab. der auch die Frauenallteilungen des ״Bar Kocliba“ beseelt. — Am Sonntag, den 1,1. Mai. spricht Herr Kantor Blitz aus Dessau, abends 8’׳f! Uhr, in den Sophiensälcn. Sophienstr. 17/18, 1:11er ״Bar Kocliba. ein jüdischer Volkshcld“. Im Anschluss Jaran findet ein Kommers statt. Die Zionisten, sowie Frei•:,de des ״Bar Kocliba“. werden um zahlreiche Beteiligung ^1 dieser Veranstaltung gebeten! Es wird ein Eintrittsgeld von 20 Pf. erhoben,